Die Große Vereinheitlichte Verschwörungstheorie

Auf den Tag genau seit 12 Jahren fragen sich die Menschen: War es Al-Quaida? Oder war es die CIA? Pünktlich zum Jubiläum der Anschläge auf WTC etc. kommt nun die Große Vereinheitlichte Verschwörungstheorie: Es waren beide zusammen! Kurz zusammengefasst lautet diese so: Die Terroristen von Al-Quaida hatten nie ein Selbstmordattentat vor, sondern planten eine herkömmliche Entführung, um Gefangene freizupressen. Die CIA (oder Kollegen eines anderen amerikanischen Geheimdienstes) bekam davon Wind, präparierten die Twin Towers und das WTC 7 rasch mit Thermit, lenkten dann mittels Autopilot die Flugzeuge samt den verblüfften Entführern in die Twin Towers und sprengten diese dann. Kann man ja mal drüber reden.

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(Aus der Reihe „Hat nüscht mit dem Thema zu tun, aber die Abendsonne war so schön“: Dresden Neustadt I)

Als Beleg für die These, die Terroristen hätten nie ein Selbstmordattentat geplant, bringt der Autor unter anderem die Tatsachen vor, dass einer der Entführer sich kurz vorher für das Bonusprogramm der Fluggesellschaft angemeldet und ein anderer einen Anschlussflug gebucht hatte – und das ergäbe ja nun überhaupt keinen Sinn, wenn die beiden vorgehabt hätten zu sterben. Tote sammeln keine Punkte und den Anschlussflug ins Paraddies braucht ein Dschihadist nicht extra buchen. Wohingegen „herkömmliche“ Entführer natürlich stets Meilen sammeln und davon ausgehen, dass die Verhandlungen zur Freilassung der Passagiere und der freizupressenden Gefangenen rasch genug abgewickelt sind, um den Anschlussflug in den Urlaub nicht zu verpassen – sonnenklar!

Dann ist da noch die alte Geschichte, dass die Türme auf eine Art eingestürzt seien, die nur durch gezielte Sprengung erklärbar sei. Lassen wir mal außer acht, dass diverse Statiker mindestens genauso überzeugend erklärt haben, dass sich der Einsturz sehr wohl aus dem Einschlag der Flugzeuge erklären ließe und auch genau auf diese Weise habe ablaufen müssen – diese Leute sind natürlich alle Teil der Verschwörung. Und letztlich kann man mir da sowieso die phantastischsten Geschichten auftischen, ich habe schlicht keine Ahnung.

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(Dresden Neustadt II)

Aber ich kann mich doch fragen: Wenn die CIA die Flugzeuge in die Türme gesteuert hat, warum haben sie dann den ohnehin hochsensiblen Plan zusätzlich verkompliziert und das Risiko auf Entdeckung der Verschwörung gewaltig erhöht, indem sie die Türme gesprengt haben? Für den beabsichtigten Pearl-Habor-Effekt, die Begründung für Krieg und totale Überwachung hätte die Nummer mit den Flugzeugen vollkommen ausgereicht!

Wie soll man mit solchen Theorien umgehen? Es gibt in dem Artikel durchaus einige interessante Fragen. Wenn ich danach suchen würde, würde ich aber sicher herausfinden, dass es dazu auch schon Antworten gibt. Und dann stehe ich doch wieder vor der Entscheidung mich für eine Variante zu entscheiden, denn letzten Endes habe ich keine andere  Möglichkeit, als mich auf das zu verlassen, was irgendwelche Leute ins Internet geschrieben oder in Fernsehkameras gesagt haben. Einzige Entscheidungshilfe (neben Ockhams Rasiermesser) ist es, sich die Positionen gut durchzulesen und auf logische Fehler in der Argumentation abzuklopfen.

Der Autor geht noch auf ein Argument gegen Verschwörungstheorien ein: Es wird gern behauptet, eine so großangelegte Verschwörung wie das 9/11-Komplott müsse auffliegen, weil so etwas nicht geheim bleiben könne. Entweder jemand würde es ausplaudern oder sie würde sich durch irgendeine allzumenschliche Dummheit selbst enttarnen. Dem setzt der Autor unter anderem die „Gladio“-Verschwörung entgegen, die von den 50er bis in die 90er Jahre geheim blieb. Komplexe Verschwörungen könnten also über Jahrzehnte im Verborgenen existieren. Der Punkt ist aber doch, dass diese Verschwörungen nur geheim blieben, bis sie enthüllt wurden, danach brachen sie zusammen und die Details kamen ans Licht. Die angebliche US-Verschwörung zur Zerstörung des World Trade Centers aber wurde bereits kurz nach 9/11 enthüllt, von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert – und trotzdem ist die Verschwörung immer noch intakt. Merkwürdig.

Desweiteren führt  er aus, dass die Geheimdienstverschwörung gar nicht besonders groß gewesen sein müsse – und lässt damit die vielen Leute unter den Tisch fallen, die im Nachhinein nötig waren, um Beweismittel zu manipulieren und die noch größere Zahl von Leuten, die diese nachträglichen Manipulationen (etwa der Passagierlisten) bemerkt haben müssen. Und natürlich all die Experten, bei denen die Schlapphüte mit der Bitte vorstellig werden mussten, eine glaubwürdige Theorie für den Zusammenbruch der Türme zu erfinden, damit niemand merkt, dass sie in Wirklichkeit gesprengt wurden …

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(Berlin Prenzlauer Berg)

Bis jetzt erscheint mir die offizielle Variante immer noch die wahrscheinlichste – ihr könnt entscheiden, ob ich vom CIA gekauft oder von der Systempresse gehirngewaschen wurde…

Vor 7 Jahren schonmal zum selben Thema: Wenn Du nicht paranoid bist, bist du ein Fall für den Psychiater inklusive Link zum lustigsten 9/11-Cartoon der Welt.

PS: Wer mit mir drüber diskutieren will, kann gerne zu einer meiner nächsten Lesungen kommen. Hinterher an der Bar lässt sich trefflich die Welt erklären:

11.9., Mittwoch, Leipzig, 20.00 Uhr, Horns Erben

12.9., Donnerstag, Chemnitz, 20.00 Uhr, Das Tietz

13.9., Freitag, Dortmund, 20.00, Fritz-Henßler-Haus, Koch & Gast

14.9., Sonnabend, Zürich, Schauspielhaus, Poetry Slam Gala zur Saisoneröffnung

 

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Final Proof

In meiner unendlichen (und irgendwie ja auch liebenswerten) Naivität hatte ich mir noch immer einen Funken Hoffnung bewahrt. So schlimm wird es schon nicht sein, habe ich mir eingeredet, bestimmt hat die Menschheit nicht komplett den Verstand verloren.

Doch heute morgen hatte ich meinen Wonko-der-Verständige-Moment: Es istZeit, das Äußere des Irrenhauses zu bauen. Beim Frühstück in einem kleinen Baseler Hotel verlosch der letzte Hoffnungsfunken zischend in einer Nespresso-Tasse:

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Eine Spezies, die Individuuen hervorbringt, die auf die Idee kommen, Tassen mit geschlossenen Henkeln zu bauen, gehört in die Geschlossene und hat ganz sicher jedes Recht verwirkt, den Begriff sapiens im Gattungsnamen zu führen. Wahrscheinlich haben ein Designer, der schon lange nicht mehr alle Henkel an der Tasse hatte, und ein zugekokster Marketingmensch darüber nachgedacht, wie sie „die Marke“ stärken könnten. „Wir brauchen irgendwas Unverwechselbares, Einzigartiges! Und da unser Kaffee das nicht ist, lass uns doch mal gucken, was wir mit den Tassen anstellen können!“

An diesem Punkt hat vielleicht ein Teammitglied, das noch über Spuren von Resthirn verfügte, zu bedenken gegeben, dass sich das Prinzip „Henkel mit Loch zum Durchstecken eines oder mehrerer Finger“ seit Jahrtausenden bewährt habe und ein Henkel ohne Loch sinnlos sei, da sich die Tasse an ihm nur sehr unbequem und unsicher halten ließe – woraufhin ihm garantiert sofort (bzw. nachdem man ihn ein bisschen verkloppt hatte) gekündigt wurde, da Traumtänzer, die der seltsamen Idee anhängen, Produkte sollten sinnvoll sein und ihren Benutzern das Leben so einfach und schön wie möglich machen, in Design- oder Marketingabteilungen nun wirklich nichts zu suchen haben, und sich mal bitte ganz schnell zu Streicheltherapeuthen für behinderte Tiere oder so umschulenlassen sollten, aber ganz schnell!

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(Enrüstet weist Micha E. aus B. auf die Henkel des Anstoßes)

So weit, so schlimm. Bis hierhin könnte man das ganze noch als die Dummheit einiger weniger betrachten. Doch als Micha Ebeling und ich den Rezeptionsmenschen des Hotels auf die Tassen ansprachen, gab der zu, dass das ja schon ganz schön blöd sei und fügte hinzu: „Komisch. Wir haben die schon ne ganze Weile, aber da hat uns noch niemand drauf angesprochen.“ Das muss man sich mal vorstellen! Hunderte, Tausende Hotelgäste haben diese Tassen frag- und kritiklos hingenommen! Es wird alles immer schlimmer. Bald wird irgendein Autohersteller Autos mit ovalen Rädern anbieten, um ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz zu haben und die Menschen werden auch dieses Auto kaufen – und ehrlich: Sie verdienen es nicht besser.

(Ich verweise an dieser Stelle aus gegebenem Anlass noch einmal auf diesen etwas älteren Artikel.)

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(Basel, Bayreuth, Kuhschnappel: Wo man auch hinkommt: The Fuck Hornisschen Orchestra war schon da und hat seine Aufkleber hinterlassen. Ausnahme: Chicago – dort war bisher nur das Team Totale Zerstörung.)

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(Dieses seltsame Gefühl, wenn du in einem Club in einer fremden Stadt hinter der Kellertreppe plötzlich ein Gemälde von dir entdeckst …)

(Volker Strübing)

SNAFU und die New Nerd Order

„Was heißt hier Nerd? Du willst ein Nerd sein?“, schrie TFM. „Bloß weil du ne Brille hast, eine Wifi-Verbindung einrichten und stundenlang über Theorien zu Lost quasseln kannst? Du bist genausowenig Nerd, wie diese Idioten mit Fußballer-Iros Punks sind! Du bist genausowenig Nerd, wie irgendein Werbefuzzi Revolutionär ist, weil er nach Feierabend im Che-Guevara-T-Shirt zu einem Indi-Pop-Konzert mit gesellschaftskritischen Texten geht! Du bist ein Pseudo, du Pupnase! Du bist wie ein Bier, das sich „Fun“ nennt, obwohl es alkohol- und spaßbefreit ist! Du bist ein menschgewordenes Tofu-Würstchen mit Nerd-Simulator-App! Du hast dich doch nur als Nerd verkleidet, Mann, geh doch zum Fasching!“
TFM war außer Kontrolle, sein Kopf war rot und glänzte von Schweiß; anklagend zeigte er auf Mischas T-Shirt, auf dem „Angry Nerds“ stand – und es war keine Frage, wer hier in Wahrheit der Angry Nerd war.

(Symbolbild „Angry Nerds“)

„Hey, Peace, ist ja gut!“, sagte Mischa und hob beschwichtigend die Arme, doch an Frieden war nicht zu denken, TFM brüllte ihn nieder: „Du bist kein Nerd! Du bist nur ein verschissener Hipster, denn du – hast eine Freundin.“
Das letzte Wort spie er mit solcher Verachtung aus, das man meinen konnte, „Freundin“ sei ein Synonym für „kinderschändendes Nazi-Alien mit Mundgeruch“.

Ich bereute langsam, TFM mitgebracht zu haben. Wir kannten uns aus der C64-Crackerszene der späten 80er-Jahre in der DDR. Eigentlich hieß er Christian, TFM stand für The Floppy Monk. Später, gegen Ende der 90er Jahre, als sich immer mehr alte Bekannte, die früher nie etwas mit ihm zu tun haben wollten, bei ihm meldeten, weil er sich doch mit Computern auskenne, und naja, ihnen sei ihr Windows abgestürzt, und da dachten sie, ob vielleicht und so weiter und so fort, übersetzte er TFM gerne selbstironisch mit „The Fucking Manual“. Für uns war TFM immer The Fat Man gewesen, das passte super, und er hatte es nach einigem Gegrummel akzeptiert. Das mit den Szenenamen war damals ein großes Ding, ich nannte mich Syntax Terror, aber egal, das war lange her. Für mich zumindest – TFM war offensichtlich auf dem ganzen Scheiß hängengeblieben.

(Symbolbild „Syntax Terror“)

„Ja, na gut, ich hab ne Freundin“, sagte Mischa. „Aber das ist doch kein Grund …“, doch da unterbrach ihn TFM schon wieder: „Nein, das ist kein Grund, das ist ein Symptom! Für Nichtnerdigkeit. Echte Nerds leben wie Mönche, nur mit Youporn. Die einzigen Titten, die ein echter Nerd zu befummeln kriegt, sind seine eigenen!“ Er grabschte sich an den stattlichen Busen und ich zog ihn, entschuldigende Grimassen in Mischas Richtung machend, aus dem Backstageraum.

Scheiße. Ich hatte TFM vor ein paar Stunden zufällig getroffen, wir hatten uns seit mindestens 10 Jahren nicht gesehen und ein paar Bier zusammen getrunken. Als ich losmusste, weil ein Poetry Slam anstand, hatte ich ihn gefragt, ob er mitkommen wolle und jetzt hatte ich ihn an der Backe.
„Ich war schon Nerd, da bist du noch mit nem Luftballon um die Russenkolonne rumgerannt!“, grölte er, bevor sich die Backstagetür vor Mischas fragendem Gesicht schloss. „Da gab’s das Wort noch gar nicht! Freaks haben sie uns genannt und Mode-Typen wie du haben uns ausgelacht, weil wir Computer hatten! Lutsch meinen Joystick, du Apple-Affe!“
Ich schob den dicken, vor sich hinschimpfenden Mann vor mir her zur Bar. „’Angry Nerds‘, haha, wie witzig. Der wird sich noch umgucken. Denn wir sind wütend, oh ja!“

Bis zu einem gewissen Grad konnte ich seine Wut verstehen. 1986, als ich das erste Mal an einem Computer saß, galten diese allgemein noch als nutzlose Spielerei für weltfremde, nicht lebensfähige, asoziale Trottel der Marke „verrückter Professor“. Programmierkenntnisse waren der sichere Weg in die Isolation und die Kombination Computer, Brille, Science-Fiction-Literatur bewahrte einen zuverlässig vor frühzeitigem Geschlechtsverkehr, denn die Mädchen verschleuderten ihre Jungfräulichkeit lieber an windige Typen mit Mopeds, Blousons und Popperfrisuren. Ich lernte Assembler, hörte und schrieb dreistimmige 8-Bit-Musik und hing auf Crackerparties ab, auf denen wir Grafikdemos programmierten und nach neuen, spektakulären Möglichkeiten suchten, einen Text von links nach rechts über den Bildschirm scrollen zu lassen – wer hätte das alles gegen einen Kuss tauschen wollen?! Mit 16 entdeckte ich zum Glück Punkmusik, sie bewahrte mich vor TFMs Schicksal.

(Dieses Bild heißt: „Nerds don’t come easy“, aber nur, weil ich dieses Wortspiel unbedingt noch unterkriegen wollte und mir sowieso keine sinnvolle Bildunterschrift einfällt.)

Ich glaube, es ist nicht übertrieben, TFM und seinesgleichen als Märtyrer zu bezeichnen und auf eine Stufe mit jenen mutigen Männern zu stellen, die in den finsteren Zeiten der Inquisition die Stimme und den Zeigefinger erhoben und sagten: „Momentmal. Die Erde ist keine Scheibe!“ und damit nachfolgenden Generationen das Tor zu Aufbruch aus der Unmündigkeit und den Weg in eine neue Zeit wiesen. Diese Männer riskierten den Scheiterhaufen, wir das Fegefeuer einer ungeküssten Jugend. Wir waren die Wegbereiter. Heute sind Computer Mainstream, du bist raus, wenn du keinen hast, und niemand wird wegen seiner Brille diskriminiert, im Gegenteil, ich wette, es rennen sogar ein paar Leute mit Fensterglas vor den Augen rum, weil Brillen ja so cool sind – Brillen übrigens, das sei noch angemerkt, für die wir damals völlig zu Recht auf dem Schulhof verkloppt worden wären.

„Genau. Und wie danken sie’s uns? Indem sie uns ironisieren und nachäffen und Atari-T-Shirts tragen, als hätten sie ein Recht dazu! Retro, Retro, Retro! Zu blöd sich was eigenes auszudenken.“
„Jugend von heute, hör mir uff.“, pflichte ich ihm bei, denn ich will nur noch, dass er sich abregt und von hier verschwindet.
„Nee, kannste so nicht sagen. Es gibt schon noch echten Nerd-Nachwuchs. Leute, die richtig was drauf haben und sich nicht für Experten halten, weil sie ein bisschen Flash können und einen C-64-Emulator auf ihrem iphone installiert haben. Aber ich sag dir was: bald wird die Spreu vom Weizen getrennt. Denn diese Modenerds, die beherrschen nur die Oberfläche. Wer hat denn die Betriebssysteme geschrieben, mit denen die Arbeiten? Wer hat denn die Compiler programmiert, auf denen sie ihre armseligen Hipster-Apps schreiben? Wer hat die Protokolle entwickelt, auf denen ihr geliebtes Internet basiert. Das waren wir, die echten Freaks und Nerds, die wahren Ausgestoßenen und jetzt …“, er blickte sich misstrauisch um und bedeutete mir näher heranzurücken, „jetzt schlägt unsere Stunde, Angriff der Nerd-Krieger, The Dark Nerd Rises, Nerd Alert!“

Und so erfuhr ich von der Verschwörung der „Serious Nerds And Freaks United“ (SNAFU), der Illuminerdi, wie sie sich auch nennen, und ihrem Projekt „New Nerd Order“. Am 21.12. schlagen sie los. „Und die alte Welt wird untergehen und eine neue Zeitrechnung beginnen“, wie TFM mit übertrieben viel Pathos und gen Clubdecke gerichtetem Blick verkündete. „Seit den frühen 60er Jahren bereitet unsere Bruderschaft diesen Tag vor. Wir mussten Geduld haben. Wir mussten warten, bis sich die Menschen sich an die Computer gewöhnt hatten, bis sie von ihnen abhängig waren und sich in dem Glauben wiegten, sie würden sie beherrschen. Aber tief unter all den Touchscreens, Menüs, Icons, unter den Bedien- und Programmieroberflächen für Idioten, liegt das Reich der Maschinensprache, die Welt der Nullen und Einsen, unsere Welt, die Welt von: SNAFU.
Die Pseudos paddeln an der Oberfläche und glauben sie hätten Durchblick, wenn sie mal ein bisschen schnorcheln, doch ganz unten in der dunklen Tiefe lauern wir …

Wie die überflüssigen Abschnitte einer DNS stecken in jedem Programm und jeder App irgendwo ein paar seltsame Bytes, die scheinbar keine Funktion haben. Bis wir sie in 4 Monaten aktivieren. Und dann ist es vorbei mit all den hübschen Buttons und Schiebreglern und Fingergesten, mit Fenstern und Apps. All die schicken Smartphones und Ultrabooks werden nur noch Kommandozeileneingaben auf der untersten Betriebssystemebene und Zahlen im hexadezimalformat akzeptieren. Die Bildschirme von ipads, Fahrkartenautomaten, in Auto- und Flugzeugcockpits werden nur noch einen blinkenden Cursor vor grünem Hintergrund zeigen. Und dann werden sie angekrochen kommen und wir werden sie betteln und kriechen lassen!“ TFM lachte und rammte seine Bierflasche gegen meine. „Wir werden ihnen das neue Glaubensbekenntnis eintrichtern: Am Anfang – war der Nerd! Und sein ist die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen! Sein Reich ist gekommen, sein Wille geschieht, wie im Rechner so auch auf Erden! Verstehst du?! Nichts wird mehr laufen ohne uns! Wir haben sie im Sack!“

(Symbolbild „Nerd Domination“)

Ich starrte ihn an, während er sein Bier herunterstürzte und die Hände selbstzufrieden auf seinem beeindruckenden Bauch faltete …

Bis heute weiß ich nicht, ob er mich verarscht hat, ob das nur das größenwahnsinnige Gebrabbel eines ewig Ungeküssten war, oder ob … nun, ich denke, wir werden es rausfinden, in nicht einmal 4 Monaten.

(Volker Strübing)

PS: Ein paar Tage beruhigte ich mich damit, dass ich mir einredete, dass er mir sicher nichts von der Verschwörung erzählt hätte, wenn es sie wirklich gäbe. Doch dann fiel mir ein, dass alle erfolgreichen Verschwörungen ganz offen operiert haben. Nicht umsonst heißt es: Im Licht der Öffentlichkeit ist gut munkeln. Und außerdem wusste TFM verdammt gut, dass mir mal wieder niemand glauben würde. Kassandra wäre ein guter Künstlername für mich.

PPS: Eine weltweite Machtübernahme durch SNAFU gilt nicht als Versicherungsfall im Sinn meiner Weltuntergangsversicherung.

Edel-Shooter

Dafür, dass es finanziell grad nicht so rosig, sondern eher sumpfdotterblumig aussieht, lebe ich auf ganz großem Fuß. Im Februar habe ich mir zum Beispiel das teuerste Computerspiel aller Zeiten gekauft. Es heißt Unreal Tournament III und hat 10 Euro gekostet. Die habe ich online bezahlt und dann habe ich es heruntergeladen, was ziemlich lange dauerte mit meinem 1000er DSL. Außerdem brach der Download mehrmals ab, was ziemlich ärgerlich war, wenn der Rechner schon mühselig 5 GB geladen hatte und dann von vorne beginnen musste … aus den ursprünglichen 7 GB wurden so über 20. Was ich vergessen hatte, weil es in den letzten Jahren nie relevant gewesen war: Ich habe einen 4-GB-Volumentarif und zahle für jedes zusätzliche Megabyte einen Cent. Die Gesamtrechnung belief sich dann auf 217,12 Euro, was doch etwas über den 6,95 liegt, die ich sonst zahle. Das Spiel hat mich also insgesamt 220 Euro gekostet. Schade eigentlich, dass es so enttäuschend ist und gar keinen Spaß macht …

Es ist das eine, wenn man sich ab und zu mal sagt: „Man bin ich blöd!“, aber es ist was ganz anderes, wenn das Leben dann mit lauter Stimme antwortet: „Aber hallo!“

(VS)

129 Jahre verbleibend

Die 47247 Tage vergingen wie im Fluge. Nur die letzten 7 Stunden wollten einfach kein Ende nehmen …

Die Anzeige der verbleibenden Zeit ist eine der mysteriösesten Sachen an der ganzen Computerei. Rechner scheinen über die Fähigkeit zu verfügen, die Zeit zu manipulieren, anders ist es nicht zu erklären, dass diese Angabe in keinerlei Beziehung zur realen Zeit steht (wobei ich mich natürlich als hoffnungsloser Anthropozentriker oute, wenn  ich die Menschenzeit für real und objektiver als die des Computers halte). Oder kann es sein, dass sich die Computer da einfach verrechnen? Machinen, die den Menschen im Schach und manchmal sogar bei Siedler 3 besiegen, sollen an so einer einfachen Aufgabe scheitern? Was sagt das dann über Spezies aus, die von diesen grauen Fehlerteufeln im Schach oder sogar bei Siedler 3 besiegt werden?

Wenn es etwas noch Mysteriöseres als die Anzeige der verbleibenden Zeit gibt, dann das hier:

Bei Windows Vista sieht man das ständig … und oft dauert diese Berechnung der verbleibenden Kopierzeit länger als das eigentliche Kopieren. Vielleicht weil die Manipulation des Raum-Zeit-Kontinuums, die zur Erzeugung der absurden Zeitangaben nötig ist, einen hohen Rechenaufwand mit sich bringt? Oder nur, um ein bisschen Spannung und Vorfreude zu erzeugen und die Arbeit am Computer angenehmer zugestalten? Ich weeß nich, ich weeß nich … aber ich werde es weiter beobachten … mehrmals täglich … ob ich will oder nicht …

(Volker Strübing)

Wie ich mal glücklicherweise nicht auf „Akzeptieren“ klickte und damit die Pläne der Illuminaten vereitelte

Ich mag YouTube sehr gerne. Schon deshalb, weil ich vielleicht nie mit dem Videomachen angefangen hätte, wenn es YouTube nicht gäbe. Nun startet YouTube auch auf deutsch. Und zum Auftakt hat es einer meiner Kloß-und-Spinne-Filme in die Liste der empfohlenen Videos auf der Startseite geschafft, was mich sehr gefreut und dem Video auch eine Menge zusätzlicher Zuschauer gebracht hat. Und dann wurde ich auch noch gefragt, ob ich nicht bei „Secret Talents“, dem Talentewettbewerb zum Start der deutschen Dependance mitmachen möchte. Geschmeichelt und erfreut schrieb ich auch gleich zurück, dass ich teilnehmen wolle, auch wenn ich um das, was ich an Talent habe, ja normalerweise kein Geheimnis mache, sondern es eher aufbausche und allen Leuten um die Ohren haue -egal!

Die Teilnahme funiktioniert ganz einfach. wenn man schon eigene Videos in sein Profil hochgeladen hat, muss man nur noch eins als Wettbewerbskandidat aussuchen und fertig. Einen Moment faszinierte mich die schamlose Idee, gleich mehrere, ach was! alle Videos einzureichen, aber dann war mir das doch zu peinlich. Außerdem hatten sie dem sicher in den Teilnahmebedingungen einen Riegel vorgeschoben. Ich lese nie Teilnahme oder Nutzungsbedingungen, nie! Aber man kann ja mal reingucken … Weiterlesen

Schnipsel vom 4.11.07

  • Es gibt natürlich keinen guten Zeitpunkt, um wieder mit Rauchen anzufangen, aber doch einige extra dämliche. Zum Beispiel, wenn ein Kollege gerade nach schrecklichen Wochen an Lungenkrebs gestorben ist.
    Na, ich machs wie letztes Jahr. Höre am 27. Dezember wieder auf. Mist. Bei Diäten nennt man sowas glaub ich Jojo-Effekt.
  • Gestern nachmittag habe ich endlich meine Steuererklärung per Internet abgegeben. Mit ELSTER, der ELekronischen STeuer ERklärung. Und ich hab mich gefragt, ob dass eine glückliche Abkürzung ist. Die diebische Elster als Symboltier für den Fiskus … da hat sich wohl ein Anarchist oder Neoliberaler in die für Abkürzungen zuständige Stelle eingeschlichen …
  • Am Donnerstag Morgen war ich in einem Café in dem ein Fernseher lief, was normalerweise ein Grund wäre, schnurstracks wieder rauszurennen. Aber es war früh und ich brauchte den Kaffee. Und so bekam ich die Nachberichterstattung zur am Tag zuvor stattgefunden gehabt gewest wordenen Po-Weltmeisterschaft mit. Bei den Männern gewann den Wettbewerb ein Rumäne, der auch einen durchaus netten Po hatte (wie er damit die WM gewinnen konnte, ist mir dennoch unklar – ich kenne Männer mit viel größeren Hintern!), und der hinterher von Glückseligkeit übermannt in die Kamera schrie: „Oh my god! I can’t believe it! I am the ass!“. Der Sprecher übersetzte mit ungerührter Stimme: „Oh mein Gott. Ich kann es nicht glauben. Ich bin der Arsch!“
    Da dachte ich, dass sich die Wertmaßstäbe innerhalb einer Generation doch sehr verschoben haben. Ich hab mich auch schon gelegentlich für den Arsch schlechthin gehalten, aber eher in meinen trübesten Stunden.