My 24 oder: Schneewittchen im Trabbisarg

Notfalleinsatz beim Comedyslam in der Dresdner Schauburg. Beginn 20.45 Uhr, mein Zug soll 20.52 Uhr in Dresden sein.

Der Zug ist pünktlich … bis Berlin Südkreuz. Dann die Ansage „Blablabla Personenschaden blablaba“. Allgemeines Geseufze und „Kann der sich nicht wie anständige Bürger in der Küche aufhängen“-Gemurmel.

Zugumleitung. Verlassen Berlin nach einer Stadtrundfahrt über Lichtenberg. Die freundliche Frau mit dem Esoterikratgeber fragt arglos: „Nu, des verstehsch neh. Die müssen des doch nur alles wegmachen, was dauort denn daran so lange?“

Habe zum Glück ein gutes Buch dabei: „Das Paradies am Rande der Stadt“ von mir selber. 2006 erstmals im yedermann-Verlag erschienen und seit einiger Zeit nicht mehr lieferbar, wird es im März bei Voland & Quist neu aufgelegt. Ich lese es also noch einmal und kritzele ein bisschen mit dem Kuli darin herum. Das habe ich zuletzt in Schulbüchern gemacht. Dort war es zugegebenermaßen ein bisschen lustiger, weil es oft Fotos von Menschen gab, denen man Brillen oder Hitlerbärtchen anmalen konnte.

Ankunft mit 50 Minuten Verspätung. Taxi. Direkt und in letzter Sekunde (gerade soll die Pause angesagt werden) auf die Bühne. Während mir Thomas Jurisch aus dem Mantel hilft und ich irgendwas ins Mikrofon blubbere, macht Kontantin Turra meinen Rucksack auf. Reingreifen, Text rausziehen, merken, dass ich im Zug noch mal hätte auf Klo gehen sollen, egal – vorlesen.

Pause. Große Freude meinerseits, als ich sehe, dass dort noch immer der Ordner„Versandscheine Kümmeritz“ steht, den ich vor gut einem Jahr mit einem kleinen Strich in „Versandscheiße Kümmeritz“ umgetauft habe.

Lese als Letzter im Finale. Um genau 23.58 Uhr. Macht ja nüscht, muss ja erst um 7 im Zug nach Berlin sitzen.

Kurz vor eins ist alles erledigt, ich habe noch fünf Stunden zu schlafen, doch statt ins Bett geht es noch in eine Bar – ich kann das nicht: Nach dem Auftritt sofort nach Hause oder ins Hotel.

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(Ich hasse es, wenn die Dinger mich so  traurig angucken und „Bitte nicht!“ zu rufen scheinen.)

Der Laden ist sehr klein; ich bewundere das Geschick, mit dem die Inhaber es dennoch geschafft haben, das gesamte Angebot an Flachbildschirmen eines mittelgroßen Elektronikmarktes an den Wänden zu verteilen. Sichere mir den einzigen Platz, auf dem man nicht MTV gucken muss, weil sie das Fenster gegenüber mit einem Fernseher zuzuhängen vergessen haben. Schaue nun in die MTV-guckenden Gesichter der Kollegen.

Ein Getränk, dann ab ins Bett, das habe ich mir geschworen, und tatsächlich schaffe ich es, mich nach zwei Getränken auf den Weg zu machen

3 Uhr. Ankunft im Hostel. Endlich ins Bett. Beziehungsweise in den Trabbi. Die haben eine Matratze längs in einen ollen Trabant Kombi eingebaut. Dieses Etablissement ist eindeutig nicht für Gäste meines Alters konzipiert. Und erst recht nicht für Gäste meines Alters mit DDR-Vergangenheit, die schon beim Anblick eines solchen Autos und der Erinnerung an Familienfahrten an die Ostsee mit so einem Ding Platzangst bekommen.
Alternativ könnte ich auch das Hochbett benutzen, an dem ich mir innerhalb von zwei Minuten drei mal den Kopf stoße, aber schließlich krabbele ich doch auf allen Vieren durch die Heckklappe in den Trabbi, dann wieder mühselig heraus, weil man die Scheinwerfer nur mit mit dem Schalter an der Zimmertür ausmachen kann. Mache das Licht aus, taste mich durch absolute Finsternis, stoße mir zur Guten Nacht ein letztes Mal den Kopf am Hochbett, krabbele in den Trabbi zurück und schlafe wie ein Stein.
Also gar nicht. Steine schlafen nicht, wie ja leider nur die wenigsten wissen. Steine können gar nicht schlafen, und ich tue es ihnen gleich.

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Wie sollte ich auch schlafen? Dadrin fühle ich mich wie Schneewittchen im Glassarg; hoffentlich kommt jetzt nicht auch noch ein nekrophiler Märchenprinz vorbei! Das schlimmste aber ist diese bohrende Frage: Wie haben die den Trabbi in das Hostelzimmer gekriegt? Irgendwann fallen mir wohl doch die Augen zu. Mein Handywecker scheitert an der Aufgabe, mich zu wecken, doch mein innerer Wecker funktioniert perfekt: Fast auf die Minute genau zur Abfahrtszeit meines Zuges wache ich auf.

Bahnhof Dresden Neustadt: Zehn Minuten vor Abfahrt des nächsten Zuges bin ich dort. Genug Zeit. Ich hole mir eine Fahrkarte und einen Kaffee und stelle dann fest, dass man sich noch einen kleinen Spaß hat einfallen lassen: Zum Bahnsteig 7 muss ich über Bahnsteig 3, den man erstmal finden muss. Treppe rauf, den ganzen, langen Bahnsteig 3 entlanghetzen, während man auf Gleis 7 schon den Zug einfahren sieht, Treppe runter, Treppe rauf, Zug geschafft, uff. Ein kleines Fitnessprogramm, das von den Reisenden in der Regel sicher mit Begeisterung aufgenommen wird, nur ich muss mal wieder Nörgeln! Bloß, weil ich immer noch Knie hab, nicht rennen und nur schlecht und langsam Treppensteigen kann und am Montag wahrscheinlich eine Kniespiegelung verpasst bekomme, vor der ich mich schon sehr fürchte, weil man da bestimmt einen Schlauch schlucken muss, der so lang ist, dass er bis dort unten reicht, bäh.

In Leipzig verschafft mir ein ausfallender Zug noch eine Kaffeepause und die Gelegenheit, die nächste Stufe der Eskalation des Schwabenkrieges zu dokumentieren:

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(Woher kommt nur dieser Hass? Was haben die Schwaben den Leipzigern denn getan? Und vor allem: Was haben wir Berliner den Leipzigern getan?)

Jetzt wird alles gut. Sitze im Zug nach Berlin, schreibe diesen Weblogeintrag (auch wenn ich erst Sonnabend dazu kommen werde, ihn abzuschicken) und bin gleich wieder am Hauptbahnhof. Muss jetzt bloß noch rasch ins Studio Audiofenster in Kreuzberg, um die komplette Hörbuch-CD zu meinem neuen Geschichtensammelband „Das Mädchen mit dem Rohr im Ohr und der Junge mit dem Löffel im Hals“, der im März (ebenfalls bei Voland&Quist) erscheint, einzulesen, dann die Wohnung in bewohnbaren Zustand versetzen, weil ich heute Abend Besuch bekomme, noch ein paar Seiten Druckfahnen für das neue Buch korrigieren und um neun bei der Lokalrunde auftreten. Duschen und so Zeugs dann morgen…

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Nachtrag Sonnabend: Habe mich daheim dann doch für die Dusche und gegen das Druckfahnengeschmöker entschieden, aber ansonsten hat alles geklappt. Bin jetzt sehr gespannt, ob man den Aufnahmen die zwei Stunden Schlaf und die vielen Zigaretten anhören wird …

(Volker Strübing)

Schnipsel vom 4.11.2012 – Sind Aktualisierungen Hitler?

„Graphomanie (die Besessenheit, Bücher zu schreiben) wird zwangsläufig zur Massenepidemie, wenn die gesellschaftliche Entwicklung drei grundlegende Voraussetzungen erfüllt:

1) hoher Grad, allgemeinen Wohlstands, der es den Leuten ermöglicht, sich unnützen Tätigkeiten zu widmen;

2) hohes Maß an Atomisierung des gesellschaftlichen Lebens und daraus hervorgehend allgemeine Vereinsamung der Individuen;

3) radikaler Mangel bedeutender gesellschaftlicher Veränderungen im inneren Leben eines Volkes. (In dieser Hinsicht scheint es mir bezeichnend, daß in Frankreich […] der Prozentsatz an Schriftstellern einundzwanzigmal höher ist als in Israel. […])“

Milan Kundera, Das Buch vom Lachen und Vergessen, 1978

Bin darüber gerade gestolpert und fand’s ganz hübsch, vor allem die Sache mit den unnützen Tätigkeiten. Wenn es 1978 schon Emoticons gegeben hätte, hätte Kundera bestimmt noch ein Minus und ein Klammer-zu hinter das Semikolon gesetzt Semikolonminusklammerzu.

Der Schnipselfriedhof sieht seit Kurzem voll gerümpelig aus, die Fotos, die eigentlich genau die Breite der Textspalte haben sollten, sind plötzlich schmaler und mal rechts, mal links, mal mittig. Ich hab noch nicht nachgeguckt, was da passiert ist und ich werde auch den Teufel tun, mir damit den Sonntag Nachmittag zu verderben. Ich nehme an, dass WordPress irgendeine Aktualisierung der Software vorgenommen hat. Neulich habe ich Thunderbird aktualisiert, danach waren alle Mails und sämtliche Einstellungen samt aller sorgfältig eingerichteter Spamfilter und Ordnerweiterleitungen weg. Komplett und für immer. Zum Glück hatte ich zumindest die eingegangenen Mails des letzten Jahres noch auf meinem Laptop und irgendwo liegen Sicherungsdateien der Mails bis 2009 oder 2010 herum. „Aktualisierung“ wird für uns eines Tages einen ebenso bedrohlichen Klang haben wie „Jüngstes Gericht“ für frühere Generationen. Je stärker wir von elektronischer Kommunikation und digitalen Daten abhängig werden, je mehr wir deren Verwaltung und Speicherung an aus der Hand geben, desto müssen wir die nächsten Ideen der Software-Ingenieure und Marketing-Experten der Firmen, die uns so lieb bemuttern fürchten. Software-Aktualisierung als Schicksal.

Dinge, in die wir viel Zeit und Nerven investiert haben (zum Beispiel das Erlernen der Bedienung eines DB-Fahrkarten-Automaten) werden von einem Tag auf den anderen über den Haufen geworfen. Eines Tages schalten wir morgens den Rechner ein und stellen fest, dass uns Facebook eine neue Biografie entworfen hat, Amazon alle Bücher, die wir für den Kindle gekauft haben durch andere ersetzt und WordPress in allen Texten, die wir gepostet haben, schmutzige Wörter wie Blume, Regenbogen und Pinguin durch harmlose Wörter wie Blume, Regenbogen oder Pinguin ersetzt hat (huch!), weil sie mit Schmutz nichts mehr tun haben wollen, und irgendeine App hat unterdessen über Nacht allen Kontakten auf unserem Handy SMSe geschrieben, in denen sie Zalando oder irgendeine Dentalklinik angepriesen hat, und einen Tag nach Wahl führt die Partei, die man gerade gewählt hat, ein Software-Update durch und ist auf einmal doch für Krieg und mehr Armut und so weiter, heiliger Bimbam, uff nüscht kann man sich mehr verlassen!

Und die Aktualisierungen, die man sich wirklich wünscht, kommen nie. Warte seit Ewigkeiten, dass die Sparkasse beim Homebanking eine Funktion zur selbstständigen Editierung des Kontostandes einführt, das kann doch nicht so schwer sein.

(VS)

Einhornkacke

Okay. Ich hab also eine Schreibblockade. Schreibblock adé sozusagen. Wie schlimm sie ist,  sieht man schon daran, dass ich darüber schreibe. Darüber zu schreiben, dass man nicht schreiben kann, ist nun wirklich das Letzte. Das ist noch schlimmer als wilde Geschichten über Monster, Einhörner und Wackelpudding, die damit enden, dass der Protagonist aufwacht und erleichtert feststellt, dass alle – puh! – nur ein Traum war. Und dann beim Aufstehen in ein Häuflein Einhornkacke tritt, das vor seinem Bett liegt … uijuijui, war es vielleicht doch nicht nur ein Traum? Gähn … aber immer noch besser als „Ich kann nicht schreiben“-Gejammere. „Dann lass es doch!“, möchte man dem Autor zurufen, außer man ist es zufällig selbst.

Nichts geht. Dabei ist es garnicht so, dass ich keine Themen hätte, nö, ich kann gerade einfach nur nicht schreiben. Nicht denken. Wenn ich eine Idee zu fassen versuche, fühle ich mich sofort, als würde ich mit einem Nudelsieb Wasserschöpfen wollen oder bei einem Ramstein-Konzert Sudokus lösen. Als würde ich probieren, mich mit der einen Hand am Fuß zu kitzeln, während die Finger der anderen in der Steckdose stecken.

Naja. So ungefähr. Seit Wochen kein neuer Text, die längerfristigen Sachen kommen nicht voran, eine neue Kloß-und-Spinne-Folge ist seit drei Monaten halb fertig und will es wohl noch eine ganze Weile bleiben. Ich bringe keinen Gedanken zu Ende, denke in Halbsätzen, springe von Thema zu Thema, werde von Ohrwürmern gemartert, zum Teil sind es Sätze oder Halbsätze, die sich selbstständig gemacht und plötzlich eine Melodie haben und in meinem Kopf in Endlosschleife laufen. Ich öffne Textverarbeitung oder Notizbuch und, schwupps, laufen tausend Männchen durch meinen Kopf und brüllen durcheinander. Und ich gebe auf und lenke mich stattdessen mit Computerspielen, Videos, Büchern ab, die einzige Möglichkeit, mich auf irgendwas zu konzentrieren.

(Symbolbild Schreibkrise: Ungefähr so wie auf der Wand hinter mir im Backstageraum des Substanz vor einem halben Jahr sieht es in meinem Kopf aus, wenn ich zu schreiben versuche. Nur leider nicht ganz so zotig.)

Natürlich kenne ich das.  Gehört wohl dazu. Aber es ist jedesmal auf’s Neue Scheiße.

Immerhin gibt es diesmal im Vergleich zu früheren Schreibblockaden zwei unschätzbare Vorteile: Zum einen geht es mir davon abgesehen und nichtsdestotrotz prima, zum anderen habe ich (seit 3 Wochen) eine Superausrede: Mein Knie ist angemurkst, ich kann nicht richtig laufen, bin also krank, da kann ich doch nicht arbeiten!
Man könnte natürlich spitzfindig anmerken, dass ich mir den Meniskus angerissen habe und nicht den Frontallappen und dass es meinem Knie egal ist, ob ich vor dem Fernseher sitze oder am Schreibtisch, aber das würden nur sehr böse, herzlose Menschen machen, Humankapitalverwertungsfanatiker, Menschen, die auch nichts dabei finden, selbst noch Beinamputierte zum Hürdenlauf zu prügeln und Armlose in Olympiaschwimmbecken zu schubsen, hör mir auf! Aber ich will jetzt gar nicht abschweifen, nein, ich versuche, schnell fertig zu werden, bevor meine Schreibkrise merkt, dass ich schon 435 Wörter geschrieben habe – seien sie auch noch so belanglos – und mich dazu bringt den Laptop zuzuklappen und mich mit Kaffee und Zigarette auf den Balkon zu setzen, vorgeblich um Nachzudenken, während ich in Wirklichkeit nur stumm „Tötet Onkel Dittmayer“ oder „Komm mutier mit mir zu etwas ganz besonders Merkwürdigem“ vor mich hinsinge und und wie ein irrwisch auf dem Balkontisch herumklopfe. Nein, Volker, los, du schaffst das, du kriegst diesen Artikel fertig, nein, nein, leg das Handy weg, nicht „Bubbleshoot“ starten, nicht …

Ich erwachte. Zum Glück war alles nur ein schlechter Traum gewesen. Ich wischte mir mit der Bettdecke den Schweiß von der Stirn. Ich setzte mich auf und schüttelte lächelnd den Kopf. Was für eine Scheiße man manchmal zusammenträumte … da fiel mein Blick auf ein leeres weißes Blatt auf dem Boden vor meinem Bett … NEEEIIIINNN!

Solidarische Grüße an Kirsten und Micha!

(VS)

2010 R.I.P.

So. 2010 ist geschafft und da es für mich kein besonders gutes Jahr war, bin ich ganz froh darüber. 2011 wird das Jahr, in dem sich völlig überraschend alle Hoffnungen erfüllen werden – ich freu mich schon! Gleichzeitig wird es natürlich das Jahr des „Großen Schlamassels“, aber wer meinen Roman „Das Paradies am Rande der Stadt“ gelesen hat, weiß das natürlich und hat sich sicher entsprechend vorbereitet. Alle anderen sollten ihn schnell noch bestellen!

(2.1.2011, Bahnhof Sande, zwei Stunden Aufenthalt wegen „Personenschaden“. Klick aufs Bild zum Vergrößern – dann wird es auch scharf!)

Ich habe im letzten Jahr eigentlich eine ganze Menge geschafft, habe die Arbeit an einer Fernsehserie abgeschlossen, die inzwischen dreimal auf 3sat und ZDF lief und von ein paar hunderttausend Menschen gesehen wurde, habe in Rekordzeit ein Buch zur Fernsehserie geschrieben, habe ein gutes Dutzend Kloß-und- Spinne-Folgen verfasst und 9 davon vertrickfilmt, all meine Videos auf YouTube wurden 880.000 mal angesehen, ich habe außerdem alle Folgen für die DVD überarbeitet diese zusammen mit Voland & Quist mit anderthalb Jahren Verspätung gerade so noch vor dem Jahreswechsel vom Stapel gelassen, habe an einigen Fernsehserien- und Romanideen gearbeitet, 106 Einträge auf dem Schnipselfriedhof gepostet, der 2010 230.000 mal aufgerufen wurde, habe zwölf Vorlesetexte geschrieben und bin 60 mal aufgetreten. Außerdem bin ich pleite.

(Neu, Neu, Neu!)

Nach zehn Jahren, die ich mich freischaffend irgendwie durchgeschlagen habe, ist das sehr deprimierend. Ich bin sehr optimistisch, dass das bald überwunden sein wird, aber überhaupt an diesen Punkt gekommen zu sein … ironischerweise wähnen mich immer noch einige Bekannte aufgrund der Arbeit für’s Fernsehen in den Mittelstand aufgestiegen.

(Klick auf das Bild zum Vergrößern)

Erschwerend kam dazu, dass ich 2010 39 Jahre alt geworden bin, das wahrscheinlich dööfste Alter, das man haben kann. Im April werde  ich zum Glück 40! 40 ist ein schönes und würdevolles Alter. Ich hoffe, ich werde bis dahin  auch die nötige Weisheit und Lebenserfahrung akkumuliert haben, um nicht wieder Monate mit extrem stressigen, finanziell und künstlerisch unsinnigen Projekten (wie etwa dem Mississippi-Buch oder der Kloß-und-Spinne-DVD) zu verschwenden; um mich überhaupt auf einige wenige Sachen zu konzentrieren, statt Ideen für Projekte anzuhäufen, die ich nie realisiere, nicht einmal richtig ausformuliere, weil ich stattdessen schon dabei bin, zu überlegen, was ich sonst noch machen könnte; um mich besser verkaufen und besser verkaufbare Sachen zu machen … ähm … ohne mich zu verkaufen natürlich.

So, da schwang jetzt ordentlich Selbstmitleid mit, aber das ist ja auch mal ganz schön. Ich habe überlegt, den Artikel „Lamorjanz oder jar nich“ zu nennen, was ein schöner Titel gewesen wäre, aber in Wirklichkeit ist diese Phase schon längst überwunden. Es gibt genug Ideen und auch die eine oder andere gute Aussicht fürs neue Jahr.

PS: Gerade habe ich nocheinmal nachgeguckt und festgestellt, dass im Roman nirgends das Jahr 2011 als Termin für das Große Schlamassel genannt wird. Sehr geschickt, sich als Autor da nicht festzulegen. Die Jahreszahl findet sich nur in einer alten Fassung …

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Zurück uff (wir-nennen-es-)Arbeit

So, ich kann wieder Notizbuchfotos machen. Dank ein paar Tagen Pause, einer guten Handgelenksschiene, Ibuprofen und vielleicht auch dank russischem Raumfahrthokuspokus (eine lange Geschichte, die ich vielleicht ein andermal erzählen werde) geht das Schreiben von Hand mit einem guten Füller auf gutem Papier wieder halbwegs flott von … na ja, der Hand eben. Auch das „Abtippen“ mittels Spracherkennungssoftware macht Fortschritte. Vielleicht wird es ja doch noch was mit dem Mississippibuch.


Mit den vielen Nachtfotos in letzter Zeit ist es ein bisschen wie mit dem berühmten Hund, der sich die Eier leckt, weil er es kann. Habe mir zu Weihnachten ein 30 mm/1:1,4 Objektiv von Sigma gekauft. Damit kann ich bei Kerzen-oder Laternenlicht fotografieren und das macht Spaß. Seit 20 Jahren, seit ich zuletzt meine Exa 1B benutzt habe, ist es das erste Mal, dass sich mit einer Festbrennweite fotografiere und auch das macht Spaß. Ich habe beim Fotografieren ja keine großen Ansprüche; Spaß soll es machen und ich freue mich, wenn mir dekorative Bilder gelingen, auch wenn sie den künstlerischen Wert eines Bob-Ross-Gemäldes haben.


(Auf ein Bier mit den freundlichen Verlegern. Hinterher haben sie mir dann den linken Arm gebrochen, damit ich mal merke, wie das ist, wenn einem wirklich das Handgelenk weh tut, endlich mit Jammern aufhöre und wieder an die Arbeit gehe.)

(VS)

Fernsehtip: Sabine und Lutz von Monstamovies waren 14 Monate nach den Dreharbeiten zu Nicht Der Süden noch einmal auf Spitzbergen und haben einen Film gedreht, der heute, am Sonnabend, um 19:30 Uhr in der Reihe Geo Reportage auf ARTE läuft.

PS: Thomas fragte, wie ich mich angesichts der dekorativen Stilleben aufs Schreiben konzentrieren könne. Es ist aber eher so, dass ich erst, wenn ich mich nicht mehr aufs Schreiben konzentrieren kann, das Stillleben bemerke, noch ein bisschen an den Sachen rumschiebe und den Fotoapparat raushole.