Ostersonntag: Die Nonne & Herr Jilg, Teil 2 – Libanon

Zweiter Teil der Reise nach Jerusalem. Heute 21.45 Uhr auf zdf.kultur. Wir treffen den Musiker Zeid Hamdan in Beirut, reden in Tyrus über biblische Wunder und den Krieg, besuchen die palästinensischen Flüchtlingslager Sabra & Shatila und ein Freiluftmuseum der Hisbollah, treffen in der Bekaa-Ebene einen muslimischen Katholiken und erfahren, warum es auch in Deutschland Checkpoints der Armee geben sollte …

Man kann übrigens alle drei Folgen schon jetzt online ansehen:

Teil 1 (Türkei)

Teil 2 (Libanon)

Teil 3 (Israel / Palästina)

(Volker Strübing)

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Die Nonne und Herr Jilg – Deleted Scenes: Ramallah 23.9.2011

Am 6., 8. und 9.4. läuft auf zdf kultur die Serie „Die Nonne und Herr Jilg“ – eine Reisedoku und ein Roadmovie, eine Fahrt von Istanbul nach Jerusalem, durch die Türkei, den Libanon, Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete. Am Steuer sitzen die Dominikanerin Schwester Jordana Schmidt und der Moderator Rainer Maria Jilg. Mit dabei ist auch ein größenwahnsinniges, nörgelndes Kofferradio namens Charlie, dessen Stimme verdächtig an Kloß und Spinne erinnert …

Während der Drehreise im letzten Jahr beantragte Palästina vor der UN-Vollversammlung die Aufnahme als UNO-Vollmitglied. Wir waren an dem Tag in Ramallah, der Hauptstadt der Autonomiegebiete und trafen erstaunliche Prominenz. In der Serie ist diese kleine Episode nicht drin, aber dafür gibt es ja das Internet:

Und hier noch ein paar Bilder von diesem Tag, die ich aber schonmal gepostet habe:

(Ramallah, 23.9.2011)

(Kamerafrau Sabine Streckhardt und Lutz Neumann von monstamovies)

(Das Keinohr-Bunny von Ramallah)

(Noch beliebter als Fahnenschwenken: Kindern Fahnen geben und dann die Kinder schwenken)

(Auf der Fahrt nach Ramallah: Siedlung im Westjordanland)

(Volker Strübing)

Schnipsel vom 18.1.2012

  • Jetzt ist es wirklich fast geschafft (zumindest, was mich betrifft): Gestern haben wir die Sprachaufnahmen für die Fernsehserie „Die Nonne und Herr Jilg“ gemacht, vorgestern haben wir die Untertitel gesetzt. Ostern wird sie auf ZDF Kultur gesendet (und kann im Internet geguckt werden), und vorher werde ich noch einige Male darüber schreiben. Für heute muss noch ein kleines Foto von der Reise reichen:

(Ramallah)

  • Das heißt: Ich komme jetzt hoffentlich dazu, den neuen Kloß-und-Spinne-Film fertigzustellen. Also, eigentlich ist er ja schon fertig, aber ich brauche noch mindestens eine Woche für den Schluss. Der wird nämlich aus einem Musikvideo bestehen, bei dem ich mal eine (für mich) neue Grafik- und Animationstechnik ausprobiere.

  • Spontaner Brechreiz beim Sonntagsspaziergang, als ich die oben abgebildeten Plakate sah: Photogeshoppte Models, die mit einem Billigwitz dafür werben, die nicht mehr innen Jacken (sagt man das so? Ich schon!) der letzten  Saison zu spenden. Ey Mann, die hängen doch eh nur im Schrank rum, da ist gar kein Platz mehr für die Jacken, die ich mir demnächst kaufe, weißt Du, und ich meine, Solidarität wird ja laut Duden groß geschrieben und so, und ich geb denen auch gerne mal n Euro, das tut mir ja nicht weh …’Wohltätigkeit finde ich sowieso … problematisch. Also das Prinzip Wohltätigkeit, Charity, Spenden, die ganze Scheiße. Das Spenden selbst ist in den meisten Fällen sicher eine ehrenhafte Sache (bilde ich mir zumindest ein, wenn ich es selbst tue) und notwendig ist es leider auch oft. Ich will das gar nicht als modernen Sündenablass verunglimpfen. Viel schlimmer ist, dass Wohltätigkeit die Verhältnisse zementiert. Obdachlose brauchen eigentlich keine milden Jackengaben, sondern Wohnungen und die Kinder in der dritten Welt brauchen keine BILD-Spenden-Gala-Gelder, sondern grundsätzliche Veränderungen. (So sprach der Blog-Autor, kochte sich noch einen Kaffee und verschob das Einleiten besagter Veränderungen auf morgen.)

    Außerdem hat die Wohltätigkeit natürlich auch immer etwas Herablassendes, und genau das fiel mir bei den Plakaten dort oben wieder auf. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist immernoch die Kampagne, mit der die PanChristoffel Blindenmission vor einigen Jahren die Straßen schmückte. Über irgendeinem Spruch von wegen soundsoviel Euro retten jemanden vor dem Erblinden prangten verschiedene Portraits von Afrikanern, bei denen die Augen durch Geldeinwurschlitze ersetzt waren(siehe hier).

  • Zum Schluss noch zwei Fotos. Nur so. Sonnenuntergang in Berlin und Schlangestehen in Hamburg, im Übel&Gefährlich bei den deutschsprachigen Slammeisterschaften 2011.

(Volker Strübing)

Was macht eigentlich Volker Strübing?

Naja, wenig Bloggen auf jeden Fall, oder? ich stecke jetzt mitten in der Arbeit an unserer Fernsehserie, war seit der Rückkehr von der Drehreise schon ein paar Tage Urlauben am Haff und bei den deutschprachigen Poetryslammeisterschaften in Hamburg, habe meine Laptop geschrottet, während meine Waschmaschine ganz von allein den Geist aufgegeben hat (nach 20 Jahren … R.I.P.), habe mir mit gut 50 Quadratmetern Regenwald die Nase geputzt (stimmt nicht ganz: ich versuche eigentlich immer Recyclingtaschentücher zu bekommen, was aber manchmal gar nicht so einfach ist), gucke nebenbei die 5. Staffel von Dexter und heute Abend im Kino „Melancholia“ und alles weitere ist entweder langweilig, geht niemanden was an oder wird frühestens nach dem dritten Bier verraten ;)

Hier sind noch ein paar Fotos aus Israel und Palästina:

(Tel Aviv, Sonnenuntergang)

(Altstadt Jerusalem, Pietra Hostel)

(Altstadt Jerusalem, kurz nach Sonnenaufgang)

(Cat-Content, immer wichtig!)

(Altstadt Jerusalem)

(Via Dolorosa, Altstadt Jerusalem: Wo früher Messiase Kreuze langschleppen mussten, werden heute Schaufensterpuppen stranguliert.)

(Und die Kreuzschlepperei wird von Touristen übernommen. Die guten alten „Jeder nur ein Kreuz“-Tage sind auch vorbei. Jetzt heißt es: „Jeder Reisebus nur ein Kreuz“.)

(Ich glaub, der Stein soll die Grabesplatte von olle Jesus sein, aber irgendwie haben die da auch in der Grabeskirche gleich mehrere angebliche Grabstellen, ich seh da nicht durch. hab bloß das Gefühl, dass es bei solchen Kussaktionen weniger darum geht, Gott zu zeigen, wie lieb man ihn hat, als vielmehr darum, den anderen Leuten zu zeigen, wie lieb man Gott hat. „Religiöser Exhibitionismus“ – ich liebe diesen Begriff.)

(Noch irgendsoein echtes Grabmal in der Grabeskirche)

(So wie ich die BH- und Schnickschnack- und Fleischerläden auf der Via Dolorosa sehr mochte, hat mir auch der kitschige Budenzauber direkt am Eingang zum Gelände der Al-Aqusa-Moschee sehr gefallen. Ein wunderbarer ort zum kaffeetrinken übrigens mit sehr netten Leuten. Also, ich meine jetzt genau diese Gasse, in die Moschee sind wir nicht reingekommen.)

(Eine der Sehenswürdigkeiten der Altstadt, zumindest temporär: Die Kamerafrau!)

(Und der Produktionsassistent erst!)

(Irgendwo ein paar hundert meter über dem Toten Meer)

(Dieselbe Geste in Ramallah wirkt ein bisschen kopflos, aber das sollte man jetzt nicht irgendwie symbolisch verstehen.)

Israels unbekanntes Gesicht

Ich bin wieder zuhause. Aber ich bin noch lange nicht angekommen. Das Wetter leistet seinen Beitrag dazu, die Leute auf der Straße tun ihr Übriges.Und natürlich ist die Reise für mich noch lange nicht vorbei. Die nächsten Monate werde ich sie wieder und wieder schnipselweise angucken und sie wird sich langsam von etwas wirklich Erlebtem in Material für die Fernsehserie verwandeln. Sehr seltsamer Prozess.

Kommen wir nun aber zu etwas ganz Anderem:

Israel hat viele Gesichter. Sogar die Hydranten haben welche:

(Altstadt Jerusalem … dieser Hydrant hat schon Jesus mit seinem Kreuz vorbeilatschen sehen!)

(Als ich den Kollegen an einer Tankstelle fotografierte, kam der arabische Tankwart und schaute mich etwas beremdet an, bis ich ihm auf dem Display das Foto zeigte, auf die Augen und den Mund des Hydranten, dann auf meine eigenen. Da musste er lachen und klopfte mir auf die Schulter. Ähnliche Situationen gab es mehrfach. Irgendwann muss mal ein … sagen wir Chinese oder Ägypter mit mir durch Berlin gehen und mir meine Stadt zeigen …)

(Hydrantenfotografie wurde schnell zu unserem Lieblingshobby.)

(Lord Helmchen und sein einäugiger Kumpel Paul.)

(Die Mülltonnengesichter in Haifa haben mich an diese weißen Androiden aus den neuen Star Wars Filmen erinnert.)

(Der hier steht auf dem Platz vor der Klagemauer.)

(Steampunk-Monokel-Man, Jerusalem)


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Jom Kippur

(Tom, Sabine, Bence, Sr.Jordana und hinter der Kamera ich: Das verbliebene Nachrehtrüppchen, der Rest des Teams ist seit letztem Sonntag wieder zuhause.)

Sonntag, 13.30 Uhr, Tel Aviv. In knapp 18 Stunden bin ich wieder in Berlin. Dort wartet schon die kurze Hose auf mich, die ich einzustecken vergessen und in den letzten Wochen schmerzlich vermisst habe. Gewisse Gerüchte, die uns aus Deutschland erreichen, lassen mich vermuten, dass ich sie wohl vorläufig nicht mehr brauchen werde.

Gestern Abend begann Jom Kippur, der jüdische Versöhnungstag. Vom gestrigen Sonnenuntergang bis zum zum heutigen ruht das gesamte öffentliche Leben. Kein Auto fährt, alle Geschäfte sind geschlossen, die religiösen Juden fasten, alle anderenessen und trinken zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Wenn man mich fragt: Weihnachten und Silvester abschaffen und dfür Jom Kippur einführen. Die Ruhe in der Stadt ist herrlich (auch wenn wir dummerweise neben dem Haus mit der lautesten Klimaanlage Israels wohnen).

Gestern Abend waren die Straßen voller flanierender Leute und Kinder, die mit ihren Fahrrädern und Rollern auf dem Asphalt herumtollten, heute wirkt die Stadt wie ausgestorben, man könnte  prima Filme wie „28 Days Later“ drehen …

 

 

Die anderen sind am Strand, aber ich hatte keine Lust mitzugehen. In den achteinhalb Wohen, die ich diesen Sommer am Mittelmeer rumgefahren bin, habe ich es genau viermal geschafft, kurz in Wasser zu hüpfen – da brauche ich jetzt auch nicht mehr anfangen. Alle evtl. der Öffentlichkeit vorzuzeigenden Körperstellen sind ordentlich braun und sommersprossig, der Rest bleibt jetzt eben käsig. Und was ich in diesen Wochen alles erlebt und gesehen habe, das machen sowieso keine zwei Dutzend Bade-Urlaube wett. Und Strand ist sowieso am schönsten im Herbst oder Frühling an der Ostsee.

Eigentlich bräuchte ich jetzt erstmal ein halbes Jahr, um all die Eindrücke zu verarbeiten, um Dinge nachzulesen, ganz viel nachzudenken und ein paar Sachen zu schreiben. Die Zeit habe ich natürlich nicht, es muss irgendwie auch so gehen. Wahrscheinlich kommt da noch lange tröpfchenweise was auf dem Schnipselfriedhof. Ich bin ohnehin noch einige Monate mit dem Projekt beschäftigt, die Reise ist für mich noch lange, lange nicht vorbei.

 

 

Mehr zu lesen und zu gucken gibt es hier:

Fotonachtrag von Lutze

 

Schwester Jordana über ihre Fahrt an den See Genezareth