Die gefährlichsten Jobs der Welt – Heute: Autor

Ich suche Menschen, die mit mir eine Selbsthilfegruppe für Leute gründen, die sich ebenfalls den Meniskus verletzt haben, als sie nachts durch ein Fenster in eine medizinische Fußpflegepraxis eingestiegen sind. Bitte meldet euch, ich kann doch unmöglich der einzige sein, dem das passiert ist!

Aber immer langsam mit den jungen Pferden, bzw. alten Gelenken, lasst mich meine Geschichte erzählen …  Weiterlesen

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Der Papagei, der Krake und die Europameisterschaft 2012

Irgendwo, ich glaube in der Zeit, las ich kürzlich vom Tod des klügsten Papageis der Welt. Man gab ihm Matheaufgaben – 2 plus 3 und so, nüscht weltbewegendes – und er verstand die Aufgabenstellung und löste die Gleichungen. Auf dem Sterbebett oder dem Sterbezweig oder worauf auch immer Papageien zu sterben pflegen sagte er angeblich als allerletztes zu seiner Pflegerin: „You be okay. Thank you.“ Mein DDR-Schulenglisch meint hier einen Grammatikfehler zu erkennen, aber vielleicht ist ja sein Englisch auch einfach besser gewesen als meins und außerdem will ich nicht so kleinlich sein. Als meine Freundin den Artikel las, musste sie lachen und meinte völlig berechtigt, dass die Pflegerin sehr dumm gewesen sein muss: Wenn man so ein kluges Tier hat, sollte man es doch was interessanteres fragen als: „Was ist 2 plus 3?“ – Mein Gott, hatte die keinen Taschenrechner? Warum hat sie ihn nicht zum Beispiel gefragt, wie es denn so ist als Papagei, das wäre doch mal wissenswert gewesen!
Angeregt von dieser Überlegung und der nicht zu übersehenden Parallelen zu Paul dem Kraken, entstand heute in der Rekordzeit von 10 Stunden folgender Film:



(VS)

Kloß und Spinne: Aus der Traum …

Für jemanden, der so großes Gewese darum macht, sich gar nicht für Fußball zu interessieren, beschäftige ich mich doch erstaunlich viel mit der WM.

Hier ist der erste Teil einer neuen Kloß-und-Spinne-Serie, die ich „Quickies“ nenne – sie sollen viel kürzer sein als die normalen, dafür aber häufiger kommen. An diesen anderthalb Minuten habe ich dann doch von 8.30 morgens bis 2.00 Uhr nachts (mit 3 Pausen zwischendrin) gesessen, woran aber auch Günther Netzer eine gewisse Mitschuld trägt. Trotzdem ist das ein überschaubarer Arbeitsaufwand: Text, Ton, Bild, Animation, Zusammengebastel – alles in einer Schicht geschafft.

Norbert kann sich jetzt um 180 Grad drehen und Schnaps eingießen, Kloß erklärt, warum man die Nationalmannschaft gerade jetzt lieben muss und mit Horst ist irgendwas Unheimliches passiert. Außerdem wird endlich die Frage geklärt, wie Chopins Trauermarsch eigentlich auf einer Vuvuzela klingt …

Und jetzt, jetzt ist es 2.52 Uhr. Während das Video hochgeladen wurde, habe ich 2 Wein in der gar nicht genug lobbaren Eselsbrücke getrunken. Ich bin todmüde und weiß genau, dass ich nach diesen vielen Stunden am Computer und bei dem Wetter nicht schlafen können werde. Ich denke, ich setz mir Kopfhörer auf, höre Mozart, fahre einmal mit dem Fahrrad um den Weißen See oder durch den Schlosspark Pankow oder beides, vielleicht hilft das ja. Und dann lese ich noch elf Kurzgeschichten von Murakami (offensichtlich ist mir gerade etwas bildungsbürgerlich zumute) und morgen Mittag, wenn ich aufwache, werde ich hoffentlich immer noch gut finden, was ich heute verzapft habe, trotz all der Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten, die mir beim Probegucken auffallen werden.

Gute Nacht/Guten Morgen

(VS)

Kloß und Spinne – Teil 18: Spinne im Fußballfieber!

So, da isser, geht, sagt es allen weiter,ich freue mich sehr über jeden Link! Habe von Sonntag bis gestern wenigstens 40 Fußballspiele lang dran gesessen, gut ein Dutzend allein an dem einen kleinen Kamerasschwenk. Hat aber auch mehr Spaß gemacht, als 40 Fußballspiele zu gucken.

Bedanken möchte ich mich beim „Glück des Tüchtigen“, welches mir hold zu sein die Freundlichkeit besaß: Gerade als Norbert davon redet, dass es immer Anlass zum Biertrinken gibt, läuft draußen ein Bierflaschenmensch vorbei und nimmt einen großen Schluck. Das habe ich aber erst bemerkt, als ich die Animation samt Hintergrundvideo rausgerendert habe.

Wer die alte, traurige Topfpflanze findet, gewinnt 118 Punkte!

(VS)

Fußball hat Berlin zerstört

Warum kommt dieser Text erst jetzt? Nun, gestern hat mir jemand erzählt, wer Europameister im Herren-Fußball geworden ist. Ich hatte das nicht mitbekommen. Ende Juni war ich rechtzeitig vor dem Halbfinale in den Urlaub gefahren, in ein kleines Land im Herzen Europas, das aber nicht teilnahm, an dieser EM. So blieb ich verschont, von Public Viewing und von den Zeitungsschlagzeilen morgens beim Bäcker. Aber die waren ja nicht mal das schlimmste.

Das schlimmste war, dass man dem ganzen nicht entkommen konnte. Ich weiß nicht, wie sie das angestellt haben, aber seit dieser furchtbaren FIFA-WM 2006 kann man diesem Scheißdreck in Deutschland nicht mehr entkommen. Ich konnte als Berliner jahrelang die Loveparade links liegen lassen. Ich verpasse den jedes Jahr den Christopher Street Day, auch den Berlin-Marathon und ich erspare mir den Karneval der Kulturen der Welt. Fußball zu ignorieren, das ging nicht.

In den Zeitungen zeigten sie vollbusige Schönheiten beim Feiern, aber bei mir unterm Balkon grölten immer nur dicke Männer mit Körpergeruch „Deutschland!“ Hatten die nicht reingedurft, in die Fanmeile, und mussten die deshalb durch Prenzlauer Berg marodieren? Hätte man die nicht mal für einen Tag austauschen können? Hässliche Deutschland-Rufer in der Zeitung und knapp bekleidete Fräuleins bei mir auf der Straße?

Aber selbst wenn ich eines dieser schwarz-rot-goldenen Mädchen mal in echt sah, machte es mir Angst. Wenn es merkte, dass Fußball mir egal war und Deutschland auch nicht so wichtig, reagierte es so ähnlich wie eine ostdeutsche Staatsbürgerkundelehrerin, der man sagte, das Pfingsttreffen der FDJ sei Scheiße, und die DDR mitnichten das beste Land der Welt. So ähnlich reagierte es, bloß aggressiver. Es wusste den Mob hinter sich. Die Fahnen an Autos und Fenstern hingen, ohne dazu aufgefordert werden musste.

Dabei habe ich im Grunde gar nichts gegen Deutschland oder gegen Frauen und auch nichts gegen Aggression. Ich möchte bloß selber nichts damit zu tun haben. Und ich möchte auch nichts mit Fußball zu tun haben.

Okay, wenn das alle außer mich interessiert, sollen sie es sich doch ansehen, aber doch nicht wochenlang. Und doch nicht überall. Da haben sie Fernseher zu Hause, aber gucken müssen sie auf der Straße. Man konnte einfach nirgendwo hingehen, ohne Bildschirm, Leinwand und diesen Stadionklang. Man war dem ausgeliefert, ´06 zur WM und diesen Sommer zur EM, ausgeliefert, wie ein Nichtraucher dem Qualm der anderen. Wenn es dir nicht passt, bleib doch zu Hause.

Es ist verdammt trostlos, zu Hause bleiben zu müssen, nirgendwo hin gehen zu können, sich nirgendwo willkommen zu fühlen. War das nicht mal meine Stadt? Ich merkte, dass ich keine Stammkneipe mehr habe, denn in meiner Stammkneipe würden sie nie Fußball zeigen.

Selbst in linken Szenetreffs saßen sie vor den Leinwänden, bloß dass sie sich über jedes deutsche Tor ärgerten. Ansonsten die selbe Massenhysterie, die selbe Blödigkeit, die selbe Aggressivität.

War Berlin nicht mal anders? Oder bin ich, wenn ich das denke, bloß auf seinen Mythos reingefallen? Gab es nicht mal so etwas wie Vielfalt? Ein Nebeneinander? Pluralismus? Sind wir nicht genau wegen dieses Pluralismus auf die Straße gegangen, ´89?

Gab es nicht mal eine Zeit, in der Fußballfans Fußball guckten, und andere, wenn sie nicht wollten, mussten gar nicht mitmachen? Eine Zeit, in der Wirte Bier verkauften, ohne sich ausnahmslos alle bei der selben Bevölkerungsgruppe anzubiedern, noch dazu bei einer der unsympathischsten? Eine Zeit, in der sich die Leute über jede Alternative zum gerade aktuellen Hype freuten? Gab es nicht mal so eine Zeit? Und gab es nicht mal einen Ort, wo es so war? Und war dieser Ort nicht Berlin?

Fußball hat Berlin kaputt gemacht. Fußballfans haben es zerstört. Nicht die, die prügelnd und randalierend die dritte Halbzeit feiern, sondern die mit Filzstift an der Backe und Beck´s-Flasche in der Hand. Und jene, die diese mit offenen Armen und gierigen Kassen empfangen haben.

Was für ein Verlust an Lebensqualität! Was für ein Jammer!

(Andreas Krenzke)

Am Montag das Beste von 500 (Dingen, die besser sind als Fußballgucken)

Die Liste der 500 Dinge, die besser sind als Fußballgucken, wird nicht fortgesetzt. Volker hat den Kampf aufgegeben. Flieht bis ins Eismeer der Arme. Was jetzt? Weiterkämpfen natürlich. Morgen zum Beispiel, am 16.6. um 20 Uhr im Tipi am Kanzleramt: René Marik und Freunde. Der großartige René Marik, der legendäre Reinald Grebe, die unglaubliche Johanna Zeul und ich (unter meinem Spitznamen Spider) machen eine richtig gute Show – obwohl das gar nicht nötig wäre, denn gegenwärtig stürzen sich die Menschen (jedenfalls die guten) ja auf alles was nicht Public Viewing ist, es könnte sogar schlecht sein – ist es aber nicht, wie schon gesagt: gut wird´s. Also dran denken: wer zuerst kommt, sitzt vorne. Freue mich auf euch!

(Andreas Krenzke)

Rettung der Menschheit wegen mangelnder Nachfrage abgeblasen

Ivo hat für Watch Berlin drei Sachen aus der Liste der 500 Dinge, die besser sind als Fußballgucken verfilmt. Eigentlich freut mich das sehr und schön ist es auch geworden, aber ich kriege immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich daran denke, weil ich das Projekt seit Ewigkeiten nicht fortgesetzt habe. Ich sollte es enlich von den unteren Rängen der „Muss ich mich mal drum kümmern“-Liste streichen und es ganz beerdigen, damit ich das nicht immerzu mit mir rumschleppe. Es gibt 500 Dinge, die mir gerade wichtiger sind. Und funktioniert hat es sowieso nicht: Die Menschheit hat mein großzügiges Angebot, sie vom Fußballwahn zu heilen abgelehnt. Oft hatte ich das Gefühl, die Leute dachten, das sei alles gar nicht ernst gemeint gewesen. Gelacht haben sie, gelacht! Da kannste nix machen.

(Volker Strübing)