Kloß und Spinne – Still alive

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Echt jetzt? Ja, es gibt, inshallah und trallala, noch diese Woche einen neuen Kloß-und-Spinne-Film! Der letzte liegt jetzt schon ne ganze Weile zurück; ich glaube, kurz nach dem Krieg hab ich ihn gepostet, da ist es nur konsequent, kurz vor dem Krieg noch einen nachzuschieben.

Inzwischen habe ich fast schon vergessen, wie Animestudio bedient wird. Das kann übrigens nicht daran liegen, dass ich gerade auf die neueste Version (10) upgedated habe (… das wäre auch mal n Thema: „Dates und updates“), denn diese ist, was die Bedienung angeht, mit Version 9.5 praktisch identisch. Der einzige gravierende Unterschied, den ich bisher bemerkt habe ist, dass sie an anderen Stellen abstürzt.

animestudiuoDas allerdings ist für mich ein wichtiger Unterschied. Bisher stürzte es immer nach der Fertigstellung ab, beim Export des fertigen Films, was mich bis zu anderthalb Tage Zeit, viele Nerven und rauhe Stimmbänder vom Scheiße-und-Schlimmeres-Brüllen gekostet hat.
Die 64-Bit-Version, mit der sie groß angegeben haben, macht den selben Scheiß noch immer, aber die mitgelieferte 32-Bit-Version scheint es zu schaffen (wenn ich die Multiprozessorunterstützung abschalte … ach, fragt nicht …).

Ein bisschen lieb habe ich Animestudio aber trotzdem, da es ohne diese Software wohl kaum mehr als 3 Folgen gegeben hätte und sie im Prinzip sehr gut ist. Naja.

Der Titel der neuen Episode steht noch nicht fest. heiße Kandidaten sind: „Die fünfte Kolonne des Kalifats“, „Die Reichsflugscheiben der Erotik“ und „Führer war alles besser“.

Bis bald!

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Lunge, komm bald wieder

Meine tolle Nichtraucher-App verrät mir, dass ich jetzt, in diesem Moment, seit 256 Tage, 18 Stunden und 50 Minuten insgesamt 6487 Zigaretten nicht geraucht und dabei 929,80 € gespart habe. Eine andere App kommt mit denselben Eingabewerten auf 941,5623 € und 6419,74 nicht gerauchte Zigaretten. Egal. Ne Menge jedenfalls. Das Geld für meine beiden neuen Fahrräder habe ich also gerade wieder reingenichtraucht, das ist doch toll. Außerdem habe ich laut der zweiten App Zwei Tage, sieben Stunden und eine Minute an Zeit gespart, aber das ist Quatsch, weil ich die meisten von den 6500 Zigaretten soweiso nebenher bei irgendwas geraucht hätte ohne sie wirklich wahrzunehmen.

Ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, dass es sich wegen der Freude über die steigenden Zahlen in der Nichtraucherapp, ein hinreichender Grund sind, mit Rauchen anzufangen, um später wieder aufhören zu können. Aber wenn man schon Raucher ist, dann sollte man sich das Glück des Aufhörens nicht entgehen lassen. (Ich bitte um fruendliche Würdigung der Tatsache, dass ich auf bei Mark Twain abgeklatschte Witze der Bauart: „Darum höre ich zwanzigmal am Tag auf“ verzichte, danke.)

Es ist nicht mein erstes Mal. Ich habe einmal dreieinhalb Jahre und zweimal je ein Jahr nicht geraucht. Das letzte Mal liegt schon 6 Jahre zurück. Meine Methode hatte ich immer bei Allen Carr abgeschaut, umso dööfer mit Doppel-Ö war es, dann wieder anzufangen, da Carr den Rückfall zur größten anzunehmenden Katastrophe erklärt. Wenn man aufhört, solle man sich schwören für immer aufzuhören oder auf ewig in der Hölle zu schmoren.

Mit diesem Extremismus kann ich nicht mehr soviel anfangen. Jetzt halte ich es lieber mit zwei anderen Menschen, die mir zum Vorbild geworden sind: meinem Vater und Micha Ebeling. Mein Vater hat (nach etlichen vergeblichen Versuchen) vor mittlerweile bestimmt 15 Jahren erklärt, er würde jetzt mit Rauchen aufhören. Aber nicht immer, nö, nur bis zur Rente, wenn er dann später im Schaukelstuhl sitze, dann wolle er auch wieder rauchen und so gäbe es etwas worauf er sich im Alter freuen könne, wo doch die meisten Menschen Angst davor haben alt zu werden.

Inzwischen ist er in Rente, sitzt nicht im Schaukelstuhl und raucht noch immer nicht, weil er schlicht und einfach keine Lust mehr auf den Quatsch hat. Aber der Gedanke: Irgendwann in vielen Jahren rauche ich wieder, der hat ihm vor vielen Jahren sehr geholfen.

Um einen ähnlichen Gedanken dreht sich Micha Ebelings Buch „Lunge, komm bald wieder“ (satyr Verlag), das genauso lustig ist, wie sein Titel verspricht, darüberhinaus aber auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Rauchen und mit anderen Aufhörmethoden (insbesondere der von Allen Carr). Bei Micha geht es um Rauchpausen, die einige Tage oder viele Jahre lang sein können. Ich will nicht behaupten, dass ich nach seinem System und seinem Buch vorgehe, aber es hat mich bei meinem jetzigen Rauchstopp inspiriert. Ich habe nicht für immer aufgehört, sondern bis zu dem Tag, wo ich beschließe wieder mit Rauchen anzufangen. Wenn ich in Rente bin und im Schaukelstuhl sitze, denke ich …

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Das Buch von Micha ist aber nicht nur für Raucher und Exraucher und Co-Raucher interessant. Für mich die tollsten Passagen sind die, in denen Micha seine Raucherbiografie erzählt, mit Witz und Sprachgewalt, wie man es aus seinen besten Geschichten kennt. Das ist ganz nebenher noch ein toller Mini-Comig-of-Age- und Coming-out-of-the-deepest-DDR-Provinz-Roman, für den allein sich das Buch schon lohnt. Und es kostet gerade mal so viel wie zwei Schachteln Kippen …

Viel Spaß bei Lesen – und viel Erfolg mit der Rauchpause, falls ihr Raucher seid!

Das Buch gibt’s überall , aber ihr kauft es hoffentlich in einer schönen Buchhandlung oder online beim  Landbuchhändler des Vertrauens.

Der Mann mit dem Trapez vor’m Kopf

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Mein erster Buchpreis! „Das Mädchen  mit dem Rohrt im Ohr und der Junge mit dem Löffel im Hals“ ist auf der Leipziger Buchmesse als „ungewöhnlichster Buchtitel 2013“ ausgezeichnet worden! Vielen Dank an alle, die für mein Buch abgestimmt haben – und überhaupt an alle, die bei dieser schönen Aktion mitgemacht haben – gestern konnte bekanntgegeben werden, dass das Online-Voting für den ungewöhnlichsten Buchtitel mehr Teilnehmer hatte, als die Online-Abstimmung über den „richtigen“ Buchpreis, hey, ho :)

Vielen Dank natürlich auch an die Jury, die sich der Onlineabstimmung offensichtlich anschließen konnte und vor allem an Was liest Du, das Literaturmagazin und die Literaturcommunity, die diesen schönen Preis ins Leben gerufen haben. ich bin der erste Preisträger und ich hoffe, dass ich der erste in einer langen Reihe bin und eine schöne Tradition daraus wird. Ich war ja auch schonmal erster Stadtschreiber von Bayreuth und danach gab es keinen weiteren …

Vielen Dank auch an Luzie, die für das Bild dort oben den schönen Titel: „Das Mädchen mit dem Rohr im Ohr, der Junge mit dem Löffel im Hals und der Mann mit dem Trapez vor’m Kopf“ erfunden hat. Vielleicht nenne ich so den Nachfolgeband und bewerb mich übernächstes Jahr nochmal um den Preis :)

Weil er so schön ist, hier nochmal in der Morgensonne mit Blumenzeugs auf dem Balkon:

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White House Trash

Natürlich habe ich „White House Down“ geguckt. Bei Emmerich weiß man was man kriegt: Allerfeinstes Trash-Kino mit Holzschnittcharakteren, Handlung von der Stange, jede Menge amerikanischem Patriotismus und vielen Explosionen. Und in jedem zweiten Film werden das Weiße Haus und das Kapitol zerstört. Insbesondere was die Holzschnittcharaktere, die Stangenhandlung, den Patriotismus und die Zerstörung von Kapitol und Weißem Haus anging, wurden die Erwartungen voll erfüllt. Insgesamt hätte aber ruhig noch ein bisschen mehr kaputt gehen können, da bin ich von Emmerich anderes gewöhnt. Dafür gab es Ausführungen über den „Militärisch-Industriellen Komplex“, die mich wohlig an den Staatsbürgerkundeunterricht in der DDR erinnert haben. Hat jedenfalls Spaß gemacht, ich kannn ihn empfehlen. Das Schöne ist, dass man auch kleine Kinder mitnehmen kann, da sehr auf jugendfreie Gewalt geachtet wurde. Selbst ein Bösewicht, der aus nächster Nähe von einer langen Salve aus einer Gatling-Kanone niedergestreckt wird, fällt einfach als hübsche Leiche um, statt sich in den Haufen Matsch zu verwandeln, der das Ergebnis einer solchen Aktion in der Wirklichkeit wäre.

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(Schade, dass Emmerich nicht ein bisschen von diesem „gesunden deutschen Patriotismus“ hat, von dem manchmal die Rede ist. Das wäre doch toll, wenn er seine Katatrophenfilme hier spielen lassen würde. Es muss ja nicht unbedingt in Chemnitz sein, auch wenn die Fotos zu diesem Beitrag dort entstanden sind.)

Aber zugegeben: Obwohl ich wusste, dass der Film eine Überdosis Klischees liefern würde, gab es dann doch Sachen, die mich schockiert haben. Am Anfang zum Beispiel erhält der Präsident einen Anruf von seiner Frau. Sie redet mit ihm kurz über die Lösung des Nahost-Konflikts und fragt ihn dann, ob er auch die Uhr dabei habe. Er zieht eine güldene Taschenuhr hervor. Sie hat einst Abraham Lincoln gehört und seien Frau hat sie ihm zur Amtseinführung geschenkt. „Natürlich“, sagt er. „Ich trage sie immer an meinem Herzen“, und dann steckt er sie sich in die Brusttasche, und ich krümmte mich im Kinosessel zusammen und dachte: Nein, Roland, das ist nicht dein Ernst, oder? Das machst Du nicht wirklich, nicht diese alte Nummer, nicht auf dermaßen plumpe Weise … aber Roland hatte keine Hemmungen, und ich muss jetzt hier wohl nicht extra spoilern, welche Rolle die Uhr am Ende des Films noch zu spielen hatte …

Okay, es soll Popcorn-Kino sein, aber auch Popcorn-Kino muss doch nicht immer die ältesten Klischees auf absolut hervorsehbare Art abspulen! Oder, ein anderes Problem bei vielen Hollywood-Produktionen: Auch Popcorn-Kino kann doch ohne grobe logische Fehler auskommen, oder? Ich meine, diese Filme kosten Millionen von Dollar, da kann man doch mal hunderttausend in die Hand nehmen, mir vor Drehbeginn das Script schicken und mich bitten, wenigstens den allerschlimmsten Schmus und die hanebüchensten Fehler auszubauen!

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Im Sommer sah ich kurz hintereinander Oblivion und Star Trek: Into Darkness. Beide Filme sind sehr schlecht, wobei Into Darkness aus verschiedenen Gründen noch ein ganzes Stück schlechter war. Was mich verblüffte war, dass beide Filme die exakt selbe Raumschiffverfolgungsjagd durch einen Canyon präsentierten (beide mit dem tausendmal gesehenen Ende, dass sich das Raumschiff der Guten vor einer besonders schmalen Stelle querstellte, während das Raumschiff der Bösen gegen die Felsen rammelte) und als sei das nicht genug, hatten auch noch beide Filme denselben „End-Gag“, der auch nicht ganz neu war: Die Nummer mit dem Trojanischen Pferd. Die Bösewichter wollten etwas haben, statt des Erhofften wurden ihnen aber Bomben geliefert und gezündet. Was bei Homer vielleicht noch ein guter Kniff war, ist in einem SF-Film nur albern, weil erstens davon auszugehen ist, dass der Trick bekannt ist und zweitens dass es soetwas wie Sensoren gibt, die einem verraten, was man da gerade geliefert bekommt.

Auf Elysium habe ich mich sehr gefreut, da District 9 vom selben Regisseur einer der besten SF-Filme der letzten Jahre war. Der Film ist auch nicht schlecht, insbesondere die erste halbe Stunde ist grandios (während der Szene beim mechanischen Bewährungshelfer schauten ein Kumpel und ich uns an, er sagte: „Jobcenter“ und wir nickten). Leider sindd die Actionszenen scheiße, es ist halt der übliche Mist mit schnell geschnittenen Wackelkameras, wo man garnichts erkennt – das mag ich so an Emmerich: Wenn da was kaputt geht, dann hat man als Zuschauer auch seine Freude daran, aber ich schweife ab. Was ich erzählen wollte ist, dass in Elysium in einem zentralen Teil der Story ein grober Logikfehler steckt, und sowas verdirbt mir jeden Film. Es gibt da eine Software, die im Gehirn abgespeichert wird. Es ist voll die urst wichtige Software, der Schlüssel zum ganzen Betriebssystem der Raumstation Elysium. Diese muss natürlich gut geschützt werden, weshalb sie mit einem tödlichen Kopierschutz ausgestattet ist. Soweit so gut, aber das lustige an diesem Kopierschutz ist, dass sie den Träger der Software tötet, nachdem ihm diese aus dem Gehirn entwendet wurde! Das ist wie ein Diebstahlschutzsystem, das den Juwelierladen in die Luft jagt, nachdem die Diebe mit der Beute abgehauen sind, herrjemine!

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Ich versteh sowas nicht. Merken die sowas nicht, wenn sie ihre Drehbücher schreiben? Gibt es niemanden, der die sich mal durchliest und auf so etwas achtet? Hat Emmerich nicht sofort auf seinen Schreibtisch gekotzt, als er die Stelle mit der Uhr gelesen hat? Oder interessiert die das einfach nicht? Denken die, die Zuschauer sind so doof, die merken das eh nicht? Vielleicht sind ja die meisten so doof, aber kann man nicht ein bisschen Rücksicht auf die Undoofen nehmen, auch wenn sich vielleicht irgendwann herausstellt, dass das gar nicht soviele sind, vielleicht sogar nur ein einziger, der traurig und wütend Anklageschriften in sein Weblog hämmert …

My 24 oder: Schneewittchen im Trabbisarg

Notfalleinsatz beim Comedyslam in der Dresdner Schauburg. Beginn 20.45 Uhr, mein Zug soll 20.52 Uhr in Dresden sein.

Der Zug ist pünktlich … bis Berlin Südkreuz. Dann die Ansage „Blablabla Personenschaden blablaba“. Allgemeines Geseufze und „Kann der sich nicht wie anständige Bürger in der Küche aufhängen“-Gemurmel.

Zugumleitung. Verlassen Berlin nach einer Stadtrundfahrt über Lichtenberg. Die freundliche Frau mit dem Esoterikratgeber fragt arglos: „Nu, des verstehsch neh. Die müssen des doch nur alles wegmachen, was dauort denn daran so lange?“

Habe zum Glück ein gutes Buch dabei: „Das Paradies am Rande der Stadt“ von mir selber. 2006 erstmals im yedermann-Verlag erschienen und seit einiger Zeit nicht mehr lieferbar, wird es im März bei Voland & Quist neu aufgelegt. Ich lese es also noch einmal und kritzele ein bisschen mit dem Kuli darin herum. Das habe ich zuletzt in Schulbüchern gemacht. Dort war es zugegebenermaßen ein bisschen lustiger, weil es oft Fotos von Menschen gab, denen man Brillen oder Hitlerbärtchen anmalen konnte.

Ankunft mit 50 Minuten Verspätung. Taxi. Direkt und in letzter Sekunde (gerade soll die Pause angesagt werden) auf die Bühne. Während mir Thomas Jurisch aus dem Mantel hilft und ich irgendwas ins Mikrofon blubbere, macht Kontantin Turra meinen Rucksack auf. Reingreifen, Text rausziehen, merken, dass ich im Zug noch mal hätte auf Klo gehen sollen, egal – vorlesen.

Pause. Große Freude meinerseits, als ich sehe, dass dort noch immer der Ordner„Versandscheine Kümmeritz“ steht, den ich vor gut einem Jahr mit einem kleinen Strich in „Versandscheiße Kümmeritz“ umgetauft habe.

Lese als Letzter im Finale. Um genau 23.58 Uhr. Macht ja nüscht, muss ja erst um 7 im Zug nach Berlin sitzen.

Kurz vor eins ist alles erledigt, ich habe noch fünf Stunden zu schlafen, doch statt ins Bett geht es noch in eine Bar – ich kann das nicht: Nach dem Auftritt sofort nach Hause oder ins Hotel.

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(Ich hasse es, wenn die Dinger mich so  traurig angucken und „Bitte nicht!“ zu rufen scheinen.)

Der Laden ist sehr klein; ich bewundere das Geschick, mit dem die Inhaber es dennoch geschafft haben, das gesamte Angebot an Flachbildschirmen eines mittelgroßen Elektronikmarktes an den Wänden zu verteilen. Sichere mir den einzigen Platz, auf dem man nicht MTV gucken muss, weil sie das Fenster gegenüber mit einem Fernseher zuzuhängen vergessen haben. Schaue nun in die MTV-guckenden Gesichter der Kollegen.

Ein Getränk, dann ab ins Bett, das habe ich mir geschworen, und tatsächlich schaffe ich es, mich nach zwei Getränken auf den Weg zu machen

3 Uhr. Ankunft im Hostel. Endlich ins Bett. Beziehungsweise in den Trabbi. Die haben eine Matratze längs in einen ollen Trabant Kombi eingebaut. Dieses Etablissement ist eindeutig nicht für Gäste meines Alters konzipiert. Und erst recht nicht für Gäste meines Alters mit DDR-Vergangenheit, die schon beim Anblick eines solchen Autos und der Erinnerung an Familienfahrten an die Ostsee mit so einem Ding Platzangst bekommen.
Alternativ könnte ich auch das Hochbett benutzen, an dem ich mir innerhalb von zwei Minuten drei mal den Kopf stoße, aber schließlich krabbele ich doch auf allen Vieren durch die Heckklappe in den Trabbi, dann wieder mühselig heraus, weil man die Scheinwerfer nur mit mit dem Schalter an der Zimmertür ausmachen kann. Mache das Licht aus, taste mich durch absolute Finsternis, stoße mir zur Guten Nacht ein letztes Mal den Kopf am Hochbett, krabbele in den Trabbi zurück und schlafe wie ein Stein.
Also gar nicht. Steine schlafen nicht, wie ja leider nur die wenigsten wissen. Steine können gar nicht schlafen, und ich tue es ihnen gleich.

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Wie sollte ich auch schlafen? Dadrin fühle ich mich wie Schneewittchen im Glassarg; hoffentlich kommt jetzt nicht auch noch ein nekrophiler Märchenprinz vorbei! Das schlimmste aber ist diese bohrende Frage: Wie haben die den Trabbi in das Hostelzimmer gekriegt? Irgendwann fallen mir wohl doch die Augen zu. Mein Handywecker scheitert an der Aufgabe, mich zu wecken, doch mein innerer Wecker funktioniert perfekt: Fast auf die Minute genau zur Abfahrtszeit meines Zuges wache ich auf.

Bahnhof Dresden Neustadt: Zehn Minuten vor Abfahrt des nächsten Zuges bin ich dort. Genug Zeit. Ich hole mir eine Fahrkarte und einen Kaffee und stelle dann fest, dass man sich noch einen kleinen Spaß hat einfallen lassen: Zum Bahnsteig 7 muss ich über Bahnsteig 3, den man erstmal finden muss. Treppe rauf, den ganzen, langen Bahnsteig 3 entlanghetzen, während man auf Gleis 7 schon den Zug einfahren sieht, Treppe runter, Treppe rauf, Zug geschafft, uff. Ein kleines Fitnessprogramm, das von den Reisenden in der Regel sicher mit Begeisterung aufgenommen wird, nur ich muss mal wieder Nörgeln! Bloß, weil ich immer noch Knie hab, nicht rennen und nur schlecht und langsam Treppensteigen kann und am Montag wahrscheinlich eine Kniespiegelung verpasst bekomme, vor der ich mich schon sehr fürchte, weil man da bestimmt einen Schlauch schlucken muss, der so lang ist, dass er bis dort unten reicht, bäh.

In Leipzig verschafft mir ein ausfallender Zug noch eine Kaffeepause und die Gelegenheit, die nächste Stufe der Eskalation des Schwabenkrieges zu dokumentieren:

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(Woher kommt nur dieser Hass? Was haben die Schwaben den Leipzigern denn getan? Und vor allem: Was haben wir Berliner den Leipzigern getan?)

Jetzt wird alles gut. Sitze im Zug nach Berlin, schreibe diesen Weblogeintrag (auch wenn ich erst Sonnabend dazu kommen werde, ihn abzuschicken) und bin gleich wieder am Hauptbahnhof. Muss jetzt bloß noch rasch ins Studio Audiofenster in Kreuzberg, um die komplette Hörbuch-CD zu meinem neuen Geschichtensammelband „Das Mädchen mit dem Rohr im Ohr und der Junge mit dem Löffel im Hals“, der im März (ebenfalls bei Voland&Quist) erscheint, einzulesen, dann die Wohnung in bewohnbaren Zustand versetzen, weil ich heute Abend Besuch bekomme, noch ein paar Seiten Druckfahnen für das neue Buch korrigieren und um neun bei der Lokalrunde auftreten. Duschen und so Zeugs dann morgen…

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Nachtrag Sonnabend: Habe mich daheim dann doch für die Dusche und gegen das Druckfahnengeschmöker entschieden, aber ansonsten hat alles geklappt. Bin jetzt sehr gespannt, ob man den Aufnahmen die zwei Stunden Schlaf und die vielen Zigaretten anhören wird …

(Volker Strübing)

GZSZ mit Drachen – Eine Beschwerde

Gibt es eigentlich Menschen, die noch wirklich gespannt auf die Fortsetzung von „Game Of Thrones“ / „Das Lied von Eis und Feuer“ warten? Ich war von der Fantasy-Saga nach anfänglicher Skepsis sehr begeistert, habe die ersten Bände verschlungen, mich in die Charaktere verliebt und über die Fähigkeit von R.R. Martin gestaunt, jede Szene mit einer Fülle von liebevollen Details zum Leben zu erwecken, habe die Dialoge genossen, die Weltschöpfung bewundert. Bis es ab dem fünften Band (in der deutschen Fassung, also dem dritten im Original) immer deutlicher wurde, dass das alles wohl nirgends hinführen wird.

Die Handlung labbert aus, es geht nicht voran, Hauptpersonen sterben, Bataillone von Nebenfiguren werden eingeführt und aufgebaut, um dann meist sang- und klanglos wieder zu verschwinden, die Haupthandlungsstränge finden nicht zusammen, gefühlt alle 200 Seiten wird Tyrion Lannister entweder entführt oder fällt ins Wasser, und das entsprechende Kapitel endet mit der Frage, ob er ertrinken wird oder nicht (wird er nicht, wie wir ein paar Kapitel später völlig überraschend erfahren), nach mehreren tausend Seiten reitet Daenerys endlich mal auf einem ihrer Drachen – und zwar bis auf Weiteres heraus aus der Handlung des Romans; wahrscheinlich weil ihr das ganze ziellose hin und her öde geworden ist. Wobei sie mit dem hin und her nicht allzuviel zu tun hatte, da sie ganze 6 Bände lang nur in ihrer eroberten Stadt rumhockt. Die Schneezombies warten seit dem Prolog darauf, endlich mal eine wichtige Rolle zu spielen, und der Winter naht noch immer.

Das Ganze ist wie eine Endlos-Fernsehserie angelegt. Ich mag Serien, aber wenn es sich nicht um eine Sit-Com, sondern ein Drama handelt, dann freue ich mich doch sehr über einen Abschluss. Bei Romanen umso mehr.

Klar: Es ist viel realistischer, dass alles immer irgendwie weitergeht, dass es keine Katharsis gibt, sondern nur eine endlose Wiederholung der immerselben Motive in neuer Kulisse und mit anderen Protagonisten, so ist das Leben nun einmal, das Schicksal ist ein schlechter Dramaturg. Aber ich lese doch keine Fantasy-Saga, weil ich an einer Geschichte, wie sie das Leben schreiben würde interessiert bin. Gebt mir ein Ende, nachdem ich ein Buch zuklappen kann – traurig, dass es vorbei ist, aber doch zufrieden und erlöst.

Wird das die Zukunft sein: Auf der einen Seite 100seitige Erzählungen oder notdürftig zusammengehaltene Episoden, auf die der Verlag ganz frech das Wort „Roman“ drucken lässt, auf der anderen endlose „Sagas“, die bald ähnlich wie Fernsehserien von Autorenkollektiven geschrieben werden? Bin ich zu kulturpessimistisch? Sehne ich mich insgeheim nach dem Weltuntergang und hoffe nach dem erneuten Ausbleiben desselben nun wenigstens auf eine Literaturapokalypse? Du weißt gar nichts, Volker Strübing.

Vielleicht kriegt es Martin ja noch hin und führt sein Werk zu einem Ende, dass diesen Namen verdient. Das wäre eine nobelpreiswürdige Leistung, aber hallo. Ich werde die nächsten Bände trotzdem oder gerade deswegen lesen (kein Wunder, dass Verlagen das Serienkonzept so gut gefällt). Die Hoffnung stirbt zuletzt bzw. zusammen George R.R. Martin.

(Volker Strübing)

PS: Ja, okay, der GZSZ-Vergleich in der Überschrift ist fies, Entschuldigung, Aufmerksamkeitsöknomie und so. Apropos GZSZ and now for something completely different: Bei Hörspielen kann man so deutlich wie sonst nur bei Tatort-Folgen feststellen, dass die wichtigste Qualifikation deutscher Schauspieler die Fähigkeit zu sein scheint, keinen einzigen noch so banalen Dialogsatz wie ein normaler Mensch auszusprechen.

Grulm!

Grulm ist die Abkürzung für „Grüße aus Ulm“. Ich war gerade zu faul, „Grüße aus Ulm“ auszuschreiben, darum habe ich sie mir ausgedacht. Ich bin für 4 Tage hier, als Teilnehmer beim Donau-Riß-Poetry-Slam-Cup. Es ist mein zweiter Besuch hier; das letzte Mal war ich 2010 in Ulm, und es ist schön wieder hier zu sein, denn Ulm ist ein sehr inspirierender Ort – vor 2 Jahren habe ich hier meinen Text über hässliche Städte geschrieben.

Nicht dass Ulm hässlich wäre. Oder hässlicher als andere Städte. Ulm hat alles, was der Mensch zum Glücklichsein braucht: Hübsche Kanälchen, eine erfreulich hohe Dichte an kleinen Buchhandlungen, Maultaschen, ICE-Anschluss, einen Poetry Slam, eine Bar, in der man rauchen kann und in der einem unvermittelt fremde Frauen freundlich durch die Haare wuscheln (sie kam aus Richtung der Toiletten, und vielleicht waren einfach bloß die Papierhandtücher auf dem Damenklo alle, aber ich gehe meines sonnigen Gemüts wegen davon aus, dass das ein netter Ulmer Brauch gegenüber Gästen der Stadt ist), es gibt die „gigantische Sparolympiade“ eines Möbelhauses und einen Arschbomben-Contest. Vor allem aber gibt es: Oma-Kuchen!


Ich musste sofort an die alte Oma Eierschecke aus meinem Lieblingskinderbuch „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ denken. Oma-Kuchen finde ich gut. Und Oma-Cafés sowieso. Vielleicht ist ja die kleine Bäckerei in Ulm Vorreiter einer neuen Oma-Kuchen-Café-Welle und wenn die Bubble-Tea-Läden pleite gehen werden sie durch Oma-Cafés ersetzt, das wäre doch schön.

Ich hab den Oma-Kuchen übrigens nicht probiert, im Schaufenster sah er aber gut aus. Nur die etwas zu große Auswahl hat mich etwas stutzig gemacht. Es gab ein Dutzend verschiedene Oma-Kuchen, die beschriftet waren mit „Oma Erdbeer“, „Oma Mandarine“, „Oma Kirsch“ und so weiter. Das klingt noch ziemlich nett, aber die Sorten „Oma Quark“, „Oma Pflaume“ und vor allem „Oma Käse“ sind etwas unglücklich betitelt, finde ich. Man hätte ja auch einfach „Käsekuchen“ hinschreiben können, aber nein, sie hauen einem die Oma um die Ohren wie die Jungs von der „gigantischen Sparolympiade“ ihren „Aktions Rabatt“ – „einen Begriff penetrieren“ nannten wir das, als ich als Texter in einer Werbeagentur arbeitete. Hier wird also sozusagen die Oma penetriert, und darüber möchte ich lieber nicht nachdenken, nein, nein, nein. Vielleicht sollte ich doch nicht auf einen Oma-Kuchen-Café-Trend hoffen, vielleicht ist es besser, der Oma-Kuchen stirbt aus und bleibt eine schöne Erinnerung, als dass er auch noch auf dem Markt verheizt wird.

(Lobenswerte Versuche, Ulm ein modernes Antlitz  zu geben, scheitern immer wieder an atavistischen Bausünden, wie diesem düsteren Ding im Bildhintergrund. Wenn man es wenigstens anstreichen würde, in freundlichen Pastellfarben zum Beispiel! Oder mit Dämmplatten bekleben, das Monstrum hat doch sicher eine grauenhafte Energiebilanz!)

Heute Abend ist der letzte Slam im Rahmen des Donau-Riß-Cups und den Nachmittag habe ich mit Theresa Hahl und Sebastian 23 im Kino verbracht. Wirklich den ganzen Nachmittag, denn wir haben Batman geguckt und das hat 3 Stunden gedauert. Ich will nicht zuviel über den Film verraten, aber ich hoffe, es ist kein Spoiler, wenn ich schreibe, dass er totale Grütze ist und ich bei der „gigantischen Sparolympiade“ oder dem Arschbomben-Contest sicher mehr Spaß gehabt hätte. Mäßige Actionszenen, ewiges Gesülze (zum Kompott auch noch mit runtergepitchten Stimmen), Plot-Twists von der Stange, Hans-Zimmer-Überwältigungs-Musik, Hirnriss und Pathos und der reichlich vorhandene unfreiwillige Humor trägt leider auch nicht über die gähnenden Abgründe der Langeweile.

Grulm!

(Volker Strübing)