Versuch über die ethischen Dimensionen und gesellschaftlichen Folgen des Einsatzes von Fahrradrücklichtern mit Standlichtfunktion

Ich finde ja nette Menschen nett. Aber ist es zuviel von diesen netten Menschen verlangt, endlich einmal zu schnallen, dass es Fahrradrücklichter mit Standlichtfuntkion gibt?!!
Das ist doch nun wirklich kein superneues Geheimgadget, mit dem bisher bloß ein paar Google-Ingenieure zu Testzwecken unterwegs sind. Sogar die Straßenverkehrsordnung weiß bereits um ihre Existenz („LED Standlichter müssen eine Nachleuchtzeit von mind. 4 min bei einer Resthelligkeit von 26% der Anfangslichtstärke aufweisen“) Trotzdem werde ich noch immer regelmäßig darauf angesprochen. Und von wem? Von freundlichen Menschen, die mir einen Gefallen tun wollen! Und ich muss ihnen dann erklären, dass alles in Ordnung ist, ihnen kurz die Funktion erklären und mich trotzdem bei ihnen bedanken!

_MG_5046(Nanu-uhu?! Was habe ich denn mit diesem Text zu tun?)

Dem netten Menschen aber ist das Ganze natürlich furchtbar peinlich, er schämt sich, stottert herum, entschuldigt sich, hält sich für dumm, schleicht davon wie ein geprügelter Hund! All seinen Mut hat er zusammengenommen, um die gesellschaftlichen Konventionen, die Mauern zwischen Fremden errichten, zu überwinden; er hat einen freiwilligen, unprovozierten Schritt auf einen Mitmenschen zu gemacht – aus purem Altruismus! Es ist nicht die Hoffnung auf ein Entgelt, oder darauf, dass sich der Angesprochene vielleicht als Multimilliardär, mächtiger Beamter, möglicher Sexualpartner oder sonst jemand entpuppt, dessen Bekanntschaft und Wohlwollen einem eines Tages vielleicht nützlich sein könnte, nein, nicht einmal Freundschaft will er, nur ein Dankeschön und das gute Gefühl, einem Mitmenschen, einem Leidensgenossen auf dem langen Wege von der Geburt zum Tod quer durch das irdische Jammertal einen kleinen Gefallen getan zu haben – und dann das: Blamage! Und er denkt: Recht haben sie, die Leute, die sagen: Der Nette ist immer der Dumme! Und nie wieder wird er einem oder einer Fremden helfen. Aus einem guten Menschen ist ein Mann geworden, der wegschaut, wann immer er Menschen in Not und Gefahr sieht, er legt sich einen Panzer aus Eis zu, den er von nun an in der Öffentlichkeit trägt und auf einmal bin ich Schuld daran, oder wie?! Weil ich die Gemeinheit besessen habe, so ein wundersames Zauberfahrradlicht an mein Fahrrad gebaut zu haben statt mich alle naselang von Autos überfahren zu lassen, oder was?!
Schon alleine die Zumutung, mich in die Verlegenheit zu bringen, ihn in diese peinliche Situation bringen zu müssen! Ihm versichern zu müssen, dass das nicht so schlimm sei, ich es trotzdem urst gut fände und er ein netter (wenn auch dummer, was ich aber natürlich nicht aussprechen darf) Mensch sei und überhaupt, das könne doch jedem mal passieren (pah! von wegen!) und überhaupt hihi, haha! Dabei wäre es doch wohl nicht zuviel von diesem „netten“ Menschen verlangt gewesen, sich über die neusten Entwicklungen auf dem Fahrradrücklichtmarkt zu informieren! Mann! Was für ein mieser Typ!

_MG_5027

(Nüscht!)

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Ein Kommentar zu “Versuch über die ethischen Dimensionen und gesellschaftlichen Folgen des Einsatzes von Fahrradrücklichtern mit Standlichtfunktion

  1. Hihi. Wie oft ich schon darauf hingewiesen wurde! Ich frag mich, wie viele Leute auf ihr schrecklich blinkendes Fahrradlicht hingewiesen wurden. Die sind immerhin verkehrsgefährdend.

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