Bilder der Woche 40 – Der Innenausstatter der Hölle

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(Hamburg)

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(Kerzen-Jakob in Würzburg ist für Ordensschwestern, was der Apple-Store für Hipster ist.)

Wenn irgendeinem Ding das Prefix „Design-“ vorangestellt wird, ist Vorsicht geboten. Wenn es sich bei dem Ding um ein Hotel handelt, ist statt Vorsicht schiere Panik angesagt. In Bremen verschlug es mich in eine solche Absteige des Schreckens. Diese Farben! Diese Formen! So sah das Zimmer aus:

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Ja, sie haben den Fernseher in den Spiegel integriert! (Unnötig zu erwähnen, dass es unmöglich war die nervende rote Standby-LED auszuschalten, weil man nicht an den Stecker kam …) Ja, es war wirklich alles abgerundet, eine Hommage an die schrecklichen 70er-Jahre, für die sich sogar die schrecklichen 70er-Jahre geschämt hätten! Und nein, die Farben habe ich nicht mit irgendwelchen Filtern erzeugt, das sah wirklich so aus. Die im Spiegel erkennbare Stehlampe schaut ihr euch besser nicht genauer an, sonst verliert ihr endgültig den Glauben an die Menschheit.

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Da kommt Gemütlichkeit auf! Das einzige was noch schlimmer ist, als zwei genau gegenüber angeordnete Spiegel, sind zwei im rechten Winkel aufgestellte Spiegel, wie es sie früher in jedem etap-Hotel gab.

Schweigen wir über die Form der Spiegel, das kann man schon mal … nein! kann man nicht! Aber darum geht es gar nicht, sondern um den Umstand, dass der Spiegel auf eine Milchglasscheibe geklebt war, die das Bad vom Schlafraum trennte.  Mit dem Klolicht schaltete man nachts praktisch auch eine Zimmerbeleuchtung an, da kommt Freude bei den Zimmergenossen auf, wenn plötzlich eine hässliche doppelte Frauensilhouette das Zimmer in Helligkeit taucht. Immerhin wird man so nicht erst vom Rauschen der Spülung in der hellhörigen Toilette geweckt

Am Grausamsten war es, morgens die Augen zu öffnen und festzustellen, dass die Lampen, die Spiegel, der ganze Scheiß keine Ausgeburten eines Alptraumes waren. Verzweifelt stürzte ich mich nicht aus dem Fenster, aber ans Frühstücksbuffet, um mit einem Kaffee dem Lebe wieder einen Sinn zu verleihen.

Doch dort hieß es erstmal: Warten bis Plätze frei wurden. Das habe ich zuletzt 1992 im FDGB-Hotel in Oberhof erlebt, dass man beim Frühstück platziert wurde und Schlange stand, zum 70er-Jahre-Design-Revival kam so auch noch ein bisschen DDR-Nostalgie, nur dass es keine Nostalgie war.

Kloß und Spinne waren auch ganz verzweifelt:

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Das silberne Etwas ist ein Sessel. Die Lobby und der Frühstücksraum war vollgestellt mit diesen Dingern, in denen eine auch nur halbwegs würdevolle Einnahme des Frühstücks vollkommen unmöglich war, zumal sie über äußerst leichtgängige Rollen verfügten, die einen durch den halben Raum katapultierten, wenn man sich, nachdem man sich eins der winzigen Brötchen geschmiert hatte, etwas forsch zurücklehnte, um es zu verspeisen, ohne dass die durch niedrige Tische und den sinnlosen Sessel erzwungene Sitzhaltung einem den Verdauungsapparat komplett abschnürte.

Und das ist die Wurzel des Übels:

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Laut einem Hotelangestelllten handelt es sich bei dem Pappkameraden in der Ecke um den Designer des Designhotels. „Er hat darauf bestanden, dass das dort aufgestellt wird, damit er seine Opfer Gäste immer im Blick hat!“

Eine schöne, designarme KW 47 wünsch ich euch!

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