Bilder der Woche 34 – Gute Zeiten, schlechte Zeiten und Die Stadt über der Stadt

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(Probier das mal mit Energiesparlampen!)

Als Student – ja, ich hab mal studiert, sogar zweimal oder besser gesagt: ich war zweimal für längere Zeit für irgendwas eingeschrieben – habe ich vom Blut- und Kackesortieren in einem medizinischen Labor bis zum Papst-vor-polnischen-Nonnen-Beschützen einige Jobs ausprobiert. Vielleicht der schönste war Komparse. In einer Zeit, als GZSZ noch dreistellige Episondennummern hatte und die jungen Menschen, vor und mit denen ich heutzutage bei Poetry Slams auftrete, noch Quark im Schaufenster waren, oder höchstens mit’m Luftballon um die Russenkolone gerannt sind, war ich Stammgast in Daniels Bar und gestikulierte irgendwo im Hintergrund wild und sinnfrei, weil ich so tun musste, als unterhielte ich mich mit einem anderen Komparsen, wobei wir aber nichts sagen durften, da der Ton mitlief. Gelegentlich saß ich auch in einem Krankenhausflur für eine Arztserie, wobei ich für eine Folge von OP sucht Dr. Bruckner beinahe mein Leben ließ: 

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(Out of the woods …)

Man muss dazu wissen, dass bei Arztserien die Regisseure gelegentlich vollkommen durchdrehten. Überhaupt sind die Regisseure von mittelpreisigen Arztserien wahrscheinlich die dümmsten, unsympathischsten und bedauernswertesten Menschen der Welt, wobei ich dieses Urteil auf den zwei oder drei Beispielen gründe, die ich kennengelernt habe. Während bei GZSZ einfache Regiearbeiter klaglos malochen; wissend, dass sie genauso austauschbar sind wie der Statist, der unscharf im Hintergrund mit den Armen wedelt, um wenigstens ein bisschen aufzufallen und seine eigene Persönlichkeit einzubringen, tragen die Regisseure nicht ganz billiger aber auch nicht wirklich teurer Arztserien alberne Schals um den Hals geworfen, wie sie es von erfolgreichen Filmschaffenden kennen, denn eigentlich gehören sie nicht hierher, sondern nach Hollywood. Ihren ganzen Hass auf eine Welt, in der sie eine mittelpreisige Arztserie drehen müssen statt in Hollywood zu sein, lassen sie an den Komparsen aus.

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Und ab und zu brauchen sie ein kleines Blutbad … Dann wird das Studio mit Komparsen gefüllt, die blutige Verbände und offene Brüche haben, alle 4 Sekunden rennt ein Team mit einer Krankenliege durch, immer dabei: Jemand der einen Beutel mit irgendeiner Flüssigkeit über dem Kopf des Menschen auf der Liege hält. Nie wird erklärt, welche Naturkatastrophe eigentlich gerade über den Ort, in dem der ganze Schmonzes spielt hereingebrochen ist …

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Und einmal sagte einer dieser Ärsche (sorry): „Ja, also und dann laufen Dr. Bruckner und Tusnelda Dingelboms“ – den genauen Namen weiß ich nicht mehr – „hier vorbei. Ah, ja, ich sehe gerade, wir haben vier offene Brüche, 8 blutige Kopfverbände und einen Mann mit einer Axt in der Stirn im Hintergrund, das reicht mir noch nicht. Du da!“ Er zeigte auf mich. „Leg Dich mal hier hin, du wirst wiederbelebt, du siehst eh schon halb tot aus, hähähä.“ Sehr witzig, klar, ich hatte die Nacht durchgemacht, na und? Die anderen am Set lachten pflichtschuldigst mit und ich legte mich hin und ein anderer Komparse, Student der Landwirtschaft bekam so ein Druckdingens und begann, mich wiederzubeleben und dabei fast zu töten, weil er es irgendwie immer schaffte, das Ding zuzudrücken, wenn ich gerade ausatmen wollte, womit er mir die verbrauchte Luft bis ganz tief unten in die Lunge zurückdrückte, naja.

IMG_0422(Filter? Welcher Filter? Das ist der Bibelmodus am Fotoapparat!)

Schöner Job wie gesagt, zumindest meistens. Was ich damals gelernt habe, ist bei Filmen auf die Komparsen zu achten. Das ist insbesondere bei deutschen Filmen oft sehr lustig. Hier hab ich schonmal was über einen Tatort geschrieben, der offensichtlich vom selben Regisseur verbrochen wurde.

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Tja, das hat nun wirklich herzlich wenig mit den Bildern der Woche zu tun sieht man davon ab, dass sie entstanden, als ich das erste Mal seit elfundfünfzig Jahren wieder kompasieren durfte bei einem Dreh von Freunden. Auf einem Dach in Mitte. Ich tat unscharf im Hintergrund so, als ob ich bei einer tollen Grillparty viel Spaß hatte, was dadurch erleichtert wurde, dass wir reden durften und wirklich ein bisschen Spaß hatten. Und eigentlich wollte ich darüber schreiben und über die „Stadt über die Stadt“ über die ich währenddessen nachdachte (Komparsen haben viel Zeit zum Denken), aber jetzt ist leider das Internet voll und ich muss Schluss machen.

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(Die Bar der Stadt über der Stadt)

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