Bilder der Woche 25/2014 – Flaschensammler auf Sinnsuche und eine Welt in Angst und Feierlaune

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(Vor dem Bahnhof Hamm/Westfalen – Ja, ich bin dort tatsächlich ausgestiegen und habe den „wird in Hamm geteilt“-Zug verlassen. Aber nur für eine Stunde, weil mein Zug mit irgendwelchen Sportschülern, die zur Spartakiade oder so fuhren vollgestopft war und ich genug Zeit hatte, auf den nächsten zu warten.)

Ehrlich, ich weiß nicht, was ich von diesen Pfandkisten halten soll. Den Flaschensammlern das Leben erleichtern, indem man ihnen das Pfandflaschensammeln erleichtert? Befürworter sagen, das würde den Sammlern die Entwürdigung des Wühlens in Abfallbehältern ersparen und regen an, dort wo es keine derartigen Vorrichtungen gäbe, könne man die Flaschen auch einfach neben die Mülleimer stellen. Das ist alles richtig und sehr freundlich gedacht, aber für mich hat das doch so einen Beigeschmack von Konsolidierung des Elends, von paternalistischer Barmherzigkeit und Gewissensberuhigung. Klar, damit kann man jede Hilfe für andere, die nicht die sofortige Einführung des Himmels auf Erden für jeden einzelnen Menschen und die Durchsetzung vollkommener Gerechtiigkjkeit zum Ziel hat, diffarmieren. Ich gebe Bettlern (manchmal) Geld und tatsächlich stelle ich schon seit langem Pfandflaschen, die ich nicht nach Hause tragen will oder kann neben die Papierkörbe statt sie reinzuschmeißen.
Aber extra Behältnisse? Ich weiß nicht, dass ist, als würde man an Bettler, die den ganzen tag in der Fußgängerzone knien – Knieschoner ausgeben. Klar, auch das wäre eine gute Tat und irgendwie hilfreich, aber irgendwas daran ist fürchterlich schief.

In einer Sache wenigstens bin ich mir sicher: Alles schlechte der Welt wünsche ich den Ärschen, die die Pfandkisten wieder in Müllbehältnisse verwandelt haben.

Zwischendurch ein schönes Blumenbild, dann nochmal was zu den Pfandsammlern.

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In letzter Zeit war viel von einer Studie über Pfandsammler zu hören (zum Beispiel hier oder hier). Die Berichte über die Studie und Interviews mit dem Verfasser legten den Schluss nahe, dass es sich hierbei nicht um ein Armutsproblem handle. Die Leute würden nicht deshalb Flaschen sammeln, weil es ihnen auf Grund ihrer Arbeitslosigkeit an Geld mangele, sondern an Sinn und Sozialleben. Um das bisschen Kohle ginge es gar nicht. Ich kenne nur einen Flaschensammler persönlich, und von dem weiß ich, dass er auch das bisschen zusätzliche Kohle dringend brauchte (und vom Sozialamt Ärger bekam – was wohlbedeutet, dass irgendjemand ihn angeschwärzt hat … aber ich will jetzt gar nicht über Arschlöcher schreiben). Dieses eine Beispiel entkräftet natürlich keine Studie, bei der 20 oder 30 Leute zu Wort kamen, aber anmerken möchte ich es trotzdem. Ich find bloß bemerkenswert, dass ich immer den Eindruck hatte, dass die Berichte  fast erleichtert klang. Ach soooo, alles halb so schlimm, denen gehts gut, und die machen brav den Dreck weg und wer sich traut kann ihnen auch mal über den Kopf streicheln, die beißen nicht. (Aber hinterher Händewaschen!)

Ganz davon abgesehen finde ich es auch ziemlich gruselig, wenn Leute, nach denen man ihnen ihr Leben lang eingetrichtert hat, sie seien nur soviel wert wie ihre Arbeit, nachdem sie vor die Tür gesetzt wurden, keine andere Möglichkeit sehen, ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben, als (angeblich ohne materielle Not) in Mülleimern zu kramen.

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Das Bild stammt noch aus der Anfangszeit der WM (ich bin mit dem Rückblick drei Wochen im Verzug …). Falls hier Fußballmenschen mitlesen: Welche der beiden Zeitungen hat denn recht? Einig ist man sich ja nur in dem Punkt, dass Müller „die Welt“ (darunter machen wir’s nicht!) in Atem hält. Aber zittert sie nun oder feiert sie?

Auf dem folgenden Bild sieht man eine sehr schöne Lok, eine sehr starke Lok auch, denn sie hat mich bis nach Stuttgart gezogen. Die Lok zog Scharen fotobegeisterter Fahrgäste an, doch es waren nicht ihre urtümliche Schönheit oder wuchtige Eleganz, die die Menschen interessierten, sondern ein grausiges Detail … arme Taube …

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