Neulich in der SPD-Zentrale

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Geheimes Protokoll der Sitzung des SPD-Wahlkampfteams zur Europawahl 2014 bestehend aus Martin Schulz, Schwacko Lindt, Sulzbart Mahnfried, Eusebian Hollerbusch und Molke Bratschwan. Außerdem anwesend: Ein Tschaiwallah

  • Martin Schulz: So, Genossen … Europawahl. Wir brauchen noch irgendwelche Plakate oder so, die wir draußen aufhängen können. Hat irgendjemand ne Idee?
  • Schwacko Lindt: Hm. Ich finde, es sollte irgendwas mit unserem Programm zu tun haben. Und kurz und knackig sein.
  • Martin Schulz: Super. So machen wir’s!
  • Sulzbart Mahnfried: Aber Vorsicht! Nicht dass das am Ende populistisch wirrd!
  • Alle: Nee, nee.
  • Eusebian Hollerbusch: Ich hab ne Idee! Wir schreiben immer irgendwas Gutes und dann „statt“ und dann was Schlechtes!
  • Fast alle durcheiander: Genial! Der Hammer! Das gabs noch nie!
  • Sulzbart Mahnfried: Ähm. Ich glaub da war mal was mit „Gut und preiswert statt schlecht und teuer“ oder so. Von nem Supermarkt. Und „gemeinsam statt einsam“ von ner Singlebörse. Und „Arbeit statt Strafe“ vom …
  • Eusebian Hollerbusch (eingeschnappt): Jaja. Das ist doch was ganz anderes, das kann man doch nicht vergleichen!
  • Sulzbart Mahnfried: Naja. Und hatte die CDU nicht mal was mit „Freiheit statt Sozialismus“?

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  • Martin Schulz: Mag sein, aber damit haben sie auch die Wahl gewonnen, also was soll das Genörgel.
  • Schwacko Lindt: Vielleicht sollten wir den einfach übernehmen?
  • Martin Schulz (blättert im Parteiprogramm und schüttelt dann den Kopf): Nee, passt leider nicht.
  • Eusebian Hollerbusch: Lasst uns doch erstmal ein paar Sachen zusammentragen, die wir gut finden. Dann brauchen wir nur noch das Gegenteil finden und Peng! Slogan!
  • Molke Bratschwan: Blumen!
  • Martin Schulz: Hm. Naja, Frau Bratschwan, es sollte schon irgendwas mit der SPD zu tun haben.
  • Molke Bratschwan: Rote Nelken?
  • Martin Schulz: Rote Nelken statt … ähm … hm da fällt mir jetzt spontan nichts ein. Andere Ideen?
  • Eusebian Hollerbusch: Arbeitsplätze! Mehr Arbeitsplätze statt …. weeß icke … weniger Arbeitsplätze.
  • Fast alle: Geilomat! Super! Heißer Shit!
  • Sulzbart Mahnfried: Ich finds ein bisschen populistisch.
  • Martin Schulz: Und vor allem: Viel zu konkret! Am Ende werde ich noch gewählt und darauf festgenagelt, seid ihr bekloppt?!
  • Sulzbart Mahnfried. Wir können es ja noch ein bisschen verschwurbeln.Nicht: „für mehr Arbeitsplätze“, sondern „gegen Arbeitslosigkeit“. Und anstelle dieses volkstümlichen „Statt“ können wir vielleicht irgendwas mit Genitiven machen, damit uns niemand vorwerfen kann, wir würden uns in unserem Wahlkampf ans Volk wenden.

 

  • Eusebian Hollerbusch: Herr Mahnfried, ich weiß nicht warum sie es darauf anlegen, meine Kampagne zu boykottiern, es kann doch wohl nicht …
  • Martin Schulz: Ruhe jetzt. Wir machen beides. Was mit Genitiven und was mit „statt“, aber alles ausreichend nichtssagend, um jeden Populismusverdacht auszuschließen und sicherzugehen, dass mir niemand etwas kann, wenn ich exakt gar nichts in Brüssel erreiche.
  • Eusebian Hollerbusch und Sulzbart Mahnfried (eingeschnappt): Na guuut.
  • Schwacko Lindt: Wie wäre das: „Für Arbeitsplätze! Gegen Arbeitslosikeit.“
  • Sulzbart Mahnfried: Genitiv, Herr Lindt, Genitiv!
  • Martin Schulz: Und dieses „gegen“ klingt mir auch schonn wieder viel zu hart und kämpferisch.
  • Schwacko Lindt: Okay: wie wäre das: „Für ein Europa der Arbeitsplätze. Nicht der Arbeitslosigkeit!“
  • Martin Schulz: Super! Ich würde aber gerne noch „Arbeitsplätze“ gegen irgendwas austauschen, was fast genauso positiv klingt, aber absolut nichts aussagt!

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  • Schwacko Lindt: Chancen?
  • Martin Schulz: Bingo! Jetzt nur noch das etwas forsche „Für“ streichen! „Ein Europa der Chancen. Punkt. Nicht der Arbeitslosigkeit. Punkt.“
  • Schwacko Lindt: Und als nächstes was mit Wachstum! Wachstum wird immer gern genommen!
  • Martin Schulz (blättert stirnrunzelnd): Sind wir eigentlich für Wachstum? Ahh, ja, okay. Vorschläge?
  • Alle vor sich hin grübelnd: Hmm … keine Ahnung … ich weiß nicht, ich weiß nicht … irgendwas was kein Wachstum ist … hm …
  • Tschaiwallah: Stillstand.
  • Martin Schulz: Super! Und noch einen Tee, bitte. „Ein Europa des Wachstums. Punkt. Nicht des Stillstandes. Punkt.“
  • Eusebian Hollerbusch: Können wir hier nicht zur Abwechslung schreiben: „Wachstum statt Stillstand“
  • Sulzbart Mahnfried: Nein, können wir nicht …
  • Martin Schulz: Herrjeh, Schluss jetzt! „Statt“ nehmen wir für den Wahllkampf in Berlin. Am besten einfach drei, vier Sachen „statt Stillstand“, da müssen wir uns jetzt nicht lange aufhalten. „Berlin statt Stillstand“, „Currywurst statt Stillstand“, „Gestalten statt Stillstand“, „Schni-schna-schnullepups statt Stillstand“ …
  • Schwacko Lindt: Was für Gestalten? Ich kenn nur finstere.
  • Martin Schulz: Häh?

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(Was für Gestalten? Finstere?)

  • Molke Bratschwan: Ich hättt gern noch was fürs Herz. Irgendwas darüber, dass sich in Europa alle liebhaben und helfen und nicht immer nur streiten sollen.
  • Martin Schulz (verdreht die Augen): Okayyyyy. Wir wärs mit: „Ein Europa des Miteinanders. Punkt. Nicht des …“ Hm …
  • Alle (vor sich hin grübelnd): Hmm … keine Ahnung … ich weiß nicht, ich weiß nicht … was wäre denn das Gegenteil von „Miteinander“? Puh, dass Wahlkampf so kompliziert ist, hätt ich aber nicht gedacht … och Menno, dis muss doch örjendwas geben, was da passt … es ist doch zum Mäusemelken!
  • Tchaiwallah: Gegeneinander.
  • Martin Schulz (verärgert): Sie wissen auch alles, was? Dann werden Sie doch Politiker, wenn sie alles besser können. Herrjeh! Kunden schickt das Arbeitsamt … Also gut: „Ein Europa des Miteinanders. Nicht des Gegeneinanders.“

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(Martin Schulz: „Nein, ein anderes Grinsen kann ich nicht, aber wenn wir es zweimal aus leicht unterschiedlichem Winkel fotografieren ist das doch auch okay, oder?“ Fotograf: „Äh.“)

  • Alle: (murmeln zustimmend)
  • Martin Schulz: Und jetzt hab ich noch eine Überraschung: Einen voll superen Spruch als Motto für die ganze Kampagne. Den hab ich mir mit meiner Frau zusammen ausgedacht. Naja. Eigentlich hab ich ihn mir ausgedacht. Beim Canasterspielen. Naja, eigentlich beim Kacken, in der Canasterpause, aber meine Frau meinte auch gleich, dass der super ist. Achtung, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich präsentiere Ihnen das Motto des SPD-Europawahlkampfes 2014 …
  • Alle: (lauschen super gespannt)
  • „Europa neu denken.“
  • Alle: (schweigen)
  • Martin Schulz: Was ist?
  • Eusebian Hollerbusch (erhebt sich, wischt sich eine Träne aus dem Auge und legt sich eine Hand aufs Herz) : Wir – und ich denke, ich kann hier für uns alle sprechen – sind sprachlos vor Ergriffenheit!
  • Schwacko Lindt: Ein Meisterwerk. So … bedeutungsschwanger …
  • Sulzbart Mahnfried: … und absolut bedeutungslos …
  • Eusebian Hollerbusch: … so aufgeblasen wie ein Politiker-Ego …
  • Sulzbart Mahnfried: … so absolut populismusunverdächtig …
  • Schwacko Lindt: … weil niemand etwas damit anfangen kann … hihi, Europa neu denken, was soll denn das sein, haha, Europa neu denken statt alt denken, hoho.
  • Alle: Hihi, haha, hoho

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  • Eusebian Hollerbusch: Und auch so richtig schön falsches Deutsch, aber so falsch, dass alle denken, es sei gar nicht falsch! So marketingfalsch halt, so dass das dann alle nachplappern, wenn sie sich richtig wichtig fühlen wollen!
  • Tschaiwallah: Apropos. Es gab schon Energie neu denken, Lebensmittel neu denken, Logistik neu denken, Klopapier neu …
  • Alle: Schnauze!
  • Molke Bratschwan: Ginge vielleicht auch „Europa neu fühlen“?
  • Alle: Schnauze!

Zugabe:

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(Das ist dann wohl diese berühmte Internationale: Die SPÖ hat den selben Texter (aber nicht genug Kleingeld für ein Leerzeichen.)

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(Hm. Auch „statt“, auch nicht egal, auch Wien, aber eine andere Partei. Ist auch viel zu viel Inhalt für Sozialdemokraten.)

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(Der Inhalt ist Müll, der Slogan „statt“, aber irgendwie finde ich es ganz originell, einen Phallus als Parteilogo zu verwenden. Das es ein roter Soziphallus ist, macht das ganze noch lustiger.)

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(Statt-Stadt Konstanz)

(Volker Strübing)

 

 

 

 

 

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