Bilder der Woche 11/14 – Richard Claydermann für Hipster (Entschuldigung!)

Am Montag, 10 Tage ist das jetzt schon wieder her, war ich bei einem Konzert von Nils Frahm, weil ich den erstens sehr gut finde und zweitens eingeladen war.Es war für uns beide Philharmonie-Premiere: Für mich war es überhaupt das erste Mal dort, für Nils Frahm das erste Konzert, das er dort gab. Auch für die Philharmonie war es eine Premiere: Es dürfte das erste Konzert gewesen sein, das wegen eines abgestürzten Computers unterbrochen werden musste. Außerdem waren wahrscheinlich noch nie soviele Hipsterbärter an diesem Ort versammelt. Wenn man gemein sein wollte, könnte man Nils Frahm durchaus als Richard Claydermann für Hipster bezeichnen. Aber man müsste schon sehr gemein sein. Ich find Nils Frahm ja gut.

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 (Der Kammermusiksaal vor dem Konzert. Vom Konzert selber habe ich kein Foto, weil ich zu den wenigen Menschen gehörte, die während des Konzerts ihr Handy ausgeschaltet und in der Tasche ließen. Nennt mich altmodisch … in Wirklichkeit war allerdings der Akku runter, sonst hätte ich natürlich daran rumgefummelt und instagegrammt)

Ich sag mal: Die Commputerabsturzunterbrechung (und nein, soweit ich das sehen konnte, war es kein Windows-PC!) trug natürlich nicht zum Konzertgenuss bei; im Gegenteil, als der Rechner nach zwanzig Minuten wieder lief, hatte ich den Kontakt zur Musik verloren und fand ihn nicht wieder. Wozu er den Rechner brauchte, wurde mir übrigens nicht ganz klar. Vielleicht als Loopmaschine und Effektgerät. Aber soetwas gibt’s doch auch in absturzsicher als Extragerät?!

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(Hurra, die neuen supercoolen Philharmonie-Basecaps sind da!)

Für mich war es trotzdem interessant das zu sehen, weil ich mich in ihn hineinversetzen konnte. Es war ihm offenbar sehr, sehr peinlich.Und man muss sich das mal vorstellen: Für ihn ging ein Traum in Erfüllung: Ein Konzert in der Philharmonie, die er so oft als Zuhörer besucht hat, es ist ausverkauft und dann …

Ich erinnerte mich an all die vergurkten Auftritte meines Lebens, die Versuche, es irgendwie noch auf der Bühne zu retten, den Angst– und Schamschweiß (wobei Schamschweiß jetzt kein schönes Wort und vielleicht auch missverständlich ist). Zur Peinlichkeit kommt dann noch dieses Gefühl von Hybris – was habe ich mir eigentlich eingebildet, mich hier auf diese Bühne zu stellen, was glaube ich eigentlich, wer ich bin?

Ich konnte nicht anders, als Nils Frahm danach noch ein bisschen mehr zu mögen.

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(Kein guter Abend für den Motz-Verkäufer vor der Philharmonie.)

Am Donnerstag fuhr ich nach Leipzig. Buchmesse. Das Foto hier sieht aus wie ein Selbstie, ist aber ein Foto von Bas Böttcher in seiner Textbox:

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Hier nochmal von der anderen Seite:

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Ich weiß nicht, wann ich die Textbox das erste Mal auf der Leipziger Buchmesse gesehen habe. Wahrscheinlich 2006, als mein erstes Geschichtenbuch erschien. Eine klasse Idee: Inmitten des Messetrubels kann man sich eine kleine Auszeit nehmen, Kopfhörer aufsetzen und sich Geschichten und Gedichte von Autorinnen und Autoren vortragen lassen. Eine Art Poesie-Oase. Ich hatte immer wahnsinnige Angst davor. Es war mir viel zu intim mit nur einer Handvoll Zuhörer so verbunden zu sein.

Dieses Jahr habe ich mich doch getraut – und fand es super! Trotz der 70 Grad, die in der schwarzen Box herrschten …

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(Aber ich will nicht klagen. Unter diesem Kostüm war es garantiert noch wärmer – und der (oder die oder das) Arme konnte nicht nach 15 Minuten wieder raus.)

Vor allem aber war ich am Donnerstag zur Preisverleihung für den „Ungewöhnlichsten Buchtitel 2013“ des Literaturmagazins wasliestdu.de nach Leipzig gefahren (Schnipselfriedhof berichtete). Hier halte ich trotzdem nicht mein Buch hoch, sondern den Drittplatzierten: Quichottes und Patrick Salmens Rätselbuch „Du kannst alles schaffen, wovon Du träumst. Es sei den es ist zu schwer“. Mir war nämlich just in diesem Augenblick aufgefallen, dass es ein bisschen wie ein sehr, sehr glückliches Schwein aussieht. Super niedlich auf jeden Fall. Und weil es sowieso ein saucooles Buch ist passt das ja.

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Hier bin ich sehr würdevoll und seriös wie es sich für einen Buchpreisträger geziemt:

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(V.l.n.r.: Icke, eine nette Frau von wasliestdu, deren Namen ich peinlicherweise vergessen habe und den ich im Netz nicht finde, Jan Drees und Torsten Woywood von wasliestdu.de)

Jan Drees hat die Preisverleihung moderiert und eine wundervolle Kritik/Laudatio geschrieben, die mich ein bisschen verlegen macht, weil sie so unglaublich gut ist – was mich nicht davon abhielt, sie mir bisher rund elfmal durchzulesen.

Zugabe:

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(Man könnte mich für einen Leckermäulchen-Junkie halten, wenn man nicht wüsste, dass ich dringend Becherchen für die Tomatensamen brauchte!)

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(Volker S. trifft Volker S. – aber welcher ist welcher? Unheimlich …)

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(Das etwas andere Wagnerdenkmal in Leipzig. Quietschbunt mit Plattenbau und Brüsten!)

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(Die neue U-Bahn in Leipzig war angeblich so teuer wie der Ärmelkanal, die ISS und ein Kaffee im Hotel Adlon zusammen. Hätte man für das Geld nicht auch was Schönes bauen können? Es hätte ja auch nicht unbedingt eine schöne U-Bahnstation sein müssen. Andererseits gebe ich zu: Es hat was. Aber das kann man natürlich auch von der Mondoberfläche oder einer Kläranlage sagen.) 

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(Messefeierabendblues)

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(Architektonisch ganz was anderes: Das wunderbare UT C0nnewitz, in dem Ahne, Kirsten Fuchs, Spider und ich am letzten Buchmesseabend eine Lesung hatten. Im Bild: Ahne am Mikro, Spiders Schuh am rechten Bildrand.)

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(Nach der Lesung. Gut zu erkennen im linken unteren Viertel: Leckre Bemmen für die Künstler!)

Und noch zwei Textboxbilder. Eins mit Frank Klötgen in da house box:

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3 Kommentare zu “Bilder der Woche 11/14 – Richard Claydermann für Hipster (Entschuldigung!)

  1. Sorry, aber das Handy beim Konzert ausmachen ist nicht altmodisch, ne ne ne ne. Sowas wird nicht altmodisch. Das hat was mit Anstand und Respekt zu tun, ach nee, das ist ja auch schon altmodisch. Respekt? Wo kommen wir denn da hin heutzutage? Die Zeiten für Respekt sind vorbei. Oder doch nicht? Nur mal so zum Nachdenken für jedermann und PC für jederfrau.

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