Bilder der Woche – 04/14: I, Prophet

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Vielleicht war es der Engelmann-Effekt, vielleicht waren bei den Leuten daheim die Heizungen kaputt, vielleicht war es nur Zufall: Am Dienstag war der Saalslam im Saalbau Neukölln so voll wie selten oder sogar nie zuvor. Darüberhinaus war es auch schön und darüberhinaus habe ich gewonnen und konnte eine Flasche Berliner Wodka mit nach Hause nehmen.

Das alles hat wenig mit dem obenstehenden Foto zu tun, sieht man davon ab, dass es sich erstens um die Herrentoilette des Saalbaus handelt und ich zweitens einen Großteil des Slams wegen dieser Toilette verpasste (was nicht der Wahrheit entspricht, aber aus Gründen der Dramatisierung hier von mir behauptet wird), weil ich immer und immer und immer wieder die Reihe der Toiletten abschritt wie ein General seine Truppen und mich daran berauschte, wie die Toiletten in begeistertes Rauschen ausbrachen, wenn ich an ihnen vorbeidefilierte. Ich zog eine Schleppe aus fließendem Wasser hinter mir her; es war eins dieser kleinen Wunder unserer Zeit, an dies wir uns schon so gewöhnt haben, dass sie uns nicht mehr auffallen. Hätte ich den selben Trick sagen wir mal vor so 2000 Jahren irgendwo an der Levante zur Aufführung gebracht, wären meine Texte heute Gegenstand des Theologiestudiums.

Die selbsttätig spülenden Toiletten bringen mich zu einem Bildschirmfotos meines Lieblingsfacebookpostings dieser Woche:Image1

Ich will mich hier nicht in den Vordergrund spielen – obwohl, eigentlich doch – aber ich warne schon seit langem:

Überhaupt sind meine hellseherischen Fähigkeiten ziemlich beeindruckend. Heute las ich von einer angekündigten App für Google Glass, die es ermöglichen soll, beim Sex die Perspektive des Partners einzunehmen. Außerdem soll es Dritten möglich sein, sich in das Geschehen einzuklinken. Wie sich das anfühlt, hab ich schon 2007 in einer Geschichte beschrieben, nur damit ihr’s wisst!

Möglich ist natürlich, dass ich eigentlich gar nicht hell sehe, sondern Zukunft erschaffe: Alles, was ich schreibe wird wahr! Hier noch einige Dinge, auf die man sich vorbereiten sollte, denn ich habe sie bereits in Geschichten beschrieben, sie sind also nicht mehr aufhaltbar:

– in China wird ein Reissack umkippen
– Deutschland wird aufgrund eines Internethypes zur Monarchie
– defekte Arnold-Schwarzenegger-Klone werden auf Heimtrainern Energie erzeugen
– Wir werden zukünftig für Arbeitsplätze bezahlen müssen
– die Wende wird niemals stattgefunden haben

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(Nicht wirklich der Terminator T-800 und doch einer seiner Vorfahren!)

Gleich werden mich alle hassen (und einige tuen es vielleicht schon, weil sie wissen, wo der Blumen-Automat steht): Ich war von Mittwoch bis Sonnabend auf Usedom. Ein Mini-Urläubchen, ein nachgeholter Neujahrsurlaub obwohl ich Neujahr schon 3 Tage auf Rügen im Uraluab war, aber von 2012 war noch einer liegengeblieben.

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(Das obligatorische postapokalyptische Bild der Woche kommt diesmal vom Strand von Heringsdorf)

In Koserow sah ich diese schöne Statue, die ich lobpreisen möchte, denn ist sehr selten, dass im öffentlichen Raum etwas ausgestellt wird,  das nicht potthässlich ist:

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Als abschreckendes Beispiel für die übliche Hässlichkeit von Kunst im öffentlichen Raum sei hier eine Statue aus dem ebenfalls auf Usedom gelegenen Trassenheide angeführt:

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Ich möchte nicht wissen, wieviele Kinder dieser Anblick schon traumatisiert hat.

An dieser Stelle, weil es so schön passt, Bilder von der wahrscheinlich merkwürdigsten Plastik ganz Deutschlands. Ich entdeckte sie kurz vor Weihnachten in der wirklich hässlichen (sorry!) Fußgängerzone von Singen am Bodensee, weshalb es schwerfällt sich ein Urteil über ihre eigene ästhetische Qualität und ihren Zweck zu bilden. Vielleicht sollte hier zum Ausdruck gebracht werden, dass die einzige geistig gesunde Reaktion auf die Tristesse und ästhetische Grausamkeit deutscher Innenstädte der Wahnsinn ist?!

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Aber zurück nach Usedom, wo es Attraktionen in großer Zahl gibt.

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Da ist zum einen „Die Welt steht Kopf“, ein umgedrehtes Haus, in dem alle Möbel an die Decke geschraubt sind und das dem Zweck dient, verrückte Fotos zu machen, die aussehen,  als stünde man selbst falschrum an der Decke. Desweiteren gibt es, warum auch immer, eine traurige Halle mit Terrakottakriegern und die „Größte historische museale Bügelgeräte-Ausstellung in Europa“, eine „Spannende informative Darstellung, die uns das einfache Bügeln von Wäsche neu und geheimnisvoll erscheinen lässt“, desweiteren eine Naturerlebniswelt, in der man mit beängstigend geformten rosa Mineralien kuscheln kann sowie Europas größte Schmetterlingsfarm. Dort werden Schmetterlinge gezüchtet, die bei Erreichen der vollen Größe geschlachtet werden. Die Flügel werden nach Afrika exportiert und zerstören dort wegen ihres aufgrund von EU-Subventionen unschlagbar günstigen Preises die Existensz der heimischen Schmetterlingsbauern, während die Brüste filettiert und an zahlungskräftige Feinschmecker in Deutschland und ganz Europa verkauft werden. Nehme ich zumindest an.

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Empfehlen aber möchte ich die überall auf Usedom verteilten Filialen der Bäckerei Wolfsteller, vor allem das Geschäft in Koserow. Wegen des fantastischen gefüllten Streuselkuchens und der Sammlung alter Kaffeekannen, die wohlige Schauer auslöste und mich nach einem bitterkalten Spaziergang an der Küste in eine behagliche Traumwelt mit tausend Porzellankannen voll des besten Kaffees der Welt entführte. (Der Kaffee selbst konnte die Erwartungen leider nicht erfüllen …)

Den meisten Spaß hatte ich beim Möwenfüttern aus der Hand. Es ist tatsächlich ziemlich einfach mich wenigstens kurzfristig sehr, sehr glücklich zu machen.

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Wie es sich gehört, kam alsbald eine grantige Frau vorbei und sagte: „Es ist rot!“ Dann stutzte sie und sagte: „Ach nee.“ Dann überlegte sie und sagte schließlich: „Is keen Fahrradweg!“, stutzte und überlegte erneut, dann hellte sich ihre Mine auf, und sie sagte mit aller gebotenen Entrüstung: „Möwenfüttern is verboten!“

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Keine Ahnung, ob das stimmte – entsprechende Schilder oder Hinweise fehlten am Strand und an der Seebrücke. Ich musste darüber nachdenken, warum sie das mit solchem Hass sagte. Ich meine, da stand ich, fütterte die Möwen, war offensichtlich sehr glücklich dabei, die Möwen waren es sowieso und auch einige weitere Touristen, die in der Nähe standen und uns beobachteten, hatten ihre Freude, und diese Frau hatte nichts anderes im Sinn, als all das kaputt zu machen. Nehmen wir an, es war verboten (und dass es vielleicht sogar einen guten Grund gab, es zu verbieten), warum konnte sie nicht freundlich auf die Sachlage hinweisen? Warum ging diese Frau nicht Minerale umarmen, um ihre innere Ruhe wiederzufinden? Hatte sie zulange auf die Platik in Trassenheide gestarrt? Sollte sie ihren Eifer nicht in den Kampf gegen die Käfighaltung in der Schmetterlingsfarm investieren? Hat der Blumenautomat nicht funktioniert? Ist dieser Beitrag nicht ein bisschen lang geworden? Ja. Auf Wiedersehen!

Zugabe:

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(Backstage Selfie, Erlangen, Sonntag Nacht)

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(Backstage Blues, Erlangen, Sonntag Nacht)

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(Backstage-Trend: Krücken! Gute Besserung, Pierre!)

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(Der Serviervorschlag scheint zu lauten: Werfen sie Schokoladenstücke mit großer Wucht in die Schokomilch, so dass diese nach allen Seiten spritzt. Darf man Lidl auf die Reinigungskosten verklagen? Ansonsten ist die im Rahmen der niederländischen Woche angebotene Schokoladenmilch sehr zu empfehlen.)

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(Aber von Möwenfüttern steht da nichts.)

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(Nachdenklich betrachtete er ihren sich langsam drehenden Torso …)

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(Ich konnte 16 Monate nicht fahrradfahren, da lass ich mir das doch jetzt nicht von einem vereisten Sattel verbieten! Wichtig ist nur,  ei Glatteis weder zu lenken, noch zu bremsen, dann kann nichts schief gehen!)

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(Häh? Keine Ahnung, was ich hier fotografiert habe.)

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(Postapokalypse II, Kulturhaus Zinnowitz)

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7 Kommentare zu “Bilder der Woche – 04/14: I, Prophet

  1. Einfach supergenial, der Herr V.S.! Wenn er jetzt noch das Möwenfüttern an erlaubten Stellen hinkriegt – müssen wir ihm schon zu Lebzeiten in einer tristen deutschen Innenstadt eine Statue errichten. Fielmann fällt als Sponsor aus, die haben so geile Brillengestelle nich‘ im Angebot… :P

  2. Gerade will WordPress von mir wissen, ob ich auch wirklich der bin, der ich vorgebe zu sein. Verflixt! Die Maschinen sind schon inzwischen ganz schön schlau geworden! Reden auch nicht mehr mit jedem…

  3. Ich als Exfischkopf versuche mal die Möwenfütterungsfrage zu klären: wo viel Möwenfutter viele Möwen und wo viele Möwen viel Möwenscheiße. Jetzt stelle Dir doch mal als Berliner vor, Hunde könnten fliegen und würden ihr Geschäft in 10-50m Höhe verrichten, wie freundlich wärst Du dann zu Hundehaltern. Also sei doch bitte etwas nachsichtiger mit den – wahrscheinlich immer wieder mal – angeschissenen Einheimischen.
    Anbei: Was sagt der Sachse wenn er an die See kommt? “ Nu gugge ma, hier sind die Raben alle weiss!“ Der kam bei den Urlauber damals immer gut an, auch wenn sie es nicht so zeigten.

  4. Kann mir gut vorstellen, dass es verboten ist, z.B. um die Tiere vor großen Brocken (Ersticken) ungeeigneten Futters (Magenkrämpfe oder was weiß ich,noch alles) zu schützen,und um ihr natürliches Verhalten zu bewahren, was sicher nicht im Menschen-anpeilen-und-satt-werden besteht.
    Aber supertolle Bilder mit den Vögelchen!

  5. Sehr lesenswerter Beitrag, der Spaß beim Lesen macht. Und: Möwen füttern ist nicht verboten. Auch wenn ich für diese Viecher nicht viel übrig habe, gehören sie nun mal auf richtige Strandfotos drauf.

  6. Pingback: Minerale umarmen und andere Usedomerlebnisse / Bansdo

  7. Pingback: Möwenfüttern is verboten! | Usedomspotter

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