White House Trash

Natürlich habe ich „White House Down“ geguckt. Bei Emmerich weiß man was man kriegt: Allerfeinstes Trash-Kino mit Holzschnittcharakteren, Handlung von der Stange, jede Menge amerikanischem Patriotismus und vielen Explosionen. Und in jedem zweiten Film werden das Weiße Haus und das Kapitol zerstört. Insbesondere was die Holzschnittcharaktere, die Stangenhandlung, den Patriotismus und die Zerstörung von Kapitol und Weißem Haus anging, wurden die Erwartungen voll erfüllt. Insgesamt hätte aber ruhig noch ein bisschen mehr kaputt gehen können, da bin ich von Emmerich anderes gewöhnt. Dafür gab es Ausführungen über den „Militärisch-Industriellen Komplex“, die mich wohlig an den Staatsbürgerkundeunterricht in der DDR erinnert haben. Hat jedenfalls Spaß gemacht, ich kannn ihn empfehlen. Das Schöne ist, dass man auch kleine Kinder mitnehmen kann, da sehr auf jugendfreie Gewalt geachtet wurde. Selbst ein Bösewicht, der aus nächster Nähe von einer langen Salve aus einer Gatling-Kanone niedergestreckt wird, fällt einfach als hübsche Leiche um, statt sich in den Haufen Matsch zu verwandeln, der das Ergebnis einer solchen Aktion in der Wirklichkeit wäre.

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(Schade, dass Emmerich nicht ein bisschen von diesem „gesunden deutschen Patriotismus“ hat, von dem manchmal die Rede ist. Das wäre doch toll, wenn er seine Katatrophenfilme hier spielen lassen würde. Es muss ja nicht unbedingt in Chemnitz sein, auch wenn die Fotos zu diesem Beitrag dort entstanden sind.)

Aber zugegeben: Obwohl ich wusste, dass der Film eine Überdosis Klischees liefern würde, gab es dann doch Sachen, die mich schockiert haben. Am Anfang zum Beispiel erhält der Präsident einen Anruf von seiner Frau. Sie redet mit ihm kurz über die Lösung des Nahost-Konflikts und fragt ihn dann, ob er auch die Uhr dabei habe. Er zieht eine güldene Taschenuhr hervor. Sie hat einst Abraham Lincoln gehört und seien Frau hat sie ihm zur Amtseinführung geschenkt. „Natürlich“, sagt er. „Ich trage sie immer an meinem Herzen“, und dann steckt er sie sich in die Brusttasche, und ich krümmte mich im Kinosessel zusammen und dachte: Nein, Roland, das ist nicht dein Ernst, oder? Das machst Du nicht wirklich, nicht diese alte Nummer, nicht auf dermaßen plumpe Weise … aber Roland hatte keine Hemmungen, und ich muss jetzt hier wohl nicht extra spoilern, welche Rolle die Uhr am Ende des Films noch zu spielen hatte …

Okay, es soll Popcorn-Kino sein, aber auch Popcorn-Kino muss doch nicht immer die ältesten Klischees auf absolut hervorsehbare Art abspulen! Oder, ein anderes Problem bei vielen Hollywood-Produktionen: Auch Popcorn-Kino kann doch ohne grobe logische Fehler auskommen, oder? Ich meine, diese Filme kosten Millionen von Dollar, da kann man doch mal hunderttausend in die Hand nehmen, mir vor Drehbeginn das Script schicken und mich bitten, wenigstens den allerschlimmsten Schmus und die hanebüchensten Fehler auszubauen!

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Im Sommer sah ich kurz hintereinander Oblivion und Star Trek: Into Darkness. Beide Filme sind sehr schlecht, wobei Into Darkness aus verschiedenen Gründen noch ein ganzes Stück schlechter war. Was mich verblüffte war, dass beide Filme die exakt selbe Raumschiffverfolgungsjagd durch einen Canyon präsentierten (beide mit dem tausendmal gesehenen Ende, dass sich das Raumschiff der Guten vor einer besonders schmalen Stelle querstellte, während das Raumschiff der Bösen gegen die Felsen rammelte) und als sei das nicht genug, hatten auch noch beide Filme denselben „End-Gag“, der auch nicht ganz neu war: Die Nummer mit dem Trojanischen Pferd. Die Bösewichter wollten etwas haben, statt des Erhofften wurden ihnen aber Bomben geliefert und gezündet. Was bei Homer vielleicht noch ein guter Kniff war, ist in einem SF-Film nur albern, weil erstens davon auszugehen ist, dass der Trick bekannt ist und zweitens dass es soetwas wie Sensoren gibt, die einem verraten, was man da gerade geliefert bekommt.

Auf Elysium habe ich mich sehr gefreut, da District 9 vom selben Regisseur einer der besten SF-Filme der letzten Jahre war. Der Film ist auch nicht schlecht, insbesondere die erste halbe Stunde ist grandios (während der Szene beim mechanischen Bewährungshelfer schauten ein Kumpel und ich uns an, er sagte: „Jobcenter“ und wir nickten). Leider sindd die Actionszenen scheiße, es ist halt der übliche Mist mit schnell geschnittenen Wackelkameras, wo man garnichts erkennt – das mag ich so an Emmerich: Wenn da was kaputt geht, dann hat man als Zuschauer auch seine Freude daran, aber ich schweife ab. Was ich erzählen wollte ist, dass in Elysium in einem zentralen Teil der Story ein grober Logikfehler steckt, und sowas verdirbt mir jeden Film. Es gibt da eine Software, die im Gehirn abgespeichert wird. Es ist voll die urst wichtige Software, der Schlüssel zum ganzen Betriebssystem der Raumstation Elysium. Diese muss natürlich gut geschützt werden, weshalb sie mit einem tödlichen Kopierschutz ausgestattet ist. Soweit so gut, aber das lustige an diesem Kopierschutz ist, dass sie den Träger der Software tötet, nachdem ihm diese aus dem Gehirn entwendet wurde! Das ist wie ein Diebstahlschutzsystem, das den Juwelierladen in die Luft jagt, nachdem die Diebe mit der Beute abgehauen sind, herrjemine!

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Ich versteh sowas nicht. Merken die sowas nicht, wenn sie ihre Drehbücher schreiben? Gibt es niemanden, der die sich mal durchliest und auf so etwas achtet? Hat Emmerich nicht sofort auf seinen Schreibtisch gekotzt, als er die Stelle mit der Uhr gelesen hat? Oder interessiert die das einfach nicht? Denken die, die Zuschauer sind so doof, die merken das eh nicht? Vielleicht sind ja die meisten so doof, aber kann man nicht ein bisschen Rücksicht auf die Undoofen nehmen, auch wenn sich vielleicht irgendwann herausstellt, dass das gar nicht soviele sind, vielleicht sogar nur ein einziger, der traurig und wütend Anklageschriften in sein Weblog hämmert …

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7 Kommentare zu “White House Trash

  1. Bei Star Trek war es aber so, dass die Torpedos einen „was-auch-immer“-Schutzschild im Inneren hatten, sodass man den Inhalt nicht scannen kann. Bei Star Trek werden schon seit der zweiten Staffel von TOS Nerds/Ingeneure/Berater zu den Drehbuchautoren hinzugezogen, um solche groben Schnitzer auszumerzen. Sonst wäre es ja auch nen Märchen (a.k.a Star Wars) und kein Science Fiction.

  2. 1.) Das mit der Uhr muss nunmal irgendwie weitergetragen werden. Es ist eben gut!

    2.) Der „Militärisch-Industrielle-Komplex“ stammt – wie übrigens auch „Die Wende“ – von einem Staatsoberhaupt:

    3.) Der letzte Film von Emmerich war für mich „Das Arche-Noah-Prinzip“, den ich mir in unseren durchaus wohligen „Volkslichtspielen“ im Rahmen des Staatsbürgerkundeunterrichts anschauen durfte!

  3. Der Youtube-Link wird leider seltsam eingebaut. Man spule also einfach zu 2:20 vor und höre sich die bemerkenswerte Abschiedsrede von Mr. Eisenhower an.
    (Man kann sich auch den ganzen Film anschauen. Lohnt sich auf jeden Fall – Besser als sämtliche obengenannten wahrscheinlich allemal!)

  4. Das Problem ist, in dem Moment, in dem man den schlechten Film gesehen hat und sich über die Logikfehler aufregt – hat man ja schon bezahlt. Es würde also nur helfen, dass man das Kino nach dem man sein Eintrittsgeld geklaut hat, sprengt. Oder so.

  5. Deine Einkaufsverwirrungen haben Dir gestern abend im Thalia Hamburg anlässlich des Städte Battles für uns Hamburger überzeugend einen überzeugenden Sieg gebracht. Komme doch mal öfter vorbei!!!

  6. Endlich sagt mal einer, wie es ist! Die ganz groben Patzer hätte man ja wirklich raushobeln können. Das mit der Uhr mag ja mittlerweile als Running Gag gelten, aber die Handlung sollte wenigstens kühlschranklogischen Ansprüchen genügen. Das muss einfach drin sein…

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