Elektrozigarette – 2. Versuch

Im Dezember 2010 schrieb ich hier schonmal darüber, dass ich mir eine Elektrozigarette gekauft habe. Dann berichtete ich nie wieder darüber, was unter anderem daran lag, dass ich sie nach zwei, drei Monaten nicht mehr benutzt habe. Jetzt probiere ich es noch mal. Und zwar mit einem weiterentwickelten Modell. Meine alte eGo E-Zigarette hatte ein Wattedepot, das das Liquid (Mischung aus Glykol, destilliertem Wasser und Nikotin) aufnahm und dem Verdamper zuführte. (Wie E-Zigaretten funktionieren, will ich hier aus gutem Grund – Faulheit – nicht näher erklären. Steht aber irgendwo im Internet drin.) Dieses System hatte einige Nachteile: Der Liquidzufluss war ungleichmäßig, so dass manchmal kaum Dampf entwickelt wurde und ein anderes Mal der Verdampfer abgesoffen ist, man wusste nie, wann man nachfüllen muss und manchmal fing offensichtlich die Watte an zu kokeln und es schmeckte extrem widerlich.

Alles Ärger von gestern. Es lohnt sich, dem Dampfen noch eine Chance zu geben. Bevor ich jetzt Geräte empfehle und Links zu Händlern setze, möchte ich darauf hinweisen, dass ich dafür kein Geld, keinen Rabatt und darüberhinaus auch kein Garnichts bekomme.

Ich habe mir vor zwei Monaten eine eGo-T zugelegt. Das T steht für „Tank“. Statt eines Wattedepots verfügt sie über einen (na, was wohl?) Tank, in den man das Liquid einfüllt. Von dort wird es dem Verdampfer direkt zugeführt. Bis jetzt hat noch nichts gekokelt, die Dampfentwicklung ist absolut gleichmäßig bis Tank oder Akku alle sind und durch ein Fenster im Tank weiß man immer, wieviel noch drin ist.

Und das Ding dampft richtig gut. Bei nikotinhaltigen Fluids hat man exakt dasselbe Gefühl beim Inhalieren wie bei einer richtigen Zigarette (nur das es besser schmeckt, wenn man erstmal sein Lieblingsaroma gefunden hat) und man pustet ordentliche Wolken in die Luft (die allerdings nicht stinken und sich schnell verflüchtigen), schließlich raucht das Auge mit.

Die eGo-T sieht allerdings nicht aus wie eine Zigarette und auch das Handling unterscheidet sich deutlich. Man muss sie anders halten und beim Ziehen einen Knopf drücken, der den Akku anschaltet. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig, nicht schlimm, aber auch nicht perfekt.

Darum habe ich mir noch ein Doppelpack der 510-T gekauft und die ist richtig prima. Die 510-T verfügt ebenfalls über das Tanksystem und macht fast soviel Dampf wie die größere eGo-T. Dabei kann man sie aber in der Hand halten wie eine normale Kippe und der Akku schaltet sich automatisch ein, sobald man daran wie an einer normalen Zigarette zieht. Funktioniert prima. Zwar hält der Akku nicht solange und der Tank fasst nicht einmal halb soviel wie der der größeren Schwester, aber für einen Tag reicht es. Außerdem hat man ja eh immer zwei dabei und für zwischendurch noch die Große. Und ich habe ohnehin immernoch Tabak einstecken – von einem Komplettumstieg bin ich leider weit entfernt.

Wer sich sowas kaufen will: Besser nicht im Tabakladen, da gibt es manchmal irgendwelche Nachbauten, die schweineteuer sind und nicht richtig funktionieren. (Meine allererste eGo-T war so ein Reinfall.) Ich kann zwei Internetshops empfehlen, mit denen ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Zum einen steamo, zum anderen dampferbude. Andere mögen genausogut sein, die habe ich aber nicht ausprobiert

Was den Geschmack angeht: Super. Ich mag vor allem die Tabakaromen, bei denen man sich aber nicht vorstellen darf, dass sie wie Zigarettenrauch schmecken würden. Eher so, als würde man seine Nase in ein frisches Päckchen Tabak halten. Meine Favoriten: Tabak Royal, 7 Leaves und Cuban Supreme, alle erhältlich bei steamo. (Auch die Liquids würde ich nicht in irgendwelchen Läden kaufen, das ist in China zusammengepanschtes Zeug, da will man nicht wissen, was wirklich drin ist. So wurden zum Beispiel in einigen davon krebserregende Nitrosamine gefunden – die freilich auch in Tabak, Bier, Fischen, Käse etc. vorkommen ) Sehr eklig finde ich Mellow Sunset und den Bestseller Malle.

Es gibt auch Liquids mit Frucht- oder Gummibärchen- oder Pina-Colada-Geschmack, demnächst wahrscheinlich auch Bratwurst und Harzer Käse, aber die haben mir überhaupt nicht zugesagt. Sehr gut fand ich Cappuccino und Vanille.
Aber da muss jeder für sich was finden. Das ist überhaupt das Nervigste am Anfang: die Suche nach dem persönlichen Lieblingsliquid.

Auch schwierig am Anfang: Das erste Mal in der Öffentlichkeit dampfen. Man kommt sich komisch vor, manchmal wird man auch komisch angeguckt oder gefragt, was das ist, insbesondere bei der 510-T, die vorne an der Spitze eine blaue LED hat, die aufglimmt, wenn man daran zieht. Diese könnte man auch abkleben oder so, aber irgendwie ist das eine schöne Sache, mir gefällt das.

Eigentlich fehlt nur noch eine Sache, um Elekrozigaretten zu einem vollwertigen Ersatz zu machen: Das Anzünden und das Ausdrücken. Dieses: „Jetzt gehe ich mal auf den Balkon eine Rauchen, nehme mir eine Kippe aus der Schachtel oder drehe selbst und nach 15 Zügen ist es vorbei, und ich gehe wieder rein.“ Man kann theoretisch dauerhaft vor sich hin dampfen und viele Nutzer machen das wohl auch. Das ist mir zum Glück nicht passiert, ich dampfe meist ungefähr solange wie ich auch Rauchen würde, dann packe ich sie zur Seite. Aber der definierte Anfang und das unweigerliche Ende fehlen mir dennoch.

Warum eigentlich dampfen und nicht rauchen? Die Antwort ist einfach: Zum einen ist es viel billiger, trotz der hohen Anschaffungskosten für das Gerät und die in den Sand gesetzten Ausgaben für Liquids, die einem nicht schmecken während der Experimentierphase. Zum andern spricht vieles dafür, dass es deutlich weniger schädlich ist, als das Rauchen. Nicht gesund, wohlgemerkt. Das wird auch von keinem Hersteller oder Händler behauptet.

In der Presse liest man oft von den Gefahren der E-Zigarette. Da wird dann zum Beispiel gewarnt, dass E-Zigarette wegen des enthaltenen Nikotins süchtig machen würden – na ist doch super, ich rauche und dampfe doch, weil ich süchtig bin, also her mit dem Zeug – und dass der Trägerstoff auch als Frostschutzmittel eingesetzt würde und zu Atemwegsreizungen und  verminderter Sauerstoffzufuhr führen könne. Au backe. Das kommt ja bei herkömmlichen Zigaretten nie vor. Was man dann gerne unter den Tisch fallen lässt ist die Tatsache, dass das Propylenglykol nicht nur als Frostschutzmittel verwendet wird, sondern zum Beispiel literweise in Diskos verdampft wird um Nebel zu erzeugen. Es ist also offziell zur Inhalation freigegeben.
Aber egal, es fehlen Studien, vor allem über eine längere Zeit, aber schlimmer als das, was man sich mit Zigaretten antut, wird es sicher nicht sein. Die Gefahr beim Rauchen geht kaum vom Nikotin aus (Nikotin an sich ist nicht krebserregend), sondern von den Verbrennungsprodukten des Tabaks.
Was die Presseberichte angeht ist anzumerken, dass sie beinahe durch die Bank weg sehr tendenziös sind, ich habe bisher kaum einen Artikel gelesen, der sich auch nur annähernd darum bemüht hätte, das Thema von allen Seiten zu beleuchten oder Wissenschaftler oder Studien zu zitieren, die der E-Zigarette positiv gegenüberstehen (und davon gibt es eine Menge).

Für Passivraucher scheint die E-Zigarette ebenfalls zumindest weniger gefährlich zu sein, schon allein deshalb, weil die Hauptbelastung für Passivraucher durch den Nebenstromrauch entsteht – das was vor sich hinqualmt, wenn gerade nicht an der Zigarette gezogen wird. Und der fällt komplett weg. Ebenso der Feinstaub im Rauch und die  erwähnten Verbrennungsprodukte. Aber auch das ist nicht hinreichend erforscht und ich benutze die Elektrozigarette in der Regel nur dort, wo auch geraucht werden darf. Neben den gesundheitlichen Gründen gibt es ja auch noch sowas wie Rücksichtnahme und Schamgefühl.

Wer sich dafür interessiert wird im Internet tausende Stellungnahmen und Gegenstellungnahmen finden und kann sich dann aussuchen woran er glauben möchte.

Mit dem Rauchen aufzuhören ist definitiv das Beste (schon allein, um von der Sucht wegzukommen, die doch eine erhebliche Freiheitsbeschränkung darstellt), aber wer das zur Zeit nicht kann oder will, sollte es mal ausprobieren.

Von den recht vielen Leuten, die damals mit mir zusammen mit dem Dampfen anfingen, ist übrigens niemand dabei geblieben, das sei nicht verschwiegen. Ich will das nicht komplett auf die alte Watte-Depot-Technologie schieben. Offensichtlich ist es für manche eine Alternative, für andere nicht. Mal sehen, wie es sich bei mir entwickelt.

(Volker Strübing)

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3 Kommentare zu “Elektrozigarette – 2. Versuch

  1. Also ein guter Selbstwickelverdampfer ist schon etwas anderes als eine Ego-T/C, zudem hat man keinen Wegwerfartikel. Schau doch mal im ERF rum ! Viele Grüße, Micha

  2. ich dampfe nun seiht 1 nem jahr und rauchte 25 jahre. jetzt 1 jahr dampfen hat sich mein lungenvolumen extrem verbesert, mein lungenartzt war begeistert.,

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