Extra langweilige Überschrift eines Artikels, der fast ohne Piraten-Bashing auskommt

Vor ein paar Tagen schrieb ich, dass mir die Idee einer Kulturflatrate sehr sympathisch sei. Dann habe ich angefangen, darüber nachzudenken ;)

Das Nachdenken hätte ich mir sparen könne: Steht ja alles schon im Internet. Und natürlich sind all die Probleme, die mir aufgefallen sind, auch schon anderen in den Sinn gekommen. Auch der Lösungsansatz, der mir einfiel, ist selbstverständlich schon anderen eingefallen und gründlich durchdacht worden. Aber wenn ich, bevor ich anfange nachzudenken oder zu schreiben, jedesmal nachgucken würde, ob ich mir das sparen kann, weil da schon andere drüber nachgedacht und geschrieben haben, dann kann ich die Schreiberei gleich ganz aufgeben.

Hier also meine Gedanken zur Kulturflatrate, vielleicht ist sogar der eine oder andere dabei, der zumindest nicht genauso schon woanders steht, wenn nicht, ist es einfach eine Dokumentation des Standes meiner eigenen Überlegungen:

Die Grundidee ist einfach und prima: Es wird von allen Internetnutzern eine pauschale Abgabe erhoben, dafür ist der Download von Musik, Filmen, Büchern frei und legal. Das eingenommene Geld wird unter allen Urhebern aufgeteilt, je nachdem, wie oft ihre Werke heruntergeladen wurden. Die Gebühr könnte ganz einfach von den Internetprovidern eingezogen werden.

Klingt erstmal super, aber: 

1.) Eine Kulturflatrate (KF) müsste umfassenden Zugriff auf digitale Kulturgüter der ganzen Welt erlauben – eine nationale Kulturflatrate dürfte schwer vermittelbar sein. Wahrscheinlich wird es schwer, die Urheber bzw. Rechteverwerter der ganzen Welt davon zu überzeugen, dass sie ihre Produkte den Deutschen gegen einen schwer zu kalkulierenden Betrag unbegrenzt zum Download zur Verfügung stellen sollen.

2.) Eine Kulturflatrate wäre eine Zwangsabgabe, was sicher vielen misfallen würde. Insbesondere denen, die heute nichts oder nur sehr wenig für Kultur bezahlen, weil sie entweder sowieso schon alles kostenlos downloaden, sich schlicht für nichts interessieren oder mit der werbefinanzierten Kultur von Privatfernsehen und -rundfunk vollkommen zufrieden sind.

3.) Die Einnahmen der Kulturflatrate würden nach Anzahl der Downloads verteilt. Das widerspricht aber dem Prinzip: Mein Geld soll den Künstlern, die ich mag zugute kommen. Denn: Die Möglichkeit, alles downzuloaden, würde ganz sicher dazu führen, dass man sich massenhaft Musik und E-books und Filme und Computerspiele und hastenichgesehen runterlädt, dann reinguckt, -hört, -liest, -spielt, dann den ganzen Krempel, den man doof findet löscht (oder auf der Platte verrotten lässt) und nur den kleinen Teil konsumiert, der einen wirklich gepackt hat. Das Geld, dass man für die KF zahlt, wird aber auch an die verteilt, die man nach dem Download für doof befunden hat (es gibt einen Lösungsansatz, dazu später mehr).

4.) Ein Problem, dass damit eng zusammenhängt: Die Missbrauchsgefahr. Es ist davon auszugehen, dass finstere Gestalten Pseudoinhalte ins Netz stellen würden, mit reißerischen Titeln („Liebe Piraten, fickt euch, aber nicht mich“ oder so), die nur auf Downloads und damit auf Anteile an der Kulturflatrate abzielen.

5.) Die KF würde es erfordern, dass die Downloads aller Internetnutzer erfasst und für Aberechnungszwecke gespeichert werden. Neben den offensichtlichen datenschutzrechtlichen Bedenken wäre wahrscheinlich eine recht große Behörde/Institution für die Verwaltung, Abrechnung, Verteilung nötig, für das Aushandeln der Verträge mit einheimischen und internationalen Urhebern/Verwertern, für den Kampf gegen Betrüger etc. etc. etc.
Wie neulich schon angemerkt, sind aber die großen Befürworter der KF, die Piraten, die größten Gegner solcher Verwaltungsmonster und aller Institutionen, die zwischen den Urhebern und den Konsumenten stehen.

(EDIT: Sorry: Die Piraten als „die großen Befürworter der Kulturflatrate“ zu bezeichnen ist falsch. Die KF ist aus genau aus den oben genannten Gründen unter den Piraten sehr umstritten. Danke Benny.)

6.) Die Höhe der Pauschale wird natürlich ein Riesenstreitpunkt. Wie will man die berechnen? Vielen wird der Betrag zu hoch erscheinen (egal wie niedrig man ihn ansetzt), die BILD-Zeitung wird garantiert ein großes Geschrei anstimmen, Urheber und Verwerter werden sie genauso voraussehbar für zu niedrig halten. Klar ist: Sie wird deutlich unter dem liegen, was der Deutsche im Schnitt für Kulturgüter aller Art  ausgibt. Das ist einerseits natürlich sehr sympathisch und demokratisch und überhaupt ganz dufte, man erlaube mir aber den Egoismus zu sagen: Die Leute sollen lieber weniger für hässliche Kleidung, ekliges Essen und so weiter ausgeben, als für Kultur. Zumal die Senkung der Lebenshaltungskosten in einem Bereich sowieso nur dazu führt, dass sich die Vermieter die Hände reiben und denken, sie können die Mieten noch ein Stück erhöhen … grummel,
Und was wäre zum Beispiel mit Hartz-IV-Empfängern? Soll ihnen die Rate erlassen werden? Ihr ahnt den Aufschrei der Urheber! Oder soll der Staat ihnen das Geld auf die Sozialhilfe draufpacken? Das sich erhebende Geschrei ist ebenfalls leicht vorstellbar.

7.) Wer entscheidet, welche Werke etwas von dem Geld abbekommen? Ein Beispiel: Ich würde nicht auf die Idee kommen, den Schnipselfriedhof zu einem kostenpflichtigen Werk zu machen. Aber selbstverständlich würde ich es für die KF als urgehobenes Werk anmelden, in der Hoffnung, für jeden Leser 0,00003 Cent oder so zu bekommen. Das würden viele so machen. Neben der Anmerkung oben, dass die KF auch auf die „toten“ Downloads verteilt würde, wäre das ein weiterer Punkt, der dazu führt, dass die (ich behaupte mal ohnehin zu geringen) Einnahmen so weit verteilt werden, dass es sich für viele Urheber kaum lohnt.

8.) Und wie wird die Verteilung auf verschiedene Werke geklärt? Wieviel ist der Download eines E-Books im Vergleich zum Download einer CD wert? Bekommt ein 500-Seiten-Roman doppelt soviel wie ein 250-Seiten-Roman? (Hoffentlich nicht, man hat jetzt schon den Eindrucck, dass viele Autoren sinnlos Zeilen schinden, weil dicke Bücher teurer verkauft werden können.) Um diese Frage wird es ricchtig Zoff geben. Künstler sind ja generell schon etwas eitel und von sehr von ihrer Kunst überzeugt (wofür die meisten allerdings auch mit schlaflosen Nächten voller schrecklicher Selbstzweifel zahlen), auf eine friedliche Einigung braucht man da nicht hoffen. Das Schöne: Die Debatte wird wahrscheinlich mehr Unterhaltungswert haben, als die meisten Werke …

9.) Eine weitere Frage: Welche Rechte erwirbt man mit der KF? Nur das Recht zu konsumieren? Einige fordern, dass die Werke dann auch im Rahmen eigener Schöpfungen verwendet und bearbeitet werden dürfen, der Begriff des „geistigen Eigentums“ sei zu streichen, Kultur müsse frei sein, ihre Nutzung dürfe nicht eingeschränkt werden, schon gar nicht, wenn man per KF dafür bezahle. Aber man stelle sich zum Beispiel folgendes vor: Jemand schreibt ein Lied, es wird vielleicht 1000 Mal runtergeladen, der Musiker erhält dafür anteilig ein paar Cent  aus der KF, damit sind seine Ansprüche abgegolten und andere haben das Recht, seine Musik weiterzuverwenden (möglicherweise unter Nennung des Musikernamens). Ein Videokünstler, dem das Lied gefallen hat, kommt auf die Idee, ein Video zu diesem Lied zu machen, dieses wird 3 Millionen mal aufgerufen. Ohne geistiges Eigentum würde er das ihm dafür zustehende Geld nicht mit dem Musiker teilen müssen. Und selbst wenn er teilen müsste: Welche Institution soll die Verteilung übernehmen und entscheiden wieviel von einem angeklickten Video welchem der Beteiligten zusteht?

So. genug kritisiert fürs Erste,, obwohl es noch ein paar Sachen gebe. Jetzt aber zu einem Ansatz, der zumindest einen Teil dieser Probleme lösen würde. Ich hab ihn Kultur-Flattr-Rate genannt, bei Wikipedia findet man ihn unter Kulturwertmark, ein Konzept, dass voom Chaos Computer Club favorisiert und weiterentwickelt wird.

Die Idee ist ganz einfach: Man zahlt wie bei der KF eine Pauschale, kann aber selbst entscheiden, wem das Geld zugute kommt. Das würde die Kritikpunkte 3, 4, 7 und 8 sofort gegenstandslos machen. Insgesamt halte ich die Kulturwertmark für wesentlich realistischer und besser als die simple Flatrate.
Das Geld, das nicht von den Nutzern selbst verteilt wird, käme allerdings in einen großen Topf und würde doch wieder auf alle Downloads verteilt.

Deshalb ist die Umsetzung entscheidend. Wenn es für die Konsumenten aufwändig ist, über die Verteilung ihres Geldes zu entscheiden, dann werden die meisten es nicht tun und der gute Ansatz verpufft. Andererseits darf man es auch den Urhebern nicht zumuten, die technische Lösung bereitzustellen und alle ihre Werke mit hässlichen „Bitte hier klicken, wenn Dir das gefallen hat, damit ich ein bisschen Geld kriege“-Bannern vollzumüllen.

Ich könnte mir folgendes vorstellen: Eine App, die den privaten Medienkonsum protokolliert. Sie läuft auf dem heimischen PC, dem Laptop, dem Smartphone, dem Tablet, dem internetfähigen Fernseher und wo auch immer. Einmal im Monat (oder je nachdem, wie der Abrechnungszeitraum gewählt wird) liefert sie eine Übersicht, was man sich alles angesehen, gehört oder gelesen hat und man kann mittels Häkchen entscheiden, auf welche davon man seine Kulturwertmark verteilen will. Diese Information (und nur diese) wird dann an die zuständige Institution weitergeleitet. Wer sich um gar nichts kümmern will klickt einfach an: „Meine Kulturwertmark auf alle konsumierten Inhalte nach Dauer der Nutzung verteilen“ und die Software erledigt alles automatisch.

Wie oben bereits geschrieben handelt es sich hier um den aktuellen Stand meiner Überlegungen, weshalb ich nicht mit einem Fazit dienen kann.

(Volker Strübing)

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14 Kommentare zu “Extra langweilige Überschrift eines Artikels, der fast ohne Piraten-Bashing auskommt

  1. Du weißt aber schon, dass die GEMA eh bereits 2011 47 Millionen € über eine pauschale „PC Abgabe“ erhalten hat und die GEZ in Zukunft Geld für alles bekommen kann, worauf man technisch theoretisch ARD, ZDF und Co. empfangen könnte (also auch Handys), und dass die betreffenden Abgaben dann eh auf den Preis umgelegt werden, wir also OHNEHIN bereits Kulturflatrates haben, die aber leider nicht ausgewogen berechnet sind? (https://www.gema.de/fileadmin/user_upload/Presse/Publikationen/Jahrbuch/Jahrbuch_aktuell/Das_Geschaeftsjahr.pdf). Es ist ja eben nicht so, dass Flatrates nicht funktionieren würden. Sie müssen „nur“ überarbeitet, transparent gemacht und in einer zentralen Abrechnungsstelle zusammengefasst werden. Beispiel GEZ: Wird denn da gemessen, wieviel ARD ich tatsächlich gucke? Wohl kaum, denn wenn das die Berechnungsbasis wäre, dürfte die GEZ von einem rasant wachsenden Teil der Bevölkerung kein Geld mehr einziehen. Tut sie aber. Und die so geförderten Medien produzierten dadurch Filme, die sie danach derselben Bevölkerung, die sie bereits bezahlt hat (auch z.B. den Tatort) dann vorenthält oder – Zukunftsplan – auf Streamingportalen gegen Geld zum Ansehen anbietet. Nicht zuletzt sind die Verwerter den Nachweis schuldig, dass die in der tat massenraubkopierte Ware im Internet tatsächlich zu weniger Verkauf führt: Gerade kleinere Künstler scheinen doch über das Internet überwiegend erst gefunden und über das Teilen ihrer Inhalte via Youtube & Co. zu ihren Käufern zu finden. All diese Punkte sind jetzt extrem verkürzt, und klar ist, dass es da noch Dutzende Baustellen gibt. Aber das bestehende Urheberrecht nebst aktueller Verwertersituation als Nonplusultra darzustellen ist doch erkennbarer Quatsch, und erst recht ist es Quatsch der Verwerterlobby weiter nachzugeben im Sinne von Totalüberwachung, automatisierter Abmahnung & Co.

  2. hmm, auch gerade durch den spon hier gelandet. frage mich, ob künstler wie du durch das aktuelle urheberrecht eher geld verlieren, als gewinnen. kann mir kaum vorstellen, dass jemand, der seine kunst auf youtube, wordpressblogs und zdf subspartensendern „sharen tut“, durch illegale downloads schon viel geld verloren hat. bei einer kurlturflaterate ähnlich dem weltweit einzigartigen „gema-modell“ könnte ich mir sogar genau umgekehrt vorstellen, dass leute damit geld verdienen, die kaum bzw. gar nicht bekannt sind, ergo auch nicht von urheberrechtsverletzungen betroffen waren geschweige denn hätten schaden nehmen können. dritte frage, die mir dabei aufkommt, wie manche künstler, die zumeist als freischaffende in diesem land kaum von ihrer kunst legal!!!! leben können durch steuer/sozialabgaben und und und, durch eine kulturflaterate evtl. subventioniert würden und dadurch völlig neue kunst, die es sonst gar nicht gäbe, entsteht. ^^ jedenfalls muss ich immer wieder entsetzt feststellen, wie manche selbstständige ernsthaft glauben so ganz allgemein, dass andere, die das leid der selbstständigkeit teilen, irgendwie besser da stünden… ohne darüber jemals nachgedacht zu haben…

  3. Ich habe durch Downloads bisher gar nichts verloren. Meine Bücher tragen nur zu einem geringen Teil zu meinem Lebensunterhalt bei und es gibt keine E-Bokk-Raubkopien davon. Allermeistens verdiene ich mein Geld durch Auftritte – ein Finanzierungsmodell das nicht gefährdet ist. Es gibt keine Pfründe, die ich mir sichern müsste. Zu dem Thema mache ich mir trotzdem Gedanken.

  4. @ Benni: Du hast natürlich Recht: Die Behauptung, die Piraten seien generell für die KF ist falsch. Ich ändere das oben. Dass sie generell dagegen seien ist aber auch nicht korrekt.

  5. „Die Behauptung, die Piraten seien generell für die KF ist falsch.[…] Dass sie generell dagegen seien ist aber auch nicht korrekt.“ Deutsche Piraten halt….Ein kleiner Teil ihre Erfolgsgeheimnisses, wo die anderen Piratenparteien nachbessern müssten… Flexibel wie ein Kaugummi sein, notfalls bei einer Zeitarbeitsfirma Ideen ausarbeiten. :)

  6. @pulp: das ist der gleiche Unfug, als wenn du sagst eine Meinung zum Militär sei wie Kaugummi, weil man weder für Krieg noch für die Gesamtabschaffung aller Streitkräfte sei. Die gegenwärtige Rechtslage kriminalisiert praktisch die gesamte Internetverwenderschaft – auch dich, sofern du das Küken in deinem Avatar weder selbst gezeichnet noch mit Erlaubnis des Künstlers genutzt hast (und sollte das der Fall sein, findet sich bestimmt ein anderes Beispiel). Wenn ein Gesetz – das nicht von Gott kommt, sondern noch immer ein Einigungsvertrag der Gesellschaft, dh der Menschen ist – dermaßen gegen die gelebte Realität der Gesellschaft verstößt, muss die Frage sein, ob sich nicht eher das Gesetz als die Gesellschaft ändern muss. Daraus abzuleiten, dass man zB das Urheberrecht (um das es überhaupt nicht geht, es geht um Verwertungsrechte) komplett abschaffen muss bzw. dass man offenbar dafür sei, das Gesetz komplett abzuschaffen, ist mindestens gewagt, wenn nicht Dummfug. Irgendwo zwischen den Positionen derjenigen, die kein Problem mit einer Totalüberwachung des Internet nebst automatisierter Verfolgung aller Rechtsverstöße haben, und den Interessen der Internetnutzer, die auch morgen noch einen von einem Freund empfohlenen Videoclip auf Youtube schauen wollen, ohne dafür erstmal 60 Cent zu bezahlen, gibt es einen Kompromiss. Diesen zu finden, wird nicht leicht, da eine enorme Zahl Menschen sehr direkt und persönlich betroffen sind. Wenn ich einem Künzel zuhöre, der sagt, er möchte über jede Verwendung seines Werks informiert werden, ehe dieses verwendet oder verfremdet wird, dann ist diese Vorstellung mit der ganz normalen Nutzung Internet nicht in Gleichklang zu bringen. Und in der Tat ist ja die Frage, warum andere Nationen eine Einigung mit Youtube hinkriegen und die GEMA nicht (wie gesagt: nur ein kleiner Ausschnitt des Problems). Eine mögliche „Deckelung“ des Problems der gerechten Künstlerbezahlung besteht in einer KF – ein IMO missverständlicher Begriff bzw. ein Modell, bei dem sich die KF-Theoretiker vikel mehr Gedanken machen, als es frühere Verwerter und Politiker gemacht haben, als es um Rechnungsmodelle der GEMA oder die GEZ ging. Beispiel Musikkassette: Weil man mit der Musik aus dem Radio raubkopieren kann, wurde auf jede Kassette eine bestimmte Summe Geld aufgeschlagen, die zum Abgleich des potenziell durch die Kassette möglichen wirtschaftlichen Schadens der Künstler erhoben wurde. Einen ähnlichen Entschädigungsbetrag hat die GEMA mit Erfolg bei PCs geltend gemacht, wenngleich vermutlich bisher nicht so hoch, wie sie es gern hätte (immerhin aber rückwirkend 47 Millionen €). Erhebt man aber einen solchen Pauschbetrag auf Kassetten, PCs, Smartphones, dann IST das nur 1 Schritt von der KF entfernt (denn: kann man, wenn man 3 Smartphones und 4 Rechner besitzt, tatsächlich die 7-fache Menge Schaden für Künstler verursachen? Ist es sinnvoll, dass man für mehrere Fernseher (Küche, Bad, Wohnzimmer, Auto) mehr GEMA bezahlen muss als nur für 1? Wäre es nicht sinnvoller, pauschal davon auszugehen, dass jeder Steuerzahler mindestens 1 Fernseher und 1 interntfähiges Gerät besitzt und auch nutzt, und die hypothetische Schadenssumme für Künstler pauschal auf die Zahl der Bürger statt auf die Zahl der Geräte umzulegen? Alles Dinge, die man diskutieren kann, ohne deswegen uneinheitlich im Kurs zu sein.

  7. @rabenaas ich hab nirgends geschrieben, dass ich für oder gegen die abschaffung/reformierung/abänderung des urheberrechts bin. imho gings hier auch nicht darum. mit diesem thema hat sich der spon artikel von http://mspr0.de befasst. hier gings imho über den sinn bzw. unsinn einer kulturflaterate, deren einführung die änderung des aktuellen urheberrechts in d. nicht zwingend erforderlich macht und soweit ich das verstanden habe, war das auch das ziel der darstellung von Volker Strübing in seinem blogbeitrag und dem artikel auf spon. I might miss the point, aber das wort kulturflaterate kam jetzt kein einziges mal in deinem post vor?

    was das urheberrecht allg. angeht, es ist mir persönlich egal. ich lebe weder von, mit noch nebem dem urheberrecht. es kreuzt schlicht gesagt nicht einen milimeter meine wege. ich wundere mich nur von zeit zu zeit darüber, dass sich künstler über forderungen nach abschaffungen/reformierungen/änderungen des urhehberrechts aufregen, die selbst mit ihrer kunst keinen cent verdienen würden, wenn es nicht die gema gibt und sowas wie die gema, die btw. keine nation oder eine vergleichbare institution ist, gibt es nur in D. weltweit einzigartig eben. dieser kleine lobbyverband mit seinen 2,2 millionen mitgliedern hat es aber auf äußerst groteske geschafft, in dem rechtsstreit mit youtube das urheberrecht erneut auf die tagesordnung der überflüssigkeitspolitik zu setzen. den, sind wir mal ehrlich, ohne diese youtube geschichte, würde jetzt nicht eine reihe von artikeln von privatbloggern bei spon publiziert werden dieser tage. ;) gut für die blogs, dem thema nützt das aber nichts, es verschwindet nämlich wieder, sobald für die journis bei reuters@inside die nächsten hammernachrichten über die monitore flimmern. :)))))

    zu meinen äußerungen über die piratenpartei und ihrer aktuell äußerst dehnbaren politischen motivation auch zu ihren eigenen kernkompetenzen kann ich nur sagen, dass es ein unbestreitbarer fakt ist. und es wird sicher viele, viele enttäuschte gesichter geben, die sich von der pp abwenden, je mehr die beschlüsse der pp.gremien dem konformitätsprinzip entsprechen, als den wünschen/hoffnungen/vorstellungen ihrer wähler, jungen internetnutzern und nicht zu vergessen den schwesterparteien, die schon jetzt nichts mehr mit der dt. pp gemeinsam haben…..

    grüße von additjournial

    ps.: komme hier vermutlich nicht mehr vorbei. falls weiterer kontakt/diskussion gewünscht ist, mich ggf. direkt kontaktieren, möglw. kann man mich u.U. doch noch belehren, missionieren und auf den rechten pfad zurückbringen. :D

  8. @pulp: Ach Quatsch, ein nachgerufener Klugscheißkommentar reicht mir völlig :) Die Kulturflatrate kam in meinem Post namentlich (als KF, wie auch von dir im Kommentar verwendet) 3x vor – thematisch geht es in der zweiten Posthälfte ausschließlich um die KF. Vermutlich tl;dr

  9. „Und in der Tat ist ja die Frage, warum andere Nationen eine Einigung mit Youtube hinkriegen und die GEMA nicht.“

    Weil die die Interessen der bei ihnen gelisteten Künstler vertreten und die von Youtube vorgeschlagenen Konditionen für nicht fair halten. Man könnte auch sagen, dass man sich von Youtube nicht über den Tisch ziehen lassen will.

    Andererseits könnte man auch der Meinung sein, wenn Google/YouTube was sagt, heißt es: Hacken zusammenknallen und gehorchen. Das scheint zumindest der Ansatz derjenigen zu sein, die die GEMA für das Abgrundtiefböse, Google/YouTube aber als „Social Media“ (und damit als prinzipiell gut) bezeichnen. Dabei ist das ein Multimilliarden-Dollar-Unternehmen, das selbst gar nichts produziert und letztlich vom Output derjenigen lebt, denen es dafür nichts zurückgeben möchte.

    „Wäre es nicht sinnvoller, … die hypothetische Schadenssumme für Künstler pauschal auf die Zahl der Bürger statt auf die Zahl der Geräte umzulegen?“

    Wohl kaum, weil es auch Leute gibt, die gar kein Internet haben und auch keins wollen. Außerdem ist die pauschale Abgabe beim Kauf der Geräte natürlich unschlagbar einfach in der Durchführung. Alles andere wird wieder ziemlich kompliziert und auf jeden Fall teurer als der Status Quo.

    Aber gut, dass man über diese wichtigen Dinge nun diskutiert und dass es eine Partei gibt, die es stellvertretend für alle tut. Dagegen sind doch solche Themen wie Syrien, Finanzkrise, Nahostkonflikt, Mindestlohn, Energiepolitik und Iran Firlefanz. Ein Teil des Erfolges der Piratenpartei ist auch der Tatsache geschuldet, dass solche komplexen Probleme einfach ausgeblendet werden und man sich auf Themen beschränkt, die näher an ihrer Klientel sind. Das erlebt man dann als „Transparenz“, dabei ist es nur „Scheuklappe“.

    „… die btw. keine nation oder eine vergleichbare institution ist, gibt es nur in D.“

    Quatsch, die gibt es unter anderem Namen in anderen Ländern auch. (http://de.wikipedia.org/wiki/GEMA#Andere_Verwertungsgesellschaften)

    BTW, was ist nur aus „übrigens“ geworden??

  10. Es scheinen sich genügend Leute mit diesen Nebensächlichkeiten zu beschäftigen, während sie sich darüber aufregen, daß es doch nur Nebensächlichkeiten sind und man sich damit nicht beschäftigen sollte.
    Was aber das Thema Geld betrifft (oder auch nur streift) ist immer ernst, weil erstens keines da ist, zweitens jeder mehr davon bräuchte und drittens keiner welches zu vergeben hat.
    Früher ist man noch einfach gestorben wenn man nichts zum tauschen hatte. Auch das waren sicherlich herrliche Zeiten. Heute kann halt der, der nichts hat trotzdem was kriegen ohne das Haus zu verlassen, indem er von zuhause aus klaut. Das ist zwar nicht blöd sondern scheiße aber eben auch wahr.

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