Schnipsel vom 10.4.2012

  • Es kam, wie es kommen musste: Innerhalb kurzer Zeit war die Kritik an Grass peinlicher als sein ulkiges Gedicht. Inzwischen gibt es vor allem Kritik an der Kritik. Und eine Diskussion über angeblich gleichgeschaltete Medien. Ein bizarrer Vorwurf, denn wer einmal gleichgeschaltete Medien erlebt hat, weiß, dass diese einen missliebigen Text gar nicht erst abgedruckt hätten und schon gar nicht gestattet hätten, dass es jemand verteidigt.
    Allerdings gibt es bei bestimmten Themen schon so eine Art Mainstream und vor allem einige Leute, die offenbar ständig in den Startlöchern hocken, um im richtigen Moment mit einem Aufschrei der Empörung aufzuspringen und die Diskussion an sich zu reißen. Die Leute, die bei Grass ganz schnell mit dabei waren und reflexhaft „Antisemitismus“ schrien sind dabei zum Teil dieselben, die beim Thema Islam und Islamismus widerum eine Meinungsdiktatur der „Gutmenschen“ beklagen.
    Der lustigste Beitrag zur Diskussion kam übrigens von Beate Klarsfeld, die irgendeine Hitlerrede hervorkramte und darauf hinwies, dass man in dieser Rede nur „das internationale Finanzjudentum“ durch „Israel“ ersetzen müsse, und schon würde Hitler genau wie Günther Grass klingen. Ja klar. Man muss auch nur in einem vegetarischen Rezept „Tofu“ durch „Gehacktes“ ersetzen und schon erhält man ein Fleischgericht.
  • Die Serie „Die Nonne & Herr Jilg“ ist gelaufen und es gab soweit ich das ergooglen konnte nirgends einen Bericht oder eine Kritik, nichts was über einen reinen Programmhinweis hinausging. Das ärgert mich nun doch ein bisschen und wundert mich auch, da ich davon ausgegangen war dass das Thema der Serie interessant genug ist, um darüber zu berichten. Ein bisschen erleichtert bin ich aber auch, weil ich sicher war, dass einige böse Verrisse darunter sein würden – unter anderem habe ich auch mit dem Vorwurf gerechnet, die Sendung sei zu israelkritisch. Aber offenbar hat die oberste Gleichschaltungsbehörde verfügt, dass wir zu ignorieren seien ;)
  • Mist. Alle Ostersüßigkeiten schon aufgegessen :(

(Volker Strübing)

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10 Kommentare zu “Schnipsel vom 10.4.2012

  1. Die war sogar positiv. Und, falls du Volker die Kritik mal lesen willst, ich hab die Zeitung noch da. Ich bin mit dem Sehen der Serie bisher bis zur Hälfte des zweiten Teiles vorgedrungen und noch etwas zwiegespalten, wie ich sie finden soll.

  2. Aha, wusste, dass für die Berliner zeitung was geschrieben wurde, dachte aber, es sei doch nicht erschienen …
    Und, Ahne, Du sollst sie so finden, wie Du willst ;)

  3. Konnte Die Sendung nicht gucken Als sie im Fernbsehen gekommen ist , Hab sie auf Videokassete aufgenommen freu mich schon sie zu gucken ! , wird die Serie auch auf DVD kommen ?

  4. Ich habe mir die drei Folgen am Karfreitag/ Ostersamstag in der Mediathek angeschaut und war insgesamt schon etwas enttäuscht. Nach dem ersten Teil musste ich mich motivieren, weiter die Serie zu anzusehen. Vielleicht waren meine Erwartungen nach „Nicht der Süden“ und „Mister und Mississippi“ auch zu hoch? Ich weiß es nicht. Die Hintergrundinformationen wurden wie immer sehr gut vermittelt, aber vielleicht ist die Grundidee einer „inszenierten“ Reportage irgendwann verbraucht, falls man übertreibt? Trotzdem würde ich mich über ein Weitermachen sehr freuen. Danke!

    Und zu Grass muss man wohl nichts schreiben. Es ist einfach nur peinlich … vom „Gedicht“ bis hin zu den meisten Reaktionen. Und dabei hätten wir so viele Probleme zu lösen.

  5. Also, ich hab zwar erst fünf Minuten gesehen, aber was ich bis jetzt gesehen habe, hat mir sehr gut gefallen! Tolle Bilder, sympathische Protagonisten. Und ihr habt die Menschen in ihren Sprachen sprechen lassen und zwar mit Untertitel, ohne eine doofe deutsche Stimme drüberquatschen zu lassen (oder das Gesagte zu kommentieren). Nur anfangs erscheint sich da eine Rollenverteilung auszubilden: Jilg ist für den Humor, Schwester Jordana für das Tiefsinnige zuständig (womit ich nicht sagen will, dass Humor prinzipiell nicht tiefsinnig sein kann). Vielleicht löst sich das ja noch auf.

    Gefällt mir bis jetzt aber fast besser als „Nicht der Süden“. Ich schau jetzt noch den Rest der ersten Folge (und hoffe, dass mein erster Eindruck mich nicht getäuscht hat).

    Was Grass betrifft, finde ich inzwischen dieses Genöle, das bei solchen Gelegenheiten immer einsetzt (von wegen alles wäre so peinlich, die Ursache sowieso, aber erst recht die Reaktionen darauf, und dass alle sowas von keine Ahnung hätten, mit der einzigen Ausnahme des Nölenden natürlich, dem einzigen, der alles in Gänze überblickt), am nervigsten. So ist das eben, wenn in einer Demokratie 80 Millionen Ihren Senf dazugeben dürfen und einige dann auch Gebrauch davon machen. (Sicherlich ist diese Sichtweise jetzt auch wieder Teil der allgemeinen Nölerei).

  6. Ich bin gerne bereit die Sendung zu verreissen. Oder aber Grass oder seine Kritiker.
    Ich bin bestens vorbereitet, denn weder habe ich die Serie gesehen, noch das Gedicht oder die Antworten darauf gelesen und darauf kommt es bei einer guten Kritik doch an: „Vollkommene Unvoreingenommenheit“
    Diese erreicht man nur, wenn einem das Thema im Grunde egal ist.

    Dieses Jahr wieder zu wenige Marzipaneier gehortet.

  7. Also bei dem Titel „Die Nonne & Herr Jilg“ denke ich unweigerlich an burkaähnliche Trachten und so unerträglich schwülstig-, „heileweltige“ Vorabendhematschnulzen aus dem ÖRR.
    War vielleicht nicht so ’ne gute Titelwahl.

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