Finger in‘ Arsch

Bamberg. Super Lesebühne, super Bier, super Kneipen. Und ein Fastnachtsumzug namens „Gaudiwurm“. Eine noch trübseligere Veranstaltung als ich mir ohnehin vorgestellt habe. Am Anfang des Zuges stellt ein Autohaus seine Produktpalette vor. Kleinwagen und ein Jeep, aus denen heraus Bonbons geworfen werden, für die sich kaum jemand interessiert, bis auf den dicken Jungen mit der speckigen Jacke, der gesenkten Hauptes zwischen den mehr oder weniger verkleideten Leuten herumschleicht, den Süßkram aufsammelt und in seine Norma-Tüte packt. Eine Frau mit einem Gesicht wie die große Depression von 1929, die einer Bekannten erklärt, dass ihre leuchtendrote Perücke ja nur 4,95 gekostet habe. Zwei oder drei Blas- und Trommelkapellen, die sich wenigstens Mühe geben und selbst Musik machen, die aber im Stimmungsschlagerrummelplatztechnogewummer der Wagen vor und hinter ihnen komplett untergeht.
Hab mir dabei auch noch einen schlimmen, schlimmmen Ohrwurm eingefangen: „Finger in‘ Po, Mexiko!“. Dabei würde „Finger in‘ Arsch, Trauermarsch!“ viel besser passen.

(Volker Strübing)

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Ein Kommentar zu “Finger in‘ Arsch

  1. Mancherorts ist es nur noch ein Nachruf einer längst gewesenen Zeit, eines längst gewesenen Gefühls in einer längst gewesen Gesellschaft. Heute kann man sich überall blamieren und seinen Spaß haben. Tradition heißt das Wort. Ein Gefühl noch zu tun, was man immer getan hat. Eine Kontinuität die einkehrt und bleibt, weil man Karneval zur Kulturelle Identität Deutschlands schreibt und wo das Wort „Kultur“ vorkommt, muss es nicht Spaß machen. Es ist wie die Konformation/Kommunion, man geht hin, weil es alle anderen machen.

    Wer will schon einsehen, wie es ist.

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