Sowas wie ein Nachruf

Auch wenn es wie eine Übertreibung klingt: Andreas war der beste Wirt der Stadt. Nicht unbedingt immer und jedem gegenüber der freundlichste im landläufigen Sinne – im Sinne der berühmt-berüchtigten Berliner Freundlichkeit aber schon. Ein grundsympathischer, lustiger und interessanter Mensch, der eine der wenigen schönen Kneipen im Prenzlauer Berg betrieb, das 5 Ziegen in der Lychener Straße, in dem ich seit Beginn der 90er Jahre gottweißwieviele schöne Abende und Nächte mit Freunden oder meinem Notizbuch oder eben bei Andreas an der Bar verbracht habe. Nicht selten hat er mir die Welt erklärt, manchmal auch ich sie ihm oder wir gemeinsam einem wehrlosen Betrunkenen an der Bar. Und er hat mir das Kneipenverbot immer nur angedroht, wenn ich es wiedermal für witzig hielt, nachts um zwei einen Latte Macchiato mit extra Milchschaum zu bestellen.

Andreas ist im Januar gestorben. Lieber Andreas, Du fehlst mir und Du fehlst dieser Stadt, in der es viel zu viel kalte, professionelle Höflichkeit, studentische Tresenkräfte und Bars mit unbequemen 70er-Jahre-Sesseln und niedrigen Tischen gibt. Ich kann nur versprechen, dass ich durch regelmäßige Besuche meinen Beitrag leisten werde, den schönen Ort, den uns geschenkt hast,
zu erhalten.

(Immer ein freundliches Lächeln. Cuba Libre im 5 Ziegen.)
(Vielleicht nicht das Beste für die Augen, aber schön: Schreiben bei Kerzenlicht im 5 Ziegen.)

(VS)

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