Auf dem Weg zu Robos Stimme

Bin mit dem Fahrrad unterwegs. Robos Stimme holen. Bald ist Wahl. Alle Macht, so steht es im deutschen Grundgesetz, geht vom Volke aus. Demokratie heißt sowas auch im Volksmund, Volksherrschaft sagt der Altphilologe. Das Volk soll also regieren. Leider reicht das Geld nicht, um jedem Volksmitglied ein Politikergehalt zu zahlen. Deshalb regieren aus wirtschaftlichen Gründen Volksvertreter. Leider sind die nur ihrem Gewissen verpflichtet. Sie sind die einzige Berufsgruppe, die von Gesetzes wegen lügen und betrügen dürfen. Das ist genaugenommen sogar ihre moralische Pflicht. Denn sie dürfen weder der Fraktion, noch dem Wähler Rechenschaft schuldig sein. Schade eigentlich. Ich fände es ganz witzig, wenn Abgeordnete einen Wählerauftrag erfüllen müssten. Imperatives Mandat heißt das. Wir könnten zum Beispiel die Nazis wählen, und den Naziabgeordneten dann zwingen, ständig zu Holocaust-Gedenkveranstaltungen hinzugehen, und zu Moschee-Einweihungen, oder mitm Blumenstrauß zu Zigeunerhochzeiten. Aber leider funktioniert die Demokratie nicht so. Ich würde es auch gut finden, wenn man seine Steuern zweckgebunden zahlen könnte. Also auf der Steuererklärung mit angeben, wofür das Geld verwendet werden soll. Aber wie gesagt, wir müssen ja mit der Realität leben. Das geht allen so. In der Realität werden Volksvertreter gewählt. Und Parteien. Jetze demnächst irgendwann. Die Laternen sind voll von Wahlplakaten. Wenn man mit dem Fahrrad durch den Bezirk fährt, tauchen alle Sekundenbruchteile neue Parolen und Gesichter ins Blickfeld. „Damit sich was ändert!“ steht auf dem Plakat der CDU. Damit sich was ändert – komischer Slogan ausgerechnet für eine konservative Partei. Die Linke ist geradliniger, sie droht mit 120000 Arbeitsplätzen, die sie in Berlin geschaffen habe. Das sind 120000 zu viel, wer gegen den Zwang zur Lohnarbeit ist, der darf auf keinen Fall Linke wählen. Wir brauchen keine gut bezahlten Arbeitsplätze, wir brauchen gut bezahlte Arbeitslosigkeit. Das würde den Arbeitslosen gut tun, den Arbeitern und der Umwelt. Die Piraten haben zwar das bedingungslose Grundeinkommen auf ihre Plakate gedruckt, aber auch jede Menge besorgniserregende Forderungen. Zum Beispiel: „Netze in Nutzerhand!“ Jetzt soll ich mich also auch noch um die Netze kümmern? Ich habe ja sonst nichts zu tun! Was kommt als nächstes? Soll ich selber Brötchen backen? Warum eigentlich nicht, wenn dadurch ein Bäcker arbeitslos wird. Aber was jetzt: Ostschrippen oder Croissants? Da könnte man die FDP fragen. Die hat ein Plakat mit Schrippe und Croissant aber man versteht nicht, was sie damit eigentlich sagen wollen. Kann man sie also leider doch nicht fragen. Die FDP hat ja auch Angst vor der autofreien Stadt. „Weil“, wie sie behaupten, „keine Frau der Welt mit dem Fahrrad zum Kreißsaal möchte.“ Woher wollen die das wissen? Kennt jemand bei der FDP tatsächlich eine Frau? Und wenn ja, dann hat die den doch bestimmt veräppelt. Die nimmt doch keinen Liberalen ernst. Die Frau. Erst recht nicht die Frau der Welt. Wer soll das überhaupt sein? Jedenfalls ist das kein Argument. Kreißende Damen könnten zum Beispiel mit Schubkarren ins nächste Krankenhaus gebracht werden. Das könnten FDP Kandidaten übernehmen, die ja sonst zu nichts gebraucht werden. Die müssen sich natürlich ein bisschen anstrengen, denn sie sind auch gegen Tempo 30. Das wird die werdenden Mütter aber freuen, wenn es schnell geht. Zum Thema Tempo 30 meint die FDP: „Lieber zügig zum Job, als langsam aber sicher zum Jobcenter!“ und fordert den gleichen Unsinn, für den die Linke gewählt wird. Links von den Linken positioniert sich die PSG. Sie fordert „Banken enteignen!“ Nehmen wir mal an, die werden in Pankow gewählt und enteignen in Pankow die Banken: Wie wirkt sich das auf den Rest Berlins aus? Eröffnen dann alle Pankower Konten in Wedding? Bricht daraufhin der Öffentliche Personennahverkehr zusammen? Was passiert mit dem Vermögen der Banken? Und besteht dieses Vermögen nicht ausschließlich aus Schulden? Warum enteignet man eigentlich Banken und nicht, zum Beispiel, Brauereien? So viele Fragen und keine Zeit darüber nachzudenken, denn immer wieder blitzen neue Plakate im Blickfeld auf. „Wählen gehen für zensierte Thesen!“ steht bei Pro Deutschland. Vor ein paar Tagen stand da noch: „Wählen gehen für Thilos Thesen!“ Das wurde verboten denn es verletzt Thilos Recht am eigenen Namen. Ist doch aber auch peinlich, haben die keinen eigenen Kandidaten, mit dem sie angeben können? Keine eigenen Thesen? Ich finde, wenn jemand mit Sarrazin werden darf, dann doch wohl die SPD. Dann gibt es noch die NPD. Galt immer als Nazi-Partei. Aber jetzt wünscht sie ganz freundlich: „Guten Heimflug!“ und zwar einer Familie, die auf einem fliegenden Teppich sitzt. Man kann nicht genau erkennen, was das für welche sein sollen. Schwaben vielleicht. In Berlin, vor allem in Prenzlauer Berg, suhlen sich ja viele im Fremdenhass, häufig auf Schwaben. Und die Schwaben müssen jetzt mit dem fliegenden Teppich abreisen, weil ihr Auto verbannt ist. Vielleicht sollen das auf dem Teppich aber auch Türken sein. Und der Wahlberechtigte in Prenzlauer Berg soll denken: „Ey kieka, Scheiße ey! Ick musste 12 Jahre uff meen Trabbi warten. Und denn hab ick den Trabi nich ma jekricht. Denn war nämlich Wiedavereinjung! Eene Scheiße is det! Und die ham fliegenden Teppich! Eene Sauerei is det! Die schön durche Luft am Himmel und ick steh hier bei Tempo 30 im Stau uffm Weg zum Jobcenter wose 120000 neue Fallmänädschär innjestellt haben! Jetze überholt mir ooch noch sone schwangere inne Schubkarre! Mann ick will ooch son fliegenden Teppich! Die Ausländer krieng det vorne und hinten! Und unsereins muss wenns hoch kommt noch S-Bahn fahrn! Mann, Mann, Mann! Und warum heeßt det Heimflug? Warum Flug? Muss det nich heißen: Flüg? Mit Ü? Sind da nich überall Ümläute inne Sprache drin bei die? Heißt doch ooch Türküsch und nich Turkusch! Ich seh det ooch janich ein, det die hier sone Teppiche uffe Kurzstrecke einsetzen! Die wohnen doch alle im Wedding, det is ja gleich umme Ecke! Da kann man ja ooch mal zu Fuß gehen oder ein Fahrrad benutzen! Eine Scheiße is det!“ Für so doof hält uns Pankower also die NPD. Aber deren Wahlkampf muss zwangsläufig scheitern. Ihre Plakate hängen nämlich immer ganz weit oben. Und der Berliner guckt aber immer zu Boden. Wegen der Hundehaufen. Dass die mal zu was gut sein würden! Ich nehme alles zurück, was ich je böses über Hunde und Hundeficker gesagt habe. Jetzt bin ich fast da, wo ich hin wollte. Bei Robo. Der will nicht wählen. Er sagt, er hat früher einmal die APPD gewählt, aber die sind nicht ins Abgeordnetenhaus gekommen. Seit dem ist das System für ihn unglaubwürdig. Darum möchte er mir seine Stimme schenken. Damit ich als Ausländer auch wählen kann. Das ist lieb von Robo. Obwohl ich gar nicht weiß, was ich wählen soll. Will der Robo mir am Ende möglicherweise bloß die Verantwortung aufhalsen? Der Arsch? Ich als Ausländer soll die Drecksarbeit machen? Naja, er meint es ja nur gut! Irgend jemand muss ja wählen. Irgend jemand muss auch gewählt werden. Vielleicht wähle ich alle. Da mache ich garantiert nichts falsch. Als ich zu hause losgefahren bin und gesagt habe, ich hole mir jetzt Robos Stimme, da hat mein Söhnchen mich gefragt, warum mir Robo seine Stimme schenken will. Dann kann er doch nicht mehr sprechen. Warum ich die annehme und ob Robo dafür meine Stimme kriegt. Also ob wir tauschen. Das ist ein schlechter Tausch für Robo, dann kann er nicht mehr gut singen. Das hat der Kleine falsch verstanden. Niedlich! Ich muss ihm das mal erklären, das mit den Wahlen und den Stimmen und den Kandidaten und den Parteien. Er glaubt ja tatsächlich, das Plakat der Grünen mit der umgedrehten S-Bahn bedeutet Schienenersatzverkehr. Muss ich ihm mal alles erklären. Wie das ist, mit der Volksherrschaft und den Volksvertretern. Aber irgendwie muss ich das so machen, dass er die Erwachsenen nicht für komplett meschugge hält. Das gelingt mir bestimmt!

(Andreas Krenzke)

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6 Kommentare zu “Auf dem Weg zu Robos Stimme

  1. Hallo Andreas,
    ich hoffe, dass Du nicht so sprichst, wie Du schreibst. Ich meine so hintereinander weg.
    Mach bitte ein paar Absätze, dann lässt sich Dein wunderbarer Beitzrag viel besser lesen.

    Danke
    LG O.J.

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