Erpel sind Schweine

Ich war gerade auf Verwandtenbesuch in Dessau. Mein jüngster Neffe hatte sich ebenfalls angekündigt. Er lebt derzeit in den USA, wurde aber zur Feier seines zweites Geburtstages mit dem Flufßeug (wie ich es in diesem Alter genannt habe; er sagt Airplane) ins alte Europa gekarrt, damit er sieht, dass die diversen Großeltern, Tanten und Onkel auch lippensynchron sprechen können und nicht nur so komisch verzögert wie bei Skype.

Wir machten einen Spaziergang durch den Dessauer Tierpark, der zwar sehr schön ist, aber nicht komplett jugendfrei, es sei denn, es ist wahr, dass die Kleinen heutzutage schon in der Krabbelgruppe über ihre liebsten Gangbang-Videos reden, aber ich will das ja nicht so recht glauben.

(Liebe scheint mir da nicht im Spiel gewesen zu sein.)

Zu Beginn unseres Rundganges gab es einen Moment der Panik, als wir feststellten, dass nicht jeder von uns fünf Erwachsenen einen Fotoapparat dabei hatte. Lohnte es sich überhaupt, mit nur einer Spiegelreflex- und einer Videokamera bewaffnet loszuziehen? Die Furcht erwies sich als unbegründet: Ich alleine schaffte in den 90 Minuten, die wir durch den Park liefen, an die 300 Kinderfotos (der Fratz ist aber auch süß!) plus die paar von und vom Vögeln.

300 Kinderfotos. Soviele gibts von mir wahrscheinlich insgesamt, von meinem Vater vielleicht 3… heutige Kindheiten werden gut dokumentiert. Doof nur, dass es noch keine Geruchsfotografie gibt. Vielleicht ist es eine gute Idee bis zu deren Erfindung die eine oder andere volle Windel aufzuheben, die man dann zum 18. Geburtstag oder wenn der Sohn/ die Tochter das erste Mal Freundin oder Freund mit nach Hause bringt hervorholen kann …

Kinder sind schon ne schöne Sache, zumindest die, die man kennt und solange sie nicht allzu zahlreich, sagen wir maximal alleine auftreten. Im Café im Tierpark saß eine Familie mit zwei Mädchen, das eine war vielleicht drei, das andere so fünf oder was weiß ich und das größere Mädchen sang dem kleineren ein Lied vor:

Wozu ist der Kopf denn da, Kopf denn da, Kopf denn da?
Der Kopf der ist zum Denken da, zum Denken da.
Wozu sind die Ohren da, Ohren da, Ohren da?
Die Ohren sind zum Hören da, zum Hören da.

Die folgenden Strophen behandelten die Augen (zum Gucken), die Beine (zum Laufen), die Hände (zum Greifen) und den Mund – und das war die Stelle, wo ich das erste Mal gerne laut mitgesungen hätte und zwar: „Der Mund der ist zum Halten da, zum Halten da!“, denn längst war klar, dass ich dieses blöde Lied die nächsten fünf Tage als Ohrwurm haben würde. Aber man benimmt sich ja dann doch immer und lässt es bleiben. Ich habe sogar darauf verzichtet, dem Mädchen eine spontan von mir gedichtete Strophe vorzusingen (das Lied dauerte zwar ewig, schien mir aber nicht ganz vollständig): „Wozu ist der Hintern da, Hintern da, Hintern da? Der Hintern ist …“ – aber wie gesagt, ich habe es sein lassen.

(VS)


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3 Kommentare zu “Erpel sind Schweine

  1. Mihihihi, kann mir richtig vorstellen, wie du da beschwingt und erheitert für frühkindliche Aufklärung sorgst. Egal, wozu genau der Hinter da jetzt genau gut sein soll. :D

  2. mein erster unanständiger gedanke zum enten-gangbang war: s.exorgie bei der hamburg mannheimer. nun ja.
    danke, ich habe sehr gelacht.

  3. Ich beherberge solche Ferkelfische (Poecilia caucana),nur das die Fischschlampen nicht von ihren Erpeln zu solchen unsittlichen Verhalten gezwungen werden (müssen?). Die finden das anscheinend auch noch gut, oder schauspielern die nur?
    Naja, ich bin ja schon dankbar das dieses versaute Pack dabei nicht auch noch laut rumstöhnt.
    Und spätestens wenn die lieben Kleinen irgendwann „Fuchs du hat die Gans geknattert“ singen, sollte die FSK der Natur mal einen Riegel vorschieben.

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