DBpedia

Bahncard50, die: Plastikkärtchen im Scheckkartenformat, das den besitzer zum Erwerb von Fahrkarten zum regulären Preis berechtigt. Nichtbesitzer zahlen das Doppelte. Sympathisch ist die augenzwinkernde Selbstironie, mit der die Deutsche Bahn darauf beharrt, den doppelten Fahrpreis als normalen und den BC50-Tarif als „halben“ Fahrpreis zu bezeichnen.

Umweltbewusstsein, das: Wird Bahnfahrern gerne nachgesagt und von diesen mit Stolz als Beweggrund angeführt. Eine eitle Lüge. Niemand fährt wegen der Umwelt mit dem Zug. Nach meiner Recherche gibt es genau drei Gründe, längere Strecken mit dem ICE statt zum Beispiel mit dem Flugzeug zurückzulegen:

1.) Man will zeigen, dass man es sich leisten kann.
2.) Man hat Flugangst. Oder das Provinzstädtchen, in das man reisen will verfügt zwar über einen ICE-Bahnhof, an dem jeder Schnellzug halten muss, um maximal 2 Personen abzusetzen oder aufzusammeln, aber über keinen Flughafen.
3.) Es haben sich mehrere Dutzend zu erledigende Telefongespräche angesammelt und im Büro oder zuhause würde man möglicherweise mit der Telefoniererei andere Menschen stören.

Dass Bahnfahrer in Wirklichkeit Umweltschweine sind, zeigt sich, wenn mal wieder ein Zug nur mit der halben Anzahl Waggons fährt, wenn ein vorhergehender Zug ausgefallen ist oder wenn aus irgendeinem anderen Grund auf der Fahrt Zustände wie in der Tokioter U-Bahn im Berufsverkehr herrschen. Umweltbewusste Reisende würden jubeln, da mit jedem zusätzlichen Passagier, der sich in den Wagen zwängt der CO2-Ausstoß pro Reisendem und Kilometer weiter sinkt und die Öko-Bilanz besser wird. Stattdessen hört man nichts als Gemurre. Umgekehrt habe ich noch nie erlebt, dass sich jemand in einem herrlich leeren Wagen beschwert oder gar um eine Verkürzung des Zuges gebeten hätte.

Wagenstandsanzeiger, der: Beweis für die Kundenorientierung des Unternehmens und Ausdruck des Bemühens, den Reisenden mehr zu bieten als den simplen Transport ihrer Körper von A nach B. Die traditionell kurz vor Einfahrt eines ICEs erfolgende Ansage: „Achtung: Der Zug verkehrt heute in umgekehrter Wagenreihung“ ist der Startschuss für ein kostenloses Fitnessprogramm, ein aufregendes Rollkoffer-Crash-Car-Rennen und verschafft den Bahnkunden einen angenehmen Adrenalinkick. Um größtmöglichen Nutzen aus diesem Angebot ziehen zu können, empfiehlt es sich, sich in dem Bahnsteigabschnitt zu positionieren, in dem der erste bzw. der letzte Waggon halten soll. 1.-Klasse-Reisende sind klar im Vorteil: Sie müssen bei umgekehrter Wagenreihung die ganze lange Reihe der Pöbel-Waggons ablaufen oder sich, wenn sie das nicht schaffen, nach Abfahrt des Zuges durch diese hindurchkämpfen. (Auf der Strecke Berlin – Frankfurt/Main kommen auch Zweitklassige in den Genuss eines veritablen Marathons, da sich hier 1.- und 2.-Klasse-Wagen die … äh … Waage halten.


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5 Kommentare zu “DBpedia

  1. Wat mutt, dat mutt. Wenn man nun mal nicht umhin kann – aus was für Gründen auch immer -, den Schienenweg zu nutzen, werfen einen selbst die erwähnten Unwägbarkeiten (sowie Unwegsamkeiten) nicht aus der Bahn.

  2. Pingback: Fundsache « | Gleis 1 |

  3. Pingback: DBpedia (via Schnipselfriedhof) | Übersetzen und Literatur, doch nicht nur

  4. Verspätung wg polizeilicher Ermittlungen, die wird in der Regel durch Vandalismus oder renitente Schwarzfahrer verursacht – so auch zum Silvesterabend im thüringischen Erfurt.

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