Toleranz? Nicht ganz.

Koranverbrennung abgesagt, Bibelverbrennung verboten. Ich halte von beiden Büchern nicht viel – außer als zeitgeschichtliche Dokumente und kulturstiftende Werke, die in dieser Hinsicht allerdings schon längst ihre Schuldigkeit getan haben – egal, darum gehts mir jetzt gar nicht. Ich bin sehr froh, dass die Verbrennungen nicht stattfanden, Bücherverbrennungen sind eine üble Sache, übrigens auch unter ökologischen Gesichtspunkten (ab ins Altpapier!). Vor allem aber ist mir der hinter der Aktion deutlich erkennbare Wille, Spannungen anzuheizen, vielleicht sogar Gewalt zu provozieren, sehr unsympathisch.

Daher fand ich es im ersten Moment auch sehr schön, zu lesen, dass ausgerechnet Islam-Gelehrte in Südafrika den Antrag gestellt hatten, die Bibelverbrennung zu verbieten. Das Ganze wurde denn auch als „Signal für Toleranz“ gewertet. Ich freute mich darüber – bis ich weiterlas: „Der Anwalt der Islam-Gelehrten, Zehir Omar, betonte gegenüber der Zeitung, das Gericht sei in allen Punkten seiner Argumentation gefolgt. Dazu zähle auch die Auffassung, dass die Meinungsfreiheit ihre Grenzen dann finde, wenn durch sie Mitglieder einer Religionsgemeinschaft verletzt würden.“ (Spiegel Online)
Erinnert sich noch jemand an den Streit über die Mohammedkarikaturen? Einige Vertreter des abendländischen Christentums hielten die Gelegenheit für günstig, mit ihren „religiösen Gefühlen“ rumzufuchteln, die man ebenfalls nicht verletzen, über die man sich nicht lustig machen dürfe. Mit der Begründung des südafrikanischen Gerichtes ließen sich nicht nur die Bücherverbrennungen, sondern auch Mohammed-Karikaturen und Titanic-Kruzifix-Titelbilder verbieten.

(VS)

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3 Kommentare zu “Toleranz? Nicht ganz.

  1. „Dass es von einigen seiner Fans als Beleg einer mangelnden Meinungsfreiheit in Deutschland herangezogen wird, ist so offensichtlich hanebüchen“ Naja … immerhin hat er seinen Job verloren, auch wenn er das vielleicht einkalkuliert hatte.

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