Ich bin nicht paranoid. Ich kann beweisen, dass Ihr mich fertig machen wollt!

(Eine alte Geschichte, die ich aus gegebenem Anlass mal wieder vorgekramt habe.)

Die gegen mich gerichtete Verschwörung hat nur einen Fehler: Sie ist zu perfekt. So bin ich ihr auf die Schliche gekommen.

Neulich zum Beispiel. Hatte ich Herpes. An der Lippe. Und was für eine! Die Mutter aller Herpen, eine schaurig glänzende Kolonie von Millionen von wimmelnden Viren, des Ekels bunte Blüte, ich sah aus, als hätte ich mir ein H.R.Giger-Gemälde auf die Lippe tätowieren lassen, als hätte ich einen Zombie gegessen und mir hinterher nicht den Mund abgewischt, ich sah aus, als hätte ein Hund mir in den Mundwinkel geschissen – verdammt noch mal: Ich schien dem feuchten Traum eines pubertierenden Warzenschweins entsprungen! In meinem Mundwinkel sah’s aus wie bei Hempels auf’m Kompost, Fotos von mir hätte man als hundertprozentigen Appetitzügler verkaufen können, ich war der Homo Horribilis! Stellt euch die Hexe aus dem Märchen von Hänsel und Gretel vor, mit all den Grieben und Pickeln, wie sie euch mit ihrem langen, warzenübersäten Zeigefinger zu sich heranwinkt … habt ihr das Bild vor Augen? Und stellt euch jetzt noch vor, sie wäre nackig! So scheiße sah ich aus mit diesem Mundfurunkel, dieser Lippenhämmorhoide, diesem Fressleisten-Lepra!

Und jetzt kommt’s: Meint ihr ein einziger Mensch hätte mich darauf angesprochen? Hätte vielleicht gesagt: „Oh Mann, Alter, du siehst ja erst mal Scheiße aus, ich muss ja gleich brechen, wenn ich dich sehe, also ich an deiner Stelle würde mich ja so nicht aus dem Haus trauen, warum ziehst du dir nicht ’ne Einkaufstüte übern Kopf, dann sieht das keiner mehr und mit ein bisschen Glück erstickste!“?

Nicht einer. Ham so getan, als wäre nichts, als wäre ich ein ganz normaler Mensch wie Du und Du und kein ästhetischer Super-GAU. Ganz freundlich haben sie getan.

Jetzt kann man sagen, na gut, vielleicht ham sie sich nicht getraut, hatten Angst, dann würde ich ihnen irgendwas tun, sie vielleicht mit kleinen Lippenschorfstückchen beschmeißen, was weiß denn ich.Aber ich habe die Probe aufs Exempel gemacht. Bin aufgetreten. In München, beim Poetry Slan, wo ich mit meiner Maulfäule mang all den adretten jungen Leuten auffiel, wie Smeagul Gollum auf einer Miss-Wahl. Das Rampenlicht hat meinen Grind bestens ausgeleuchtet, er strahlte wie ein freigelegter Darmtumor im grellen Schein der OP-Lampe. Da unten vor mir, standen 400 Leute. Und die sollen sich nicht getraut haben, im Chor zu singen: „Du siehst so scheiße aus, du siehst so scheiße aus“? Sogar applaudiert haben sie, als sei es ein Vergnügen mich zu sehen, mich, der ich so sexy war wie ein Quickie aufm Dixie-Klo, so attraktiv wie der Froschkönig, wenn die Prinzessin ihn nicht an die Wand geschmissen, sondern ihm einen Strohhalm in den Arsch gesteckt und ihn aufgeblasen hätte bis er platzt!

An dem Abend wurde mir endgültig klar, dass hier ein ganz komisches Ding läuft und dass offensichtlich außer mir alle daran beteiligt sind! Meine Herpes war eine einzige unwiderstehliche Aufforderung, mich zu verhöhnen, faules Obst nach mir zu werfen, mit dem Finger auf mich zu zeigen und dem Sohn zu erklären, „Siehst du, so siehst du auch mal aus, wenn du nicht aufhörst, dir am Puller rumzuspielen!“

Dass es niemand tat, konnte nur einen Grund haben: Ich sollte glauben, ich würde mir die Loveparade der Herpes Simplex Viren in meinem Gesicht nur einbilden. Und wenn ich erst an meiner Herpes zweifelte, würde ich auch an den anderen Dingen zweifeln, die ich inzwischen herausgefunden habe:

1. Die geheimen Herrscher der Welt sind nicht die Illuminaten, sondern die Befugten. Tausendmal habe ich die Schilder gesehen: „Unbefugten ist der Zutritt verboten!“, bis mir enlich aufging, dass, wo es Unbefugte gibt, auch Befugte existieren müssen und diese sicher allen Grund haben, mir den Zutritt zu ihren Schaltzentralen zu verbieten!

2. Obwohl die amerikanische Regierung es behauptet, haben sie in den späten 60er Jahren wirklich Menschen auf den Mond geschickt.

3. Obwohl die Berliner nur 0,04 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, gehören ihnen mehr als 80% aller Monatskarten der Berliner Verkehrsgesellschaft. Denkt mal drüber nach!

(VS)

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8 Kommentare zu “Ich bin nicht paranoid. Ich kann beweisen, dass Ihr mich fertig machen wollt!

  1. Ich würde noch ein „t“ kaufen wollen, obwohl man das bei Glücksrad glaub ich nicht kaufen konnte.

  2. Und wo bleibt das Foto zum Text? Jeden Sonnenauf- oder untergang dokumentieren aber nicht dies. Zensur?

  3. Also, das keiner reagiert liegt vermutlich daran, daß alle glauben es wäre Teil der Show das uhrplötzlich der Glöckner von Notre Dame erscheint. Du warst immerhin auf der Bühne und da man als TV geschädigter da nicht mehr unterscheiden kann wo es Anfängt und aufhört…

    Eigentlich finde ich es viel wichtiger und schlimmer, daß du sex im Dixi für schlimm hälst. Gab es mal ein schlimmes Ereignis? Eine Phobie? Ist es das Dixi oder der Sex? Was ist mit Olymp und Toi Toi?

    Wir halten zu dir, egal ob Herpes, BSE oder Malaria.

    Küsschen, dein Schizo

  4. Ich kannte die Geschichte noch nicht. Endlich spricht mal jemand die Sache mit den Befugten aus. Nur so kann man DIE kriegen!

  5. grandios
    besonders die monatskarten.

    klugscheißer-ps: ich würde lieber ein ’n‘ durch ein ‚m‘ ersetzen.

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