Wäre das Poleis eher geschmolzen, wäre die Titanic nicht untergegangen

Was ich an den Klimaskeptikern (doofes Wort; die Existenz von Klima geben sie ja zu) nicht verstehe, ist folgendes: Sie zweifeln also daran, dass es einen Klimawandel gibt und, falls es tatsächlich einen geben sollte, dass dieser von Menschen gemacht ist – na und? Soll’n sie doch. Aber eigentlich müssten sie trotz dieser Zweifel den Umstieg auf regenerative Energien und eine Senkung des CO2-Ausstoßes befürworten. Selbst die klitzekleinste Möglichkeit, dass wir am Klimawandel schuld sind, sollte Anlass genug sein, etwas zu unternehmen. Ob sich die Welt wirklich dauerhaft erwärmt und ob das tatsächlich an uns liegt, wird man ganz zweifelsfrei erst wissen, wenn es zu spät ist, noch etwas dagegen zu unternehmen. Ein Schwimmring ist auch dann sinnvoll, wenn sich nach der Seereise herausstellt, dass das Schiff nicht untergegangen ist. Wahrscheinlich waren es die Vorgänger der Klimaskeptiker, die bei der Konstruktion der Titanic den Rotstift bei den Rettungsbooten angesetzt haben.

Davon abgesehen: Selbst wenn das Klima stabil wäre, gäbe es absolut nichts, was gegen eine „Energiewende“ spräche: Niemand bestreitet ernsthaft, dass die fossilen Brennstoffe irgendwann nicht mehr ausreichen und viel zu teuer werden. Nur über den Zeitpunkt für den Oil-Peak ist man sich uneins, aber je eher man sich darauf vorbereitet, desto besser. Für die Wirtschaft (von den Ölmultis mal abgesehen) kann es nur von Vorteil sein, wenn man sich möglichst schnell möglichst unabhängig von Importen aus potentiellen Krisenregionen und dem extremen Schwankungen unterworfenen Ölpreis macht. Und schließlich bringt jede neue Technologie neuen Schwung in die Bude. Auf dem Energiesektor kann noch Pionierarbeit geleistet werden. Klar, das kostet jetzt erstmal Geld, aber dieses Geld ist ja nicht aus dem Fenster geworfen, sondern sinnvoll investiert.

Was wollen die also? Einfach nur Recht haben? Das alles beim alten bleibt, weil früher alles besser war und eigentlich schon der Übergang von der Dampfmaschine zu Verbrennungsmotoren und Elektrizität zu weit ging? Oder werden die alle von der Ölindustrie bezahlt?

(VS)

PS: Seit heute schmelzen übrigens die Gletscher auf den Bürgersteigen …

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11 Kommentare zu “Wäre das Poleis eher geschmolzen, wäre die Titanic nicht untergegangen

  1. Mmh … die eine Hälfte wird bezahlt … und die andere Hälfte glaubt das was die erste Hälfte sagt … wie bei ner Religion einer sagt Hopp und die anderen springen…

  2. Mensch Volker, der war mal wieder richtig gut! Herrlich!

    Was die Motivation der Leute angeht, sowas zu „glauben“, meine ich das es die gleichen Gründe sind, die die Leute auch allerhand anderen Bullshit glauben lässt, Hauptsache dieser ist „non-konform“. Homöopathieanhänger, 9/11-Truther, PI-Moslemhasser … ich glaube im Grunde haben die Leute alle das unbestimmtes Gefühl, dass da generell irgendwie was nicht stimmt (am Eisverkäuferstrand :P). Und je nach Interessenlage und geistiger Potenz werden dann Lösungen gesucht und halt auch gefunden, z.B. Pseudowissenschaft, Verschwörungstheorien, Xenophobie…

    Das schöne an Verschwörungstheorien im Speziellen ist ja übrigens, dass all das Schlechte dieser Welt an einige wenige Personen gebunden ist, die man einfach „unschädlich“ machen müsste und schon wäre wieder alles ganz prima! Ist zwar ziemlich absurd, wenn man das mal so sieht, aber es gibt ja tatsächlich viele Leute, die sowas glauben. (Upps, jetzt wo ich das geschrieben habe fällt mir auf, dass dieses ganze AlQaida(„die Liste“)-Gefasel im Grunde ja auch nur eine VT ist – na sowas!)

  3. Pingback: Vom Missbrauch mit dem Klimawandel « Geheimrätins Archiv

  4. Ich würde ja jetzt schreiben „Je sais“, nur aus Bequemlichkeit, genauso wie „besides“, aber da das bestimmt wieder nicht richtig ist, schreibe ich lieber „Ich weiß!“

    Das ist natürlich ne interessante Ansicht. Und sowohl ich als auch alle anderen Klimaskeptiker (ja, es ist ein unpassendes Wort…) würden sicherlich nicht die Rettungsboote auf der Titanic wegstreichen. Die Frage ist allerdings warum… Jedenfalls bin ich ein großer Fan von Elektrizität und von der Ölindustrie werde ich sicherlich auch nicht bezahlt (davon wüsste ich).

    Ich bin ganz bestimmt kein Gegner von alternativen Energien. Allerdings muss man da 2 Einschränkungen machen: Ich bin nicht in erster Linie für alternative Energien um den CO²-Ausstoß zu senken, sondern weil ich absoluter Kernkraftgegner bin und somit froh, wenn die Teile endlich abgeschaltet werden (und kommt mir jetzt bitte nicht mit „dann haben die anderen Staaten aber noch welche“!) Zweitens sollte man sich nicht vollständig auf solche erneuerbare Energien verlassen, da auch die ihre Tücken und Nachteile haben, sowie alles seine Nachteile hat.

    @Tech-o-matic: Ich bin mir nicht sicher ob ich dich richtig verstanden habe und auf jeden Fall ist das ein anderes Thema, aber du glaubst doch wohl nicht ernsthaft die offizielle Geschichte zum 11. September, oder? Die Verschwörungstheorien haben auch jede Menge Fehler, aber sicher nicht mehr davon als die offizielle Version!

    @Martin: Ja, mir ist schmerzlich bewusst, dass ich als Antitheist mich mit meiner Klimaskepsis auf dasselbe Argumentationsprinzip verlasse wie Gläubige. Während die sagen „Gott existiert“, obwohl alles dagegen spricht, sage ich eben „Der Klimawandel existiert nicht bzw. wir Menschen haben nichts damit zu tun“, obwohl alles dafür spricht.

    PS: Bald habt ihr mich soweit an den vom Menschen verursachten (oder zumindest geförderten) Klimawandel zu glauben!

  5. Dass sich das Gleichgewicht verändert, sieht jeder,der es sehen will. Dass wir Menschen, besonders in den s. g. westlichen Industriestaaten ungeheuer viel „Müll“ produzieren, kann jeder sich täglich in Supermärkten, Spaßbädern sowie in den wunderbaren Freizeitparadiesen anschauen – und er kann sich auf Schiffsreise begeben, um sich die „Müllhalden“ in den Ozeanen anzusehen.

    Es ist ja nicht nur für die Energiegewinnung, für die ÖL eingesetzt wird. Es gibt nur Weniges, was nicht die „schwarze Schmiere“ als Grundstoff hat. Doch all diese Produkte landen irgendwann wieder auf dem Müll.

    Ist ja klar, dass Produzenten aller Herren Länder sich nicht den Hut aufsetzen lassen wollen, dass sie mit ihren Produkten die Erde systematisch verschandeln und damit uns Menschen die Lebensgrundlage entziehen.

    Deshalb halte ich auch nicht sehr viel von der Hype mit den nachwachsenden Rohstoffen, die dann ja doch wieder verheizt werden. Und dies, nachdem die Böden wegen der Effizienssteigerung binnen kurzer Zeit ausgelaugt sind. Vergiftet durch Massen an Pestiziden. Ganz zu schweigen von der Verarmung der Tierwelt, denn Insektiziden und Fungizide tun ihr Übriges.

    Wir leben in einer toten Zivilisation haben die Studenten von Santa Cruz ihr „Manifest einer ausbleibenden Zukunft“ überschrieben. Sie beklagen darin die Verwertungsmaschinerie junger Menschen von der Schule bis in Berufe, für die sie zwar ausgebildet werden, die sie aber nie ausführen können.

    Und damit schließt sich für mich der Kreis. Kapitalistische Lebensweise bedeutet, maximaler Gewinn ohne Rücksicht auf Verluste an Ressourcen und auf Menschen.

    Viel wichtiger, scheint mir, dass die komplette Überproduktion gestoppt wird und dass wir mit offenen Augen unser Umfeld betrachten – und dass wir Fragen stellen, die weder Klimaskeptiker noch Klimaforscher ordentlich und zielführend beantworten können. Wir müssen uns selber die Antworten erarbeiten.

  6. Aber es heisst doch *Brennstoff* und allein die bezeichnung dessen deutet doch darauf hin das es zum anzünden, verbrennen da ist. Warum also der Stress mit den fossilen Brennstoffen? Sind se weg sind se halt weg, wenn ich die letzte limierte Auflage von einer Musik CD nicht bekomme weil ich zu lahm war hab ich auch pech gehabt. Meine Güte, anstatt sich Gedanken zu machen das wir bald eventuell keine fossilen Brennstoffe mehr haben könnten, könnte man auch die Zeit nutzen um einen gleichwertigen Ersatz zu konstuieren oder wie auch immer.

  7. Zitat: …und eigentlich schon der Übergang von der Dampfmaschine zu Verbrennungsmotoren und Elektrizität zu weit ging?…

    Was glaubts du wie das Wasser in einer Dampfmaschine zu Dampf gemacht wird?

  8. Hallo Volker,
    als Maschinenbautechniker ist das nix neues für mich. In der Zukunft wird wohl der Stirlingmotor eine wichtige Rolle spielen: http://de.wikipedia.org/wiki/Stirlingmotor
    Allerdings muss da noch viel Forschung rein gesteckt werden was die letzten 180 Jahre leider verpennt wurde.

    Aus Wiki: Der Stirlingmotor wurde 1816 vom damals 25-jährigen schottischen Geistlichen Robert Stirling erfunden. Es ist nach der Dampfmaschine die zweitälteste Wärmekraftmaschine. Stirling wollte mit seinem Motor eine Alternative zu den damals aufkommenden Hochdruckdampfmaschinen bieten, die zahlreiche Opfer durch Kesselexplosionen forderten.

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