Wie ich mal „Genussschild“ genuschelt habe

Die angedrohten Notizbuchkitschfotos bleiben erst einmal aus. Habe mir die rechte Hand bei einer halsbrecherischen Aktion vermurkst: Ich habe mein Telefon aus der Aufladestation genommen. Ja, ich lebe gefährlich. Dasselbe hatte ich schon mal auf dem Mississippi, da habe ich nach einer halben Stunde Rudern das Ruder weggelegt und 1 Sekunde später fühlte es sich an, als hätte ich mir die Hand gebrochen, alles wurde dick, ich sagte Sachen wie: „Autsch!“, „Scheiße!“oder „Hssssss!“ und verbrachte 8 lehrreiche Stunden in einem öffentlichen Krankenhaus in New Orleans. Ich hätte nie mit Rudern aufhören, nie das Telefon aus der Aufladestation nehmen dürfen.

(Im Krankenhaus in New Orleans, Zeichnungen von Matthias Seifert)

Schreiben ist im Moment nicht möglich, weder mit Füllfederhalter noch mit Tastatur, deshalb experimentiere ich jetzt mit einem Headset und einer Spracherkennungssoftware. Das ist erstmal ganz lustig, wird aber schnell frustrierend. Einfache Sätze zu diktieren, ist kein Problem, das Programm versteht erstaunlich viel. Aber schon bei Wörtern wie „vermurkst“ stößt es an seine Grenzen und schreibt: „vom Obst“. Und man flucht und ruft „Kacke!“ und sofort steht das Wort Kacke auf dem Bildschirm, bloß dass da nicht Kacke steht, sondern Tacke oder Hacker, weil das Programm das Wort Kacke nicht kennt und man es ihm erst beibringen muss, damit man, wenn man das nächste Mal verärgert „Kacke!“ ruft, wenigstens auch Kacke im Text stehen hat. Vor allem Korrekturen sind sehr umständlich und brauchen urst viel Zeit („urst“ habe ich nur geschrieben um den Programm das Wort gleich mal beizubringen). Die Software hat auch einige Bugs und Macken, die den Spaß ein bisschen vergraben. Ich meine natürlich „verderben“, aber wahrscheinlich habe ich ein bisschen Genussschild. Zu erklären, warum da statt verderben vergraben steht, geht schneller, als den Fehler zu verbessern, vorausgesetzt natürlich, das Programm versteht nicht Genussschild wenn ich genuschelt sage.

Kreatives Schreiben ist auf diese Weise nicht möglich, aber wenn das Programm und ich erstmal ein bisschen trainiert sind, könnte es doch zu einer handgelenkschonenden Alternative zum Abtippen meiner handgeschriebenen Texte werden.

Für diesen Blogeintrag hab ich ne gute Stunde gebraucht. Aber ich übe ja noch, computerverständlich zu reden. Menschen sind aber auch sowas von inkompatibel …

(VS)

PS: Wen’s interessiert: Verwende „Dragon Naturally Speaking“ 10 Standard.

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5 Kommentare zu “Wie ich mal „Genussschild“ genuschelt habe

  1. hehe genau das habe ich gestern auch getestet =)
    wirklich wunderbar lustig diese spracherkennung, aber richtig nutzen könnte ich sie glaube ich nicht…
    gute besserung deiner hand!

  2. Pingback: Zurück uff (wir-nennen-es-)Arbeit « Schnipselfriedhof

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