I survived Berlin Marzahn

Ich suche ja immer Sachen, die ich gegebenenfalls hinten auf ein Buch drucken lassen kann. Das mal was von einem Sportreporter dabei sein würde, hätte ich nie gedacht, aber jetzt hat ein Wolf-Dieter Poschmann gesagt:

„Wenn man in Marzahn aufgewachsen ist und das unbeschadet überlebt hat, ist man zu allem fähig.“

Fetzt doch. Ist zwar Quark aber lustig. Vor ellem in Westdeutschland mache ich gerne ein gewisses Gewese um die Tatsache, dass ich aus Marzahn komme, weil es Spaß macht die Reaktionen der Leute zu beobachten. Man kann auch an Klischees, die einen selbst betreffen, viel Freude haben.

Das einzige, was mich stört, ja fast anekelt, ist die Empörung von Politikern von der Linken bis hin zur CDU. Mann ey, was kümmern die sich um irgendwelche flapsigen Sprüche von Sportreportern?! Was ist das, wenn nicht widerliche Anschleimerei bei Leuten, die das vielleicht gar nicht brauchen, die vielleicht gar keine Politiker in ihrem Hintern wollen?!

Aber vielleicht schätze ich das ja auch ganz falsch ein, weil ich das Aufwachsen in Marzahn doch nicht so unbeschadet überlebt habe …

(VS)

PS: Wenn man heute nach News zum Thema Marzahn googelt, findet man an oberster Position einen Artikel mit dem Titel „Politiker sind empört: Wirbel um Poschmanns Marzahn-Spruch“, dann noch einen über die Leichtathletin, die ihn zu diesem Spruch inspiriert hat und dann drei Artikel mit den Überschriften: „Jugendliche nach Einbruch in Getränkelager erwischt“, „Tram in Berlin-Marzahn beschossen“ und „Taxifahrer in Marzahn überfallen“ …

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7 Kommentare zu “I survived Berlin Marzahn

  1. nein, poschmann war schon immer ein idiot, und der sportkommentar im westfernsehen nationalistisch und auf die „eigenen“ sportler fixiert, was man von den ddr-reportern tatsächlich nicht sagen konnte. so ein spruch ist kein lapsus sondern ausdruck der ignoranz solcher menschen. das sind festgefahrene bilder in deutschland und denen begegnet man auf schritt und tritt, wenn man mit westdeutschen zu tun hat. ich spiele selbst mit einer gruppe aus dem westen zugezogener wöchentlich in einer marzahner halle fußball, und für die ist die anfahrt ein horrortrip. das macht sich an den plattenbauten fest, wie sie in jeder großen europäischen vorstadt stehen. die leben seit 15 jahren in berlin und würden nie freiwillig einen fuß nach brandenburg setzen, weil für sie alle dorfossis nazis sind. im sogenannten öffentlich-rechtlichen fernsehen ist poschmanns spruch nicht zu tolerieren. er wußte genau, was er sagt, solche bemerkungen überlegen die sich lange vorher.

  2. Ich weiß ja nicht wie du googelst aber ich finde das als erstes:
    „Der Name Marzahn stammt vermutlich vom slawischen more (See) oder marcana (polabisch „Sumpf“). Die Wuhle verursachte oft Überschwemmungen, wodurch Sümpfe entstanden. Außerdem war Marzana die Göttin der Wintersonne und des Ackerbaus.“
    Also haben sich die Marzahner sozusagen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen, wenn sie den Sumpf überlebt haben sollten ;-)
    Ansonsten stimme ich dem kleinschreibenden jochen (ne neue Tastatur wirkt manchmal Wunder!) voll zu: Wessis sind alle ignorant und arrogant ;-))) Ossis aber auch ;-)
    Nur gut, dass wir schon seit 20 Jahren daran arbeiten, den Ost-West-Konflikt beizulegen.

  3. Ich habe davon gar nichts mitgekriegt, ist Marzahn denn schlimm (Kenne keine Klishees)? Ist es schlimmer als Kreuzberg (hmmm was jetzt so schlimm an Kreuzber sein soll weiss ich auch net….)?

    PS: Hätte nach meiner formatierung des Rechners gerne wieder den schnipselfriedhof RSS-Feed abonniert, kann es aber nicht, da der Link durch den sehr schönen Mr. + Mississippi Feed ersetzt wurde!

  4. Hm, also ich bin ebenfalls nicht aus Marzahn und wüsste gerne mal… Ist Herr Poschmanns Kommentar nun so schlimm, weil er völlig absurd und aus der Luft gegriffen ist oder weil er zumindest ein Körnchen Wahrheit enthält, das aber einige Menschen gern ignorieren möchten und sich deswegen jetzt persönlich angegriffen fühlen? Oder löst das Wort „Marzahn“ bei manchen Menschen eine Art Mutterinstinkt aus? Ich verstehe einfach nicht, wie man sich über so etwas empören kann.

    Warum sich die Politiker empören, ist sonnenklar. So ein bisschen „ich kümmere mich um euch“ schadet ja nie. Bei dem ein oder anderen scheint es ja anzukommen. Lustigerweise höchstwahrscheinlich hauptsächlich bei Leuten, die gar nicht direkt betroffen sind und höchstens mal auf der Durchreise irgendwo in der Nähe von Marzahn waren. Diese Gutmenschentour wird wohl niemals alt. Und immerhin steht eine Wahl an – da ist jedes Mittel recht.
    Die Medien freuen sich sowieso, wenn sie irgendwen tüchtig zerfleischen können. „Geheuchelte Empörung“ ist doch eins der großen Erfolgskonzepte von Bild&Co.
    Aber was ist mit dem Rest? Kann man sich tatsächlich von sowas in der Ehre verletzt fühlen? Das nimmt ja schon fast Mohammed-Karikaturen-Ausmaß an. Wehe, es malt hier jemand eine Marzahn-Karikatur hin. Dann gibts aber Saures!

    Warum lacht man nicht einfach drüber? Klar war es ein dämlicher Spruch. Und (höchstwahrscheinlich) dermaßen weit von der Realität entfernt, dass niemand mit einigermaßen Verstand das auch nur ansatzweise ernst genommen hätte. (Die zweite Hälfte des Satzes ist doch auch absoluter Käse. Auch aus Marzahn kann niemand bis unendlich zählen oder ein Perpetuum Mobile bauen. Aber daran stört sich anscheinend auch wieder keiner…!)
    Moderatoren, Kommentatoren und die gesamte Unterhaltungsindustrie benutzen nunmal gerne Klischees. Warum? Weil sie unterhaltsam sind. Zumindest bis man selbst betroffen ist. Dann ist die Empörung groß. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. (Und dadurch dann am besten deutlich macht, dass das Klischee wirklich nur ein Klischee ist.)
    Herr Poschmann mag ein Idiot sein (ich kenne ihn leider nicht persönlich, daher kann ich das nicht so genau sagen), aber wenn er die Marzahner wirklich hätte angreifen wollen, hätte das wohl ganz anders ausgesehen. Also war es einfach nur ein misslungener Witz.

    Wenn man in solchen Momenten auch mal ein wenig über sich selbst lachen könnte, statt sich angegriffen zu fühlen (und das gilt für beide Seiten), würde der Ost-West-Konflikt wahrscheinlich auch schon längst verschwunden sein. Aber dafür sind viele wohl (noch) nicht selbstbewusst genug.

    @DAS k1ishEé: Mein RSS-Reader sagt “ https://volkerstruebing.wordpress.com/feed/ “ als Adresse für den Feed.

  5. Das Sichmedienwirksamaufregen gehört doch zum ganz natürlichen Politikersein. Und die wägen vorher die Resonanz ab, glaubt mir. Wenn es da einen Erwartungswert > 50% bei den Zustimmern gibt, wird zurückempört…

  6. Habt ihr euch schon mal den Film „Heimatkunde“ angeguckt? Bei diesem Thema sehr zu empfehlen sowohl für Ossis als auch für Wessis! Hier die Kurzbeschreibung

    „Martin Sonneborn ist Parteivorsitzender – und vielleicht der erste Mensch, der an der Glienicker Brücke die Havel in Richtung Osten durchschwimmt, um in die ehemalige Zone zu gelangen.
    Sonneborn ist aber nicht auf der Flucht. Der Vorsitzende der Partei „Die Partei“ hat einen ehrgeizigen Plan; 2009 will „Die Partei“ die Bundestagswahl gewinnen. Erklärtes Ziel der Partei: Die endgültige Teilung Deutschlands!
    Ein Jahr vor der Bundestagswahl will sich der Politiker inkognito ein Bild von der Stimmung rund um die Hauptstadt machen. Sonneborn tauscht den grauen Parteianzug von C&A gegen eine unauffällige Wanderjacke und beginnt Berlin zu umwandern. 250 km Hauptstadtgrenze liegen vor ihm.
    Ziel seiner Feldforschung ist es, herauszufinden, ob sich 18 Jahre nach der Wende in der Peripherie neues Leben entwickelt hat und wie es aussieht.
    Der erste Ostdeutsche, den Sonneborn trifft, liegt auf einer baufälligen Brücke über die ehemalige deutsch-deutsche Grenze und ist nackt. Aus der nah gelegenen Siedlung dagegen sind die ehemaligen Zonenbewohner scheinbar spurlos verschwunden. Die westdeutschen Neusiedler kennen keinen einzigen Ostdeutschen und wissen von nichts…
    Sonneborn wird auf seiner Wanderung noch viele merkwürdige Begegnungen haben. Er wird feststellen, dass es da draussen viermal so viele Hundetoiletten wie Faschismusdenkmäler gibt, und dass die Ossis die Wessis an der Nase erkennen können. Er trifft junge Mädchen, die von der guten alten DDR schwärmen und Gärtner, die sich mit ihren Bäumen unterhalten, weil sie den Glauben an die Menschheit verloren haben. Er spricht mit Imbiss-Besitzern, die von Jet-Set-Kunden mit eigener Yacht träumen und vom Anschluß an die Kanalisation. Und er begegnet einem Straßenbahnführer, für den der Fall der Mauer in erster Linie eine Störung des ostdeutschen Straßenbahnfahrplans war.
    Am Ende seiner Wanderung hat Sonneborn erfahren, dass es die DDR eigentlich nie gegeben hat, dass sie aber ein besseres Gesellschaftssystem besaß als die Bundesrepublik. Und dass die Chinesen sich gerade anschicken, beides platt zu machen, Ost- und Westdeutschland!
    Dass die Mauer wieder her muss, ist nach dieser Wanderung klar.

    Heimatkunde ist ein kompromissloser Dokumentarfilm. Ein parteiloses Filmteam hat den Parteivorsitzenden Martin Sonneborn (Titanic) sechs Wochen lang auf seiner Wanderung durch die Mark Brandenburg begleitet.“

  7. @ jochen: selektive Wahrnehmnung! Mein Verdacht: Der Unterschied entsteht in Deinem Kopf und in keinem sonst. Einer deiner Wessifreunde regt sich über Plattenbauten auf – wie er das vielleicht genauso in Gelsenkirchen oder Stuttgart gemacht hätte- und in Deinem Kopf regt er sich über ostdeutsche Plattenbauten auf. Einer beschwet sich über die Nazis auf dem Land und Du denktst, der hält alle Landossis für Nazis. Klar gibt es hüben wie drüben Idioten die krampfhaft an den Klischees festhalten, weil ihnen der Aufwand für eine Korrektur ihres Weltbildes unermesslich scheint. Aber ich denke den meisten geht diese ewige Vergleicherei von Ossis und Wessis auf die Nerven. Das ist genau wie bei manchen Österreichern, die aus einem Minderwertigkeitskomplex heraus auf jedem noch so kleinen Unterschied zu uns Deutschen herumreiten. Was soll das bitte? Geht’s einem danach besser? Sollte ich das vielleicht mal ausprobieren?

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