Statt statt Inhalt

Gerade habe ich ein Wahlplakat der Tierschutzpartei mit dem sprachlich etwas wackeligen Slogan „Alternativmethoden statt Schwächere zu missbrauchen“ gelesen. Diese Form der Werbung ist ja recht beliebt. In der Uckermark hingen Plakate der CDU, auf denen „Taten statt Bürokraten“ gefordert wurde. Eine sehr mutige Aussage, wenn man bedenkt, dass sie damit alle potentiellen Wähler, die lieber Bürokraten als Taten hätten, vergrätzen. Da sieht man doch gleich, dass sie es ehrlich meinen.
Ich hatte nun die Idee, ins Wahlwerbegeschäft einzusteigen und den etablierten Werbeagenturen mit Dumpingpreisen die Kunden abzuknöpfen, indem ich individualisierbare Standard-Wahlwerbesets zum günstigen Preis anbiete. Einfach Plakate mit Slogans wie „Gute Politik statt schlechte Politik“ oder „Was sie sich wünschen statt was sie doof finden“ oder „Sonnenschein statt Zahnschmerzen“. Rechts unten in der Ecke könnten die Parteien einen Aufkleber mit ihrem Namen aufkleben. Kleine Parteien, die nicht genug Geld haben, könnten auch nachts heimlich den Aufkleber auf den Plakaten  der anderen durch ihren eigenen ersetzen, das würde dem Pluralismus guttun.
In diesem Sinne:
Buchstaben statt Kinderpornos. http://www.schnipselfriedhof.de

(V.S.)

PS: Eigentlich müsste ich mich ja freuen, dass sich die SPD mit ihrer Kampagne „(irgendetwas negatives) würde (gegnerische Partei) wählen“ etwas urst originelles hat einfallen lassen. Haha, ein Finanzhai, der FDP wählen würde, für die ganz dummen noch als grinsender Haifisch im Anzug visualisiert, man reiche mir den Holzhammer, ich muss den Wähler überzeugen … aber ich kann halt nur meckern, meckern, meckern und stelle mir dabei immer sofort ein leeres Plakat mit dem Slogan „Niemand würde SPD wählen“ vor.

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33 Kommentare zu “Statt statt Inhalt

  1. Ich sag nur: „Renate kommt.“ Dies prangt uns, gemeinsam mit R.K.s Konterfei, in unseren Straßen entgegen. Auch nicht besser. ;/

  2. Die SPD – Plakate gehen mir hier (Dresden) auch auf den Wecker. Wie alle Plakate überhaupt. Aber die FDP hat den Vogel abgeschossen und es mit Inhalt versucht. Dabei vergessen, dass der Klassiker „Steuern senken“ mit dem Neoklassiker „Kitas bauen“ nicht zusammenpasst. Es sei denn, die Kitas werden aus dem Konjunkturpaket bezahlt, wofür die Dresdner Lokal-fdp nun wirklich nicht den Dresdner Steuerzahler zur Kasse bitten muss.

  3. Pingback: Einfach niemand - spitblog

  4. Ich würde direkt Sonnenschein statt Zahnschmerzen wählen. Natürlich in der Hoffnung, dass beide nicht am Ende eine große Koalition bilden und als Kompromiss Kopfschmerzen rauskommt.

  5. Mal so nebenbei: Bei den Wahlzetteln finde ich fehlt immer noch die Wahlmöglichkeit „Ich werde meine Interessen lieber selbst wahrnehmen“. Würde ich so gut immer ankreuzen.

  6. Ich würde ja was schreiben aber mir fällt nix ein…

    Ich geh ins Bett STATT hier zu grübeln!

  7. Bei dieser netten Gelegenheit wünsche ich mir eine Plakataktion der Nichtwähler.
    Nichtwählern wird so einiges vorgeworfen. Meißtens Ignoranz. Bei mir ist es Abscheu. Ich weiß, daß der Wahlkampf so abscheulich ist, wie die Politik danach.
    Viele Leute gehen trotz des abscheulichen Wahlkampfes wählen, weil sie glauben, dass man sterben muß, wenn man nicht wählt. Andere Gründe habe ich jedenfalls noch nicht in Erfahrung gebracht und ich bin ein sehr erfahrener Kneiper.

  8. Pingback: Was so bewegt! » Blog Archive » Nachsatz:

  9. Es ist warscheinlich die schwachsinnigste Idee, die ich seit langem hatte, aber lasst uns doch alle mal Parteien wie z.B. „Die grauen Panther“ (gibts die überhaupt noch?) wählen. Es wäre doch äusserst amüsant zu sehen wie diese stille Revolution der Parteiwahl von statten geht und was dann die ganzen Ampeln oder Doppel-farben-Deppen dann sagen….

    Aber wie schon eingangs erwähnt, die Idee ist wohl eher unausgereift.

  10. Die Piratenpartei ist zumindest mal ne originelle Idee!

    @5Ziegen:
    Nich wählen is ne ganz schlechte Idee. Ich bin leider erst 15 und kann noch nich wählen, aber wenn ich es dürfen würde, würde ich es auch tun. Ich und auch einige meiner Freunde handeln da nach dem Prinzip „Wenn alle Parteien scheiße sind, wähle die, die am wenigsten scheiße ist!“. Unserer Meinung nach ist das die Linke. Wir finden sie nich grade gut, aber eben am wenigsten scheiße! Und es is doch schließlich wirklich so: Jeder Nichtwähler spielt den Nazis bzw. der NPD in die Hände. Auch wenn sie das natürlich nicht wollen…

    Egal, die Piratenpartei ist eh am besten. Aber bei solchen kleinen Parteien, vor allem bei solchen wie der Tierschutzpartei frag ich mich immer wat das eigentlich werden soll. Erstens kommen die sowieso nich ins Parlament (welches auch immer). Und zweitens haben viele von denen nur ein Thema. Wenn zum Beispiel die Tierschutzpartei an der Macht wäre, würden die Tiere geschützt werden, toll! Und das war´s, weil die sich über das meiste andere gar keine Gedanken gemacht haben. Und dann würden die da 4-5 Jahre im Parlament hocken und könnten zugucken wie alles den Bach runtergeht… Herzlichen Glückwunsch! Deswegen isses deutlich sinnvoller bei den großen Parteien zu bleiben. Auch wenn man sich dann die raussuchen muss, die am wenigsten Scheiße ist!

  11. @ Tom

    Nichtwähler stärken alle Parteien.
    Ich bin nicht der Menung das es am sinnvollsten ist eine große Partei zu wählen, die am wenigsten Scheiße ist.
    Die Grünen waren nebenbei mal eine solche Partei, welche nur Umweltschutz auf den Plakaten hatte. Mittlerweile etabliert.

    Am schrecklichsten ist nebenbei die Wahlkampagne der SPD. „Wählt nicht die, die sind Scheiße“. übersetzt „Wir haben im Grunde auch nichts besseres zu bieten aber die anderen sind irgendwie doof“.

    Ich wähle wie immer ungültig…

  12. wie heißt es doch so schön – „wer im glashaus sitzt, sollte zum kacken in den keller gehen“. das hätte der SPD auch gut getan, aber nun ja… sie haben beschlossen die anderen zu verhohnepipeln um davon abzulenken, dass sie selber keine vernüftigen lösungen haben. das kann ja jeder. und wie man sieht, macht das auch jeder! ich weiß wie immer nicht wirklich, welche der parteien aus dem (mageren) angebot die wählbarste sein soll. hatte auch überlegt die tierschutz-partei zu wählen (jedenfalls empfahl mir das der wahl-o-mat), aber, wie hier ja auch schon bemerkt wurde, bringt das wahrscheinlich gesamtgesellschaftlich auch nicht so viel. aber die „alles mist. ich bleib gleich daheim“-einstellung darf trotzdem nicht gelten, finde ich.

  13. freiheit statt angst.
    ach nee das war akvorrat.
    egal. piratenpartei wähle ich wohl. bin mal gespannt auf die ergebnisse.. und die wahlbeteiligung.

    oha tom hat auch schon von der piratenpartei geschrieben. na dann.. wenn alle wählen gehen, die soviel online rumdaddeln, dann siehts gut aus. :)

  14. ist eigentlich schon mal wem aufgefallen wie stark die politik an den demographischen wandel angepasst ist? sonntags wählen.. da steht man als junger mensch erst nachmittags auf und ist froh wenn man nicht brechen muss.. und mein wahlkreis muss auch noch im seniorenheim zur (wahl)urne.
    dass die panther nicht vorne liegen, muss daher kommen, dass so ziemlich niemand an kleinparteien glaubt.

  15. Ich glaube, dass die Panther nich vorne liegen, liegt eher daran, dass die Leute die die Panther wählen würde es entweder vergessen haben wegen der Alzheimer, das falsche gewählt haben wegen Parkinson, nicht gewählt haben weil sie den Stift durch die Gicht nich halten konnten oder nicht gewählt haben, weil sie ungünstigerweise nicht als Geistig Zurechnungsfähig erachtet wurden.

    (ja ich weiß…. Sarkasmus pur)

    memo Ende

  16. Der Wahl-o-mat is jedenfalls ein netter kleiner Spaß. Aber wie da auch steht, soll das keine politische Empfehlung sein und so weiter… Ich hatte am meisten Übereinstimmungen mit der FDP. Und die bringt in meinen Augen nur Mist zustande, ich würd die nie wählen… Tja, aber vielleicht gewinnt dieses Jahr ja vielleicht sowieso die Piratenpartei, weil alle sich denken „Man, sind die alle Scheiße, ich geh mal trotzdem zu Wahl!…Piratenpartei? Na, das klingt doch mal gut, wähl ich die!

  17. Der Wahl-o-mat is jedenfalls ein netter kleiner Spaß. Aber wie da auch steht, soll das keine politische Empfehlung sein und so weiter… Ich hatte am meisten Übereinstimmungen mit der FDP. Und die bringt in meinen Augen nur Mist zustande, ich würd die nie wählen… Tja, aber vielleicht gewinnt dieses Jahr ja vielleicht sowieso die Piratenpartei, weil alle sich denken „Man, sind die alle Scheiße, ich geh mal trotzdem zu Wahl!…Piratenpartei? Na, das klingt doch mal gut, wähl ich die!“

  18. Ich glaube den stärksten Faktor entdeckt zu haben warum die Panther nicht vorne liegen.
    Weil es die Partei nicht mehr gibt. Pleite gegangen, Vorstände weg gestorben, von den Linken abgeworben … man weiß es nicht .

  19. Tja, was wählen? Kleinparteien, die sich vor allem ein Detailthema vornehmen (Tierschutzpartei aber auch die Piratenpartei) finde ich schwierig – obwohl man natürlich anfangs von den Grünen dasselbe hätte sagen können. Außerdem weiß ich nicht, ob ich wirklich einen Bundestag voller Kleinparteien in instabilen Koalitionen gut finden würde – zumal nicht alle von ihnen so nette Themen wie Tierschutz und die Freiheit im Internet haben …

  20. am geilsten wäre wohl wenn alle fürs ungültig-wählen werben würden xD
    … noch mit ner wachsmalstift-spendekampagne für die wahlkabine am wahltag!

  21. klickt mal auf meinen nick hier, da wird das diskutiert, wieso es nicht sinnlos ist eine kleinpartei zu wählen.

  22. @gnarf

    1989 (als sich dann auch mal welche trauten, mit Nein zu stimmen) kursierte im Osten angeblich son Spruch: Mit Bleistift und Lineal gehen wir zur Wahl.

  23. Habe heute zufällig erfahren, dass es um die Europawahl geht.
    Also die Parteien, die da antreten, die scheißen auf die Demokratie, nur damit sie gewählt werden. Da gehe ich vielleicht doch hin- mit Bleistift und Lineal.

  24. Nach meiner Ansicht ist nicht das Gesindel das das passive Wahlrecht missbraucht sondern das Gesindel das das aktive Wahlrecht missbraucht das Problem. In einem politischen System in dem bei einem „so wichtigen, grundlegenden und blabla“ Recht keinerlei Anforderungen an den geistigen Horizont des Probanten gestellt wird, sieht es in der Politik ebenso aus wie nachmittags in den privaten TV-Sendern. Idioten bruellen aufeinander ein, ein Moderator spielt den Schiedsrichter und die Regie gibt im Hintergrund Anweisungen.
    Es gibt natuerlich ein Recht auf Bloedheit (nutze ich selbst) und es gibt das Wahlrecht, aber wenn man beides im grossen Stil kombiniert …egal!
    Wenn es wenigstens ein Widerrufsrecht (mit Begruendung) oder eine Negativstimme („Die da auf gar keinen Fall“) gaebe, im zweiten Fall haette die Fr. Merkel meine beiden Stimmen.
    Und der andere grosse Haufen? Nach dem antiken Spruch:“Wenn Du mich einmal betruegst musst Du Dich schaemen, wenn Du mich zweimal betruegst muss ich mich schaemen.“, faellt die SPD fuer mich flach. Und bei den anderen, mir bekannten Parteien warte ich das erstemal gar nicht erst ab. Keine Experimente sagte Adenauer.
    Da setze ich doch lieber auf den Zufall. Ich werde mir vorher eine Zahl/Listenplatz ausdenken, losen oder mit geschlossen Augen tippen und wenn ich das Ergebnis nicht aus vollstem Herzen verachte dann wars das. Dann kann ich mir wenigstens den Spass machen und im Netz raussuchen was ich fuer einer bin.

    Und nun in einemSatz:
    „Kein Alkohol ist auch keine Loesung!“ , ich waehle DADA!

  25. quote:
    Wenn es wenigstens ein Widerrufsrecht (mit Begruendung) oder eine Negativstimme (”Die da auf gar keinen Fall”) gaebe /

    wie geil is das denn? jenau meine rede!
    dafür! *schildhochhalt*

  26. @ Daniel
    quote:
    „1989 (als sich dann auch mal welche trauten, mit Nein zu stimmen) kursierte im Osten angeblich son Spruch: Mit Bleistift und Lineal gehen wir zur Wahl.“

    …was soll das denn heißen, du musst dich schon etwas besser ausdrücken wenn du so was sagst…, weil „als sich dann auch mal welche trauten“ klingt etwas krass. Vllt. ist dir ja schonmal aufgefallen, dass es damals nicht so einfach war zu Wählen, denn man hatte keine freie Wahl und „falsch“ wählen bzw. Ungültig machen des Stimmzettels, etc. bedeutete ein hohes Risiko für die Menschen…Denk drüber nach bevor du so urteilst. Aber den Spruch gab es wirklich.

    Jedenfalls,
    genau das sind für mich persönlich Gründe doch wählen zu gehen, schon allein weil ich die Möglichkeit dazu habe, frei zu wählen. Wir sollten das nicht unterschätzen, denn wenn wir alle eine Minderheit wählen ist es ja gar keine Minderheit mehr…, also geht ohne Lineal zur Wahl und wählt einfach so, aber bitte keine Nazis, die dürfen ruhig Minderheit bleiben…

  27. @ easy

    Nur dass hier keine Missverständnisse auftreten: Ich weiß schon wie die offiziell freien Wahlen zu DDR-Zeiten abliefen. Stimmzettel falten und in die Urne stecken hieß Ja; in die Wahlkabine gehen (was mit Sicherheit nicht unregistriert blieb), den Zettel fein säuberlich durchstreichen und dann in die Urne stecken hieß Nein.

    Hochachtung vor den Leuten, die es 1989 riskierten, mit Nein zu stimmen, und damit die ganze Wahl als Farce entlarvten. (Und noch mehr Hochachtung vor denen, die auch schon vorher ihr Recht auf freie Wahl wörtlich genommen hatten.)

  28. apropo „mit Bleistift und Lineal.“ der Spruch hatte natürlich nur symbolischen Charakter, Lineal reimte sich schon damals auf Wahl. Nötig war eine Unterlage und ein Filzstift. In der Wahlkabine stand ein Pult mit einer extra dicken Tischdecke drauf und da lag ein hart gespitzter Bleistift, mit dem man die Zettelchen nur anritzen konnte. Ein sichtbarer Strich war so unmöglich.

  29. @easy ,
    in wie fern sind den Wahlen heute Freier? Weil ich ein Kreuz machen darf und dazu in eine Wahlkabine muss? Besteht ein Unterschied nicht darin, dass in der DDR die Kandidaten der Nationalen Front gewählt wurden, (welche von Parteien, Vereinen, Massenorganisationen, Sportverbänden, Gewerkschaft, Freiwilliger Feuerwehr etc. gestellt wurden) und heute die Kandidaten von Parteien und je nach Ebene Bürgerbewegungen gewählt werden? Zu beobachten ist auch, dass auf Grund sinkender Mitgliederzahlen immer mehr parteilose Kandidaten auf den Listen von Parteien auftauchen, welches nicht unbedingt für mehr Demokratie steht, sonder eher ein Zeichen für wachsende Parteienverdrossenheit. Andererseits war man bei der Zusammensetzung der Parlamente in der DDR bemüht der Bevölkerungsstruktur Rechnung zu tragen, heute spielt diese keine Rolle.
    Ja nun, der Mensch ist Frei, wenn er ein Kreuz machen kann, übrigens der einzige Einfluss welchen er als Wähler auf die Kandidaten hat und nach dem er sein Kreuz in der freiheitlichen Kabine gemacht hat, soll er beruhigt nach Hause gehen und seinem Schicksal den Gewählten überlassen!? Wie demokratisch dieses Wahlsystem ist, wird vor allen an der wachsenden Zahl der Nichtwähler sichtbar. Denn warum gehen immer weniger Menschen zur Wahl, weil sie etwa zu faul sind, oder weil sie erkannt haben das mit Wahlen, in einem festgezogenem System, keine Veränderungen zu bewirken sind? Übrigens keine unbedeutende Parallele.
    Es ist völlig egal welcher Illusion von Demokratie man anhänglich ist, das machen eines freiheitlich, geheimen Kreuzes möge diese zwar befördern, den illusionären Charakter aber nicht aufheben. Wie in der DDR, können in der BBR auch nur die vorgegeben Kandidaten gewählt werden und wenn sie das denn sind, dürfen sie ihr Unwesen treiben und das heute mehr den je!
    Letztendlich war da Wahlsystem in der DDR nicht undemokratischer als das gegenwärtig praktizierte, in beiden Systemen wurde/wird eine äußerst eingeschränkte und damit beschränkte Demokratie offiziell praktiziert.
    Aber wenn die Freiheit der Wahl darin besteht, ein Kreuz in einer Kabine machen zu können, dann bitte, ein jeder legt sich die Beschränkung auf, die er verdient.
    Gruß

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