Wenig hilft wenig – hoffe ich!

Vor einer Weile hatte ich eine Sehnenscheidenentzündung. Ein lieber Kollege empfahl mir eine Salbe, die er in solchen Fällen zu verwenden pflegte, und auf deren Wirkung er schwor. „Abends richtig dick einschmieren und dann einen Verband drum“, empfahl er mir. „Richtig dick! Du weißt doch: Viel hilft viel!“

Vielleicht versteht man, wie verwundert ich nach dem Kauf der Salbe war, als ich feststellte, dass es ein homöopathisches Medikament war …

Ich glaub ja nicht an Homöopathie. Erstens halte ich es für Hokus Pokus und zweitens könnte ich keinen Schluck Wasser mehr trinken, ohne mich zu ekeln. Mir ist nämlich neulich etwas aufgefallen: Grob gesagt geht es doch bei der Homöopathie darum, Substanzen soweit zu verdünnen, dass sie, im Falle der Hochpotenzen, gar nicht mehr nachweisbar sind. Auf irgendeinem magischen Wege soll die Trägersubstanz – Wasser oder Alkohol meist – aber irgendwelche ominösen Informationen behalten und ihr gutes Werk verrichten. Wenn da etwas dran ist, dann heißt das doch aber auch, dass das Wasser, dass wir trinken, letzlich homöopathische Scheiße ist, außerdem homöopathischer Urin, homöopathische Fischleichen, homöpathische Spucke  – ich hab zum Beispiel vor ein paar Jahren mal in einen See gespuckt.

Entweder ist Homöopathie gequirlte oder Trinkwasser homöopathische Scheiße und mir wäre ersteres lieber.

(Wahrscheinlich werden die Homöopathieanhänger einwenden, dass das Quatsch sei, weil ich beim Spucken nicht „Abrakadrabra“ gesagt oder die Spucke nicht in der richtigen Richtung in den See eingerührt habe, und weil die Fischleichen nicht ordnungsgemäß im Wasser verrieben wurden und weil außerdem und überhaupt und sowieso nur die guten Informationen erhalten bleiben.)

(V.S.)

PS: Die Salbe hat übrigens prima geholfen, danke nochmal für den Tip. Ich nehme an, es lag daran, dass sie neben der homöpathischen Substanz noch ganz „normale“ Bestandteile enthielt. Als Wirksamkeitsbeleg werte ich das daher nicht. Das ist so, als würde man einer Aspirin noch ein homöopathisches Schmerzmittel beimischen und dann sagen: Na bitte, es funktioniert.

PPS: Ich hoffe, alle netten Homöopathieanhänger, insbesondere die aus meinem Bekanntenkreis, sind nicht zu sauer wegen der „gequirlten Scheiße“.

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13 Kommentare zu “Wenig hilft wenig – hoffe ich!

  1. Na na, wer wird sich denn da ausschliesslich auf negative Dinge beschränken? Ins Wasser gelangen ja auch gut Dinge.
    Das ist ja gerade der Punkt, der Homöopathie unglaubwürdig macht: Wasser ist derartig durchsetzt mit den verschiedensten Dingen, dass die Spuren der homöopathischen Mittel keine besondere Rolle mehr spielen dürften.

    Aber es gibt ja auch Leute, die an Bachblüten glauben.

  2. Placebo, Placebo!
    Homöopathie ist doch harmlos, man kann mit reinem oder meinetwegen homöopathischem Wasser wenig falsch machen, schlechter als ohne Behandlung wirds einem davon nicht gehen.

  3. „Ich hoffe, alle netten Homöopathieanhänger, insbesondere die aus meinem Bekanntenkreis, sind nicht zu sauer wegen der “gequirlten Scheiße”.“

    Ist das nicht auch vergleichbar mit Eigenurin? ;) :D

  4. Hatte ein ähnliches Erlebnis: Ich hatte mich mal furchtbar ein meinem Motorradauspuff verbrannt an der Wade weil ich unbedingt mit kurzer Hose fahren wollte weils so warm war. Ein Bekannter hatte mir eine „Bachblütensalbe“ empfohlen was bei im im selben Fall geholfen haben soll wo andere Mittelchen versagt haben. Ein Sanitäter mit dem ich mich kurz darauf unterhalten habe hat mir dann erzählt das das eine homöophatische Salbe wäre und hat mir eine andere empfohlen die speziell für Brandwunden ist. Diese habe ich dann im Urlaub verwendet und muss sagen das sie in Verbindung mit salzigen Meerwasser Wunder geholfen hat. Nur noch eine kaum auffallende Narbe erinnert an die Brandwunde. Hoch lebe die Schulmedizin!

  5. Ach Jürgen. Sicher meintest du „Hoch lebe die Wissenschaft“. Ist „Schulmedizin“ doch ein Schmähwort aus der Propagandaecke der Pseudowissenschaft. Impliziert „Schulmedizin“ doch, dass es noch andere legitime (alternative) Medizin“en“ gibt.
    Dein aufgezeigtes Beispiel belegt aber gut, dass Wenig nicht unbedingt auch nur wenig schadet. Bindet dieser unwissenschaftliche Irrsinn doch zumindest immer Resourcen.

    Was mir noch dazu einfällt: Ich habe es beim beim Spiegelfechter gerade zu einem völlig anderen Thema verlinkt, aber es passt auch hier seltsamerweise super:
    http://blogs.hr-online.de/nightline/2009/05/20/wenn-die-losung-das-problem-ist/
    Dieses im Vortrag erläuterte “noncontingent reward experiment” (ab der 11. Min. etwa) erklärt auch so manches bzgl. Parawissenschaften :P

    Was mich hier echt wundert: Normalerweise betreten bei dem Thema immer sofort heftigst überzeugte Vertreter der Scheinwissenschaften das Feld und fangen an die unglaublichsten Sachen abzulassen. Doch hier ist nix!

  6. Die homöopatische „Lösung“ wird zum Schluss meist auch noch über kleine Zuckerpillen gegossen, die das Wasser dann aufsaugen. Es handelt sich damit um eine gesättigte Zuckerlösung und sollte sich das Wasser bis dahin tatsächlich an irgendwas erinnert haben (kein Scherz, die Homöopaten behaupten das echt), so hat man es spätestens dann aus ihn herausgeprügelt.

  7. Komisch ich bin jetzt irgend wie enttäuscht, ich finde deine Text eig. immer super und das mit den Gen-Produkten und Bio-Produkten, dachte ich sei nur ein wirklich guter Scherz von dir … aber dieser Text ist meines erachtens nur Aggressiv. Ich schließe auch mal daraus das du nicht an andere Wissenschaftlich beweißbare Dinge wie z.B Gott glaubst und das ist ja irgend wie traurich. Mach lieber wieder mit lustige Sachen weiter das kannst du besser.

  8. Homöopathen sind der Abschaum der Menschheit. Zocken ohen jede Gegenleistung ab. Zum kotzen. Nur Lügner und Betrüger.

  9. Und wer im Jahr 2010 noch an so einen Unsinn wie Gott, Allah oder die Unschuld Michael Jacksons glaubt…sollte mit ner Wünschelrute im Wald nach Feeen und Kobolden suchen…

  10. Darf man dass, bitte, bitte, weiterposten!
    So treffend habe ich Homöopathie selten beschrieben gefunden!

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