Eine Träne für die Surfpoeten

Ich fasse es immer noch nicht wirklich. Es waren immerhin 9 Jahre. Hey – 9 Jahre! Was haben wir in der Zeit nicht alles… ? Literatur und Konzeptdisco. Wir waren so ziemlich überall in Deutschland. Und in der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. Wir waren die erste Lesebühne mit einem eigenen Buch und die erste rauchfreie. Und die einzige spirituelle. Bei uns wurde auf der Bühne gezaubert, gekocht und geprügelt. Einen von uns haben wir sogar beerdigt: Michael Stein. Und wir haben den 2. Mai, den internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen begründet. In Königswusterhausen haben Zuschauerinnen uns ihre Geschlechtsteile gezeigt und im Ballhaus Ost wir dem Publikum unsere. Das war schon geil, mit den Surfpoeten! Ach ja. Sie fehlen mir schon jetzt.

Aber ebenso fehlt mir schon seit geraumer Zeit die Energie. Ich habe jeden Mittwoch darum gekämpft, pünktlich zu sein – und es dann doch nie geschafft. Und der letzte, so wie früher, der bei Sonnenaufgang mit dem DJ nach hause geht, der war ich schon seit Jahren nicht mehr. Also bin ich ausgestiegen. Leider sehr abrupt, aber es ging nicht anders.

Ich hoffe, die Jungs – und wer weiß, in Zukunft vielleicht auch Mädels? – laden mich recht häufig als Vertretung ein. Und wer will, kann sich als mein Nachfolger bewerben.

(Andreas Krenzke)

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4 Kommentare zu “Eine Träne für die Surfpoeten

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