Gruss aus Zürich

Ich weiß nicht, wie viele Etap-Hotels es weltweit gibt, aber es müssen viele sein. Ich weiß nicht, wieviele Menschen nach einer Nacht im Etap-Hotel statt nach Hause zurückzukehren für lange Zeit in einer psychatrischen Klinik verschwanden, aber es müssen viele sein. Schuld ist die Waschecke, die in jedem Etap-Zimmer gleich aussieht.

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Ich bin beim ersten Mal im Etap jedenfalls fast verrückt geworden. Irgendetwas stimmte nicht, wenn man am Waschbecken stand und in den Spiegel sah. Gut, da war dieser Balken, der einem immer genau durch die Mitte des Gesichts ging, aber das konnte es nicht sein. Komischerweise kam ich nicht selber drauf; Dan musste mir erklären, was hier los war: Man sieht sich in einem rechtwinklig angeordneten Spiegelpaar seitenrichtig. Hebt man die rechte Hand, hebt das Gegenüber auch die rechte anstatt der linken. Versuch mal, Dich so zu frisieren (nicht das das bei mir ein großer Akt wäre …) Das ist so, als würde man in den umgeklappten Monitor einer auf einen selbst gerichteten Videokamera gucken. Man sieht das auf dem Foto schlecht. Ich halte die Kamera mit der rechten Hand und zeige mit der linken, genau wie mein Spiegelbild, es ist zum Kotzen!

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In der Ausschnittvergrößerung sieht man den seitenrichtigen Schriftzug auf der Kamera.

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Wer jetzt denkt, dass habe ich am Computer mit der Spiegelfunktion gefaked, soll sich mal zwei Spiegel schnappen oder eine Skizze machen und versuchen, den Weg der Lichtstrahlen nachzuverfolgen oder, starke Nerven vorrausgesetzt, eine Nacht im Etap buchen. Ist nicht so teuer …

Zürich ist schön. Ein großer See mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund fehlt in Berlin ganz eindeutig. Außerdem sieht man in der Schweiz immer, wie gut es ist, keinen Krieg anzuzetteln und nicht in Grund und Boden bombardiert zu werden. Alte Häuser machen was her. Irgendwie haben die Züricher aber trotzdem genug Platz für die größten Bausünden der 70er und 80er und das schrecklichste von heute gefunden. (Nicht im Bild)

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So lässt sich die Finanzkrise aushalten:

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Sex an öffentlichen Orten.

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(V.S.)

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13 Kommentare zu “Gruss aus Zürich

  1. musste an deine geschichte „Der Feind in meiner Haut“ aus „Ein Ziegelstein für Dörte“ denken^^
    gruß aus dem süden

  2. Ach, gegen die armselige Leuchtstoffröhre mit dem Drehabschatter und dem Frühstück auf Plastetablett ohne Teller kommt die Wascheecke nicht dran, findich.

  3. Seit ich mich an einen solchen Spiegel rasiere schneide ich mich nicht mehr..

    Eigentlich ganz praktisch, dass man sich im laufe der Zeit an das Spiegelverkehrte gewöhnt ist reiner Fatalismus…

  4. Hallo,

    Volker, Du verwechselt etwas. Der normale Spiegel zeigt das Bild seitenrichtig an, der Eckspiegel hingegen seitenverkehrt! Würde ein Spiegel das Bild seitenverkehrt anzeigen, wären auch oben/unten vertauscht. Denk mal drüber nach.

    Gruß
    Andreas

  5. Ich hab immer Probleme mit diesen einfachen Spiegeln, weil wir Zuhause auch zwei Rechtwinklige haben.

  6. Das ist vielleicht eine doofe Frage, aber kannst Du nicht einfach Deine Position um 45° verändern, so dass Du nur in einen der beiden Spiegel schaust und dich damit wieder „richtig“ (also spiegelverkehrt) siehst?

  7. Gruss aus Bern

    Als Schweizerin stolpere ich jeweils über die Bezeichnung Züricher für Menschen aus Zürich. Das ist zwar gemäss Duden auch richtig – aber nicht für die Schweiz. Die Menschen aus Zürich bezeichnen sich als Zürcher und Zürcherinnen.
    Wenn etwas als aus Zürich stammend bezeichnet wird, heisst es auch zürcher und nicht züricher: die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), die Zürcher Kantonalbank oder der Zürcher Verkehrsverbund, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
    Auf Wikipedia heisst es einfach: „Ihre Einwohner werden Zürcher genannt“ http://de.wikipedia.org/wiki/Z%C3%BCrich

    Gruss von einer Bernerin

  8. Ha, jetzt weiß ich es… eigentlich hatte Uwe Barschel damals in einem Etap-Hotel ein Zimmer gebucht. Das Ergebnis kennt man. Damit das aber nicht SO durch die Presse geht („Ministerpräsident verzweifelt an Etap-Zimmer“) hat ihn dieser Privatdetektiv in Beau Rivage umgebucht. Und jetzt kommt’s Motiv für seine Selbstentleibung war… die Waschecke im Etap-Zimmer :D

  9. Musste letzte Woche 5 Tage in einem Etap in Luxemburg verbringen und an dem Detail hab ich mich auch etwas gestört. Das du mir jetzt gleich den Blogeintrag darüber wegnimmst, nagut vergeben und vergessen. ;) Erwähnenswert wäre nur noch die Dusche im Schrank und das Klo wo es mir nicht einmal gelang mich umzudrehen ohne irgendwo gegen zu stoßen. Wie machen das Menschen, die nun rein zufällig mit einem anderen Durchmesser in der Draufsicht ausgestattet sind? Immerhin das Frühstück kann man ganz gut überleben. :)
    viele Grüße, d.

  10. So eine Spiegel-Erfahrung ist bestimmt eine ganz hervorragende Maßnahme zur Reinigung von Körper und Geist, zur Entschleunigung und Entschlackung. Zum schnell-aus-dem-Bad-raus sein aber eben nicht.

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