Slam 2008 in Zürich (1)

(Mittwoch Nachmittag)

Die Meisterschaften der deutschsprachigen Poetryslams finden heuer in Zürich statt, einem hübschen Städtchen, das von Berlin aus bequem und angstfrei mit der Eisenbahn zu erreichen ist. Aber Micha will lieber schnell sein und Geld sparen und das Klima erwärmen und die Gravitationsüberwachungsbehörde herausfordern, also fliegen wir. Wie durch ein Wunder stürzt auch diesmal das Flugzeug nicht ab; Glück gehabt; dann eben auf dem Rückflug. Es war mein erster Flug mit einer Pilotin und ich muss sagen: Sie hat das gut gemacht. (Warum auch nicht?) Auch das Einparken am Terminal hat sie souverän gemeistert. Und sie hat das Flugzeug nicht so wackeln lassen, wie viele ihrer männlichen Kollegen, aber vielleicht lag das auch am Wetter. Wäre sie Lokführerin oder Kapitänin würde ich gerne wieder mit ihr reisen.
Am Flughafen schnell eine rauchen, Fahrkarte in die Innenstadt kaufen, zum Gleis flitzen, auf den Zug warten, beim Einfahren des Zuges bemerken, dass der Handgepäcksrucksack fehlt, die Kollegen alleine fahren lassen und zurückrennen, nach 10 Minuten endlich einen Informationsschalter finden und zum nächsten Informationsschalter und von diesem zum Lost-And-Found-Büro geschickt werden, unterwegs einen einsamen, unbeaufsichtigten Rucksack in einer Raucherlounge sehen und nicht, wie es Vorschrift gewesen wäre, das Koffersprengkommando alarmieren, sondern ihn an sich nehmen, weil es der eigene ist, zum Gleis zurückhetzen, weil die Fahrkarte nur eine Stunde gültig ist, kurz bevor sich die Türen schließen in den abfahrbereiten Zug springen, losfahren und auf Nachfrage erfahren, dass es der falsche ist … naja, so habe ich gleich noch Winterthur kennengelernt …

(Mittwoch Nacht)
Die ersten Vorrunden sind gelaufen, die ersten Tränen geflossen. So ein Slam ist wie ein guter Espresso. Das Bittere gehört dazu … bäh … als ich mir den Vergleich ausgedacht habe, dachte ich, boh, so ein schöner Vergleich, dabei ist er gar nicht schön, wie ich jetzt feststelle, sondern sehr sehr kitschig, das röhrende-Hirsche-Gemälde unter den Vergleichen. Egal.

Neben den Vorrunden-Slams gab es gestern auch noch die CD-Premiere und Geburtstagsshow von Renato Kaiser. So sah das aus:

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Und weil ich diesen Durchblick so schön fand, habe ich gleich noch ein Foto von Mischa gemacht:

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(Donnerstag Mittag)

Es ist alles sehr schön hier und die Schoki schmeckt und das beste an der jährlichen Meisterschaft ist sowieso, dass man soviele Menschen wiedertrifft, die man gern hat und mit denen man schöne Erinnerungen an tolle Veranstaltungen in ulkigen Orten teilt. Dabei sein ist alles! (Aber in der Vorrunde rauszufliegen ist trotzdem hart.) Ich trete dieses Jahr nicht im Einzelwettberwerb an, was das Zittern erträglicher macht. Nachher sind Micha Ebeling und ich als Team LSD in der Teamvorrunde dran, dort sind die Chancen weiterzukommen rein rechnerisch viel besser als beim Einzel, weil die Hälfte aller Teams ins Halbfinale kommen und außerdem können wir gemeinsam ein bisschen weinen, wenn wir rausfliegen oder uns gegenseitig die Schuld daran geben, je nachdem.

(Volker Strübing)

PS: Große Freude! Das erste mal das schöne Wort „heuer“ verwendet, nachdem ich neulich erst erfahren habe, dass es wohl gar nicht wie von mir gemutmaßt „heutzutage“ bedeutet, sondern „dieses Jahr“.

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8 Kommentare zu “Slam 2008 in Zürich (1)

  1. ich drücke die daumen.
    wenn schon tränen, dann doch bitte der freude wegen.
    und ich gratuliere dazu, kurz vor konstanz nochmal die kurve geschafft zu haben.
    toitoitoi

  2. wow ein natureller bilderrahmen^^ viel glück wünsch ich und wenn ihr rausfliegt und euch danach gegenseitig die schuld gebt achtet darauf das jeder nen anderen beschuldigt damits ausgeglichen bleibt^^

  3. Lieber Volker, bitte nicht abstürzen auf dem Rückflug. Ich bitte den lieben Gott (oder kein Schwein?) ja immer, dass es noch ein einziges Mal gut geht und verspreche jedes Mal nie wieder zu fliegen. Hat bisher jedes Mal geklappt…
    Und bitte Nugat-Goldbarren-Schoki mitbringen und nächstes Mal an die Berliner Leser verteilen.
    Gruss aus der Heimat!

  4. Pingback: Slam 2008 - Tag 3: Alles entspannt, alles super! | Blogboys

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