Alt im Alltag

Gestern stand ich mit einer Rolle Fußbodenbelag an der Baumarktkasse und hatte die Geheimzahl für meine EC-Karte vergessen. Ich werde alt. Ich werde langsam alt – die letzten beiden Ziffern wusste ich noch. Die ersten beiden Ziffern waren mir entfallen. Das fing ja gut an. Womit ich nicht gerechnet hatte: die Menschen in der Schlange hinter mir reagierten sehr nachsichtig. „Das passiert mir auch dauernd.“ – „Es ist mir wahnsinnig peinlich.“ – „Das muss es nicht; ich geh´ mal an die andere Kasse.“ Auch die Kassiererin war außerordentlich geduldig. Es half nicht. Mir half dann jemand mit Bargeld aus, der Kumpel am anderen Ende der Rolle nämlich, der, der mir mit seinem Auto und seinen Muskeln aushalf – und nun auch mit Geld. Im Alter sind Freunde noch wichtiger, als in der Jugend.

(Andreas Krenzke)

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6 Kommentare zu “Alt im Alltag

  1. feine geschichte… ob entfallen von zwei ziffern unbedingt mit dem alter verbunden sein muß, daran habe ich allerdings zweifel: kann auch streß, sein tagesform oder hirn-wesen-seele war mit schöneren sachen beschäftigt?

  2. Anstelle von Kunststoff, trage ich lieber Baumwolle. Da muß man sich nichts merken und es steht nicht bis zum Ende der Menschheit in einer Datenbank, welches Joghurt ich am 17. November 2003 gekauft habe. Außerdem steht einem Bares in jedem Alter.

  3. Aber in der Jugend brauchte man doch die Freunde, die einem mit Geld aushalfen, noch viel mehr. Weil damals, da hatten wir doch gar kein Geld, manchmal. Da half auch keine Geheimzahl, da war das Geld einfach weg.

  4. Dass du, Andreas, gerade in Berlin (?) so ein Glück hast, auf derart geduldige Menschen zu treffen. Das ist ja selbst in meinem 16.000-Einwohner-Dorf wesentlich stressiger.

    Wobei ich, bei näherer Betrachtung, es noch nicht ausprobiert haben. Dass es am Alter liegt, wird mir Noch-nicht-einmal-Student wohl kaum abgenommen werden, aber ja, der Schulstress seit G8 ist wirklich enorm. Da darf man auch mal 3 Stellen vergessen.

  5. Hehe, in Zürich hast du den schönen Satz gesagt: „Freunde sind was für Leute, die ohne Freunde nichts gebacken kriegen!“

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