Irgendwie auch „Nicht Der Süden“: Pasewalk

80 Minuten Aufenthalt in Pasewalk. Das wünscht man auch niemandem. Vor dem Bahnhof steht ein Soldat im Nieselregen und raucht Kette. Irgendwann kommt ein alter Golf, am Steuer sitzt eine rauchende Frau. Der Soldat steigt rauchend ein. Endlich zuhause.

Im Bahnhofs-„Imbiß & Reisemarkt“ liegen die Jüdische Allgemeine und die Nationalzeitung nebeneinander. Ein Mann mit Nylonbeutel prüft das Angebot an billigen Sexheftchen. Die „Jung und sexverrückt“ erscheint ab sofort monatlich, wie ein greller Stempel auf der Titelseite stolz verkündet. Ich kaufe einen Kaffee. Die Verkäuferin reicht mir mein Wechselgeld, dann polkt sie an einem großen, ungut aussehenden Pflaster an der Innenseite ihres Oberarms herum.

 

 

Bestümpt tue ich Pasewalk Unrecht. Ich weiß gar nicht, wieso ich dauernd auf Pasewalk rumhacke! Ich kenne doch nur den Bahnhof. Pasewalk hat auch seine schönen Seiten. Sonst würde dort doch niemand wohnen. Und: Nein, dem Umstand, dass der Ortsname das Wort „Alk“ enthält, darf man keine Bedeutung beimessen!

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 (Volker Strübing)

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8 Kommentare zu “Irgendwie auch „Nicht Der Süden“: Pasewalk

  1. Immerhin kann man in Pasewalk die Jüdische Allgemeine kaufen – ob aber auch Nachfrage besteht, ist wiederum eine ganz andere Frage…

  2. In Pasewalk hat ein gewisser Adolf Hitler eine Zeit im Lazarett verbracht. Da soll ihm dann die Idee zum Dritten Reich gekommen sein. Also schnell weiterreisen, bevor einem seltsam im Kopf wird.

  3. Immerhin sieht das untere Bild genauso aus wie unser Amtsgericht von innen. Ist doch auch was!

  4. in pasewalk ging ich zur schule. so viel zum thema „die methamorphosen des adolf hitler“.
    übrigens: seit nach der wende in pasewalker buchläden ganz oben auf der bestsellerliste: „hitler in pasewalk“, tatsächlich eine art „mein kampf“ des südvorpommerschen hobby-nationalisten…

    gorch

  5. Pingback: Schnipsel vom 27.11.08 - Ueckermünde « Schnipselfriedhof

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