Badespaß im Hafenbecken

Kirsten, die Filmcrew und ich haben jetzt ein Zertfikat, das besagt, dass wir ein Überlebenstraining überlebt haben. Das brauchen wir, damit wir morgen mit dem Fahrstuhl fahren dürfen. Auf eine Windmühle in einem Offshore-Windpark. Also, das Fahrstuhlfahren ist eigentlich nicht das Problem, sondern der Weg zum Fahrstuhl. Ein kleines Serviceboot wird gegen zwei Gummiröhren bumsen, die an der Windmühle angebracht sind, dann müssen wir vom Bug auf eine Leiter klettern; das Boot setzt zurück und wir müssen bis zur Tür klettern. Je nachdem, wie der Wind ist, kann das eine recht aufregende Aktion werden. Aber wir sind ja jetzt vorbereitet. Sind von einer Hafenmauer ins Wasser gesprungen und von Rettungsbooten, sind von einem Kran aus dem Wasser gezogen worden, sind in Rettungsboote und -inseln geklettert und haben eine gekenterte Rettungsinsel wieder … entkentert oder wie auch immer man das nennt. „Wieder umgedreht“ vielleicht. Das alles in Gummianzügen und Fleeceunterwäsche in denen Nordseewasser rumschwappt. Hat sich angefühlt wie eingepullert im Gummianzug.

Es ist ganz merkwürdig, aber ich habe es mir vorher schon fast gedacht: Das ganze passiert jetzt wirklich, aber ich habe es immer noch nicht richtig realisiert. Wenn mich jetzt jemand aufwecken würde, würde ich mich nicht wundern. Je nachdem, in welchem Moment ich geweckt würde, wäre ich entweder ein bisschen enttäuscht (nur ein bisschen, weil ich ja fast damit rechne, nur zu träumen) oder sehr erleichtert.

Die ganze Sache ist alles andere als ein Urlaub. In der letzten Woche hatten wir normalerweise 4 bis 5 Stunden Schlaf und haben zwischen 12 und 16 Stunden gearbeitet. Einmal wurden es 20 Stunden.

Trotz der Überlebensaction war das heute der mit Abstand entspannendste Tag, weil wir nichts geplant hatten bzw. planen konnten, sondern an den Ablauf des Trainings gebunden waren und einfach alles so passiert ist, wie es passiert ist, und die Kamera einfach mitgelaufen ist. Hoffentlich wird das in den nächsten Wochen öfter so sein.

Es ist ein riesiger Unterschied, ob man einfach die kleine Videokamera anschaltet, drauflosplappert und einen Clip fürs Internet macht, oder ob man mit einer ganzen Filmcrew arbeitet, jede Aufnahem lange Vorbereitungen braucht und sich miteinander absprechen muss. Und das womöglich morgens um 1, wenn alle schon vollkommen fertig sind. Und dann sagt jemand „Und Bitte!“ und Kirsten und ich sollen einfach wir selbst sein und was interessantes sagen oder machen. Nebenbei muss ich gemeinsam mit Lutz die gesamte Serie im Auge haben und darauf achten, dass sich alles zu einer einzigen Geschichte zusamenfügt und mit Sabine, der Kamerafrau, und Lutz über die Kameraeinstellungen und Schwenks und Schnittmöglichkeiten reden. Ach so: Und ein Buch sollen wir zwischendurch schreiben …

In 5 Wochen, wenn wir zurück sind, werde ich mir ein großes „Ich habe die Dreharbeiten überlebt“-Zertifikat ausstellen, gegen das die Überlebenstrainingsbescheinigung wie ein Witz aussehen wird.

Ebenfalls in 5 Wochen werde ich soviel erlebt haben, dass es für den Rest meines Lebens reicht – dann kann ich den ganzen Schlaf nachholen.

(Volker Strübing)

Advertisements

8 Kommentare zu “Badespaß im Hafenbecken

  1. Ähm… nurmal so aus reiner Neugier… Was wird das für ein Film und wo kann man den wann sehen (WANNSEEn?)
    Gruß in den Nordatlantik
    Thomas

  2. mmh hab echt gedacht dass es für dich eher n urlaub wird^^
    du arbeitest ja schon mehr als ich und das will was heißen^^
    naja ich wünsch dir das du die dreharbeiten überlebst, dein buch schaffst, und nebenbei noch n bissl spaß hast

    bis denn dann
    gruß ati

  3. was denn für arbeit? deck schrubben? (haste das im vertrag übersehen?) unter deck jungfische entgräten? robbenhäute gerben? die positionen russischer uboote in spiegelschrift an eine glasscheibe schreiben? seid gegrüßt ihr beede! vom ebenen neißefluß! udo

  4. Bringt ihr uns einen großen großen Eisberg mit! Viel Spaß euch noch trotz der vielen Arbeit und gute Reise!

  5. Vor Schlaflosigkeit scheinst du sogar den Unterschied zwischen Windmühlen und Windkraftanlagen außer Acht zu lassen.

    Ansonsten wünsche ich noch viel Spaß und gute Gesundheit. Und komm heil wieder zurück.

  6. Viel Spaß beim Kampf gegen die Windmühlen.

    Neuer Trend: Koma-arbeiten statt Komasaufen
    Sozialer Gedanke: Die Arbeit auf mehr Schultern verteilen. Wo Du den zweiten Volker hernimmst, ist noch ungeklärt.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.