Das größte aller Verderbnisse

Schon lange wollte ich etwas über mein Unbehagen gegenüber dem Backpackertourismus schreiben. Es gab mal einen Versuch und ein paar kleine Seitenhiebe, aber der große, alles erklärende Text zum Thema stand noch aus. Zum Glück hat das jetzt jemand anders für mich übernommen und viel besser, als ich es hingekriegt hätte. „Die Backpacker an der Buddhabar“ heißt ein sehr guter, treffender Artikel von Ilja Trojanow in der Taz vom Wochenende.

Bewegung kommt erst wieder auf, als das Schiff die Hauptstadt erreicht und sich auf einmal zwei entschlossene Kohorten gegenüberstehen. Die Rikschafahrer, Hotelagenten und Tourführer auf der einen Seite […] Gegenüber die leicht bekleideten Backpacker, braun gebrannt und schnorchelfit, die mit lässiger Gebärde ihre Sonnenbrille zurechtrücken und ihren Rucksack schultern. […] Sie springen auf die Mole und wischen die vordersten Angreifer zur Seite wie lästige Moskitos. Man vernimmt erste Ausrufe des Protests: „Two dollar? You must be crazy. Half a dollar, not more!“
In ihren Stimmen schwingt eine gerechte Wut mit, denn sie kämpfen nicht nur zum Wohle ihres Geldbeutels, sie retten die Welt vor der größten aller Verderbnisse, dem Hochtreiben der Preise.

(taz vom 8.6.2008, Ilja Trojanow: Die Backpacker in der Buddhabar)

(Volker „selber Backpacker!“ Strübing)

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7 Kommentare zu “Das größte aller Verderbnisse

  1. Dann kann ich zum Weiterlesen nur wärmstens Jim Butchers „The Moralisation of Tourism: Sun, Sand… and Saving the World?“ empfehlen.
    Auf das Arktis-Buch und die Doku bin ich dann (ab sofort) gespannt.

  2. In dem taz-Artikel geht es ja auch wieder um diesen lustigen Widerspruch „kollektive Individualerfahrung“ beim Reisen.
    Wenn man sich dabei über die Backpacker lustig macht, nimmt man sich selbst aber eigentlich genau so wichtig wie die bekifften Lonely-Planet-Klienten das tun. Manche betonen den eigenen Bildungsauftrag, andere die Komfortfrage, alle haben ihre Weltsicht im Gepäck, belästigen damit schwer arbeitende Einheimische — und als erlebnisungriger Tourist ist jeder eine Lachnummer mit komischen Hosen und Ansichten. In Neukölln oder auf Koh Lanta. Doch völlig egal.

  3. das tut Satire gewesen sein sollen. Wegen Ueberspitzung des Sprachnazi-tums und so, weissu?

  4. Ich finde Trojanows Text oberflächlich, geschmäcklerisch und dünkelhaft. Natürlich hat er an einigen Stellen Recht, es sind ungefähr zwei halbe Absätze. Und ich teile zugegebenermaßen auch viele seiner Urteile, denn auch ich bin oberflächlich, geschmäcklerisch und dünkelhaft. Aber das macht diesen Taz-Artikel nicht besser. Ich glaube, Volker, Du hättest einen besseren großen, alles erklärende Text zum Thema Unbehagen gegenüber dem Backpackertourismus geschrieben. Oder tust es noch (eilt ja nicht).

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