Seltsame Verkaufsgespräche – Heute: Bei Kaiser’s

Neulich wollte ich ein Brot kaufen. Aus Faulheit bei Kaiser’s, obwohl der weltbeste Bäcker der Welt gleich bei mir um die Ecke ist. Doch ich brauchte auch noch was für zum aufs Brot raufmachen tun und wollte nicht zweimal vom Fahrrad absteigen.
Richtiges Brot gab es nicht mehr, nur irgendwelche Dinger mit Phantasienamen, die mir alle nicht brotig genug aussahen. Die genauen Gegenstücke zum Ruppelschen Traumbrot. Mit sowas braucht man den Kaiser’s Backstandstanten gar nicht kommen.
Ich entschied mich für ein halbes Biomehrkornbrot. Als die Frau es mir einpacken wollte, zeigte ich auf den Bio-Aufkleber, der an der Rinde klebte. Ich erinnerte mich daran, dass ich mich über so ein Ding schonmal sehr geärgert hatte.

Ich: „Äh, der Aufkleber da, geht der ab?“

Sie: „Klar.“

Ich: „Ich hab hier nämlich schonmal so ein Brot gekauft und da ging der nicht ab. Ich musste ihn dann rausschneiden.“

Sie: (Polkt eine halbe Minute immer unwirscher werdend mit ihren Fingernägeln an meinem Brot rum, sagt dann:) „Na, den müssen Sie rausschneiden.“

Ich: „Hm, das ist doch doof. Wieso pappen sie denn Aufkleber auf die Brote, die man dann aus der Rinde raussschneiden muss?“

Sie: „Na, damit Sie als Kunde sehen, dass das ein Biobrot ist“

Ich: „Häh??? Ähm, Sie haben das doch aus dem Fach mit der Aufschrift Biobrot gezogen.“

Sie: „Naja, Aber da kann ja sonstewas stehen. Sie müssen doch sehen, dass das ein Biobrot ist!“

Völlig verdattert nahm ich das Gebilde aus der Familie der Brotartigen, aus dem sie inzwischen ein großes Stück Rinde samt Aufkleber herausgeschnitten hatte, entgegen und fuhr nach Hause. Der Kopf schwirrte mir von all den unbeantworteten und ungestellten Fragen:

  • Wenn auf den Regalen sonstewas draufstehen kann, kann dann nicht auch auf den Broten sonstewas draufkleben?
  • Wenn ein teures Biobrot nur mithilfe eines Aufklebers von einem herkömmlichen Chemobrot unterscheidbar ist, was war dann gleich nochmal das Verkaufsargument für Biobrote?
  • Warum benutzen sie ausgerechnet den stärksten Kleber, den die chemische Industrie bereitstellt, um ihre Biobrote mit Aufklebern zu verschandeln?
  • Warum sind sie nicht so clever, statt der Biobrote die Chemobrote mit einem „Kein Biobrot“-Aufkleber zu versehen? Dann müssten die, die das billige Brot kaufen, die Rinde kaputtschneiden und würden beim nächstenmal vielleicht mehr Geld für ein aufkleberfreies Brot ausgeben und so den Kaiser’s-Umsatz steigern.
  • Wird dieser Trend eines Tages auch die Klamottenläden erfassen und werden wir dann aus neuen Hosen und Hemden ersteinmal die „100% Baumwolle“-Aufkleber rausschneiden müssen? Dann kauf ich nur noch Synthetik!

Die Welt wid immer ulkiger. Aber das war ja eigentlich auch schon immer so.

(Volker Strübing)

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14 Kommentare zu “Seltsame Verkaufsgespräche – Heute: Bei Kaiser’s

  1. Ein herrliches Kapitel aus dem Buch mit dem Titel „Das Leben auf der Erde – Die Menschheit ist vielleicht ein Penner“.

  2. Toll! Vielen Dank, habe gerade mit lauten *pprrrrsssssss* meinen Kakao auf der Tastatur meines Laptops verteilt! Aber wo du recht hast…

    gruesse

  3. einfache Lösung (ja, die Menschheit braucht Aufkleber, das sieht nämlich amtlicher aus, damit) wäre auch, die Dinger einfach aus Esspapier zu machen. Oder sie auf jetzt einfach mitzuessen, so ein bisschen Baum hat noch keinem geschadet. Ich hab‘ als Kind auch immer die ganzen Schokozigaretten gegessen. Mitsamt papierner Hülle.

  4. Ich hätte nie gedacht, dass ich den hiesigen Kaisers mal in Schutz nehmen würde, aber bei denen IST der Aufkleber tatsächlich aus Esspapier. Fand ich irgendwie ziemlich klug. Schmeckt eigentlich besser, als das komische Brot, was da dran hängt.

  5. Bei meinem Bäcker haben alle Brote Aufkleber – auf denen steht, wie der Bäcker heißt.
    Damit man weiß, wo man das Brot gekauft hat, wenn man vergessen hat, in welchem Laden man grade steht.

  6. Da hast du mal ein Thema wie eine riesige Torte angeschnitten. Überall wird ja „gelabelt“ was das Zeug hält. Damit man ja nix falsch machen kann. Überall sind diese kleinen, von Grafik-Designern im Auftrag selbst erfundenen Qualitäts- oder Gütesiegel. Ich habe mich z.B. schon immer gefragt, womit sich das „Institut Dr. Fresenius“ eigentlich beschäftigt. Schlecken die den ganzen Tag lecker nutella, um ihr OK für jedes einzelne Glas zu geben? „Jetzt mit noch mehr echten Erdbeerstückchen!“ steht in Form eines Logos, welches an der unteren Ecke keck abblättert und einen leichten Grafik-Schatten wirft, auf dem Joghurt. Toll, drei statt zwei Erdbeerstückchen. Mittlerweile ist es ja auch Standard geworden, den Leuten im Zug Bescheid zu geben, an welcher Zugseite der Bahnsteig auftauchen und herangleiten wird. Da fehlen mir auch noch Aufkleber auf der Türfenster-Scheibe: „Wenn kein Bahnsteig in Sicht, bitte hier nicht aussteigen!“
    Und dann dieser Wahnsinn, auf sämtliche Funktions-Flächen von Gegenständen (wie beim Brot) die Etiketten drauf zu kleben. Wer einmal von einer Kochtopf-Unterseite einen Preis-Aufkleber abgeknibbelt hat, damit es beim Kochen nicht so streng papierglimmig riecht, weiß was ich meine. Neulich musste ich für einen Grafikkatalog viele Bögen raues Papier falzen. Ich kaufte mir dafür ein Falzbein. Selbiges war geradezu fast halb umwickelt von seinem Preisaufkleber. Ich dachte mir aber, scheiß drauf und falzte drauf los, bis ich merkte, dass der Strichcode-Druck unschöne schwarze Streifen auf meinen teuren Bögen hinterließ. Ich verbrachte anschließend eine halbe Stunde damit, dieses Schxxßverfluchte Etikett abzumachen. Ruinierte dabei Spülschwamm und die elfenbeinern anmutende Falzbein-Oberfläche. Ich will mein Geld zurück, ihr gehirnlosen Etiketten-Arschlxcher!

    Entschuldige, Volker, dass deine Kommentarfunktion jetzt dafür herhalten musste.

  7. Zumindest eine Frage kann ich Dir beantworten:
    Für das Aufbringen des Ettiketts wird idR gar kein Kleber verwendet, sondern die Brotoberfläche vor dem Backen nass gemacht (dann glänzt die hinterher auch schön und ist knuspriger) und das Ettikett einfach auf die dadurch entstandene Mehlpampe gepappt. Daher ist das Ettikett auch nach dem Backen so unzertrennlich mit dem Brot verbunden…

  8. hö?
    lustige geschichte aber ich hab hier bei mir noch nie n brot mit aufkleber gehabt^^
    kauf fast immer bei kadatz
    ich glaub das mit den bio aufklebern machen die deshalb: das brot wird ja in einer großen bäckerei gebacken und denn an die vielen kleinen läden geliefert. wenn wir uns nun also eine kleine verkäuferin vorstellen die morgens zig kisten mit broten hat und die dann in die regale sortieren soll dann kann sie körnerbrote und weissbrote hoffentlich auseinanderhalten. wenn sie aber zu den bio mischbroten kommt denn gestalltet sich das schwierig. also muss n aufkleber rauf^^
    und volker das chemo brot unterscheidet sich optisch wirklich nur vom aufkleber^^ es soll ja nur ohne chemiescheiß drinne sein und wenn man den an den chemobroten sehen würde hätten die bäcker was falsch gemacht^^
    gruß ati

  9. Also bei Tengelmann machen die auch so Bioaufkleber aufs Brot. Am ehesten kriegt man den runter wenn man ihn anfeuchtet und ne Zeit wartet. Dann kann ma ihn mit nem Messerchen eingermaßen runterkratzen. Natürlich nicht direkt unters Wasser halten sonst ist das ganze Brot Matsche. ;-)

  10. Pingback: Dinge, die die Welt nicht braucht: Aufkleber auf Brot » Tierleichenteile - Das Kochblog

  11. Aufkleber auf dem Brot sind unappetitlich, auch wenn sie nur durch anfeuchten angebracht sind. Und essen würd ich sie auf keinen Fall.

    Und jetzt: Bei Kaiser’s um die Ecke ist das Brot in Plastik eingepackt, da steht alles drauf (mit Barcode).
    Dann käme das Brot ja ohne Aufkleber aus? Nix da: Da ist noch mal ein Aufkleber draufgebatscht.

    Gib#ts nur eins: Brot ohne Aufkleber kaufen.. gibt’s genug

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