Grüße aus China (2) – Kulinarisches

Ein Vorurteil gegenüber China hat sich schon bestätigt: Das Essen hier schmeckt wirklich ganz anders als „beim Chinesen“ in Deutschland. Am ersten Tag zum Beispiel habe ich in einem Lokal ein Club Sandwich gegessen und es hatte geschmacklich nichts, aber auch gar nichts mit der Ente kross oder den Frühlingsrollen auf der Schönhauser Allee gemein.

Inzwischen war ich natürlich auch schon hier in China beim Chinesen und auch dort hat es nicht nach „29“ oder „43b“ geschmeckt.

Gestern hatten wir in der Universität von Nanjing unsere erste Lesung. Wir hatten gehofft, dass die Studenten uns halbwegs folgen können und sich nicht allzu sehr langweilen; dass wir den Abend durchstehen, ohne uns zu blamieren und unsere Gastgeber zu enttäuschen. Das hat geklappt. Tatsächlich war es sogar ein richtig guter Abend und alle hatten Freude. Einige der Studenten konnten sehr gut deutsch und die Übersetzungen unserer Texte scheinen wirklich phantastisch zu sein. Wie bei jeder Lesung gab es in der ersten Reihe zwei ältere Herrschaften, die die ganze Zeit über keine Miene verzogen haben, aber das sind wir gewohnt, das macht uns schon lange nichts mehr aus. Die grimmigen älteren Herrschaften für die gestrige Lesung waren sogar eigens aus Deutschland importiert.
Etwas später wurde das etwas abstrakte Thema Globalisierung anschaulich demonstriert: Ein Deutscher (ich) saß in einem mexikanischen Restaurant in China Spaghetti Bolognese.

In besagtem Restaurant gab es ein Foto mit Originalautogramm von Laura Richmond. Vielleicht erinnerst sich noch der eine oder andere … das war, nein: das ist Miss September 1988. So stand es zumindest unter dem Bild. Ich persönlich kenne ja systembedingt erst die Missen ab November 1989 … Jedenfalls dachte ich da: Miss sein muss doch Mist sein. Laura Richmond wird älter und älter und runzelig oder (schlimmer noch) langsam aber sicher zu so einer gruseligen Kosmetik-Mumie und trotzdem wird sie immer Miss September 1988 bleiben und mit diesem Autogrammfoto durch die Welt reisen. Nee, nee, das wär mir nichts. Gut, dass ich Facharbeiter für Datenverarbeitung gelernt habe und nicht so was.
(Hier bitte das Foto reinsetzen)

(Volker Strübing)

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