Schnipsel vom 14.4.2008 / Nichts zu verbergen: BILD deckt die Karten auf

Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten

Nu gucke mal:

Was eigentlich zur Bekämpfung des Terrorismus geplant war, greift immer weiter in die Rechte der Bürger ein. Die Möglichkeit der automatisierten Kontoabfrage erreicht nach der Erweiterung auf Steuerhinterziehung und Sozialleistungsmissbrauch nun auch Temposünder.
Auf Anfrage des FDP-Abgeordneten Otto Fricke teilte das Bundesjustizministerium nun mit, grundsätzlich ist es auch möglich eine Kontoabfrage zu initiieren, um die Höhe von Geldstrafen bei Strafbefehlen zu bestimmen.
Mehrere Staatsanwälte haben diese Möglichkeit schon genutzt, um Temposünder härter zu bestrafen. Verkehrsrechtsexperten halten diese Maßnahmen für unverhältnismäßig.

Quelle: Shortnews.de

Aber die Vorratsdatenspeicherung, die setzen sie betümpt wirklich bloß gegen Terror und Kinderpornografie ein, jaja; ganz, ganz bestümpt und wer nüscht zu verbergen hat, muss sich auch …


BILD im Himmel

Werbung finde ich doof. Die BILD-Zeitung finde ich auch doof. Man kann sich denken, wie ich Werbung für die BILD-Zeitung finde …

Die aktuelle Kampagne steht unter dem Motto „BILD informiert. Leider erst seit 1952.“ Dazu sieht man zum Beispiel ein Bild der Titanic, die auf einen Eisberg zu fährt und die Schlagzeile „Vorsicht, Eisberg!“. Oder die Trojaner ziehen unter der Überschrift „Vorsicht Falle!“ ein Holzpferd in ihre Stadt. Ein Saurier sieht den heranrasenden Kometen nicht, weil es vor ein paar Millionen Jahren noch keine BILD-Zeitung gab, die „Achtung Meteor!“ titeln konnte. (Dieses Motiv ist übrigens ein feiner selbstironischer Hinweis darauf, welches Entwicklungsniveau das Gehirn eines BILD-Lesers haben sollte.)

Das ganze soll wahrscheinlich lustig sein, ist aber sowohl größenwahnsinnig als auch eine schlichte Lüge: Die BILD hätte natürlich erst am Tag danach über das trojanische Pferd und die Titanic-Katastrophe berichtet – schließlich hat sie ja auch nicht am Morgen des 11.9.2001 mit einem Foto der Twin-Towers und der Headline „Einsturzgefahr“ aufgemacht. Egal. Leider wurde auch die Chance vertan, mit der rückwärtsgewandten Kampagne eine aktuelle Aussage zu verbinden. Man hätte zum Beispiel ein Hitlerbild mit der Schlagzeile „Achtung Verbrecher!“ verbinden können, aber das hielt man wohl für nicht so lustig wie die Sauriergrütze. Vielleicht hatte man auch Angst, mit so etwas Leser zu verschrecken …

Mein Lieblingsmotiv ist das, auf dem Eva Adam im Paradies einen Apfel hinhält – unter der Schlagzeile „Nicht essen!“ Dass die BILD-Zeitung gern verhindert hätte, dass der Mensch vom Baume der Erkenntnis isst, finde ich eine mutige und für dieses Blatt bemerkenswert ehrliche Selbstauskunft.

(Volker Strübing)

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10 Kommentare zu “Schnipsel vom 14.4.2008 / Nichts zu verbergen: BILD deckt die Karten auf

  1. Gerade wollte ich hier folgendes reinschreiben:

    Aber ob die Bildzeitung im Paradies lange Bestand gehabt hätte oder überhaupt hineingekommen wäre?

    Und beim Abschicken sagt mir eine freundliche Nachricht „Sie verschicken Kommentare in zu kurzen Zeitabständen“ Bitte gedulden Sie sich!

    Häää, hier hab ich doch 4 Tage lang nichts geschrieben

  2. Ich möchte mir garnicht vorstellen was passiert wäre, wenn es die Bild schon in den Jahren 1928 – 1945 gegeben hätte…
    … und vermutlich war es eine Bild-Zeitung, die Eva dazu veranlaßt hat den Apfel zu stibitzen…

  3. Ich hätt noch ne Idee, ein Bild mit nem Kaufhaus in Ffm und „Vorsicht, Brandgefahr“. Ach nee, das war ja _NACH_ ’52.

  4. kleine Korrektur:
    das war kein Apfel!
    in der Bibel ist die Rede von einer Frucht vom Baum der Erkenntnis
    [klugscheiss zu ende]

    ich hätte dann auch noch eine Schlagzeile für die Bild-Zeitung und ihre menschliche Seite
    10.April 1968: „Achtung Rudi, bleib morgen zu Hause!“(oder ist das zu lang für Bild-Leser, sind immerhin 6 worte) http://de.wikipedia.org/wiki/Rudi_Dutschke#Attentat

  5. Pingback: Allein gegen die BILD | Schnipsel vom 14.4.2008 / Nichts zu verbergen: BILD deckt die …

  6. @onkel joerg: Bild hätte daraus bestimmt einen Apfel gemacht…

    …und Tags darauf vor dem Genuß von Äpfeln gewarnt ;)

  7. Bitte laßt die Bild-Dings in Ruhe!
    Es ist aus moralischen Gründen nicht in Ordnung auf am Boden liegende ( auch geistig) zu treten.
    Wer für sich werben muß hat doch schon verloren.

  8. Beim Apfel-Motiv hatte ich mir das gleiche gedacht. Auch die anderen Motive kann man eigentlich nur mit Humor sehen.

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    +++ VERGIFTETE ÄPFEL IM PARADIES +++
    Paradies. Am gestrigen 287. Tag… Exklusiv-Interview mit Gott auf Seite 3.

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    Eva (281) mag es gern fruchtig – bei Äpfeln und Champagner schmachtet sie nur noch so dahin. Mehr Bilder auf Seite 2.

    +++ DAS IST NICHT INDIEN +++
    Australien. Barbarische Fremde gesichtet. Bild-Reporter C. Kolumbus: „Die fressen ihre eigenen Kinder, wenn sie unartig waren“ – Die Kirche warnt vor Heidentum, das Land wirtschaftlich uninteressant – was wollen wir da überhaupt? Die Krone im Bild-Visier!

  9. Einer der genialsten Anti-Bild-Artikel überhaupt. Hast du gut gemacht. Vor allem der Schlussatz, in dem du klarstellst, warum die Bildzeitung empfiehlt, den Apfel der Erkenntnis nicht zu essen ;-)

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