Henryk und ich

Anfang 2000 habe ich Henryk M. Broder kennengelernt. Zusammen mit Reinhard Mohr besuchte er damals die Berliner Lesebühnen, um für den Spiegel einen Artikel darüber zu verfassen. Viele von uns (auch ich) waren ziemlich aufgeregt wegen dieser Sache. Seit Jahren lasen wir Woche für Woche unsere Geschichten vor, das Publikum wuchs langsam aber stetig und die Berliner Tageszeitungen, Stadtmagazine und Radiosender, die sonst jedem kleinen Pups hinterherrannten und ihn zum großen neuen Ding aufbliesen (Kann man Pupse aufblasen? Egal.) ignorierten uns konsequent. Und dann kündigte sich auf einmal einer der bekanntesten Publizisten von Deutschlands größtem Nachrichtenmagazin an und wollte über uns schreiben. Aber hallo war das aufregend!

Die Chaussee der Enthusiasten fand damal noch im Cube Club statt, einem winzigen Keller mit schimmligen Wänden, der alle paar Monate unter Wasser stand. Weder der Platz noch der Sauerstoff reichten wirklich für alle. Vor allem, wenn noch geraucht wurde, weshalb wir damals – viele von uns waren noch Raucher – die Parole „Wer raucht, liest vor“ ausgaben, um sowohl die Befriedigung unserer eigenen Sucht, als auch ein Mindestmaß an atembarer Luft zu gewährleisten. Der Nachteil war, dass die Zigaretten der Vorlesenden nicht ausreichten, um den moderigen Gestank zu überdecken. Ach ja, schön war’s. (Aber um nichts in der Welt wollten wir dorrthin zurück, nachdem wir einmal ausgezogen waren.)

Als der hohe Besuch eintraf, war Tube bei uns zu Gast und saß gerade an der Kasse. Er war nicht informiert worden, hatte wohl auch noch nie von Broder gehört, was zu folgendem Dialog führte:

Tube: 5 Mark.

H.M.B.: Ähm, ich bin Henryk M. Broder.

Tube: Aha. Ich bin Tube. 5 Mark.

Ich hatte das mitbekommen, bin hin und habe die beiden reingeholt.

Broder war mir sehr sympathisch. Und das schreibe ich nicht nur, weil er sich, als wir hinterher noch beim Bier zusammensaßen, von einer meiner Geschichten begeistert zeigte. Er ist ein fröhlicher, intelligenter Mann, konnte interessante Sachen erzählen, aber auch zuhören und sich für seine Gesprächspartner interessieren. Gut, da ja auch das Bier hinterher noch zur Recherche gehörte, könnte man das als professionelles Interesse abtuen, aber ich hatte den Eindruck, dass es auch seinem Wesen entsprach und er privat ein genauso angenehmer Gesprächspartner wäre. Reine Mutmaßungen, klar; ich kenne ihn ja nicht wirklich.
Als ich ihn das zweite Mal traf – 5 Tage später bei LSD – erzählte er, dass er lange nicht mehr soviel Freude an einer Recherche hatte, wie zu diesem Artikel über die Lesebühnen.

Ebendieser Artikel wurde dann auch ein großes Loblied auf die ganze Szene. Tolle Sache. Danach folgten dann endlich auch Artikel in der Berliner Presse – größtenteils Verrisse; vielleicht weil man nicht in das selbe Horn stoßen wollte wie der große Broder Bruder.

Seit ein paar Jahren ärgere ich mich meistens, wenn ich etwas von ihm lese, insbesondere seine Artikel zur Islamisierung des Westens. Seine Hauptthese scheint zu sein, dass sich die westlichen Demokratien Schritt für Schritt selbst abschaffen – aus Feigheit vor dem Feind; dass wir eine Gesellschaft von Weicheiern sind, die lieber in vorauseilendem Gehormsam die Scharia einführt, statt um ihre Werte zu kämpfen. Er findet Belege für diese These, was kein Wunder ist, weil man für jede These irgendwelche Belege findet. Dem Internet sei Dank ist dies einfacher als je zuvor. Ob diese Belege bloß Einzelfälle sind, vor welchem Hintergrund man sie sehen muss und ob sie überhaupt so stimmen, kann einem egal sein, wenn man nur von einer Mission erfüllt ist und sich entschlossen hat, an einer einmal gefassten Meinung festzuhalten.

Nun ist richtig, dass viele Menschen Angst vor der Islamisierung haben. Und vor islamistischem Terror sowieso. Und vor einer Parallelgesellschaft, die keinen Anschluss mehr an Deutschland sucht, sondern sich abkapselt und wer weiß was für radikales Gedankengut ausbrüten mag. Henryk M. Broders Reaktion auf seine eigene Angst ist (verbale) Aggression. Und zwar nicht etwa gegen radikale Moslems, sondern gegen Menschen, die trotz aller ja unbestreitbaren Probleme und Gefahren daran glauben, dass ein Miteinander möglich ist. (Und zwar auf dem Boden des Gundgesetzes, nicht der Scharia!) Für Broder sind das jämmerliche SchlappschwänzeGutmenschen und blauäugige Multikultideppen. Und vor allem eben: Feiglinge. Als sei es nicht auch eine Form von Feigheit, auf Probleme einfach mit dem Knüppel loszugehen, statt nach einer konstruktiven Lösung zu suchen.

Ich gehöre wohl zur Guppe der Beschimpften. Ich bin kein Idiot (hoffe ich). Es gibt große Probleme und große Gefahren und diese gehen auch nicht nur auf verfehlte Integrationspolitik oder so zurück und sind nicht durch Wegschauen oder eine Anpassung Westeuropas an die islamische Kultur zu erreichen. (Ich habe allerdings bis auf die paar von Broder gerne und teilweise falsch angeführten Beispiel noch niemanden etwas derartiges fordern hören.) Trotzdem glaube ich, dass „der Islam“ nicht zwangsläufig unser Feind ist, dass die Muslime ein Recht auf ihre Glaubensausübung und Kultur – auch bei uns, auch als Teil unserer Gesellschaft – haben sollen und dass die meisten Moslems in Deutschland ganz nette Leute und als „gute Staatsbürger“ noch lange nicht verloren sind. Und dass Häme und Beschimpfungen – egal ob gegen Moslems selbst oder nur (etwas verschmockt) gegen die Deutschen, die nicht in den Kampf der Kulturen ziehen wollen – keine geeigneten Mittel sind, um diese Probleme zu lösen.

Viel mehr Angst als vor der Einführung der Scharia habe ich im Übrigen vor dem, was sich am rechten Rand der Gesellschaft zusammenbraut. Und damit meine ich nicht nur depperte Neonazi-Kameradschaften in den „blühenden Landschaften“, sondern auch und vor allem den massenkompatiblen Rechtsextremismus á la PI. Dass ist kein Naziblog, nein, sie geben sich ja auch ausdrücklich israelfreundlich und – wie Broder – als Verteidiger der westlichen Werte, trotzdem spricht aus den Artikeln und noch deutlicher aus den Kommentaren nichts anderes Rassismus. Und bezeichnenderweise machen oder machten sie dort auch Werbung für die Bücher von Henryk M. Broder. Der Feind meines Feindes ist mein Freund, oder?

Mit mir würde er also wahrscheinlich nicht nochmal Bier trinken …

(Volker Strübing)

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42 Kommentare zu “Henryk und ich

  1. Interessanter Artikel. Ich habe Broder mal vor mindestens 10 Jahren in einem Streitgespräch mit dem Historiker Michael Wolfsohn gesehen und war beeindruckt von seiner Eloquenz, Schlagfertigkeit, Argumentationskraft – aber auch seiner Sachlichkeit. Ja, und sehr sympathisch war er mir auch. Wenn ich gelegentlich seine Veröffentlichungen auf seinem Blog und in SPON lese, frage ich mich, ob das der gleiche Mensch schreibt, den ich damals so schätzte. Da muss es irgendeinen Bruch in seinem Leben gegeben haben, anders kann ich mir das nicht erklären.

  2. Schade, Volker, dass du gestern nicht bei der Chaussee warst. Wir haben über Tibet diskutiert.

  3. Pingback: Broder und die Literaten « Raumzeit

  4. ich denke, dass muslime zwar ein recht auf religionsausübung haben, aber gleichzeitig „sehe“ ich, wie und dass der islam unsere gesellschaft verändert – und leider nicht zum besseren!
    freie religionsausübung beruht und geht geht einhermit freiheit des denkens, freiheit der meinungsäußerung, freiheit der presse, gewissensfreiheit …
    das alles scheint mir aber in muslimischen gesellschaften, die ja bereits existieren und die wir demzufolge ziemlich gut beobachten können, gar nicht gegeben zu sein … von den rechten der frauen ganz zu schweigen!

    ich bin dankbar, dass broder das alles zur sprache bringt und hoffe, dass er sich weiter äußern und einmischen und dinge auf den punkt bringen wird!

  5. Ein schöner Artikel von einem „Betroffenen“ *g*

    Weitere Infos gibt es bei Spiegelfechter, bei Niggemeier, Duckhome, etc.

    Ich selbst würde Broder als Überläufer charaktisieren. In seiner späten Jugend war er Kommunist, wendete sich dann aber ab, weil er die deutsche Linke als antisemitisch durchsetzt ansah (was ja teilweise auch stimmte). Im neuen Jahrtausend schloss er seine Entwicklung zum amerikaliebenden, bushfreundlichen Neokonservativen ab.

  6. @ Rika: Wie verändern sie unsere Gesellschaft denn, die Muslime?

    och, es fängt bei den kleinigkeiten an: eine klasse geht nicht auf klassenfahrt, weil die hälfte der schülerInnen muslime sind und deren eltern aus sorge um das wohlergehen der kinder einer klassenfahrt nicht zustimmen. da die schule aber nicht zwei lehrer mit einer halben klasse auf klassenfahrt schicken und gleichzeitig die andere hälfte der klasse in der zeit beschulen kann, fällt die klassenfahrt halt aus.
    zum nachteil der nichtmuslimischen schülerInnen, die ja eigentlich ein recht auf klassenfahrten haben.

    hört sich harmlos an – scheint es auch zu sein, ist aber doch ein kleiner schritt zu einer veränderung des umgangs mit den „standards“, die bislang galten.

    von mohammed-karikaturen und selbstauferlegter zensur bei pressemitteilungen, theateraufführungen, moschee-neubauten, die selbstverständlich nicht kritisiert werden dürfen, (siehe z.b. den aufruhr der gutmenschen gegen die moschee-gegener in köln ehrenfeld ;-) )will ich gar nicht erst reden.

    wir haben doch längst die schere im kopf! und alle, die es wagen, ihrer befürchtung, sorge oder einfach nur ihrer kritik ausdruck zu verleihen, müssen es sich gefallen lassen, entweder als rechte, rassisten, islamophob oder was weiß ich nocht abgestempelt und verurteilt zu werden.

    ich finde, das ist schon eine veränderung des gesellschaftlichen miteinanders!

  7. Hallo Rika, ich gebe Dir recht, dass es Veränderungen gibt und dass sie – wie im oben angeführten Beispiel – sehr bedenklich sein können. Ich glaube bloß nicht, dass es eine Lösung ist, die Apokalypse heraufzubeschwören, alle Muslime als potentielle Islamisten zu sehen (dann müsste man wenigstens so konsequent sein, auch uns als potentielle KZ-Wächter zu bezeichnen) und den Graben mit aller Macht zu vertiefen. Ich habe das Gefühl, dass sich die Glaubenskrieger auf der einen und die Kulturkrieger auf der anderen Seite da nur gegenseitig in die Hände spielen. Je mehr von den Rändern gehetzt wird, desto schwerer fällt es, sich nicht davon beeinflussen zu lassen. Wenn ich immer wieder Drohungen und Beschimpfungen gegen „uns“ aus islamistischer Richtung höre / lese / sehe, wird es immer schwieriger, dies nicht allen Muslimen in die Schuhe zu schieben. Und denen wird es nicht anders gehen. Wenn sie immer wieder von Deutschen gesagt kriegen, was für gefährliche, rückständige Wesen sie seien, sinkt sicher die Sympathie für eine Gesellschaft, die sie derart abstempelt.

    wir haben doch längst die schere im kopf! und alle, die es wagen, ihrer befürchtung, sorge oder einfach nur ihrer kritik ausdruck zu verleihen, müssen es sich gefallen lassen, entweder als rechte, rassisten, islamophob oder was weiß ich nocht abgestempelt und verurteilt zu werden.

    Das ist Quatsch, sorry. Neimand verbietet irgendwem Mohammed-Karikaturen oder die Kritik am Islam oder an Moscheeneubauten. Gerade bei letzterem kommt es aber zum Beispiel immer wieder vor, dass sich die Bürger in ihrer (unberechtigten oder berechtigten) Sorge von Neonazis instrumentalisieren lassen. Und wer solche Verbündeten akzeptiert, sollte nicht weinen, wenn er dafür in deren Ecke gestellt wird.

    Im Übrigen: Abgestempelt und veruteilt wird man, was immer man macht. Die einen als Islamophob oder Rechte oder Rassisten, die anderen als Feiglinge und lächerliche Gutmenschen.

  8. Vollker,
    ich stimme dir in vielen teilen dessen was du geschrieben hast zu.
    vielleicht verstehst du meine haltung ein wenig besser, wenn ich du dich auf diese differenzierung einlassen kannst:

    ich bin NICHT gegen muslime, aber ich habe eine kritische haltung zum islam. das hört sich paradox an, wird aber deutlicher, wenn man im vergleich den islam nicht in erster linie als eine religion wie jede andere betrachtet, sondern als ein lebenskonzept, das von (pseudo?) religiösen vorstellungen, vorschriften und idealen geprägt und bestimmt wird, ähnlich dem kommunismus, der als konzept an sich ja nicht schlecht ist, aber im realexistierenden sozialismus sowohl der ehemaligen ddr, samt aller ostblockstaaten, in kuba, korea und auch noch im heutigen china nicht gerade das darstellt, was wir unter demokratischen und freiheitlichen gesellschaftsordnungen verstehen.
    in seiner struktur ist der islam ähnlich totalitär, weil er sich selbst nicht als angebot an die menschen versteht, sondern als MUSS – im gegensatz zur bibel, die immer von der wahlfreiheit des menschen ausgeht! es ist muslimen vom koran her nicht erlaubt, des islam „zu verlassen“, man wird aber keine entsprechungen in der bibel finden!
    (ich will hier nicht die verbrechen und versäumnisse des christentums verleugnen oder verschweigen, dass es sie gab, diese hier jedoch nicht erneut diskutieren, würde zu weit führen!)

    so verheerend ich es finde, von neonazis instrumentalisiert zu werden, wieviel verheerender ist es aber, DESWEGEN gar nichts zu sagen?!

  9. Das Problematische an Broders Aussagen zum Islam ist doch nicht, dass sie kritisch sind. Broder, so wie ich ihn verstehe, hält den gewaltsamen Kampf gegen den Islam für eine Lösung. Er polarisiert und polemisiert aufs Übelste gegen Verfechter der Versöhnung, die der Meinung sind, dass es für den im Islam dringend nötigen Aufklärungsprozeß Frieden, Stabilität und Respekt braucht, anstatt kolonialistisches Gehabe, Verachtung und Massenmord.

  10. Islam totalitär, aber Bibel nicht? Das stimmt so nicht. Die Bibel, so wie viele viele Christen sie heute noch verstehen, ist kein Angebot an die Menschen, sondern die einzige Wahrheit. Wer ihr nicht folgt, wird ewig verdammt. Jesus sagte: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6). Das ist für mich ein ziemlich totalitärer Anspruch.

    Würde unsere Gesellschaft so sein, wie sie sich z.B. viele viele evangelikale Christen in Amerika wünschen, dann wäre es mit Sicherheit ein ziemliches Problem, kein Christ zu sein. Der psychische Druck durch das Schüren der Angst vor der Hölle, der von evangelikalen Christen z.B. auf ihre Kinder ausgeübt wird, ist enorm. Die Kinder werden z.T. mit übelsten Gehirnwäschen zu „Kriegern Christi“ herangezogen.

    Ich glaube, dass es sowohl im Christentum als auch im Islam sowohl die Möglichkeit zur Radikalisierung als auch die Möglichkeit zu Humanität gibt. Ich kenne zwar den Koran nicht, aber ich behaupte trotzdem mal kühn, dass es möglich ist, Moslem zu sein und trotzdem aufgeklärt und modern. So wie im Christentum ja auch.

  11. Anne,
    du hast wohl damit recht, dass jede gruppierung druck ausüben und jede ideologie zur radikalisierung missbraucht werden kann – und das christentum wohl auch.

    dennoch gibt es einen nicht unwesentlichen unterschied zwischen christen und muslimen. wenn ein christ sich nach reiflicher überlegung entschließt, seinen inneren überzeugungen zu folgen und seine religiöse basis aufzugeben, hat das für ihn vielleicht zur folge, dass er auch seine gruppe, seine gemeinschaft und die damit verbundenen sozialen kontakte einbüst – was vermutlich auch nicht so einfach ist -, er läuft jedoch nicht gefahr, sein leben zu riskieren oder zu verlieren. muslime, die sich vom islam abwenden und einer anderen religiösen überzeugung folgen, werden dagegen sehr wohl mit dem tode bedroht und nicht nur im fernen asien oder arabien, sondern sehr konkret auch hier in deutschland!

    die aussicht auf die angekündigten höllenqualen lass ich hier mal außen vor. sie sind unerheblich. denn wenn ich mein religiöses bezugssystem verlasse, hat die jenseitige welt auch keine bedeutung mehr. ich denke, das gilt für den islam wie für das christsein.

    die möglichkeit, die du nach eigener aussage für kühn hälst, moslem und modern zu sein, kann vermutlich funktionieren, wenn man so muslimisch ist wie hierzulande viele christlich sind, die gott einen guten alten mann sein lassen, sich den teufel um kirche und religion scheren und tun und lassen was sie wollen. nur das solche leute nach meinem verständnis nun mal keine christen sind, sondern bestenfalls christlich sozialisierte humanisten oder so … und muslime, die so leben, eben nach den vorstellungen des korans auch keine rechtgläubigen muslime mehr sind – weswegen ja auch die abgrenzung für moslems von der dekadenten westlichen welt so dringend notwendig ist.

  12. Rika,
    ja, das ist sicher so, dass ein Mensch, der sich vom Christentum abwendet, heutzutage nicht vor der Gefahr steht, von anderen ermordet zu werden. Aber das war ja so auch nicht immer.

    Was ich mit meinem Kommentar unvollkommen versucht habe zu sagen: Ich sehe für den Islam genauso wie für das Christentum die Möglichkeit, eine aufgeklärte Religion zu werden, die nicht alles, was im Koran steht, wörtlich nimmt. So wie die Mehrheit der Christen vieles, was in der Bibel steht, auch nicht mehr wörtlich nimmt. Zum Glück. Denn wie gesagt: Die Bibel trägt ebenfalls ein ziemlich feindseliges und totalitäres Potenzial in sich, nur, dass die meisten Christen sie eben heute anders verstehen.

    Nach deinem letzten Absatz zu gehen, vermute ich, dass du selbst gläubige Christin bist? Das würde allerdings deine Haltung gegenüber dem Islam nochmal in einem andern Licht darstellen.

    @Konrad Endler
    Danke für deinen Kommentar! Dem kann ich mich nur vollumfänglich (hach, so ein geschwollenes Wort wollte ich schon immer mal benutzen) anschließen.

  13. Anne,
    ja, ich bin „gläubige christin“ – und das hat auch auswirkungen auf meine haltung zum islam, der sich ja u.a. als eine richtigstellung des christentum wie des judentum begreift und den koran als endgültige offenbarung gottes versteht.
    es fällt mir schwer, das ohne weiteres hinterfragen so stehen zu lassen … und die aggressiven aufforderungen, die ungläubigen zu jagen und zu töten tun ein übriges, mich an der „richtigstellung“ der in jesus geoffenbarten liebe gottes zweifeln zu lassen.

    ich habe dagegen bspw. keine probleme mit dem Buddhismus oder Hinduismus als wertesystem für die jeweiligen gläubigen – sieht man mal von der jenseitserwartung ab, die ich als christin auch nicht teilen kann.

  14. Hallo Rika,
    ich habe ebenfalls Probleme mit den Aufforderungen, die in ihren Augen Ungläubigen zu töten! Und ich habe Probleme mit der Einstellung zu Frauen, zu Homosexualität u.s.w.

    Wie Volker ja auch schon schrieb: Es gibt haufenweise ungelöste Probleme. Nur, ich glaube eben nicht, dass eine gewaltsame Zurückdrängung oder Unterdrückung des Islam oder der Moslems die Lösung bringt. Im Gegenteil. Wir können Menschen nicht Frieden und Respekt „beibringen“, indem wir sie verachten, bekämpfen oder ignorieren.

    Naja, ich habe auch keine Lösung und fühle mich auch manchmal bedroht durch diese aggressiven und hasserfüllten Agitationen. Das macht mir Angst. Fanatismus macht mir generell Angst. Aber mir macht auch das unkontrollierte globale Finanzsystem Angst oder das exponentielle Bevölkerungswachstum oder die fortschreitende Umweltzerstörung. Ich fürchte, wir müssen mit der Unsicherheit und Angst leben lernen, denn es gibt eben keine absolute Sicherheit gegen diese Bedrohungen und Gefahren. Das ist schwer auszuhalten. Aber das Problem ist aus meiner Sicht, dass viele der sog. Sicherheitsmaßnahmen gegen die „islamische Bedrohung“ diese nur noch verstärken (s. Irakkrieg).

    Naja, ich verfranse mich und höre an dieser Stelle mal auf.

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  17. Rika:

    och, es fängt bei den kleinigkeiten an: eine klasse geht nicht auf klassenfahrt, weil die hälfte der schülerInnen muslime sind und deren eltern aus sorge um das wohlergehen der kinder einer klassenfahrt nicht zustimmen.

    Rika, da kann ich dich beruhigen, denn da bist du einem Ammenmärchen aufgesessen. Martin Spieack ging dem mal in einem Zeit-Artikel nach. Zitat:

    (…) Die Antwort kann kein Berliner Ministerium geben. Denn Bildung ist Ländersache. Beim gegebenen Thema böte sich als Beispiel Bremen an, das Land mit den meisten Migrantenschülern in Deutschland. Hier dürfte die Absenz muslimischer Schüler bei Sport, Aufklärungsunterricht und Klassenfahrten am größten sein.
    Doch überraschenderweise weiß die Behörde von nichts. »Es gibt hin und wieder Vorkommnisse, aber die sind sehr selten«, sagt Rainer Gausepohl nach Rücksprache mit den Fachleuten im Haus. Lediglich zwei Bitten um Freistellung vom Schwimmunterricht habe die zuständige Abteilung im vergangenen halben Jahr behandelt. Die Antworten der anderen Bundesländer – Baden-Württemberg (»Kein übergeordnetes Problem«), Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern (»Einzelfälle«), Schleswig-Holstein (»Nicht zu quantifizieren«), Hamburg (»Die größten Schwierigkeiten hatten wir mit christlichen Fundamentalisten«) – ähneln sich bis in den Wortlaut. (…)

    Rika:

    islam, der sich ja u.a. als eine richtigstellung des christentum wie des judentum begreift

    Das, als Kritik am Islam, aus der Feder einer Christin zu lesen, finde ich amüsant. Wie heißt es doch so schön: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“
    Den Stein, Rika, solltest du dir unbedingt verkneifen. Hat doch erst vor Kurzem der Papst wieder eingeführt, dass zu Ostern für die „Erleuchtung“ und „Rettung“ der Juden durch den Christengott gebetet wird.
    Aus dem Stegreif fallen mir noch die Heerscharen christlicher Missinare ein, die in die zerbombten islamischen Länder streben, um die „Ungläubigen“ dort (aka Muslime) zum „einzig wahren Gott“ zu bekehren. Oder Ann Coulter, die prominente Christin und Islamhasserin, die vor einiger Zeit in einer Fernsehsendung verlauten ließ, die Juden müssten „perfektioniert“ werden indem sie zum Christentum übertreten.

    @Anne

    Aber das Problem ist aus meiner Sicht, dass viele der sog. Sicherheitsmaßnahmen gegen die “islamische Bedrohung” diese nur noch verstärken (s. Irakkrieg).

    Da muss ich dir Recht geben. Inzwischen sollte selbst der Letzte gelernt haben, dass aus Ausgrenzung und Angriff auf der Gegenseite nur Rückzug, Radikalisierung und Rachelust erwächst.

    Zu deiner Bemerkung mit der Homophobie: Leider grassiert diese Störung auch sehr stark bei den hiesigen Christen.
    Als vor einiger Zeit über das Christival diskutiert wurde, da dort ein Seminar abgesagt wurde, indem es um die „Heilung“ von Homosxexualität gehen sollte, diskutierte ich in einem anderen Blog über dieses Thema. Im Zuge dieser Diskussion las ich mich in dem großen Christenforum jesus.de fest, da mich interessierte, wie Christen dazu stehen. Ich war angewidert, wie homophob dort „argumentiert“ wurde. Von einer „Homosexuellenlobby“, die der Feind wäre und eine Schlacht gewonnen hätte, war dort die Rede und man äußerte sich bestürzt, dass nun eine Möglichkeit zur „Therapierung von Homosexualität“ nicht wahrgenommen werden könne. Ein paar Zitat aus der Diskussion habe ich seinerzeit hier aufgelistet.
    Ich finde es zudem sehr besorgniserregend, wie häufig „schwul“ heutzutage als Schimpfwort von Jugendlichen aller Konfessionen gebraucht wird.
    Und dass die JungeUnion in BaWü die Position bezieht, Homosexuelle dürfen keine Kinder adoptieren, da die Kinder sonst unter „seelischen Entwicklungsstörungen“ leiden würde, halte ich den Gipfel der Bigotterie, da diese Partei ja nicht müde wird, von Muslimen zu fordern, sie sollten sich zur Akzeptanz von Homosexualität bekennen.

    Allgemein bin ich sicher, wenn all die selbsternannten Islamkritiker auch nur ein Quentchen ihrer Kritiklust darauf verwenden würden, die Missstände der deutsche Gesellschaft, westliche Kultur und christlichen Religion anzuprangern und auf Lösungen zu bestehen, hätten wir weit weniger Probleme mit islamischen Fundamentalismus, als es heute der Fall ist.

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  19. Ich für meien Fälle habe mehr Angst vor christlichen Fundermantalisten als vor islamischen.

    Einerseits kenne ich viele- sehr korrekte- moslime. Viele von ihnen sidn weltoffener, toleranter und hilsbereiter (und dadurch sympatischer) als den durchschnittlichen Christen der mir bekannt ist.
    Anderseits hat auch Rika nicht ganz unrecht. Mich stört es schon das man mich hier als „Islamophob“ bezeichnet wenn das der Koran eben doch so ausgelegt werden kann, das die Frau weniger Wert ist als der Mann. Selbst wenn ich konkreter werde und dies auch auf die Bibel beziehe gelte ich als Anti Moslime. Allerdings hat das irgendwie Tradition in der deutschen Gesellschaft. Wenn ich Isreal, aufgrund irgendeiner militär Aktion kritisiere bin ich auch gleich Antisemit.

    Als „brutal gegen Christen“ wurde ich auch schon beschimpft.

    Stolz bi nich auf „Beamte nHasser“.

    greez HevoB

  20. „Das, als Kritik am Islam, aus der Feder einer Christin zu lesen, finde ich amüsant. Wie heißt es doch so schön: “Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.”“

    ich verstehe nicht so recht, lotta, was daran „amüsant“ ist!

    und die geschichte mit dem stein … passt auch nicht wirklich in diesen zusammenhang – weil es mir nicht um schuldzuweisungen geht, sondern um MEINE geäußerten bedenken hinsichtlichen der inhaltlichen fortschreibung von bibel und koran! solltest du darauf abheben, dass das judentum mit dem christentum als „fortschreibung“ probleme hat, so stimme ich dir allerdings zu, das ist allerdings so und ich gehöre nicht zu denen, die juden bekehren oder missionieren oder als volk gottes enterben wollen!

    ich habe mit dem papsttum nichts am hut und und auch nichts mit christlichen schwulenbekehrern, der jungen union oder amerikanischen fundamentalisten. ich bin einfach nur ich, rika, christin! sonst nichts!!!

    es war mir allerdings klar, dass ich – nach meinem outen als gläubige christin – mit den üblichen vorwürfen christlicher widerwertigkeiten rechnen musste. das scheint ein reflex zu sein. kaum gibt man sich als christ zu erkennen, wird man mit allem bösen konfrontiert, das „christen“, oder leute, die für christen gehalten werden, getan haben … ;-)

    die vorwürfe stellen sich ja auch hier promt ein, sind aber nichts wirklich neues für mich, deshalb werde ich das nicht weiter kommentieren und will es auch nicht. es macht nämlich meiner erfahrung nach absolut keinen sinn.

    die geschichte mit dem stein kann man übrigens nachlesen im johannes-evangelium, kapitel 8

  21. Vielleicht liegt es daran, daß ich mit dem Rauchen aufgehört habe… Aber mit fällt gerade mal nichts differenzierteres ein als: Schade, daß ein wunderschöner, feinfühliger, intelligenter, einfach gelungener Text durch so eine Kommentarkacke wie „Ich hab nichts gegen Muslime, aber man muß kritisch mit dem Islam umgehen“ und auf der anderen Seite „Ich für meie Fälle habe mehr Angst vor christlichen Fundmntalisten als vor islamischen.“ Das ist beides derart dämlich, daß Rika und HevoB schuld sind, wenn ich gleich wieder anfange und an Lungenkrebs sterbe.

  22. oh du armer …
    ja, der text ist wunderschön und feinfühlig und überhaupt sehr lesenswert – gar keine frage:

    „Henryk M. Broders Reaktion auf seine eigene Angst ist (verbale) Aggression. Und zwar nicht etwa gegen radikale Moslems, sondern gegen Menschen, die trotz aller ja unbestreitbaren Probleme und Gefahren daran glauben, dass ein Miteinander möglich ist. (Und zwar auf dem Boden des Gundgesetzes, nicht der Scharia!) Für Broder sind das jämmerliche SchlappschwänzeGutmenschen und blauäugige Multikultideppen. Und vor allem eben: Feiglinge. Als sei es nicht auch eine Form von Feigheit, auf Probleme einfach mit dem Knüppel loszugehen, statt nach einer konstruktiven Lösung zu suchen.“

    wieviel projektion mag in dieser analyse der broderschen befindlichkeit stecken? in „hurra, wir kapitulieren“ erlebe ich beispielsweise viel mehr resignation als aggression, mehr sarkastische (selbst?)reflexion als dumpfes haudrauf und vor allem mehr ein WIR als ein DIE.

    in diesem WIR kann ich mich erkennen – und eben auch ein – und in dem – bemühen um ein „miteinander auf der basis des grundgesetzes“.

    nein, ich habe nicht durch „so eine Kommentarattacke“ … was denn eigentlich? hier fehlt das verb! (s.o.) den text verhunzt?? , die diskussion lunmöglich gemacht?? oder was sonst??

    ich habe von meiner befindlichkeit geredet, die ich eben nicht mehr länger mit gutem willen und appellen an das gute zukleistern kann. dazu ist mir die realität schon viel zu dicht auf den (nicht vorhandenen) pelz gerückt, will sagen, erlebe ich das durchaus unfreundliche miteinander tag für tag!

    da hilft mir oft selbst mein schönes christliches „liebe deinen nächsten wie dich selbst“ nicht weiter!

    schöne grüße und gute wünsche für die gesundheit,
    rika

  23. oh du armer …
    ja, der text ist wunderschön und feinfühlig und überhaupt sehr lesenswert – gar keine frage:

    „Henryk M. Broders Reaktion auf seine eigene Angst ist (verbale) Aggression. Und zwar nicht etwa gegen radikale Moslems, sondern gegen Menschen, die trotz aller ja unbestreitbaren Probleme und Gefahren daran glauben, dass ein Miteinander möglich ist. (Und zwar auf dem Boden des Gundgesetzes, nicht der Scharia!) Für Broder sind das jämmerliche SchlappschwänzeGutmenschen und blauäugige Multikultideppen. Und vor allem eben: Feiglinge. Als sei es nicht auch eine Form von Feigheit, auf Probleme einfach mit dem Knüppel loszugehen, statt nach einer konstruktiven Lösung zu suchen.“

    wieviel projektion mag in dieser analyse der broderschen befindlichkeit stecken? in „hurra, wir kapitulieren“ erlebe ich beispielsweise viel mehr resignation als aggression, mehr sarkastische (selbst?)reflexion als dumpfes haudrauf und vor allem mehr ein WIR als ein DIE.

    in diesem WIR kann ich mich erkennen – und eben auch ein – und in dem – bemühen um ein „miteinander auf der basis des grundgesetzes“.

    nein, ich habe nicht durch „so eine Kommentarattacke“ … was denn eigentlich? hier fehlt das verb! (s.o.) den text verhunzt?? , die diskussion unmöglich gemacht?? oder was sonst??

    ich habe von meiner befindlichkeit geredet, die ich eben nicht mehr länger mit gutem willen und appellen an das gute zukleistern kann. dazu ist mir die realität schon viel zu dicht auf den (nicht vorhandenen) pelz gerückt, will sagen, erlebe ich das durchaus unfreundliche miteinander tag für tag!

    da hilft mir oft selbst mein schönes christliches „liebe deinen nächsten wie dich selbst“ nicht weiter!

    schöne grüße und gute wünsche für die gesundheit,
    rika

  24. Wieso ich armer? Ich rauche nicht mehr! Ist doch super.

    Du hast vollkommen recht: Das fehlt ein Verb. Aber ich habe niemals ein so plattes Wörter wie „Kommentarattacke“ benutzt!

    Befindlichkeit ist im übrigen ein ein sehr schönes, in diesem Zusammenhang ganz treffend verwendetes Wort.

  25. Danke Volker! Jetzt wird hier politisch:)
    Im letzten Absatz ist dir übrigens was abhanden gekommen. Ein „als“ vor dem „Rasissmus“.

    @ Rika
    Müsste es in deinem zweiten Kommentar nicht „ElternInnen“ heißen?

  26. Hui … wie es eben immer so ist. Kommentar abgeschickt und schon bemerkt man die eigenen Rechtschreibfehler :P

    Eine Frage noch an Volker: Hat sich Herr Broder damals echt mit „Henryk Emm Broder“ an der Kasse vorgestellt?

  27. na klar müsste es elterninnennnnen heißen – tut mir leid, solche fehler passieren mir ständig! denn ich bin
    im übrigen nicht nur bekennende christin sondern auch bekennende legasthenikerin mit einer gleichfalls gut funktionierenden dyskalkulie und einem nicht unerbeblich stark ausgeprägtem adhs – seit meiner frühesten kindheit!

    außerdem hakt bisweilen mein kleiner linker finger, was zu einer vermehrten nutzung des a führt, sowie mein rechter ringfinger, der dafür zuständig ist, dass immer wieder mal ein l an unpassenden stellen auftaucht … ach ja, und rechts und links verwechsele ich auch des öfteren – im straßenverkehr und oder so…
    dererlei geschädigt kriege ich doch hier bestimmt mildernde umstände zugesprochen, oder?

    macht’s hübsch allerseits, ich empfehle mich!

  28. @ Alberto Green
    Bei sowas fallen mir immer Zitate ein. In deinem Fall sogar zwei. Eines von Volker Pispers:

    „Wir leben in einer freien Demokratie, hier darf jeder Depp sagen was er will. Verdammt er muss nicht mal drüber nachdenken (…)“

    Und eines von GSF:
    „Mir ist keine Fragestellung zu blöde, keine Diskussion zu lang (…)“

  29. Zitat von Rika:
    „es war mir allerdings klar, dass ich – nach meinem outen als gläubige christin – mit den üblichen vorwürfen christlicher widerwertigkeiten rechnen musste. das scheint ein reflex zu sein. kaum gibt man sich als christ zu erkennen, wird man mit allem bösen konfrontiert, das “christen”, oder leute, die für christen gehalten werden, getan haben … ;-)“

    Das finde ich ganz wunderbar, dass du das schreibst! Denn:
    1. Ich glaube es dir und verstehe dich, dass es dich nervt, in eine Schublade gestopft zu werden, die für dich nicht passt.
    2. Ich kann es jetzt so gut verwenden, um zu fragen: Wie vielen Muslimen mag es ganz genauso wie dir gehen, nur eben auf die pauschalisierende und schubladisierende Islamkritik bezogen?

  30. Hallo Rika, hoffe, Du bereust es nicht, hier diskutiert und Dich als Christin geoutet zu haben. Danke für die Kommentare. Ich denke im Großen und Ganzen unterscheiden sich unsere Positionen gar nicht so sehr voneinander. was Broder angeht allerdings schon. Ich habe zwar sein Buch nicht gelesen, aber jede Menge Artikel von ihm und ich habe statt Resignation und sarkastischer Selbstreflexion nur Häme und Unversöhnlichkeit und Kriegsbegeisterung entdecken können. Und was das WIR angeht, so kann man es, gerade in einer Polemik, auch verwenden, ohne sich selbst einzuschließen.

    Hallo Anne, wollte ich auch gerrade so ähnlich schreiben, gut dass ich vor dem Posten nochmal die Seite aktualisiert habe.

    Hallo Muckelchen, ich habe es so in Erinnerung, aber das kann natürlich falsch sein. Vielleicht – oder wahrscheinlich? – hat er einfach Henryk Broder gesagt und da ich seinem Namen hinterher stets in Verbindung mit diesem Emm begegnet bin, hat sich das in die Erinnerung eingeschlichen …

  31. ja, anne,
    da habe ich dir eine feine steilvorlage geboten …

    nein, volker,
    ich bereue es nicht und werde auch sicher wieder mal vorbei schauen …

    zumal der allgemeine prozess der auseinandersetzung gerade erst begonnen hat und es noch völlig offen ist, wie WIR (hier in deutschland, europa) miteinander reden und klar kommen werden!

    ich wünschte mir nur, dass es ein wenig ausgewogener zuginge, dass alle, die über benedikt und christliche fundamentalisten reden und in christen in erster linie immer noch kreuzfahrer und eigensüchtige missionare sehen, ihre augen nicht völlig vor den dunklen seiten des islam verschließen und nicht gleich denen mit liebesentzug und vorurteilen begegnen, die die tolerante religion des friedens nicht so friedensreich und tolerant erleben können.

    wir sind alle auf irgendeinem auge blind, gebe gott, dass wir mit dem sehenden auge noch genug wahrnehmen und uns gegenseitig erkennen und helfen können …

  32. @ Rika
    Wieso bekennender Christ sein, wenn einem der Satz „liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ nicht weiterhilft? Für mich ist der sowas wie §1 der Straßenverkehrsordnung. Erklärt alles und hilft immer. Aber ich bin auch kein bekennender Christ. Und wenn Du meinst im Buddhismus ist alles friedlich und gewaltfrei, dann beschäftige Dich mal mit Sri Lanka. Der (politische) Buddhismus dort hatte kein Problem damit mit der Parole „Singhalese only“ den Konflikt mit den Tamilen erst so richtig zum Kochen zu bringen. Das war als die Tamilen noch ganz einfach dachten sie könnten gleichberechtigt mit den Singhalesen in dem Land leben, in dem sie bis dato Menschen zweiter Klasse waren. Wo der Konflikt heute steht ist ja allgemein bekannt…

  33. Ich glaube eher Rika meinte, das der Buddhismus keine alleinige Wahrheit für sich beansprucht wie es das Judentum die Christen und der Islam durchaus tun.

  34. Was Broder betrifft: vielleicht schert es einen echten Polemiker nicht so wirklich, was das Objekt seiner Attacken sind und wie gerechtfertigt, konstruktiv oder gerecht das ganze ist. Vermutlich ist es Broder im Grunde egal, ob er Moslems, Lehrer oder Brillenträger beschimpft. Mit den Moslems hat er aber nun vermutlich einen deutschen Nerv getroffen und ist der Einfachheit halber einfach dabei geblieben.

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