Schnappschüsse vom 20.2.2008 / Halbinsel Stralau

Gestern war ich mit Steffi auf Stralau spazieren (ja, dem „Schöner Sterben am Wasser“-Stralau), einer Halbinsel zwischen Ostkreuz und Treptow. Vor einigen Jahren hat sich jemand gesagt: „Mensch, hier könnte man was draus machen“, doch dann rieb er sich die Hände und fügte hinzu: „Aber das werde ich zu verhindern wissen!“ und rief an beim BMA (Bund misanthroper Architekten) und engagierte ein paar Leute, die vorher hauptsächlich in Justizvollzugsanstalten und Bundeskanzlerämtern gemacht haben, und ließ sie die ganze Rummelsburger Bucht mit hässlichen Häusern zukacken.

Das hier erweckte bei mir spontan Assoziationen an einen Hochsicherheitstrakt. Da hift dann auch kein Tanz-Café mehr.

000-leer.jpg

stralau01.jpg

000-leer.jpg

Ich gehe aber davon aus, dass die Mieten und Kaufpreise so hoch angesetzt wurden, dass die unglücklichen Bewohner nicht merken, dass sie das Opfer eines bösen Scherzes wurden …

Erholung findet das Auge beim Anblick des Heizkraftwerkes Klingenberg.

000-leer.jpg

stralau02.jpg

000-leer.jpg

Hübscher ist die rechte (oder untere oder südliche) Seite von Stralau. Hier gibt es eine Kirche samt Friedhof und weil die Kirche ziemlich schief steht, findet man passend dazu auch einige schräge Grabsteine.

000-leer.jpg

stralau04.jpg

000-leer.jpg
Für einen Koch wäre das ein doofer Name gewesen, aber so passt’s schon.

000-leer.jpg

stralau03.jpg

000-leer.jpg

Über diese Aufkleber habe ich mich schon Mitte der 90er gewundert, als ich für ein paar Monate auf Weißenseer Friedhöfen gearbeitet habe. (Hab damals Sozialhilfe gekriegt und wurde zu gemeinnütziger Arbeit verpflichtet. Man stellte mich vor die Wahl: „Friedhof oder Kindergarten“ und ich habe nicht sehr lange überlegt.)
Das Problem ist nämlich, dass die Friedhofsverwaltung zur Geisterstunde gar nicht offen hat!

000-leer.jpg

stralau05.jpg

000-leer.jpg
Gedankenlosigkeit oder ein kleiner Scherz zum Abschied? Man weiß es nicht …

Überrascht war ich, als ich auf das Grab von Manfred Bofinger stieß, der wahrscheinlich jedes zweite Buch meiner Kindheit illustriert hat. 2004 habe ich ihn kurz kennengelernt. Jochen Schmidt hatte ihn zur Chaussee der Enthusiasten eingeladen; er kam tatsächlich und las aus seinen Kindheitserinnerungen „Der krumme Löffel“ vor. Netter Mann, schöne Geschichten.

Kurz hinter dem Friedhof wird es dann wieder oll und piefig. Hässliche Häuser mit umzäunten Spielplätzen und Rasenflächen bis fast direkt ans Wasser, so dass man sich auf einem schmalen Steg daran vorbeidrücken muss. Wahrscheinlich gibt es im Zentrum der Halbinsel einen Betreten-Verboten-Schilder-Shop und der Inhaber fährt längst Rolls Royce …

000-leer.jpg

stralau07.jpg

(Volker Strübing)

Advertisements

10 Kommentare zu “Schnappschüsse vom 20.2.2008 / Halbinsel Stralau

  1. Zwischen 96 und 98 habe ich auch auf mehreren Friedhöfen entlang der Gustav Adolf Straße Laub geharkt. Komisch, dass wir uns da nicht über den Weg gelaufen sind. Eine sehr inspierende Arbeit war das.
    Ach ja, die Bilder sind toll.

  2. Wie inspirierend : Ich werde es in mein Testament aufnehmen lassen, dass auf meinem Grabstein als ein letzter Gruß an die Gesellschaft stehen soll: „Reiko. Nutzungsrecht abgelaufen“ ;-)

  3. Ja, furchtbar das alles. Vor zwei Jahren wars noch schöner. Das Ding mit dem Tanzcafé ist übrigens eine sog. Seniorenresidenz (Altersheim für Wohlhabende).

  4. Stralau soll früher sehr schön gewesen sein, so zu Jugendzeiten meines Opas. Viele Kneipen und, äh, Tanzsäle. Ist dann wohl mal fast alles abgebrannt. Und denn Rest haben Sie dann nach der Wende abgerissen. Am besten ist der eingezäunte Park…

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.