Die Züge nach Hogwarts fahren heute von den Gleisen 3, 6 und 7!

Gerade war ich zum dritten Mal in Marburg und bis jetzt gibt es nur eines, was ich an diesem Städtchen ernsthaft auszusetzen habe: Dass man in Kassel-Wilhelmshölle umsteigen muss, um von Berlin aus dorthin zu gelangen. Gibt es eigentlich Untersuchungen darüber, um wie stark die Selbstmordrate in Deutschland nach der Eröffnung dieses Betonmonstrums gestiegen ist? Ein Bahnhof wie eine Wurzelbehandlung. Und bei Wind und Regen wie eine ohne Betäubung.

Das Marburger Bahnhöfchen ist auch nicht gerade schön und versucht die daraus resultierenden Minderwertigkeitskomplexe durch einen geradezu rührenden Größenwahn wettzumachen, weshalb es sich stolz „Marburg Hauptbahnhof“ nennt. Da zu einem Hauptbahnhof auch viele Gleise gehören, Marburg aber nur fünf besitzt, musste man bei der Nummerierung kreativ vorgehen:

 

 

marburg.jpg

 

Noch doller treibt es in dieser Hinsicht Ulm (wenn ich mich recht erinnere), wo die Gleisnummern in die Hunderte gehen und wahrscheinlich mit der Einwohnerzahl korrelieren.

 

(Volker Strübing)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Unterwegs veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

16 Kommentare zu “Die Züge nach Hogwarts fahren heute von den Gleisen 3, 6 und 7!

  1. Uelzen!! Uelzen hat die Gleise 103 und 107 von insgesamt 8 oder so….
    Für die, die Uelzen nicht kennen: Das ist dieses winzige Dorf in der Lüneburger Heide, in dem Hundertwasser mal den Bahnhof hübsch machen durfte.
    Ich finde, das Volk sollte selber seine Bahnhöfe hübsch machen dürfen, schließlich latscht es da selber lang. Die Bahnhofsdesigner der DB fahren bestimmt BMW und müssen gar nicht angucken, was sie da verbrochen haben. Vielelicht ist es auch eine subtile Unterdrückungsmaßnahme… wer weiß…

  2. Ha, Kreiensen toppt sie alle: Noch kleiner als Uelzen, ebenfalls in Niedersachsen gelegen und mit den Gleisen 2, 3, 10, 102 und 104 ausgestattet, von dem mindestens eines über den Bahnhofsvorplatz gelegt wurde – wahrscheinlich, um den Platz optimal auszunutzen…

    (Note: Ich könnte jetzt natürlich erklären, woher diese Nummerierungen kommen, aber nö – soooo interessant ist die Erklärung dann doch nicht…)

  3. Hey Pate, Minden hat in meiner Erinnerung sogar ein Gleis 10, die Theorie ist so, dass die Gleise 2-9 Gütergleise sind. Hab den Mindenener Bahnhof allerdings noch nie verstanden, und das, obwohl ich alle paar Wochen mal da bin.

  4. Pah! Ich mag Bf Wilhelmshöhe. Da hat der seinerzeit noch amtierende Bundespräsident Weizsäcker höchstselbst bei der Eröffnung an die Wand gepinkelt ;)

  5. Ja, Kassel-Wilhelmshöhe ist schon die Höhe. Wenn ich micht richtig erinnere, waren nach der Eröffnung diverse Umbauten nötig – z.B. weil man nicht bedacht hatte, dass es praktischer ist, die Anzeigetafeln so zu hängen, dass sie nicht von den dicken Säulen verdeckt werden. Die Uhren kann man, glaube ich, bis heute nicht sehen.
    In Marburg gibt es aber noch einen zweiten Bahnhof (Marbug Süd heißt der, glaube ich), deshalb ist das durchaus berechtigt, den Hauptbahnhof auch Hauptbahnhof zu nennen. Also nicht nörgeln, die habens ohnehin grad schwer genug.

  6. Hab die Gleise hier nie nachgezählt, waren wohl zuviele, aber ich glaube nicht das es soviele sind wie Einwohner ?
    Ich find da den Augsburger Bahnhof viel besser, der ist irgendwie so unendlich klein für die Stadt.

    Mit freundlichen Grüßen,

    ein Ulmer.

  7. Der rührende Größenwahn, der mich umgebenden Marburger Eingeborenen, schlägt sich nicht nur in der metropolit anmutenden Namensgebung des Bahnhofes nieder, sondern in weiteren subtilen Details. Zusätzlich zu dem Marburger Bahnhof Süd, der in Form, Größe, Verkehrsanbindung und verkehrspolitischer Bedeutung irgendwo leicht über dem S-Bahnhof Oberspree rangiert (hier halten die Bahnen öfter, aber rings um MR-Süd kreuzt die Bahn nicht schrankenschwer den Straßenverkehr und das hievt den Rang von MR-Süd fast auf Betriebshof Schöneweide mit dem architektonischen Flair der Straßenbahnandhaltestelle Adlershof), hat Marburg eine Kraftverkehrsstraße, die in grenzenloser Selbstüberschätzung zärtlich mit dem Spitznamen „Stadtautobahn“ liebkost wird und zweimal im Jahr einen richtigen kleinen Stau hat und man mit geschlossenen Augen fast fühlen darf, wie auf der A 110. Dafür wartet Marburg aber auch mit einer pro-Kopf-Dichte an Friseuren auf, daß man nie mehr als 30 sec. Fußweg bis zum nächsten Hairdresser oder Cut-n-Go hat. Eigentlich ein Grund, sich nie mehr selbst durch die Haare zu wuscheln, wenn einen die mittelhessischer Provinz wieder in den Wahnsinn treibt, sondern das stets und immer ausgebildeten Fachkräftten zu überlassen.
    Andererseits hat die niedliche Stadt an der Lahn drei geschlossene Anstalten, was für 60.000 Einwohner schon mal eine ordentliche Zahl ist und locker mit anderen Beklopptenhochburgen in Deutschland mithalten kann. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die AOK-Card für Fahrten nach Marburg der Status einer Bahncard GOLD zuerkannt wird.

    Ein Exilberliner

  8. Ich glaube, das ist das Prinzip Hoffnung. Frauen kaufen ja manchmal auch Klamotten die ihnen noch gar nicht passen in der Hoffnung da rein zu wachsen. Auch so als eigene Mahnung die Wunschmaße zu erreichen. Geht also vermutlich um geheime marburgerische Expansionspläne, möglicherweise bis zur Weltherrschaft.(Sollte man im Auge behalten).

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.