Schnipsel vom 25.1.2008

  • Schön ist es im Zug Richtung Konstanz am Freitag Nachmittag – zumindest, wenn man seine Bahn-Bonus-Punkte gegen ein 1. Klasse Upgrade eingetauscht hat und sich nicht in den hinteren Abteilen mit dem Pöbel, zu dem man ja eigentlich auch gehört, um die Plätze balgen muss. Hier ist es bequem, man hat Platz, das Selbstwertgefühl steigt und ich bin sicher, dass der Mann schräg gegenüber bei seinen ununterbrochenen Nasengrabungen sehr wohlschmeckende und ebenmäßige Popel zutage fördert. First Class Popel eben. Schön, dass ich einmal in diese Welt hineinschnuppern darf. Außerdem bekommt man Pralinen geschenkt und Zeitungen und Letzeres erlaubt es mir, mal wieder ein Blatt zu lesen, für das ich auf keinen Fall Geld ausgeben möchte: Die BILD-Zeitung. Ich fand einen Artikel über einen Intensivtäter, der schon 140 Straftaten begangen hat, Diebstahl zumeist. Dann kommt ein denkwürdiges Zitat:

    In seiner Akte steht: „Seine Lebenseinstellung ist: ‚Arbeiten ist scheiße, ich komm auch so durch.`“ Trotzdem läuft er frei herum.

    Da hätt‘ ich mich fast an der leckeren Praline verschluckt.

  • Bei Kaiser’s in den Schönhauser Allee Arcaden haben sie jetzt über den Kassen große Bildschirme aufgehängt, auf denen Werbung läuft. Sicher haben sie dabei nur an das Wohl der Kunden gedacht, die sich in den häufig sehr langen Warteschlangen langweilen. Danke dafür. Ist bestimmt auch viel blliger, als noch ne Kasse zu öffnen.
  • Seit langem frage ich mich – und andere – ob mein Eindruck, dass des Abend immer mehr junge und jungtuende Leute mit offenen Bieren (manche auch mit Beck’s) durch die Gegend laufen oder fahren. Einige Bekannte haben diesen Eindruck bestätigt, andere haben den Kopf geschüttelt und darauf hingewiesen, dass es das auch früher schon gab. Klar gab’s das auch schon früher. Herrjeh, ich hab das auch gemacht. Jugend muss Scheiße sein und die Alten ärgern. Aber das isses ja grade: Ich habe nicht den Eindruck, dass die das machen, um Scheiße zu sein oder die Alten zu ärgern, sondern weil’s für sie einfach die normalste Sache der Welt ist. Sodom und Gomorrha!

(Volker Strübing)

 

 

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12 Kommentare zu “Schnipsel vom 25.1.2008

  1. Über diese Biertrinkenden U-Bahn-Passagiere hat sich ja neulich schon Franz Josef Wagner beklagt, als er mit Frau Zypries den Berliner Untergrund erkundete.

  2. Die Bildzeitung meint also, daß nur Arbeit frei macht?! Find ich ein klitzekleines Bißchen gruselig.

    Das mit dem Beck’s mache ich auch heute noch: Ruff uffn Kreuzberg – Becks‘ austrinken – und runterschmeißen; in dem Bewußtsein, daß man auf alle Fällle einen Trommler, einen feuerspuckenden Jongleur oder einen jonglierenden Feuerspucker trifft. Herrlich, ich freue mich auf den Sommer!

    Zu Kaiser’s (heute ist’s Apostrophenmarkennamenstag) habe ich auch ne Geschichte: August 2005. Ich hatte ne widerliche Sommergrippe und schleppe mich in den Kaisers’markt am Marheinekeplat’s und will mir ein schmackhaftes Hühnersüppchen aus echtem Huhn basteln. Und was ist im Gefrierfach? Mitten im August? Kein Suppenhuhn. Dafür aber 7 Ungarische Mastgänse. Bekloppt.

  3. Als jemand, der wie ich früher, sehr häufig in Hamburg ist, müsste dir aufgefallen sein, dass das mit dem Bier dort schon viel länger und viel mehr in Mode ist und zwar quer duch alle Schichten und Altersklassen (wie auch die Benutzung der Öffentlichen überhaupt sich in dieser Form ebenfalls ein wenig von Berlin abhebt).

    Meine Theorie: Die hohen Preise in den Kneipen verleiten zm „Warmglühen“. Und da die in Mitte und P. Berg auch immer schlimmer werden,schreitet die Verhamburgisierung entsprechen voran.

  4. die „Bild“ als Zeitung zu bezeichnen ist … igitt und so …

    soweit ich weis gab es mal ein Gerichtsurteil, das der Bild verboten hat sich „zeitung“ zu nennen.
    Seid dem ist unter den dicken Namen „BILD“ das Wort „Zeitung“ nicht mehr zu lesen …

    Was haben die eigentlich gegen das Biertrinken in der Öffentlichkeit, Bier ist ein Grundnahrungsmittel – zumindest könnte man das annehmen … es regt sich ja auch keiner auf, wenn da wer seine Stulle in der Öffentlichkeit isst, oder?

  5. Soll ich mal ehrlich sein … ich hab Angst …
    ich hab richtig Angst das diese ganze (verzeihung) Scheiße so weitergeht
    Klar gab es sicher schon früher Assis aber es ist wirklich so … die fühlen sich am citybusstop bei uns richtig wohl findens toll mal ne kleine oma anzuschnauzen „was gibts denn da zu gucken“ und so einen scheiß o.o
    und das ist nur ne ganz kleine Stadt nichts von wegen Berlin.
    Meine Güte ich bin doch genau so siebzehn wie die und hab nich das bedürfniss kleine Omas anzuschnauzen oder gestresste Mütter am Bus zu schubsen … o.o was soll das?

    Und ganz tolles Lied sperman-kid ganz tolles Lied ich denke mal du bist dann von der Fraktion Jeah meine Parkbank meine Kumpels und Bier ? SUPER FIND ICH TOLL

  6. Lifestyle-Biertrinken auf offener Straße is ja nicht unbedingt mit Rentnerverprügeln gleichzusetzen.
    Ich mach das auch gerne, bevor ich ein Bier in der Hand hab.

  7. Das Biertrinken auf Straßen ist schon eine häßliche Sache, aber auch nicht viel schlimmer, als auf der Straße zu rauchen. Aber: während die Kippen lediglich ein bißchen für Unordnung sorgen, scheint ja beim Outdoor-Trinken der zweite Gang darin zu bestehen, die Flaschen möglichst fein splitternd auf die Erde zu batschen. Und die Glasscherben auf dem Bürgersteig erinnern mich noch am Morgen an besoffene Jugendliche/ besoffene 35-45er, die sich noch gaaanz jung fühlen und nie Sekundärrohstoffe zu schätzen gelernt haben.
    In New York habe ich übrigens erlebt, wie ein paar japanische Teenies von einem Polizisten genötigt wurden, ihr Bier in den nächsten Mülleimer zu schmeißen. Überhaupt hats mir dort gut gefallen. Wie Berlin in 3D. Und Silvester gibt es auch keine Knaller. (Selbst wenn die das wegen ihrer beschädigten Türme erst neuerdings ausfallen lassen – was zählt, ist ja wohl das Ergebnis.) Man stelle sich mal vor: Silvester in Berlin ohne Bierflaschen und Knaller! Die Selbstmordrate würde exponentiell steigen.

  8. Okay, über Bier trinken und Rauchen in der Öffentlichkeit , darüber kann man gern disskutieren, die Bild… ohne Worte, aber POPELN!! das geht ja gar nicht und dann auch noch „wohlschmeckend“-wie würde Spinne sagen-„iigitt, iigitt, Gott sei bei mir“. Darüber regt sich komischer Weise keiner hier auf, okay, popeln in der Öffentlichkeit ist ja auch die normalste Sache auf der Welt.
    Ist wahrscheinlich eine männliche Angewohnheit, viele Männer popel auch gern mal an der Ampel.

  9. @ chudi
    schön, dass dir das lied auch gefällt…

    ja, ich trinke bier – auf der straße, im park, in der u-bahn…
    ja, ich bin jugendlich

    und was ist jetzt daran so schlimm?

    ich bin weder aggresiv, noch gewalttätig.
    wenn es dir nicht, gefällt, dass ich bier trinke, wo es mir passt/wo es mir erlaubt ist, dann musst du damit leben…

    versuch doch mal, nicht jeden und alles in deiner kleinkarierten weltsicht über einen kamm zu scheren….

    schönen tag noch, ick hohl mir erstmal n bier, trinks auf der straße und pöbel die leute an…

  10. Also ich bin mit 25 auch noch in der Kategorie „jugendlich“ und mag das Biertrinken in den Bahn nicht. Finde ich assi – tut mir leid (es sei denn es ist Freitag oder Samstag Nacht, dann finde ich es halbwegs verzeihlich, aber Montag mittags um 11Uhr – ne, bäääh).

    Was viele Biertrinker vielleicht übersehen: Wenn man angetüdelt in der Bahn Bier trinkt geht schonmal ein Schlückchen verloren – von dem Geruch haben dann eine Woche lang alle was.

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