Control

Filme, die sehr lobend besprochen oder gar von vielen Freunden empfohlen wurden, haben mich oft enttäuscht. Wahrscheinlich liegt es an den riesigen Erwartungen, die dadurch aufgebaut werden. Wenn man denkt, man wird gleich den tollsten Film der Welt sehen, kann er bestenfalls noch diesen Anspruch erfüllen, aber eigentlich ja nicht mehr positiv überraschen. Es wäre nicht das Dümmste, nur noch in Sneak-Previews zu gehen – der Anteil an schlechten Filmen und daher vergurkten Abenden ist auch nicht höher, als wenn man sich vorher genau überlegt und informiert, wofür man seine Zeit und das Eintrittsgeld opfert. Ich habe das leider nur selten gemacht und seit vielen Jahren nicht mehr, trotz guter Erfahrungen. Habe dadurch den einen oder anderen großartigen Film gesehen, in den ich nie, nie, nie gezielt reingegangen wäre … die „Siebtlbauern“ fällt mir gerade ein.

Alternativ könnte ich auch einfach aufhören, Kritiken und Vorabberichte zu lesen und, wenn mir jemand einen Film empfehlen will, die Finger in die Ohren stecken und laut die Titelmelodie von Dallas singen.

Ich habe trotzdem alles verschlungen, was es in den letzten Monaten über „Control“, den Film über Ian Curtis, zu lesen gab. Und ich bin sehr, sehr gespannt. Wenn ich sagen würde, dass Joy Division meine Lieblingsband war und noch immer ist, könnte ich gleich anfügen, Luft sei mein Lieblingsgasgemisch.

Ich habe vor vielen Jahren das Buch „Touching from a distance“ gelesen, auf dem der Film beruht. Es hat mir damals nicht besonders gefallen. Das lag – so bin ich mir inzwischen sicher – daran, dass Curtis darin als ganz normaler Mensch dargestellt wird, und ich lieber etwas über eine Art Superhelden der Melancholie gelesen hätte. Inzwischen – das Alter, das Alter! – interessiert es mich gerade, wie aus der ganz normalen Scheiße des Alltags solche Kunst entstehen konnte.

Vielleicht schaffe ich es morgen, wenn nicht dann nächste Woche Mittwoch. Eines beruhigt mich: Zumindest in musikalischer Hinsicht wird er mich zwar nicht überraschen, aber auch ganz gewiss nicht enttäuschen.

(Volker Strübing)

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7 Kommentare zu “Control

  1. „… wie aus der ganz normalen Scheiße des Alltags (solche) Kunst entstehen konnte.“

    You made my day.

  2. ..ach ja: joy division…die jugend von heute kennt sie allerhöchstens noch aus dem lied „let´s dance to joy division“.

  3. …och, oder aus dem film donnie darko
    oder weil sie einfach ne gute musik entdeckt haben
    oder weil ihre mutter sie damit nervt und der jugendliche mensch von heute sie ständig dran erinnern muss, doch die musik nicht so laut zu machen

    Ich freu mich auf den Film!!

  4. mich darf man da nicht fragen, ich fand ihn ganz wunderbar (ohne fandom und bis auf alexandra maria lara). ort, zeit und film passten einfach perfekt.

  5. Hach joy division die mag ich auch immer noch! Radio like transmission, she `s lost control…. scheen!

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