Schnipsel vom 18.12.2007

  • Während man auf der Post Schlange steht, hat man viel Zeit, über das Schild über dem Kopf der Schlange nachzudenken:
  • Service Wartepunkt

    Der nächste freie Mitarbeiter ist gleich für sie da.

    Ein Punkt ist ja nun eigentlich eindimensional, während eine Schlange aus mindestens zwei Dimensionen besteht. Wenn die Schlange eine exakte Linie bildet, die im rechten Winkel zum Posttresen ausgerichtet ist, kann es freilich sein, dass sie vom Standpunkt der Mitarbeiter nur wie eine Person wirkt, insbesondere, wenn vorne gerade ein großer, dicker Mann steht. Für den würde dann natürlich ein Wartepunkt oder besser: -fleck reichen. Aber in der Filiale ist leider nicht genug Platz, damit sich die vielen Wartenden exakt rechtwinklig ausrichten können. Eigentlich müssten die Postmenschen (oh, oh, das klingt fast nach Posthumanen … aber das ist ein Thema für einen anderen Weblogeintrag) also erkennen, dass ein Wartefleck nicht ausreicht.

    Halt! Ich erkenne meinen Denkfehler! Die Aussage gilt nur für den, der genau unter dem Schild steht! Klar, so muss es sein! Für alle anderen ist ja auch nicht gleich der nächste freie Mitarbeiter da, sondern erst später, nachdem sie selbst unter dem Schild angekommen sind …

    Nebenbei: Ich würde ja statt einem freien auch einen festangestellten Mitarbeiter nehmen …

  • Man muss dazu sagen, dass die Post nichts für die Wartezeiten kann. Schuld sind natürlich, die ganzen Menschen, die die Dienste der Post in Anspruch zu nehmen wünschen. Und man muss zugeben, dass sich die Mitarbeiter wirklich sehr bemühen und trotz Stress in der Regel sehr freundlich sind. Das ist jetzt nicht ironisch gemeint, sondern ganz ehrlich. (Gibt’s eigentlich auch einen „Keine Ironie“-Smiley?)
    Ich mag es sogar, wenn sie mir, nachdem ich Briefmarken gekauft habe, ein Postbankkonto anzudrehen versuchen, weil es in seiner Absurdität rührend ist: Bevor man in den Schönhauser Allee Arcaden die Schlange am Postschalter erreicht hat, muss man sich an der Schlange vor dem Postbankautomaten vorbeikämpfen und diese reicht schon bei mäßigem Betrieb bis draußen an die Rolltreppe. Wenn sie wirklich Dumme für ihre komischen Postbankkonten suchen, sollten sie den Automaten in den Keller verbannen, damit die zukünftigen Kunden nicht sehen, was sie erwartet. Oder dorthin, wo der Pfeffer wächst – man bekommt zur Zeit glaub ich ein Navigationssystem zur Kontoeröffnung billig dazu, da findet man den Weg schon.
  • Eine Sache, die das Deutsche so einzigartig macht, ist die Möglichkeit, Substantive zu Wörtern zusammenzusetzen, die so lang wie eine Postbankautomatenwarteschlange sind. Man kann auf diese Weise zum Beispiel das Wort „Postbankautomatenwarteschlange“ erzeugen. Mein derzeitiger Favorit ist etwas kürzer und stammt vom Schaufenster einer Kneipe in Leipzig: „Fassbierdauertiefpreise“

(Volker Strübing)

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16 Kommentare zu “Schnipsel vom 18.12.2007

  1. Kleiner Mierenoeker-Hinweis: Ein Punkt hat 0 Dimensionen, eine Schlange eine und erst eine Fläche zwei. Eine Wartefläche wäre ein ganz schönes Durcheinander.

  2. Äh … Mierenoeker? Issn das nun wieder?

    Ach, und Bob, was beduetet das Ausrufezeichen zum Beispiel in diesem Satz: „Wenn die Armen inzwischen schon vor den Mülltonnen Schlange stehen, um sie zu durchwühlen, dann muss man eben mehr Mülltonen aufstellen!“?

  3. In Berliner Postämtern gibt es noch Warteschlangen? Ich bin entsetzt.

    Den neuesten Clou der Post durfte ich kürzlich auf dem Hauptpostamt in Konstanz bewundern – dort wurde die gemeine Warteschlange abgeschafft und die Kundschaft darf nun Nummern ziehen. Dafür gibt es jetzt eine Kaffeebar [sic!], bei der man sich die Zeit vertreiben (und gerne noch ein bisschen Geld lassen) kann.

    Leider ging das neue Konzept nicht ganz auf – ich wurde also Zeuge wie ein halbes Duzend uniformierter Postler eine Abwehrkette rund um die (nun absperrungsfreien) Schalter bildete und Wartezettelchen kontrollierte.

    Das war allerdings schon im November – jetzt zur Hauptpäckchenverschickzeit dürfte das Schauspiel fast noch lohnender sein :)

    Grüße aus der Provinz

  4. … bei mir kam heute der postfilialleiter mit keksen für die warteschlange rum; wohl, damit die leute ruhig sind, weil man ja mit vollem mund nicht spricht, oder so.

  5. Mensch, jetzt habe ich gelesen „Während man auf der Post Schlampe steht …“ und gedacht, jetzt gibts auch hier schon Deppenleerzeichen, dann dachte ich, „der Post“ könnte ja auch Genitiv sein und dann nochma genau hingesehen. Nochmal Glück gehabt.

  6. Außerdem wäre das „Auf der Post Schlampe Stehen“ recht schmerzhaft für selbige. Es sei denn, es handelt sich um eine stabile Postschlampe. Diese zu betreten, ist jedoch relativ umständlich, und Postschlampenleitern sowie Postschlampenkarabinerhaken gibt es auch nur in Postschlampenextremkletterzubehörläden und kosten ein Heidengeld.
    Außerdem haben Postschlampen den enormen Nachteil, daß sie einen Postsch gar nicht ordentlich beleuchten …

    Verzeihung, ich hatte einen langen Tag.

  7. von miss.erfolg:
    „Den neuesten Clou der Post durfte ich kürzlich auf dem Hauptpostamt in Konstanz bewundern“

    Tja, die Methode des Nummern ziehens ist aber keine neue und eigentlich auch eine sehr effektive Methode.

    In den skandinavischen Ländern ist das Nummern-Ziehen standard. Überall wo man hinkommt zieht man eine Nummer und wartet gemütlich z.B. auf einem Sessel, dass man dran ist.

    Find ich gut.

    MfG
    Daniel

  8. Eben mal Klugscheißermodus an *klick*

    Der nächste freie Mitarbeiter ist gleich für sie da.

    „für Sie da“ sollte es doch heißen.

    aus *klick*.

    Oder ist die Deutsche Post etwa etwas unfreundlich geworden, seit sie nicht mehr Monopolistin ist? Das große Sie ist noch immer als pluralistische UND singularistische (falls das alles so heißt) Anrede in der Höflichkeitsform aktiv.

    Grüße

  9. Komisch, komisch, komisch. Auf die Idee mit der Kaffeebar hätten sie nun wirklich als erstes in Prenzlauer Berg oder Mitte kommen müssen …

    Postschlampenleiter? Nee, ich glaube, die heißen Filialleiter ;)

    @Critter: Ja, ja, Schreibfehler. Nein die Post ist nicht unfreundlich geworden und ich leugne die immernochige Aktivseiung des großen Sie als pluralistische und singularistische (falls das alles so heißt) Anrede in der Höflichkeitsform nicht. Ich war nur erst zu dumm, dass Foto des „Service Wartepunkts“ von meinem Handy auf den Computer zu ziehen und dann auch zu dumm, das Schild fehlerfrei abzutippen.

  10. @Daniel
    „In den skandinavischen Ländern ist das Nummern-Ziehen standard. Überall wo man hinkommt zieht man eine Nummer und wartet gemütlich z.B. auf einem Sessel, dass man dran ist.“

    Mein deutsches warteschlangenkonditioniertes Hirn las zunächst: …und wartet gemütlich z.B. auf einen Sessel…“
    ;-)

  11. Ein „Keine Ironie“-smiley, wäre dann wohl ein „Ernstguck“-Smiley

    … jetzt würd ich gerne mal ein Smiley, was ja soviel wie „lächel“-li heist ernst glotze sehen.

  12. Ich sage jedes Mal auf das Postbank-Angebot „Nein, aber dankeschön“ mit einer solchen Freundlichkeit und Wärme in der Stimme, die andere nur immer Sommer hervorbringen, dass sie immer ganz erstaunt und verzückt gucken und einige Sekunden brauchen, um wieder zu sich zu kommen. und dann bin ich auch schon weg….:-)

  13. Ein guter Hinweis, solle man mal dran bleiben. Das wird in näherer Zukunft mit sicherheit noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Da habe ich doch schon vor kurzem einen Artikel bei Siegel Online drüber gesehen? Tschöö, Burkhild Riemer

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