„Der Standort Amerika ist in Gefahr!“ (anonymer Sklavenhalter um 1861)

Die PIN AG steht wegen der Mindestlöhne vor dem Aus, weil Großaktionär Springer (das sind die mit der Zeitung, die immer auf Seiten des kleinen Mannes steht) sagt, dass sich das Geschäftsmodell dann nicht rechnet. Das Geschäftsmodell bestand darin, Leute richtig hart arbeiten zu lassen zu Löhnen, von denen sie nicht leben können.

Wahrscheinlich haben die Baumwollplantagenbesitzer dasselbe gesagt, als damals die Sklaverei abgeschafft werden sollte. Gut, dass sich damals niemand davon beeindrucken ließ. Heute wäre es wahrscheinlich schwer, so etwas durchzusetzen. Die Sklavenhalter würden eingeschnappt gucken und mit Entlassungen und Produktionsverlagerungen drohen, und die Sache wäre vom Tisch.

(Volker Strübing)

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9 Kommentare zu “„Der Standort Amerika ist in Gefahr!“ (anonymer Sklavenhalter um 1861)

  1. Nicht zu vergessen: Es gab nich nur Sklaven, die begeistert über ihre Freiheit waren, viele waren bald ziemlich verzweifelt, weil ihnen plötzlich nicht mal mehr das Mindestmaß an Versorgung zuteil wurde. Es entstanden tatsächlich ziemliche Probleme für das Land.
    Darum braucht sich ja dank unseres umwerfenden Sozialsystems keiner mehr Sorgen machen.
    Schon eine Unverschämtheit, dass Springer sich beklagt, wenn den Leuten endlich mal so viel bezahlt werden soll, dass sie keine ergänzende Sozialhilfe mehr brauchen. Bisher subventionieren wir also alle Springer, damit wir Post von Pin kriegen.
    Zum Glück bedienen sich ja viele Ämter der Pin-AG. Was auch die durch die Ausbeutung der Beschäftigten sparen, können sie ihnen dann als Lohnzuschuss spendieren. Damit die ja nicht zu selbstbewußt werden, wenn sie mal ihre Familienverhältnisse nicht bis ins kleinste Detail aufblättern müssen.
    Also wenn ich mir das so ansehe, wundere ich mich, warum die Sklaverei so einen schlechten Ruf hat. Weil wir die Wahl der Qual haben?

  2. Der Axel Springer Verlag, möge er auch alle für die Volksverdummung tun, macht nur was einem Deutschen beigebracht wird. Möglichst viel zu erlangen, ohne viel dafür machen zu müssen. Oder anders ausgedrückt, er versucht legendlich seine Effizienz und nicht zuletzt, seine Gewinnspanne möglichst zu steigern. Wenn es genug Arbeiter gibt die sich zu Dumpinglöhne anstellen lassen und die Politik nicht dagegen unternimmt ( bzw. unternahm) kann ich dies voll und ganz verstehen.

    Die „großen“ und Bonzen haben ihre Sozialverantwortun völlig verloren, woran die Politik (und somit IHR, das Volk) mitschuld ist!

  3. Das kommt einem doch alles irgendwie bekannt vor. Soweit ich mich daran erinnere, hatten wir damals zu alten Ostzeiten, so ganz ausführlichst uns die Auseinandersetzung eines Herrn Marx über solche und ähnliche Themen theoretisch einverleiben dürfen und nun erleben wir das mühsam erlernte in der praktischen Umsetzung.

  4. Deine Analogie ist so nicht ganz korrekt, denn für die damaligen Plantagenbesitzer in den Südstaaten waren die Sklaven „wertvoller Besitz“ (=Kapital), so traurig das auch klingt. Deshalb der verzweifelte Widerstand, denn nur durch das Festhalten am Status Quo konnte das bisherige Wirtschaftsmodell „Plantagenwirtschat“ und damit der Lebensstandard der weißen Oberschicht gewahrt bleiben. „Entlassungen“ wären denen also als Letztes in den Sinn gekommen!

  5. an HevoB
    Ich will dir ja nicht deine Illusion nehmen, aber wenn man sich allein die Aussage: „die soziale Verantwortung eines Unternehmens in einer Marktwirtschaft“ ansieht, weiß man eigentlich schon, was sich hier widerspricht. Und die sogenannte „soziale Marktwirtschaft“, die es bei uns angeblich gibt, ist halt leider auch nur ein weiteres gescheitertes Versuchsmodel, mit dessen sukzessiven Auflösung und den damit verbundenen Auswirkungen wir uns in den nächsten Jahre auseinandersetzen dürfen. Und eines ist leider auch ziemlich sicher, diese Politik wird ihren Beitrag dazu leisten.

  6. Deutschlandradio Kultur: Herr Gerster, Sie waren auch lange als Arbeitsmarktpolitiker aktiv. Mit dieser Frage der Mindestlöhne bei der Post stellt sich ja auch eine grundsätzliche Frage: Wie schaffen wir es, dass Menschen in diesem Niedriglohnbereich möglicherweise mit ihrer eigenen Hände Arbeit vollständig leben können? Oder braucht man in diesen Bereich immer staatliche Subventionen?

    Florian Gerster: Die Politik – nicht nur in Deutschland übrigens – hat es immer wieder so gelöst, dass man niedrige Löhne, die etwas mit der Arbeitsproduktivität dessen, der da arbeitet, zu tun haben können, auch mit steuerlichen Anreizen, zusätzlichen Sozialleistungen verbessert. Das hat Amerika unter Bill Clinton mit einer großen Reform gemacht, der amerikanischen Sozialhilfe mit dem so genannten earned income tax credit, wo Menschen, die arbeiten, wenn sie keine hohen Löhne am Markt erzielen können, eine Steuergutschrift bekommen, also statt Steuern zu zahlen etwas vom Finanzamt raus bekommen.

    In Deutschland ist bei Hartz IV. – ich war an der Gesetzgebung in dieser Zeit nicht ganz unbeteiligt – ausdrücklich festgelegt worden, dass es auch ergänzende Leistungen geben kann, wenn Menschen eben am Markt nur ein bestimmtes Einkommen erzielen können.

    Wenn das so ist, dann hat die Politik ganz offensichtlich bei bestimmten Tätigkeiten die Notwendigkeit einer zusätzlichen Unterstützung gesehen. Das ist absolut legal und legitim. Wenn man das nicht mehr will, wird man bestimmte Tätigkeiten in der Landwirtschaft, in der Gastronomie, im Privathaushalt – ich rede gar nicht von den Zustelldiensten – schlicht und ergreifend nicht mehr unter Marktbedingungen bezahlen können.

    Deutschlandradio Kultur: Auch nicht mit gesetzlichem Mindestlohn? Einfach sagen: Wir zahlen in allen Bereichen 7,50 Euro – Punkt!

    Florian Gerster: Zahlen Sie mal einem Spargelstecher 7,50 Euro.
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    Hi Volker, der Typ ist Arbeitgeberpräsident der privaten Postdienste und auch noch fett in der SPD, der ja ein Teil der Privaten Postdienste mitgehört… . Schöne neue Sozi-Welt.

  7. das ist so nicht richtig … marktwirtschaft und verantwortun schließen sich nicht aus. selbst im manchaster-kapitalismus gab es arbeitgeber die eigenständig sozialversicherungen und renten einführten, denn dies ist wirtschaftlich, da die angestellten weniger ängste haben und somit ruhkiger leben, was sich wiederrum positiv auf die arbeitsmoral tec. auswirkt.

    das die wirklcih großen ( global player …) das noch nicht kapiert haben lieg tdaran das sie niemand zu dieser erkääntniss „zwingt“.

    und ich zwinge sie dazu .. in meiner wohnung stammt nichts aus china .. auch wenn sie spärlich eingerichtet ist ^^

  8. Pingback: taxi-blog.de » Blog Archive » Postsklaverei

  9. [Zitat:] „Deine Analogie ist so nicht ganz korrekt, denn für die damaligen Plantagenbesitzer in den Südstaaten waren die Sklaven “wertvoller Besitz” (=Kapital)“

    Neun heute nennt man das Human Ressources (Rohstoff „Mensch“)

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