Systematische Gehirnerweichung

Wo ich doch gestern gerade vom zweitbesten Beruf der Welt berichtete, widme ich diesen Beitrag den Menschen, die am entgegengesetzten Ende der Rangliste arbeiten – bei Schlecker. Ich weiß nicht, wie man das aushalten kann, wenn man jeden Tag mehrere Stunden, das obergruslige Schlecker-Einkaufsfernsehen hören und sehen muss. Das kann doch nicht ohne Folgen bleiben. Entweder man wird dumm oder verrückt. Wenn eine der Verkäuferinnen (Verkäufer habe ich dort noch nie gesehen) irgendwann mal Amok läuft, werde ich das nicht gutheißen aber von Herzen verstehen …

Auch schlimm: In der Leipziger Innenstadt sah ich neulich vor einem Handyladen ein Zettel verteilendes Base-Werbe-Mädchen. An sich schon ein schlimm genuger Job, aber zum Kompott feierte der danebenliegende Schnickschnackladen gerade sein zweijähriges Bestehen. Man hatte aus diesem freudigen Anlass eine fette Musikanlage aufgebaut und spielte mit menschenverachtender Lautstärke intelligenz- und gefühlsverachtende deutsche Rummeltechnoschlager. Es war zum Heulen.

(Volker Strübing)

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5 Kommentare zu “Systematische Gehirnerweichung

  1. schlecker ist ja bekannt dafür, einer der schlechtesten (wenn nicht der schlechteste) arbeitgeber in deutschland und hier in österreich zu sein (und vermutlich auch dort, wo sonst noch filialen wie pilze aus dem boden schießen) da ist die berieselung mit hardcore billig werbung nur das tüpfelchen auf dem i … und vielleicht das highlight des tages für die verkäuferin.

  2. Die Verkäuferinnen vom Schlecker bei mir um die Ecke sind immer total freundlich und entspannt. Mitunter lassen sie mich Minuten an der Kasse warten, weil sie hinten noch Kaffee trinken. Beim Warten gucke ich immer Schlecker-TV, hab es bisher als Satire interpretiert und viel Spaß daran gehabt.

  3. Wo doch eben eine ganze Kirche verschoben wurde…warum baut man nicht genormte Innenstadt-Einkaufsmeilen-Komponenten, die aus Schlecker, Kaufhof, HundM, Fielmann, Vodafone, einem Bäckereikettenladen, mehreren Schnickschnackläden und weiteren Nullachtfuffzehn-Läden bestehen und setzt sie vor Ort zusammen? Sehen doch eh alle Innenstädte mittlerweile gleich aus. Wenn der Ort nicht mindestens eine örtliche Sehenswürdigkeit besitzt (alte Burg, Denkmal des local Heros, der größte Altreifenberg der Welt), weiß man überhaupt nicht mehr, wo man sich aufhält…
    Das Tolle bei Schlecker ist (nein, eigentlich gibt es darüber nichts tolles zu berichten, also nochmal:) Das Irre an Schlecker ist, dass er sich nun wohl als der teuerste der Drogerieketten herausstellte, obwohl er das am billigsten wirkende Interieur und offensichtlich die miesestbezahlten Angestellten vorweist. Wieso ist er dann so erfolgreich?
    Ach so, klar, jetzt verstehe ich, hmmpfff…

  4. Die Kommunikationsguerilla unter uns wissen einen Schlecker-Laden zu schätzen.

    Man nehme:
    – blaue Farbe
    – Pinsel

    und male ein „AR“ vor das „SCHLECKER“-Schild. *tadaaa* ;)

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