Entschluss steht fest: Ich werde auch ein öffentliches Ärgernis!

Schön ist es, Bücher zu haben, die man bei Lesungen verkaufen kann. Schlecht ist, dass diese Bücher, obwohl ihr Inhalt doch immateriell ist, über ein gewisses Eigengewicht verfügen. Ein „Ziegelstein für Dörte“ wiegt etwa 210 g. 10 wiegen 2,1 Kilo. Zur Zeit bin ich immer mit 4 verschiedenen Büchern unterwegs. Insgesamt mit 20 bis 25 Exemplaren, denn es gibt nichts Ärgerlicheres, als wenn man nach einer superen Lesung in einer fremden Stadt buchkaufwillige Leute wieder wegschicken muss. Das führt dazu, dass ich auf dem Hinweg arg zu schleppen habe (und leider oft auch auf dem Rückweg). Mir wird übel vor Mitleid, wenn ich an J.K.Rowling oder Stephen King oder Dan Simmons denke, die so unglaublich dicke Bücher schreiben und sich deshalb sicher schon längst Rücken und Bandscheibe ruiniert haben.
Bei mir ist das auch nicht mehr lange hin. Deshalb habe ich heute einen Entschluss gefasst: Ich … ich … boh, ist das peinlich … ich kaufe mir einen Rollkoffer. Ja, genau so ein Drecksding, dass ich, wie es sich gehört, anderen Fahrgästen gegen die Kniee rammeln und über die Füße rollen werde, mit dem ich nächtens nach der Show auf dem Weg ins Hotel ganze Innenstädte um ihren Schlaf bringen werde; eins dieser Dinger, von denen ich nach den missglückten Kofferbombenattentaten gehofft hatte, dass sie als Trägersysteme für Terrorwaffen verboten werden, einen von diesen SUVs für Nichtautofahrer, die man in Neukölln dazu verwendet, Jugendliche auf’s grausligste umzubringen …
Und ich lösche mit dem dicken, schwarzen Gehirnedding die Rufnummer dieses einen Taxiunternehmens aus meinem Gedächtnis … wie hieß das gleich nochmal? Oh, das mit dem Vergessen klappt ja gut! Kugelfunk? Quaderradio? Irgendwie so. Und die Rufnummer war sowas wie 0800-taxiruf … Nachdem ich gestern meinen Rucksack angehoben und einen sehr unangenehmen Stich in der Wirbelsäule verspürt hatte, habe ich ihn draußen vor der Tür wieder abgestellt und ein Taxi gerufen. In 5 oder 6 Minuten sollte es kommen. Nach 12 Minuten rief ich nochmal an und fragte, wo es denn bliebe.
„Der Kollege war schon dort.“
„Nein.“
„Doch.“
„Nein.“
„Doch.“
„Hören Sie, ich habe von dem Ort aus angerufen, zu dem ich das Taxi bestellt habe.“
„Hm. Naja, dann schicke ich ihnen noch eins.“
„Tun Sie das.“
„Ist dann so in 5 oder 6 Minuten da.“
„Das hoffe ich.“
Nach 7 Minuten habe ich mich auf den Weg gemacht, habe den Rucksack fast einen Kilometer zur Taxihaltestelle geschleppt, weil keine Zeit mehr für die U-Bahn war und bin Taxi gefahren, ohne den geringsten Bequemlichkeits- oder Zeitvorteil. Irgendwann anderthalb Stunden später erreichte mich eine SMS, dass gerade kein Taxi für mich verfügbar sei …
Diese SMS war zwar nur 3 Minuten nach meinem Anruf abgeschickt worden, aber so was dauert manchmal eben länger. Das mindeste wäre es doch wohl gewesen anzurufen und sicherzugehen, dass mich diese Information erreicht. Denselben Spaß haben die mit Spider und mir vor zwei Wochen schonmal durchgezogen.
Sicher waren das bloß einmalige Fehler, wie sie auch bei anderen Taxiunternehmen vorkommen können, aber außer einem Boykott und einem genervten Blogeintrag hat man ja wenige Möglichkeiten, Psychohygiene zu betreiben und den unvermeidlichen Amoklauf noch ein bisschen hinauszuzögern.

(Volker Strübing)

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10 Kommentare zu “Entschluss steht fest: Ich werde auch ein öffentliches Ärgernis!

  1. aufgepasst, jetzt kommt wieder einer der „bei mir war das so“- und „ich hatte auch schon mal“-Kommentare.
    Also: ich hatte auch schon mal ein ähnliches Erlebnis, nur dass da das Taxiunternehmen die Guten waren. Der letzte Bus, der durch das winzigkleine Dorf fuhr, in dem fragmichwarum der Zug gehalten hat, mit dem ich gefahren und aus dem ich dann aussteigen musste, kam nich. Nicht nach 3 4 5 Minuten und auch nicht nach 20. Verdammt. Was machst Du dann? Ein Taxi ruden! Genau. Und auch, wenn Dir der letzte Bus im sströmenden Regen vor der Nase vorbeifährt, obwohl Du die ganze Zeit an der Haltestelle gestanden hast. Er fährt einfach vorbei. DIe Lösung: ein Taxi! Halleluja, war ich nett zu dem Taxifahrer, weil ich so erleichtert war, dass mich jemand (wenn schon nicht auf einem Schimmel dann doch immerhin in einem warmen Auto) gerettet hat. Und das Geld habe ich dann sogar von dem armen Busfahrer wiederbekommen, der das Pech hatte, mich dann bei der Endhaltestelle wiederzutreffen.
    Also: Ich finde Taxis supi^^! Nur die bösen Busfahrer haben es auf mich abgesehen.

  2. Willkommen im Club. Jahrelang wehrt man sich gegen so ein Ding, aber irgendwann erwischt es einen dann doch. Kleiner Tipp, kauf dir unbedingt einen RK in schwarz oder dunkelblau und du hast zukünftig viel Spaß damit und lernst jede Menge nette Leute kennen. ;o)

  3. Kauf dir lieber nen ferngesteuerten Kofferwagen oder einen Rollstuhl mit Buchablage… Das ist praktischer xD

  4. einen rollkoffer????? mensch volker … das ist doch der anfang vom … bald gehst du damit auch einkaufen und zum bäcker und du wirst ihn einfach nicht mehr los. da die last ja nicht unbedingt weniger wird, wirst du dann irgendwann diesen gebückten rollkoffer-zieher-gang annehmen :( wie sieht denn das dann auf der bühne aus?

    ich melde mich hiermit als fleißiger leser deines blogs zurück ;)

    grüße
    tyler

  5. Ach, so ein Hackenporsche ist doch kein Beinbruch. Den haben schließlich nicht mehr nur alte Muttchens, sondern auch obercoole Businesspeople, hab ich mit meinen eigenen Augen gesehen!

  6. Pingback: Mein erster Tag als Trolley-Trottel « Schnipselfriedhof

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