Nicht meckern – selber betteln!

Manchmal erzählt jemand, dass Bettler soundsoviel Euros pro Stunde verdienen, und meist erzählt dieser jemand das mit einem empörten, missgünstigen Unterton. Das kann ich nicht verstehen. Denn Betteln ist bestümpt kein angenehmer Job, und sollte deshalb wenigstens gut bezahlt sein. Finde ich. Ich möchte das zum Beispiel nicht machen müssen, selbst wenn die Verdienstaussichten wirklich so rosig wären, wie man oft hört.

Manch einer mag jetzt einwenden, dass es ungerecht sei, dass die Bettler Geld kriegen, ohne etwas Nützliches zu tun, aber erstens kann man sich darüber streiten – immerhin bieten sie eine Art Wohlfühlmassage für das Gewissen ihrer Kunden an – und zweitens ist es doch wohl der größere Skandal, dass manche Menschen viel mehr verdienen als die Bettler, in dem sie Schaden anrichten. (Da muss man gar nicht unbedingt an Blackwater-Söldner und Personenminen-Fabrikanten denken; da genügt vielleicht schon ein Blick in die kleine Werbeagentur an der Ecke, die den öffentlichen Raum für ihre Klowand hält und mit Unerträglichkeiten zukleistert.)

Missgunst ist schon gar nicht angebracht, denn schließlich steht diese Tätigkeit jedem offen und kann auch nebenberuflich betrieben werden. Wer meint, es ginge den Bettlern zu gut, soll sich halt ein Stück vom Kuchen abschneiden. Und – hey! – ich werfe nicht nur Punkern was in den Hut, sondern auch „ordentlichen“ Leuten, die sich auf diese Weise das Geld für einen Plasmafernseher verdienen wollen.

(Volker Strübing)

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8 Kommentare zu “Nicht meckern – selber betteln!

  1. Sehr großzügig von dir. Die Frae ist man i neine mLand mit einem (noch) so engen Sozialnetz wie in diesem „Bettle“ überhaupt haben müsste, denn theoretisch fällt keiner durch das Netz!!!

  2. In San Francisco, wo es 15.000 Bettler auf 750.000 Einwohner gibt, müssen die sich schon was einfallen lassen. Weltberühmt ist z.B. der Mann, der sich an prominenter Stelle hinter einem mitgebrachten Gebüsch versteckt und die Leute erschreckt. Und weil die dann anschließend anderen Leuten beim Erschrecktwerden zusehen dürfen, werfen sie ihm bereitwillig ein wenig Geld in seinen Kaffeebecher.

  3. Sehr schön geschrieben. Vor allem der Aspekt mit dem Schaden/nicht schaden.

    Ich glaube aber auch, das mit dem „whoa, die verdienen soooo viel“ ist auch wieder so ein Scheinwissen. Manche verdienen so viel, manche kriegen aber auch jarnüscht, so sieht’s aus. Da müssen auch die Gutverdiener bisschen sparen. Ist bestimmt nicht leicht, weil die Socken ja Löcher haben.

  4. Wahnsinnig ärgern mich bei diesem Thema, die Menschen, die überheblich über die Bettler hinwegsehen, betreten vorbeischauen, wofür auch immer sie sich in dem Moment schämen, sie ansehen, als ob sie sonst was verbrochen hätten oder sie als lästiges Ungeziefer betrachten. Heute morgen erst wieder so ein Erlebnis beim Kaffee holen. Sie sind nun mal auch ein Teil dieser Gesellschaft und durch bloßes ignorieren verschwinden sie nicht. Kann man sie daher nicht wenigstens normal behandeln und selbst wenn man ihnen kein Geld gibt, einfach ins Gesicht sehen, sie nett anlächeln und freundlich mit dem Kopf schütteln und ggf. sogar noch einen guten Tag wünschen. Allein für die Art, wie sie oft täglich behandelt werden, haben sie sich jeden Cent verdient, den sie bekommen. Und klar sollte in diesem angeblichen Sozialsystem keiner betteln müssen. Nur muß man dann auch in der Lage sein, dieses Sozialsystem zu nutzen und dafür muß man die Bürokratie dieses Verwaltungssystems bewältigen und daran scheitern bekanntermaßen noch ganz Andere. Klar wird es auch
    Schwarze Schafe unter den Bettlern geben, aber mal ehrlich in welcher Schicht gibt es die nicht. Und die Schlimmsten von denen sitzen m.E. ganz woanders und nicht auf der Straße.

  5. Ich finde den Beitrag etwas widersinnig. Angenommen, die Bettler verdienen so unglaublich wenig, und die Leute sind total empört, aber geben den Leuten kein Geld oder ignorieren sie, sie wollen nur anderen schlechtes Gewissen machen. Haust du den Leuten etwas an den Kopf oder den Leuten, die generell empört sind, dass Bettler so wenig kriegen? Das hab ich nicht verstanden. Ersteres könnte ich nämlich verstehen.

  6. Auch ganz entzückend sind Leute, die sich beschweren, dass Arbeitslose/Alleinerziehende/Asylbewerber oder andere angebliche Sozialschmarotzer sooo viel Geld kriegen oder einen Kühlschrank bewilligt, oder was weiß ich, während sie selber sowas von hart arbeiten müssen, blabla. Leserbriefseiten sind voll mit solchem Gehetze. Sollen die, die sich da beschweren, es doch selber so machen, wenn das dermaßen lukrativ ist. Können doch auch kündigen/kindermachen/dieheimatverlassen. Warum wohl tun sie es nicht? (rhetorische Frage)

  7. Hallo Leo, ich verstehe Deinen Komemntar scheinbar genausowenig wie Du meinen Beitrag … ich schrieb von Leuten, die erzählen, dass Bettler unglaublich viel verdienen (statt unglaublich wenig).

  8. Zu dem ersten von bisher 7 Kommentaren:
    „Sehr großzügig von dir. Die Frae ist man i neine mLand mit einem (noch) so engen Sozialnetz wie in diesem “Bettle” überhaupt haben müsste, denn theoretisch fällt keiner durch das Netz!!!“
    Hallo HevoB!
    Liest Du Dir eigentlich manchmal durch, was Du da immer so vor Dich hin legasthenisierst?!
    Und ob jemand theoretisch irgendwohin fällt, interessiert hier doch gar nicht. Theoretisch müßten auch alle Menschen lesbar und nachvollziehbar schreiben können. Aber beide Annahmen werden von der bitteren Wirklichkeit ad absurdum geührt.
    Beste Grüße
    michaE

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