Wie man die Scheiße, die man baut, zu Geld macht

Hach, die Blogroll ist immer noch nicht fertig, und ich habe diese Woche keine Zeit für Weblogbasteleien, weil ich mich auf das ABC-Festival in Augsburg vorbereite und in eine neue Grafiksoftware einfuchse.

Ganz kann ich das Bloggen aber dann doch nicht lassen.

Gerade war ich Kaffeetrinken und habe dabei eine GEO durchgeblättert. Nee, stimmt gar nicht. Zwei warn’s. In einer stieß ich auf eine kleine Notiz über einen Künstler namens Wil Delroye und sein Werk „Cloaca“ – eine Installation, die den menschlichen Verdauungsprozess korrekt simuliert: Vorne gibt man Lebensmittel hinein, die erst zerkleinert und in verschiedene Glasgefäße transportiert und dort mittels Enzymen und Bakterienkulturen verdaut werden, bis am Ende etwas heraus kommt, dass „biochemisch identisch mit den menschlichen Verdauungsprodukten“ ist, wie es die GEO etwas etepetete ausdrückt (Gedächtniszitat). Sie meinen natürlich Kacke.

Interessant war der Hinweis, dass er diese Kacke vakuumverschweißt für 3.000 Euro pro Stück verkauft.

Zuhause betrieb ich dann intensive Recherche zum Thema, indem ich Cloaca und Delroye in’s Googlesuchfeld eingab und auf „Suche“ klickte, und fand so heraus, dass er die erste Cloaca-Maschine schon im Jahr 2000 baute. Inzwischen sind weitere dazugekommen. Und trotzdem ist die Kunstkacke ausverkauft! Bis auf einen kleinen rest, den der Künstler zu Kapitalbildungszwecken selbst behalten hat …

Kein besonders appetitliches Kunstwerk, aber aus mir selbst unklaren Gründen find ich das klasse. Es wäre freilich schwer, dieses Kunstwerk den Hungernden in Darfur zu erklären, über die in einer der beiden GEOse ein großer Bericht mit doppelseitigen und sehr geschmackvoll komponierten Schwarzweißbildern drin war, aber auf solche Gedanken lass ich mich gar nicht erst ein.

Hier gehts zur Website von Cloaca.

(Volker Strübing)

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16 Kommentare zu “Wie man die Scheiße, die man baut, zu Geld macht

  1. Gerade wollte ich einen Eintrag über mein neues Lieblingswort „abäppeln“ schreiben, aber diese Maschinen sind ja noch besser. Nach meinem Stuhlgang gehe ich abäppeln und kaufe anschließend Kacke in Tüten.

  2. Ob die zuverkaufenden Fäkalien alle aus freien Stücken sind,biologischer Anbau…?
    Trittst du am ABC-Festival auf,sehr geehrter Volker ?
    Mfg

  3. Mir war diese Maschine auch schon ein Begriff, ich bin allerdings überrascht über die Aufmachung der Webseite. Dieser Meister Proper-Flaschengeist mit seinem Darm unten dran, ich vertrage ja viel, aber ich kann nicht verstehen, wie Leute für so etwas Geld bezahlen können. Das ist ja immer noch Scheiße. Und es sieht auch aus wie Scheiße, vor allem auf dem letzten Bild, die Würste auf dem ersten Bild der Galerie sind wenigstens noch in einer Art Ringelpietz ästhetisch angeordnet. Unter diesen Gesichtspunkten, lieber Volker, solltest du doch noch einmal darüber nachdenken, das Klopapier-Design zurückkehren zu lassen. Weil dann könnte man die frisch gezapfte Cloaca-Scheiße mit deinen Texten quasi veredeln. Oh Gott, zwei mal Scheiße in einem so kurzen Text…ich werde schon so wie meine Mitbewohnerin.

  4. Naja, Hungernden ist wahrscheinlich jede kommerzielle Kunst schwer vermittelbar. Aber irgendwie gefällt mir diese Cloaca. Es ist ja schon sympathisch, dass nicht jemand in umgekehrter Richtung versucht aus S*****e Nahrung herzustellen. Wenn ich Delroye wäre, würde ich die Werke auch für weniger als 3000€, sagen wir für 30€, verkaufen, bloß um mir vorstellen zu können, wie irgendwelche Kunstsammler ihren höflichen Besuchern zeigen: „Sehen Sie mal hier meine neueste Erwerbung. Und es war gar nicht mal teuer. Ich glaube, ich muss alles, was ich von diesem Genie bekommen kann, kaufen…“

  5. Ach, für 30,- Euro nimmt das doch kein Kunstsammler ernst. Und er ist die Kacke ja auch für 3000 losgeworden. Aber sag mal, biste Dir sicher, dass der umgekehrte Weg nicht auch längst gang und gäbe ist? Ich sag nur Gülle auf dem Feld, mehr sag ich gar nicht, und was in den Labors der Nahrungsmittelkonzerne so abgeht, will ich gar nicht wissen … ;)

  6. Wie, du bist in Augsburg und sagst nicht Bescheid? ^^

    Haha, ich schau dir auf jeden Fall zu! Und wenn ich dich erwische, darfst du sogar mein Paradies am Rande der Stadt signieren.. Kihi.

  7. … hungernde haben auch andere probleme, als sich mit kunst auseinanderzusetzen. sie sind damit beschäftigt, falls sie noch die kraft dazu haben, etwas zu essen zu finden. wir haben den luxus der kunst und die ist bekanntlich frei! ich finde den künstlerischen denkansatz gut, aber trotzdem ist es mir persönlich etwas übel, wenn ich mich damit näher beschäftige.

  8. Das mit den Hungernden in den Beitrag zu schreiben war sinnlos, weil es nichts miteinander zu tun hat. Ist der selbe Quatsch wie „Du willst nicht aufessen und in Afrika hungern die Kinder“, das ich doch selber so verabscheue. Naja. Lag wohl einfach daran, dass ich in der selben Zeitschrift über den Darfur-Bericht gestolpert bin.

    @Hex: Klar, doch gerne. Ich mache am Sonnabend beim Brecht-Poetry-Slam mit (was nicht heißt, dass man Poetry Slam brechen müsste oder so).

  9. Hallo Volker, klar weiß ich, dass der umgekehrte Weg längst gang und gäbe ist. Darum finde ich es ja sympathisch, das hier mal jemand diesen Weg geht.

  10. Wie man jetzt auf der Homepage von Cloaca schön lesen kann, ist die Kunstkacke ausverkauft:
    „We’re sorry to inform you all Cloaca-feces are currently sold out. Many happy customers have secured their shit and are now experiencing the richness that Cloaca has to offer.“
    In was für einer Welt leben wir eigentlich?

  11. ich erkenne keinen unterschied zu „der üblichen“ bildenen Kunst. schönen Gruß an die MOMA

  12. Pingback: Kostenlos! Kostet? « Spielzimmer meiner Gedanken

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