Es war nicht alles schlecht im Osten

Jetzt haben wir ja dank Leiharbeit endlich Aufschwung in Deutschland und nicht mehr soviele Arbeitslose, weil sich die Menschen endlich von der dussligen und verdächtig nach Kommunismus und RAF und Ostalgie klingenden Idee verabschiedet haben, dass man von einem Vollzeitjob auch anständig leben können sollte. Da kann ich ruhig mal wieder einen Weblogeintrag machen. Das eine hat zwar absolut nichts mit dem anderen zu tun, aber irgendwie muss ich den Beitrag ja einleiten, herrjeh!

Zum Schreiben bin ich aber schon wieder zu faul, darum gibts ganz viele Bilder und ganz wenig Text.

Das ist mein Lieblingsfriseur:

friseur.jpg

Ich hab mir dort (auf der Danziger übrigens) zwar noch nie die Haare schneiden lassen, aber ich freue mich jedesmal beim Vorüberfahren über den Namen und den Untertitel. „Ein Friseur“ – da weiß man gleich, das ist jemand, der schätzt seinen Status richtig ein, ohne sich, naja, klein zu machen – für den Namen kann er ja nichts – und ohne Angeberei. Üblich ist ja leider eher das wichigtuerische „DER Friseur“ oder das einschleimende „IHR Friseur“. Oder gar „der etwas andere Friseur“. Oder sie verzichten ganz auf so etwas zugunsten eines brechreizerregenden Wortspiels wie „Haareszeiten“. In keinem anderen Dienstleistungsbereich gibt es eine derartige Fülle von derart unterirdischen Geschäftsnamen. Sind Friseure in sprachlicher Hinsicht besonders geschmacklos? Haben die das als Unterrichtsfach in der Ausbildung? Ich weiß es nicht. Spiegel Online hat dem Phänomen mal eine ganze Serie gewidmet, im Rahmen des Zwiebelfischs war’s, glaub ich. Ich bin aber zu faul, jetzt nachzugucken, und eine Erklärung sind sie leider auch schuldig geblieben.

Mist, ich schreib ja schon wieder viel mehr, als ich wollte. Schnell das nächste Bild:

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Auf die Idee, das Klo in einem Hotelzimmer durch eine nicht richtig schließende Schiebetür und eine Milchglasscheibe abzutrennen, muss man erstmal kommen. Die soziale Kontrolle nimmt hier ganz neue Dimensionen an. Schlechte Karten für heimliche Stehpinkler und Onanisten. Im Zusammenhang mit dem nächsten, im selben Hotelzimmer aufgenommenen Foto ergibt das ganze freilich schon wieder einen gewissen und sehr beunruhigenden Sinn. Wer übrigens errät, wer dort (nur zu Demonstrationszwecken und mit anner Hose) auf der Toilette sitzt, für den lege ich am Jüngsten Tag beim Herrgott ein gutes Wort ein.

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Ein Ostfernseher mit Fernbedienung!!! Das es so etwas gab, war mir gar nicht bewusst! Als ich mein Erstaunen darüber zum Ausdruck brachte, wurde mir mitgeteilt, es habe sogar einen OSTVIDEORECORDER gegeben!!! Ja, Himmel, warum ist der Osten denn dann untergegangen? Wir hatten Fernbedienungen und Videorecorder, hätten wir der DDR nicht noch eine Chance geben sollen? Mehr wollten wir doch eigentlich gar nicht! Dann bräuchte man jetzt auch nicht mühselig die Stasi wieder einführen, sondern könnte sie einfach zur Version 2.0 (Trojaner statt Wanzen etc.) hochpimpen! Also echt mal!

Das folgende Bild ist so schön, dass mir gar nichts dazu einfällt:

klorollen.jpg

Das ist ein Zeltplatzklo in der Nähe von Ahrenshoop. Und das ist die Ostsee in der Nähe von Ahrenshoop:

ostsee.jpg

Sonnenuntergang, durch die zerkratzten Scheiben des Berliner Fernsehturms betrachtet:

sonnenuntergang_fernsehturm.jpg

… und zu Füßen des Fernsehturms:

sonnenuntergang_alex.jpg

(Volker Strübing)

PS: Ja, ich habe einen Flickr-Account.

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12 Kommentare zu “Es war nicht alles schlecht im Osten

  1. Mann, das sind ja Bilder! Ostfernseher mit Fernbedienung kannte ich auch nicht, meine Mutter hat immer ihre Kinder zum Umschalten gerufen, wenn sie nicht selber vom Sofa aufstehen wollte.

    Der Frisur und der Handhaltung nach tippe ich, daß Du da auf dem Klo sitzt (nein, ich kenn Dich nur vom Lesen und aus den Videos, nicht persönlich).

    Was die Friseurnamen angeht: Kneipen sind mindestens ebenso schlimm, wenn nicht noch schlimmer: Offenbar, Scheinbar, Reizbar, … Da ist die Schwulenbar an der Gethsemanekirche mit dem Namen „Stahlrohr“ schon fast wieder gut.

    (Über die Stasi mußte ich sehr lachen.)

  2. das bild von TVturm habsch ooch.. :)

    ach ich freue mich gerade so und finde das ganz tolle bilder und bei uns hats einen friseur der heisst Kashmire, Kreativität für ihr haar.. herrlich.. schöööön.. ach.. .früüühling.. hahaha

    oh übrigens hab ich am montag ein mädchen kennengelernt dass jemanden gut kennt der/Die dich gut kennt.. intressant die welt ist also doch ein kuhkaff.. ^^

  3. wirklich schöne fotos! am meisten hat es mir ja dieses glasziegel-klopapierrollen-bild angetan.

    der klositzer ist m.e. dan. oder?

  4. Warum legst du für den Errater statt für den Klositzer ein gutes Wort ein?
    Enttäuscht
    Der Klositzer

  5. Jupp – genau so einen Fernseher mit Fernbedienung hatten wir auch. Gekauft kurz bevor es zur Wiedervereinigung kam – für richtig viel Geld. Die Inflation war hoch in diesen Tagen…

    Grüße,
    U.

  6. Das letzte Foto ist mir ein sehr vertrauter Anblick: Über die fürchterliche Kreuzung an der Memhardtstraße fahre ich jeden Tag mit dem Fahrrad nach Hause. Ich hoffe sehr, dass die bald fertig sind. Denn mich beschleicht jedes Mal das finstere Gefühl mein Schicksal herauszufordern, wenn ich versuche, mich von dort bis in die Münzstraße geradeaus einzuordnen.

  7. PS: Heute wäre Karl Marx übrigens 189 Jahre alt geworden. (5.5.1818 – das merkt sich extrem gut, finde ich, und ich denke wiklich jedes Jahr dran)

  8. Ich schätze, der Klositzer ist Karl Valentin! Bzw. seine moderne Reinkarnation Dan. Auf jeden Fall tolle Bilder.
    Gruß

    michaE

  9. ja das ist ganz bestimmt Dan Richter, muss er sein. Ich mein der gedanke das dan und volker zusammen in einem völlig abgeranzten hotel übernachten, indem der eine gerade voller begeisterung den ostfernseher anmacht, während der andere ihn ebenfalls völlig begeistert vom scheißen aus zusieht und sowas sagt wie “ als wäre ich ein kind“ oder “ ist ja wie früher“, ist viel zu lustig als das es jemand anderes sein kann. wäre es beispielsweise Stephan Zeisig wäre es nur langweilig weil stephan aufm klo nur überlegen würde welche tiefenpsyschologischen auswirkungen es haben würde, wenn er ein solches klo zuhause hätte um besser tochter und frau zu kontrollieren.

    Also Dan IMMER WEITER SO und ich hoffe das es in zukunft auch noch „flutscht“

  10. Die Fernbedienung ist aber schön „jüngeren“ Jahrgangs … ältere Modelle der Ost-fernbedienung sehen noch etwas … ääähhhh … klobiger, schon fast ins kubische (ich glaub das trifft es) gehend, aus.

    Leider habe ich die Zeit dieser Fernbedienungen nie bewusst miterlebt … schade eigentlich.

  11. Pingback: Schnipsel vom 22.3.2008 « Schnipselfriedhof

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